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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Der textkritische Befund 4
2.1 Textkritischer Apparat 4
2.2 Diskussion der verschiedenen Übersetzungen 6
2.3 Eigene Übersetzung 8
3 Synchrone Untersuchung des Textes 9
3.1 Kontextabgrenzung und Einordnung 9
3.2 Segmentierung und Analyse der Story 9
3.2.1 Rekonstruktion der Ereignisfolge 10
3.2.2 Aktantengerüst 12
3.3 Sprachliche Analyse 12
3.3.1 Wortschatz 12
3.3.2 Wortarten und Wortformen 13
3.4 Syntaktische Analyse 13
3.4.1 Verknüpfung von Wörtern und Sätzen 13
3.4.2 Stilmerkmale 14
3.5 Semantische Analye 14
3.6 Pragmatische Analyse 15
3.6.1 Standort des Autors 15
3.6.2 Leserprofil 16
3.6.3 Intention 16
4 Diachrone Untersuchung des Textes 17
4.1 Literarkritik 17
4.2 Traditionskritik 17
4.3 Redaktionskritik 18
4.4 Literarische Abhängigkeiten 18
4.4.1 Synoptischer Vergleich 19
4.4.2 Alttestamentliche Zitate 19
4.5 Formale Abhängigkeiten 19
4.5.1 Form- und Gattungskritik 19
4.5.2 Motivkritik 20
4.5.3 Sitz im Leben 21
5 Fazit 22
6 Quellen- und Literaturverzeichnis 23
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1 Einleitung
Nach Ernst Troeltsch vollzog sich in Deutschland ein Prozess im Zeitraum von fünfzig Jahren, bis es zu einer offenen Debatte über die Problematik historisch-kritischer Hermeneutik kam. Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts kamen zunächst Persönlichkeiten wie Ferdinand Hahn, Martin Hengel und Peter Stuhlmacher kritisch zu Wort. 1 Im Laufe der Debatte stellten sich vor allem folgende Anfragen an die Exegese: Oft erachtete man die distanzierte Herangehensweise an Bibeltexte als „atomistisch und zersetzend“ 2 . Gerade im pa-storalen Kontext führte dies zu Unsicherheiten im Umgang mit biblischer Literatur. Das Ziel, dem Leser durch die biblische Lektüre die Reich-Gottes-Botschaft zu vermitteln, schien das Gegenteil zu erreichen, da man mit der sehr wissenschaftlich und akademischen kritisch-historischen Methode wenig in einer christlichen Gemeinschaft erreichen konnte. Der lebenspraktische Wert schien irrelevant zu werden.
In heutiger Situation ist dennoch eine Art Apologie der historisch-kritischen Methode zu beobachten, die sich auf folgende Argumente stützt: Sie bietet Raum für eine pluralistische Argumentation biblischer Texte, kontrolliert durch historische Belege und vermeidet eine zu individualistische Auslegung durch Abwägung von Argumenten und Gegenargumenten. 3
Auch diese Hausarbeit bedient sich historisch-kritischer Methoden zur Erschließung einer lukanischen Parabel, die jedermann bekannt sein sollte: Das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Dabei wird eingrenzend der zweite Teil des Gleichnisses untersucht. Hier gilt es, nach einer ausführlichen Darstellung des textkritischen Apparates die Verfassung einer eigenen Übersetzung zu versuchen, sowie unter synchronen und diachronen Untersuchungen die Eigenarten des Textes herauszuarbeiten.
Beim ersten Lesen von Lk 15,25-32 stellen sich bereits mehrere Fragen: Unterstellt der ältere Sohn seinem Bruder, dass dieser sein Erbe mit Dirnen durchgebracht hat oder woher wusste er dies (Vers 30)? Er ist zornig, obwohl er nichts von der Bekehrungsabsicht des Jüngeren weiß. Weiter ist unklar, warum der Vater zum Älteren seiner Söhne sagt: „Alles meinige ist dein.“, doch dieser ihn um ein Böcklein bitten muss, bevor er es bekommt. Drittens ist unschlüssig, woher der Vater weiß, dass sein älterer Sohn draußen steht, obwohl man nichts davon erfährt, dass der Sklave ihm Bescheid gesagt hat. Diese Ansätze führen womöglich schon zu diachroner Untersuchung und sollen im Laufe der Arbeit geklärt werden.
1 Vgl. NEUDORFER, HEINZ-WERNER/SCHNABEL, ECKHARD J.: Die Interpretation des Neuen Testa-
ments. In: NEUDORFER, HEINZ-WERNER/SCHNABEL, ECKHARD J. (Hgg.): Das Studium des Neuen
Testaments. Wuppertal 2006, 19.
