Die Wieskirche - Chor und Hochaltar
1 Einleitung. 3
2 Die Wieskirche zu Steingaden 5
2. 1. Baugeschichte 5
2.1.1 Der Chor 6
2.1.2 Der Altar 7
2.1.2.1 Das Altarbild. 8
2.1.2.2 Die Skulpturen 9
2.1.2.3 Das Deckenfresko 12
3 Wallfahrtskirche Steinhausen 14
3. 1. Baugeschichte 14
3.1.1 Der Chor 15
3.1.2 Der Altar 16
3.1.2.1 Die Skulpturen 17
3.1.2.2 Das Chorfresko und seine Rahmung 19
4 Vergleich 20
5 Fazit. 23
6 Literaturverzeichnis 24
7 Abbildungsverzeichnis 25
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Die Wieskirche - Chor und Hochaltar
1 Einleitung
Barock- und Rokokoaltäre unterscheiden sich in verschiedener Art und Weise voneinander. Sind Barockaltäre häufig noch vor die Chorwand gestellt ohne mit dem Chor zu korrespondieren, so verbinden sich Altäre des Rokoko mit der Architektur und lassen kaum einen Unterschied erkennen, wo die Architektur des Chores aufhört und der Altar beginnt. Sie gelten als Gesamtkunstwerke indem sie Skulptur, Malerei und Architektur, aber auch das Licht, miteinander verbinden und von nur einem oder wenigen Künstlern konzipiert und verwirklicht worden sind. Aber nicht nur die Verbindung der einzelnen Elemente verbindet sie, sondern vor allem die verschiedenen Stilelemente.
Seine erste Hoch-Zeit hatte das Konzept des Gesamtkunstwerkes im Barock. Einer der wichtigsten Vertreter aus dem italienischen Barock ist Gianlorenzo Bernini. Ein Beispiel von ihm, das als Gesamtkunstwerk zu nennen ist, ist die „Verzückung der Heiligen Teresa von Avila“ in der Conaro-Kapelle in Santa Maria della Vittoria in Rom. Ein Werk, das unter seinen Zeitgenossen als Berninis Schönstes angesehen wurde 1 und von dem man sicherlich auch in Süddeutschland gehört hatte. Die folgende Arbeit behandelt das Thema der Hochaltäre im Spätbarock und Rokoko anhand zweier süddeutsche Hochaltäre, die aufgrund ihrer Ausführung dem einen oder dem anderen Stil zugeordnet werden können, obwohl sie innerhalb eines Zeitraumes von 15 Jahren entstanden sind. Als erstes Beispiel wird der Altar der Wieskirche in Steingaden, der zwischen 1745 und 1747 entstanden ist, angeführt. Der Altar der Wallfahrtskirche in Steinhausen von ca. 1732 dient dem Vergleich. Ferner stehen beide Altäre in Kirchen, die von Dominikus Zimmermann entworfen und gebaut worden sind. Die Gesamtkonzeption der Altäre ist ebenfalls auf ihn zurückzuführen, wenn auch die Ausführung bei anderen Künstlern lag. Die zu den Altären gehörenden Deckenfresken sind von seinem Bruder, Johann Baptist Zimmermann, gemalt worden. Infolge der stilistischen Einordnung gehört der Steinhausener Altar zum Spätbarock, während der Altar der Wieskirche dem Rokoko zuzuordnen ist. In der vorliegenden Ausarbeitung sollen nun die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Altäre näher betrachtet und eine mögliche Entwicklung aufgezeigt werden.
1 Johannsen, Rolf H.: 50 Klassiker. Skulpturen. Von der Antike bis zum 19. Jahrhundert. Hildesheim
2005. S. 174.
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Die Wieskirche - Chor und Hochaltar
Zunächst wird die Baugeschichte der Wieskirche betrachtet. Daraufhin werden einzelne Teilbereiche des Chores und des Altars näher beschrieben. Im Anschluss daran findet sich eine Beschreibung der Geschichte und der Struktur des Altars mitsamt dem Chor der Wallfahrtskirche zu Steinhausen. Zuletzt werden die beiden Hochaltäre im Verbund mit ihren Altarräumen verglichen.
