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Amerikanischer Unilateralismus gegen europäisches Aufbegehren - Die Krise der NATO zu Beginn des 21.Jahrhunderts

Title: Amerikanischer Unilateralismus gegen europäisches Aufbegehren - Die Krise der NATO zu Beginn des 21.Jahrhunderts

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 24 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Magister Artium Haiko Prengel (Author)

Politics - Topic: International Organisations
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Summary Excerpt Details

Der im März 2003 begonnene Feldzug gegen Saddam Hussein und sein Regime im Irak ist Höhepunkt und Eskalation eines monatelangen politischen Ringens um eine friedliche Lösung des Konflikts. Diplomatie und Dialog in den internationalen Organisationen UN und NATO sind gescheitert. Der Angriffskrieg der USA mit ihren Verbündeten ohne legitimierendes Mandat der Vereinten Nationen ist eine Missachtung der UN-Charta und damit völkerrechtswidrig. Eine nachhaltige Schädigung und Demontage der Weltorganisation ist zu erwarten. Bereits im Kosovo-Krieg 1999 war gegen internationales Recht verstoßen worden; damals intervenierte die NATO unter Führung der USA ebenfalls ohne UN-Mandat und rang das jugoslawische Regime unter Milosevic nieder.


Im Kosovo wie heute im Irak wurde internationales Recht vor dem Hintergrund nationaler Interessen und Überzeugungen gebrochen. Tatsächlich spiegeln die Machtverhältnisse im UN-Sicherheitsrat die politischen Konstellationen der 1940er Jahre wieder. Ständig - gerade während des Kalten Krieges - mussten die westlichen Staaten mit einem russischen und/oder chinesischen Veto aus machtpolitischen und Prestigegründen rechnen. Somit konnten - aus westlicher Sicht - selbst zweifelsfrei notwendige und moralisch ‚edle′ Interventionen zur Vermeidung von Völkermord wie im Kosovo im UN-Sicherheitsrat durch ein Veto blockiert werden. Dissens und Blockade sowie die Spaltung in zwei politische Lager haben im UN-Sicherheitsrat also durchaus Tradition. Der aktuelle Irak-Konflikt stellt in vielerlei Hinsicht jedoch ein Novum dar: Zum ersten Mal in der Geschichte geht der Riss durch das Lager der westlichen Staaten selbst, und dies gleich auf mehreren Ebenen, nämlich neben dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auch noch in der NATO und der Europäischen Union. Auf der einen Seite stehen im konkreten Fall des Irak-Konflikts, vereinfacht ausgedrückt, die "Kriegsbefürworter" USA, Großbritannien mit einigen Verbündeten, auf der anderen Seite die "Kriegsgegner" Frankreich, Deutschland mit ihren Verbündeten. Insbesondere der markante Riss in der NATO ist einmalig in der 53jährigen Geschichte des Bündnisses. Auslöser war das Veto im Februar 2003 von Belgien, Frankreich und Deutschland gegen eine von der Türkei geforderte Beratung und Planung hinsichtlich ihres Schutzes durch die NATO (Artikel 4 des Washingtoner Vertrags) vor einem potenziellen irakischen Raketenangriffs in Folge eines US-Angriffs gegen Saddam Hussein.




Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Irak-Konflikt als Sprengsatz in UNO, NATO und EU

1.2 Strategiewechsel und weltpolitische Zäsur in Folge 11.September 2001

1.3 Regionale Integrationstheorien als Erklärungshilfe

2. Hauptteil: Regionale Integration in der NATO

2.1 Transaktionalismus: Sicherheits- statt Wirtschaftsgemeinschaft

2.1.1 Wunsch nach Frieden als Initiator regionaler Integration

2.1.2 Sense of Community und Way of Life – Die NATO als Wertegemeinschaft

2.1.3 Zwischenfazit

2.2 Intergouvernementalismus – Primat der Nationalstaaten

2.2.1 Interessen – statt Wertekompatibilität

2.2.2 Interessenvertretung in der NATO

2.2.3 Amerikanischer Strategiewandel und europäisches Aufbegehren

3. Zusammenfassung

4. Literaturangaben

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die tiefe Krise des NATO-Bündnisses zu Beginn des 21. Jahrhunderts vor dem Hintergrund des amerikanischen Unilateralismus und des europäischen Aufbegehrens. Ziel ist es, die Ursachen für die Spaltung der Allianz unter Anwendung der Integrationstheorien des Transaktionalismus und Intergouvernementalismus theoretisch fundiert zu analysieren und zu erklären.

