Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die modifizierte Modernisierungstheorie nach Charles Boix 4
2.1 Theoretische Erklärungsansätze für die Entstehung von Demokratien 4
2.2 Boixs Demokratieverständnis und die Entstehung von Demokratien 5
2.3 Die modifizierte Modernisierungstheorie und die Entstehung von politischer Gewalt 8
3. Die ökonomischen Voraussetzungen Libyens 10
3.1 Die ökonomische Basis Libyens 11
3.2 Die Ungleichverteilung des Kapitals innerhalb der lybischen Bevölkerung 12
4. Die Repressionskosten der libyschen Machthaber 14
5. Zusammenfassung 15
Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
Am 17. Dezember 2010 kam es zur Selbstverbrennung des 26 jährigen tunesischen Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi in Sidi Bouzid, einer etwa 250 Kilometer südlich von Tunis gelegenen Stadt. Grund für diese Tat war die Unzufriedenheit sowie Perspektivlosigkeit des jungen Tunesiers. Binnen weniger Tage verbreitete sich die Nachricht über die Selbstverbrennung im gesamten arabischen Raum, sodass es in anderen arabischen Staaten zu Nachahmungstaten kam (vgl. Fahim 2011). So versuchte sich beispielsweise am 17. Januar 2011 der Ägypter Abdouh Abdel Moneim vor dem ägyptischen Parlamentsgebäude anzuzünden, woran er jedoch gehindert werden konnte (vgl. sueddeutsche.de 2011). In der Folgezeit gingen tausende arabische Menschen auf die Straßen der Großstädte, unter anderem in Tunesien, Ägypten, Jordanien, Libyen, Bahrain, Syrien sowie im Jemen, um in Massendemonstrationen ihren Unmut über die weitverbreitete Armut und Korruption auszudrücken. Anfänglich wurden diese
Demonstrationen von der arabischen Jugend angetrieben, welche − vor allem in Tunesien − trotz eines Universitätsabschlusses kaum Aussicht auf eine berufliche Karriere als Akademiker hatte. Den Protesten schlossen sich in den folgenden Tagen immer mehr Menschen an, sodass der Druck für die autoritären Machthaber der Region anstieg. Die Folge dieser Proteste in Tunesien war, dass am 14. Januar 2011 der Präsident Zine al-Abidine Ben Ali gestürzt wurde und ins Exil floh (vgl. von Rohr 2011: 92). Ermutigt von diesen Ereignissen in Tunesien, demonstrierten tausende Ägypter auf dem Kairoer Tahrir-Platz gegen das Regime von Husni Mubarak, der sich anfänglich weigerte, sein Amt als Präsident aufzugeben. Nachdem sich jedoch immer mehr Militärangehörige den Protesten anschlossen, schwand die Machtbasis Mubaraks zunehmend, sodass auch er am 25. Januar 2011 ins Exil floh (vgl. Zand 2011: 83). Bemerkenswerterweise verliefen sowohl die Proteste in Tunesien, als auch die Demonstrationen in Ägypten weitestgehend unblutig. Zwar gab es Verletzte, die Zahl derer blieb jedoch verhältnismäßig gering. Ein entscheidender Faktor für die „Friedfertigkeit“ der Revolutionen war vermutlich, dass sich bereits früh das Militär weigerte, entschlossen gegen Demonstranten vorzugehen. Dass es allerdings auch zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommen kann, zeigt das Fallbeispiel Libyen. Bereits früh ging Machthaber Muammar al-Gaddafi mit Hilfe des Militärs und, laut Medienberichten, afrikanischer Söldnertruppen gegen die libyschen Aufständischen vor, welche vor allem in der östlich gelegenen Stadt Bengasi an Rückhalt in der Bevölkerung gewinnen konnten. Zwar verbuchten die Aufständischen anfangs einige Erfolge, so konnten sie zum Beispiel die Polizei und das Militär aus Bengasi vertreiben.
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Nach wenigen Tagen rückten jedoch Gaddafis Panzer- und Truppenverbände bis nach Bengasi vor, sodass weltweit befürchtet wurde, dass der Aufstand blutig niedergeschlagen werden könnte. Da die Truppen kurz vor der Rebellenhochburg Bengasi standen und sich blutige Rachefeldzüge gegen die Aufständischen anbahnten, wurde ein Eingreifen der internationalen Gemeinschaft unumgänglich.
Doch warum eskalierte ausgerechnet in Libyen die Situation derart, dass das Land von einem sich anbahnenden Bürgerkrieg erschüttert wurde? Diese Fragestellung soll mit Hilfe der modifizierten Modernisierungstheorie nach Charles Boix (2006, 2007) beantwortet werden. Hierzu wird zunächst im anschließenden Kapitel Zwei die Theorie nach Boix (2006, 2007) näher erläutert. Hierbei soll der Fokus auf den ökonomischen Bedingungen liegen, welche eine Transition hin zur Demokratie begünstigen. Im Anschluss daran wird anhand dieser ökonomischen Faktoren erläutert, wie Gewalt und Bürgerkriege entstehen können. Im folgenden Kapitel Drei soll auf die ökonomischen Gegebenheiten sowie die Ungleichverteilung der Ressourcen in Libyen eingegangen werden, um anhand der Theorie Rückschlüsse auf den Ausbruch des Aufstandes zu ziehen. Das daran anschließende vierte Kapitel thematisiert die möglichen Repressionskosten, vor welchen das Regime Muammar al-Gaddafis steht. Abschließend werden im Kapitel Fünf die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst.