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Die Wieskirche - Chor und Hochaltar
2 Die Wieskirche zu Steingaden
2. 1. Baugeschichte
Die Entstehungsgeschichte der Wieskirche ist eng verbunden mit einer Holzfigur des Gegeißelten Heilands aus dem Jahre 1730, welche für die Karfreitagsprozession von den Prämonstratensermönchen Magnus Straub und Lukas Schwaiger für ihr Kloster in Steingaden hergestellt wurde und die Wallfahrt auslöste. 2 Die Gemeinde jedoch empfand diese Figur als unwürdig für die öffentliche Darstellung vom leidenden Christus, so dass diese 1734 in den Besitz des ortsansässigen Gastwirts Jeremias Rehle kam. Eine Bäuerin aus der Gegend, Maria Lory, bat darum, diese Statue für ihre private Andacht nutzen zu dürfen, und erhielt sie 1738. Am 14.06.1738 soll schließlich das Wunder geschehen sein, durch das die Wallfahrt begann: Die Figur soll geweint haben.
Zwei Jahre nach dem Tränenwunder wurde eine kleine Feldkapelle aus Holz errichtet. Da diese für die immer größer werdende Wallfahrt bald nicht mehr ausreichte, legte Dominikus Zimmermann, welcher während der gesamten Bauzeit der Baumeister blieb, 1743 erste Entwürfe für den Neubau einer größeren Kirche aus Stein vor. Der damalige Bauherr Abt Hyazinth Gassner starb 1745 und war somit nur an der Planung der Kirche beteiligt. Sein Nachfolger im Amt des Prämonstratenserabtes von Steingaden wurde Marianus II. Mayer, unter welchem der Bau vollendet wurde.
Der Bau der Wieskirche wurde 1745 begonnen, während die Feldkapelle jedoch vorerst bestehen blieb. Die offizielle Grundsteinlegung fand am 10.07.1746 durch den Probst Herculan Karg von Dießen im Auftrag des bayerischen Kurfürsten Max Josef III. statt. Zunächst begann man mit dem Chor, da man sich nicht sicher war, wie lange die Wallfahrt anhalten würde und man sich zunächst die Kosten für einen größeren Kirchenbau sparen wollte. Das Bauglied wurde so konzipiert, dass es als in sich abgeschlossene Einheit alleine stehen konnte. Der Chorbau wurde 1746 überdacht und 1749, nach Fertigstellung der Innenausstattung, geweiht. Während des Baues des Chores stellte man jedoch fest, dass die Wallfahrt stetig wuchs und beschloss daher, einen Hauptraum anzugliedern. Dieser wurde 1754 durch den
2 Vgl. zu diesem Kapitel: Kirchmeir, Msgr. Georg; Hasenmüller, Margret: Die Wies.
Wallfahrtskirche zum gegeißelten Heiland. Lechbruck 1991.
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Die Wieskirche - Chor und Hochaltar
Augsburger Weihbischof Freiherr von Adelmann geweiht. Die Innenausstattung erfolgte in den Jahren bis 1759.
2.1.1 Der Chor
An einen elipsenförmigen Kirchenraum mit Umgang schließt sich im Osten ein tonnengewölbter Umgangschor an. Dieser ist rechteckig, schließt apsidial und war ursprünglich als selbstständiger Raum konzipiert. Am Binnenchorschluss gehen die Grenzen von Architektur und Altar ineinander über. Im Grundriss sind die nahe beisammen stehenden Altarstützen eingezeichnet.