  • Analyse der NATO als Sicherheits- und Wertegemeinschaft
  • Untersuchung des amerikanischen Strategiewandels nach dem 11. September 2001
  • Gegenüberstellung von Transaktionalismus und Intergouvernementalismus
  • Bewertung der Interessenkompatibilität zwischen den NATO-Mitgliedstaaten
  • Diskussion über die Zukunftsperspektiven des transatlantischen Bündnisses

Auszug aus dem Buch

2.1.2 Sense of Community und Way of Life – Die NATO als Wertegemeinschaft

Eine zweite, grundlegende Annahme des Transaktionalismus für das Zustandekommen einer stabilen Sicherheitsgemeinschaft ist ein gemeinsames Maß an gleichen Werten („compatibility of main values“, Deutsch 1957, S.127). Im Fall der NATO ist dieses gemeinsame Set an Werten nicht nur grenzüberschreitend innerhalb eines Territoriums, sondern sogar transatlantisch übergreifend. Ein geteiltes „set of values“ setzt eine Art Schneeballprozess in Gang, der letztendlich in einer fest amalgamierten Sicherheitsgemeinschaft mit „dependable exspectations of peaceful change“ münden kann (Adler/Barnett 1998, S.38). Der Prozess selbst ist allerdings geprägt von einer Reihe von Entwicklungsstufen (Tier 1-3, siehe Adler/Barnett), die spill-over-Effekte in verschiedenen Bereichen voraussetzen. Im Bereich der gesellschaftlichen Werte und der sozialen Verbundenheit sind jenes Werte-Set und ein zumindest ähnlicher way of life die Grundvoraussetzungen für die Bildung eines sense of community.

In der Praxis war die NATO nie die homogene Gruppe von Staaten; Streitigkeiten untereinander waren die Regel. Vielmehr war die Allianz eine Partnerschaft ungleicher Staaten (Duignan 2000, S.29), bezogen nicht nur auf eine ungleiche Verteilung individueller Beiträge (militärisch, finanziell usw.), sondern auch im Hinblick auf strategische Fragen der Gemeinschaft. Weitgehende Einigkeit herrschte über Jahrzehnte allerdings in fundamentalen Fragen hinsichtlich der geteilten Werte und des propagierten common way of life: Achtung des Völkerrechts der Vereinten Nationen, Demokratie, freie Marktwirtschaft usw. Im Zweifelsfall raufte man sich immer wieder zusammen, um die Einheit der westlichen Demokratien nicht substanziell zu gefährden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Beleuchtet den Irak-Konflikt als Auslöser für die tiefe Spaltung innerhalb der NATO und der transatlantischen Beziehungen.

1.1 Irak-Konflikt als Sprengsatz in UNO, NATO und EU: Analysiert den Irak-Konflikt als Novum, da der Dissens erstmals direkt durch das Lager der westlichen Staaten selbst geht.

1.2 Strategiewechsel und weltpolitische Zäsur in Folge 11.September 2001: Erläutert die Auswirkungen der Anschläge vom 11. September auf den amerikanischen Strategiewandel hin zu mehr Unilateralismus.

1.3 Regionale Integrationstheorien als Erklärungshilfe: Führt die Theorien des Transaktionalismus und Intergouvernementalismus zur wissenschaftlichen Analyse der NATO ein.

2. Hauptteil: Regionale Integration in der NATO: Wendet die eingeführten Theorien praktisch auf das aktuelle Bündnisgeschehen an.

2.1 Transaktionalismus: Sicherheits- statt Wirtschaftsgemeinschaft: Untersucht die NATO als Sicherheitsgemeinschaft und die Bedeutung eines gemeinsamen Wertefundaments.

2.1.1 Wunsch nach Frieden als Initiator regionaler Integration: Diskutiert, ob der Wunsch nach dauerhaftem Frieden als zentraler Integrationsfaktor der NATO noch ausreicht.

2.1.2 Sense of Community und Way of Life – Die NATO als Wertegemeinschaft: Analysiert die Rolle geteilter Werte und eines gemeinsamen way of life für den Zusammenhalt der Allianz.