2. Die modifizierte Modernisierungstheorie nach Charles Boix
2.1 Theoretische Erklärungsansätze für die Entstehung von Demokratien
Mit der sogenannten modifizierten Modernisierungstheorie versucht Boix (2006) eine allgemeine Erklärung für die Entstehung und Stabilität von Demokratien zu finden. Dabei grenzt er sich jedoch klar von der idealistischen und realistischen Schule ab, wobei seine „neue“ Theorie an die, der Realisten anknüpft.
Laut idealistischer Theorie entstehen Demokratien aufgrund des Strebens und der Sehnsucht der Menschen nach demokratischen und freien Verhältnissen (vgl. Boix 2006: 1 f.). Um diese Hypothese zu stützen, behaupten die Idealisten, dass die Zahl der Demokratien stetig zugenommen habe. So existierten im Jahre 2000 etwa 100 Demokratien, was doppelt so wäre, wie im Jahr 1989 und etwa das Dreifache im Vergleich zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Vernachlässigt wird bei dieser Rechnung jedoch, dass sich ebenfalls die Gesamtzahl der Staaten auf der Welt erhöhte. Wird die Anzahl der Demokratien in Relation zur Gesamtzahl der Staaten gesetzt, so ergibt sich, dass im Jahr
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2000 etwa 50 Prozent aller Staaten demokratisch waren. Im Vergleich zu 1920 oder 1955 zeigt sich allerdings, dass sich das Verhältnis kaum verändert hat. Aus diesem Grund wird die idealistische Theorie von Boix (2006) als nicht zutreffend angesehen (vgl. Boix 2006: 2).
Im Gegensatz dazu versucht die realistische Schule die Entstehung von Demokratien anhand von ökonomischen Faktoren zu erklären. Laut dieser Theorie steigt die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Transition hin zur Demokratie, wenn der Wohlstand - gemessen am Prokopfeinkommen (GDP PPP) - ansteigt. Je höher dieser Wohlstand ausfällt, umso wahrscheinlicher wird eine Demokratisierung. Problematisch an dieser realistischen Theorie bleibt jedoch, dass erdölreiche Staaten wie Saudi Arabien zwar ein hohes GDP PPP erwirtschaften - 2010 betrug das GDP PPP 24.200 US Dollar (vgl. The CIA 2011) -, dennoch keine demokratischen Institutionen entwickeln. Darüber hinaus gilt Indien beispielsweise als eher arm - 2010 betrug das GDP PPP 3.400 US Dollar (vgl. The CIA 2011) -, trotzdem entwickelte sich Indien nach der Unabhängigkeit im Jahre 1947 zur Demokratie. Anhand dieser Beispiele wurde deutlich, dass auch die realistische Schule keine allgemeingültige Theorie zur Erklärung von Demokratieentwicklungen liefern konnte. Trotzdem knüpft Boix (2006) an diesen ökonomischen Ansatz an und modifiziert ihn. Bevor jedoch auf die wichtigsten Inhalte der modifizierten Modernisierungstheorie näher eingegangen wird, soll zunächst verdeutlicht werden, was Boix (2006) unter einer Demokratie versteht.
2.2 Boixs Demokratieverständnis und die Entstehung von Demokratien Im Allgemeinen handelt es sich bei einer Demokratie um einen
Entscheidungsmechanismus, bei welchem vor einer Wahl das Ergebnis nicht vorhersehbar ist. Somit steht der Gewinner der Wahl im Vorfeld nicht fest. Nachdem die Wahl jedoch durchgeführt wurde, müssen die Verlierer zunächst all ihre Machtansprüche aufgeben und den Sieger akzeptieren, der nun ebenfalls über die Verlierer regiert. In einer solchen Situation bleibt den Verlierern nur die Möglichkeit, auf die nächsten Wahlen zu warten, um sich erneut dem politischen Wettbewerb zu stellen. Bei erneuten Wahlen besteht erneut die Chance, dass die einstigen Verlierer die Regierungsgeschäfte übernehmen können. Während der laufenden Legislaturperiode haben die Verlierer - beziehungsweise hat die Minderheit - allerdings die Möglichkeit, den Gewinner - oder auch die Mehrheit - zu kontrollieren und zur Rechenschaft zu ziehen. Somit sind für Boix (2006) Wahlen das ausschlaggebende Kriterium für eine Demokratie. Problematisch hieran ist jedoch, dass
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Arbeit zitieren:
Mathias Kunz, 2011, Revolutionäre Umbrüche und Gewalt erklärt anhand der modifizierten Modernisierungstheorie - Das Fallbeispiel Libyen, München, GRIN Verlag GmbH
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