Der Aufriss lässt sich in zwei horizontale Ebenen gliedern. Die untere Ebene besteht aus drei Arkaden mit einem dahinter liegenden Umgang, wobei nur die mittlere Arkade als Durchgang fungiert. Die beiden äußeren sind durch eine kleine Mauer mit darauf liegenden ornamentalen Gittern nur optisch geöffnet. In der oberen Ebene finden sich ebenfalls drei Arkaden, die den Binnenchor von einer Empore trennen, welche durch eine Balustrade begrenzt wird. Oberhalb der Arkaden befinden sich kartuschenartige Durchbrüche die in die freskierte Deckenzone überführen. Hugo Schnell bezeichnet diese Komposition als „Halbkreisbogen[, welcher] unten durch einen verbindenden, hängenden Zierbogen geschlossen [wird,] der schwingenden Festgirlanden gleicht.“ 3 Die Bögen der unteren, als auch der oberen Arkaden sind reich mit, zum Teil vergoldetem, Stuck verziert. Zwischen den Bögen der unteren Arkaden befinden sich Rocaille-Ornamente. Ebenso wie die Bögen der Arkaden ist die Balustrade - die von blauen Stuckmarmorsäulen des Emporengeschosses unterbrochen wird und von je einer roten Stuckmarmorsäule im Osten und im Westen begrenzt wird - reich mit weiß-goldenen Stuckarbeiten versehen. Die oberen Arkaden ermöglichen Einblick auf die Empore, die durch große geschwungene, den Arkaden entsprechenden, Fenster beleuchtet wird. Das Licht wird durch die Arkaden und die durchbrochenen Rocaille-Kartuschen in den Chorraum geleitet und gebrochen, so dass bestimmte Altarbereiche mehr, bzw. weniger beleuchtet werden und ein eher weiches Licht auf den Altar fällt. Die umlaufende Empore wird im Norden mit der Kanzel und im Süden mit der Abtsempore abgeschlossen. Durch Strebebögen sind die Säulen der oberen Arkaden mit den an
3 Schnell, Hugo: Die Wies. Ihr Baumeister Dominikus Zimmermann. Leben und Werk. München
1979. S. 75.
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Die Wieskirche - Chor und Hochaltar
der äußeren Wand befindlichen Pilastern verbunden, die in ihrer Fassung aus blauem Stuckmarmor mit den Säulen korrespondieren. Oberhalb der Strebebögen befinden sich Okuli, welche, sich im Emporenumgang an der Decke befindliche, Fresken in runden Kartuschen immer zu Teilen verdecken, so dass sie von der unteren Ebene aus nie ganz ansichtig sind.
2.1.2 Der Altar
Der Altar, der in die Architektur integriert ist, nimmt die ganze Stirnseite des Chores ein und besteht aus mehreren Teilen: Über der Mensa und dem Antependium befindet sich die Predella in Form einer geschwungenen, konturierten Zone in einer Art Urnenform, welche die bereits erwähnte Statue des Gegeißelten Heilands in sich aufnimmt. Darüber ist das Altarbild, welches neben der Heiligen Familie mehrere biblische Figuren zeigt, zu sehen. Flankiert werden diese beiden Hauptteile durch Säulen bzw. Halbsäulen und einem Skulpturenprogramm, welches aus Evangelisten, Propheten und Putti besteht.