2.1.3 Zwischenfazit: Fasst die Erkenntnisse der transaktionalistischen Perspektive zusammen.

2.2 Intergouvernementalismus – Primat der Nationalstaaten: Analysiert die NATO aus der Perspektive des Intergouvernementalismus, der nationale Interessen in den Vordergrund stellt.

2.2.1 Interessen – statt Wertekompatibilität: Erklärt, warum materielle und nationale Interessen oft schwerer wiegen als bloße Wertegemeinsamkeiten.

2.2.2 Interessenvertretung in der NATO: Untersucht historische und aktuelle Beispiele für Interessenkonflikte innerhalb des Bündnisses.

2.2.3 Amerikanischer Strategiewandel und europäisches Aufbegehren: Setzt die aktuelle Krise in den Kontext des amerikanischen Strategiewandels nach 2001.

3. Zusammenfassung: Fasst die theoretischen Ergebnisse zusammen und bewertet die Zukunftsaussichten des Bündnisses kritisch.

4. Literaturangaben: Listet die verwendeten Quellen der Arbeit auf.

Schlüsselwörter

NATO, transatlantische Beziehungen, Irak-Konflikt, Transaktionalismus, Intergouvernementalismus, Unilateralismus, Sicherheitsgemeinschaft, Wertegemeinschaft, Interessenkompatibilität, 11. September 2001, Bush-Doktrin, Außenpolitik, Integrationstheorie, Koalitionen der Willigen, Sicherheitsbedürfnis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Ursachen der aktuellen Krise innerhalb der NATO zu Beginn des 21. Jahrhunderts, insbesondere das Zerwürfnis zwischen den USA und wichtigen europäischen Partnern infolge des Irak-Konflikts.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der amerikanische Strategiewandel nach den Anschlägen vom 11. September 2001, die Analyse von regionaler Integration in Verteidigungsbündnissen und die Rolle nationaler Interessen versus gemeinsamer Werte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Spaltung der NATO mithilfe der politikwissenschaftlichen Theorien des Transaktionalismus und Intergouvernementalismus zu erklären, um zu verstehen, warum das multilaterale Konsensverfahren des Bündnisses an seine Grenzen gestoßen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen theoretisch-analytischen Ansatz, bei dem bestehende Integrationstheorien als Analysewerkzeuge auf den empirischen Fall der NATO-Krise angewendet werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil wird die NATO zunächst transaktionalistisch als Sicherheits- und Wertegemeinschaft untersucht. Anschließend folgt eine intergouvernementalistische Analyse, die das Primat der Nationalstaaten und deren Interessenkalküle in den Mittelpunkt stellt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Schlüsselwörtern gehören NATO, Transaktionalismus, Intergouvernementalismus, Unilateralismus, transatlantische Beziehungen, Interessenkompatibilität und Sicherheitsgemeinschaft.

Wie bewertet der Autor den aktuellen Zustand der transatlantischen Beziehungen?

Der Autor sieht die Beziehungen auf einem Tiefpunkt und warnt, dass bei fortgesetztem Unilateralismus der USA und fehlender Kompromissbereitschaft auf europäischer Seite ein dauerhafter Zerfall der NATO möglich ist.

Warum spielt der „11. September“ eine so entscheidende Rolle in der Analyse?

Das Datum markiert eine weltpolitische Zäsur, die zu einem fundamentalen amerikanischen Strategiewandel hin zu präventiven Militärschlägen führte, was die Diskrepanz zwischen US-amerikanischen Sicherheitsbedürfnissen und europäischen Positionen massiv verschärfte.

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Details

Title
Amerikanischer Unilateralismus gegen europäisches Aufbegehren - Die Krise der NATO zu Beginn des 21.Jahrhunderts
College
Humboldt-University of Berlin  (Politikwissenschaften)
Course
Hauptseminar: Regionale Integration im Vergleich
Grade
1,7
Author
Magister Artium Haiko Prengel (Author)
Publication Year
2002
Pages
24
Catalog Number
V17737
ISBN (eBook)
9783638222310
ISBN (Book)
9783638796675
Language
German
Tags
Amerikanischer Unilateralismus Aufbegehren Krise NATO Beginn Jahrhunderts Hauptseminar Regionale Integration Vergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magister Artium Haiko Prengel (Author), 2002, Amerikanischer Unilateralismus gegen europäisches Aufbegehren - Die Krise der NATO zu Beginn des 21.Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17737
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