2 NEUDORFER/SCHNABEL: Interpretation (Anm. 1), 23.
3 Vgl. NEUDORFER/SCHNABEL: Interpretation (Anm. 1), 24.
4
2 Der textkritische Befund
Zunächst wird der textkritische Befund vorgestellt, den das Novum Testamentum Graece 4 zusammen getragen hat. Ebenso werden ausgewählte deutsche Übersetzungen miteinander verglichen, bevor eine eigene Arbeitsübersetzung vorgeschlagen und begründet wird.
2.1 Textkritischer Apparat
Die Rekonstruktion von Lk 15,25-32 bei Nestle-Aland ist bisher die Version, die der Urversion am nächsten kommt. Dennoch gibt es einige Textvarianten, die erwähnt werden müssen, da sie Diskussionsstoff liefern.
Vers 25 bietet eine Variante zur Textversion, die allerdings nur in der Majuskel D vorgefunden wurde. Hier steht statt „και ως ερχοµενος ηγγισεν“ „ελθων δε και εγγισας“. Da die Majuskel gemäß der Kategorienliste 5 eher minder eingestuft wird und zudem ins 6. Jahrhundert eingeordnet wird, ist die Version, die in den Text aufgenommen wurde, dem Urtext wahrscheinlich näher.
Für Vers 26 schlägt der textkritische Apparat mehrere Varianten vor: Die alternative Lesart τι ειη ταυτα ist zwar im Codex Sinaiticus belegt, welcher durch sein Alter qualitativ hoch eingestuft wird. Ebenso bezeugen etliche Majuskeln diese Lesart 6 , auch wenn der Papyrus 75 7 , der dem 3. Jahrhundert zugeordnet wird, den Ausschlag gibt, die im Text vorkommende Version für ursprünglicher zu halten. Diese Version hat den Vorzug trotz kürzerer Lesart der oben genannten Alternative 8 . Es existieren noch weitere Varianten, die allerdings in wenigen und qualitativ minderen Handschriften erwähnt werden. 9 Die in den Text aufgenommene Lesart wird in P 75 , in den Majuskeln B, N, P, Q und Ψ, sowie in den Minuskelfamilien 1 und 13, den Minuskeln 1241 und 1424 erwähnt. Außerdem findet man sie in den Lektionaren 844, 2211 und weiteren wieder.
Für Vers 29 entschied sich die frühere Nestle-Aland-Ausgabe dafür, das αυτου wegzulassen. Beleg dafür waren der Codex Sinaiticus (Kategorie I, 4. Jahrhundert) sowie die Majuskeln L, W, Θ, Ψ die Minuskelfamilie 1 und die Minuskel 33. Ebenso bezeugen dies die syrischen
4 NESTLE-ALAND, Novum Testamentum Graece. Stuttgart 27 1993.
5 ALAND, KURT/ALAND, BARBARA: Der Text des Neuen Testaments. Stuttgart 2 1989, 167-171.
6 die dazu noch alexandrinisch, also bevorzugte Majuskeln sind gemäß der Regel, das ägyptische Texttypen
gegenüber Koine- und D-Text bevorzugt werden.
7 Papyrus 75, kurz P 75 zusammen mit P 4 gelten als die ältesten Handschriften des Lukasevangeliums. P 75 ist
alexandrinischen Texttyps.
8 Die siebte Regel der Textkritik besagt, dass die kürzere Lesart in der Regel die ursprünglichere ist.
9 τινα ειη ταυτα ist in der Majuskel L und wenigen anderen verzeichnet, τι θελει τουτο ειναι in Majuskel D.
Gemäß dem Kategoriensystem liegen beide zwar bestenfalls in Kategorie II, sonst in III und IV, sind allerdings
wesentlich jünger als die Majuskeln der anderen beiden Lesarten und als P 75 .
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Texte bearbeitet von Thomas Harkel. Ausschlaggebend für die Änderung, die in der 27. Auflage vorgenommen wurde, ist erneut P 75 sowie etliche Majuskeln unter anderem ägyptischen Texttyps. Desweiteren wird die aktuelle Lesart des Textes belegt in der syrischen Überlieferung (Cureton-Syrer, Sinai-Syrer und Peschitta) sowie in der gesamtlateinischen Überlieferung.