Auf zwei übereinander stehenden, im Dekor unterschiedlichen Postamenten, die bis zum Emporengeschoss reichen, stehen rote Stuckmarmorsäulen. Während die äußersten Säulen architektonisch zur Emporenarkade gehören, vermitteln die Inneren zwischen dem Chor als Raum und dem Altar. Über den vergoldeten Kapitellen tragen sie auf einem Aufbau einen Engel mit vergoldeten Flügeln. Zwischen den Säulen befinden sich auf Konsolen stehend, auf der Höhe der Balustrade, die vier Evangelisten aus weißem Stuckmarmor. Die Evangelisten leiten zu zwei weiteren Figuren, bei denen es sich um zwei Propheten handelt und die sich optisch gesehen auf gleicher Ebene befinden, zu dem Altarbild über, welches von einem goldenen kartuschenförmigen Rahmen umgeben ist. Diese Form wiederholt sich im unteren Teil. Die urnenförmige Architektur steht auf einem Podest und wird durch Halbsäulen und Voluten strukturiert. Zwischen den Halbsäulen, die auch hier aus rot-marmoriertem Stuck bestehen, ermöglicht ein ebenso goldener Rahmen Einblick in eine Nische, in der die Christusskulptur steht. Der Kuppelaufsatz oberhalb der Nische dient zugleich als Podest für die vergoldete Figur eines Pelikans mit seinen drei Jungen, welcher in der gleichen Achse mit der Skulptur steht. Abgeschlossen wird der Altar durch ein silbernes Lamm, welches sich ebenfalls auf der gleichen Achse befindet wie Christus und der Pelikan. Das Lamm steht in einem
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Die Wieskirche - Chor und Hochaltar
Okulus innerhalb eines blauen Baldachins, der sowohl zum Gewölbe als auch zu den Seiten überleitet.
Der Auszug befindet sich in gleicher Achse mit der Mensa welches wie ein Ziborium wirkt, welches man am ehesten aus Italien kennt. Ein Baldachin ist oberhalb der Mensa befestigt und lässt rechts und links blau-goldene Stoffbahnen aus Stuckmarmor über Säulen geschwungen herabhängen. Zwischen den Vorhängen befindet sich ein Okulus in dem ein silbernes Lamm steht. Der Baldachin selbst leitet in das Deckenfresko über, welches dadurch als ein Teil des Altars wirkt. Ferner zählen zu den Besonderheiten des Hochaltars in der Wieskirche, dass sich das Altarbild nicht auf der gleichen Ebene befindet, wie die restlichen Elemente. Es befindet sich an der Wand der Emporenapsis und ist somit räumlich zurückgesetzt. Ein Emporenaltar, welcher vom Chorraum aus nicht sichtbar ist, ist ihm vorgelagert.
2.1.2.1 Das Altarbild
Das Altarretabel in Öl wurde 1753/54 von Balthasar Augustin Albrecht, einem Münchener Hofmaler, gemalt. Es ist das einzige Werk in der gesamten Kirche, das nicht vor Ort entstand, sondern im Atelier des Künstlers. Dies kann man am Werk selbst erkennen, da die Farben viel dunkler und intensiver erscheinen als alle anderen im gesamten Kirchenraum.
Es zeigt Jesus im Kreis seiner Familie und anderer wichtiger Figuren seines Lebens, die im Zusammenhang mit seiner Kindheit und der Kreuzigung stehen, vor dem Grab Davids. Dies soll die Herkunft Christi vom Geschlecht Davids symbolisieren. 4 Das Jesuskind befindet sich im Zentrum des Bildes. Die anderen Personen sind versetzt in einem Halbkreis um ihn, vor dem Grabmal Davids, angeordnet. Mit seinen wie zu einem Kreuz ausgebreiteten Armen steht es auf dem Schoß der sitzenden Maria, die sich vom Zentrum etwas nach rechts dreht. Jesus blickt zu Josef, der rechts von ihm steht und ihm die Hand küsst und hält seinen linken Arm angewinkelt nach oben. Maria blickt zu dem Knaben Johannes, der mit einem Lamm im Arm von seiner Mutter Elisabeth gestützt vor Maria und Jesus steht. Sowohl das Lamm als auch Johannes blicken zu Jesus. Hinter der auf Stufen knienden Elisabeth steht ein Engel, der Früchte auf einem Tablett anreicht. Auf der rechten Bildseite hinter diesem
4 Vgl. Bauer-Wild, Anna: Das Bildprogramm der Wallfahrtskirche. In: Petzet, Prof. Dr. Michael
(Hrsg.): Die Wies. Geschichte und Restaurierung. München 1992. S. 56.
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M. A. Angela Ott, 2005, Die Wieskirche - Chor und Hochaltar, München, GRIN Verlag GmbH
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