Das Wort εριφον in der Textversion ist in Majuskel D als εριφον εξ αιγων belegt, durch die kategoriale Zuordnung und nach textkritischen Kriterien allerdings von nicht großem Belang. Gewichtiger ist allerdings die Beobachtung, dass sich die Textedition in diesem Fall nicht für die Lesart εριφιον entschied, die sowohl in P 75 , einem relativ alten Manuskript, als auch in der qualitativ hohen Majuskel B belegt wird. Einen Lösungsansatz kann man in der Verwandtschaft zwischen Majuskel B und P 75 formulieren gemäß der zweiten Regel der Textkritik. Da die Majuskel B jünger ist, ist sie wahrscheinlich eine Abschrift von P 75 oder beide Schriften haben einen gemeinsamen Vorfahren. 10 Demnach bezeugt diese Lesart nur noch eine Quelle. Es bleibt dennoch offen, wie viele Handschriften die im Text verwendete Version bezeugen, da sie im textkritischen Apparat nicht genannt werden. Für das Verb ευφρανθω findet sich in der Majuskel D sowie in der altlateinischen und Vulgata-Überlieferung αριστησω als alternative Lesart. Vermutlich ersetzte man im 6. Jahrhundert das Wort ευφρανθω durch das Verb αριστησω, da man es in Verbindung mit einem Böcklein logischer erachtete, von essen und nicht von feiern zu sprechen.
Für Vers 30 wird eine alternative Lesart angeboten, die die Majuskel D sowie die Handschriften der e-Gruppe 11 und syrische Handschriften (Peschitta) bezeugen: „τω δε υιω σου τω καταφαγοντι παντα µετα των πορνων και ελθοντι εθυσας (…)“. Hier wird wieder der Papyrus 75 Ausschlag gegeben haben, auch wenn er im textkritischen Apparat nicht erneut erwähnt wird. Bei dem Wort των vor πορνων gehen die Handschriften erneut auseinander. Die Majuskeln A, (D), L, Q, Ψ sowie die Minuskel 579 und weitere setzen den Genitiv-Artikel davor. In der Textversion wurde er weggelassen. Gemäß der Regel, dass eine kürzere Lesart ursprünglicher sei, könnte man vermuten, dass spätere Redaktoren den Genitiv-Artikel hinzugefügt hatten, womöglich, weil sie es als grammatikalisch korrekter erachteten. Das Mastkalb wird in den Handschriften unterschiedlich genannt. Die Textversion spricht von σιτευτον µοσχον, alternativ wird µοσχον τον σιτευτον angeboten. Vom Sinn her macht es keinen Unterschied.
10 Vgl. EBNER, MARTIN/ SCHREIBER, STEFAN: Einleitung in das Neue Testament. Stuttgart 2008, 55.
11 K, N, P, Q, Γ, Δ, 0292. 565. 579. 700. 892. 1241. 1424. 2542. l 844. l 2211.
6
In beiden Fällen steht der Akkusativ sowohl im Substantiv als auch im Partizip. Da die Textversion in P 75 belegt wird, ist sie die ursprünglichere Lesart. 12
Schließlich sind einige Varianten in Vers 32 zu finden: Für das Verb εζησεν steht alternativ ανεζησεν in mehreren Handschiften 13 . Wichtiges Indiz dafür, dass diese Version jünger ist, zeigt die korrigierte Form des Codex Sinaiticus, die diese Version unter anderem bezeugt. Sie geht auf das 7. Jahrhundert zurück und ist eindeutig später als die für die Textversion bezeugenden Handschriften. 14 Man kann vermuten, dass die Redaktoren mit Blick auf Vers 24, in dem ανεζησεν steht, die Parallele der Verse 24 und 32 stärker herausbilden wollten. Außerdem wird in den Majuskeln D, Θ und Ψ, und Minuskeln wie f 1.13 und weiteren das και nach εζησεν weggelassen. Im Codex Sinaiticus wird sogar eine Version angeboten, in der nach απολωλως ein ην gesetzt wurde 15 . Das και fehlt auch hier. Eine weitere Version macht es ähnlich, nur lässt sie das και vor απολωλως stehen. 16 Dennoch ist hier absolut nachvollziehbar, dass die Textversion die ursprünglichere Lesart sein muss, da sie von den ältesten Handschriften 17 bezeugt wird. Wahrscheinlich wurde in späteren Redaktionen das so oft wiederholte και durch ein Komma ersetzt und ein ην hinzugefügt, um eine parallele Satzstruktur zu νεκρος ην zu erzielen.
2.2 Diskussion der verschiedenen Übersetzungen
Die vielen Bibelübersetzungen weisen zwar viele Übereinstimmungen auf, auch bei dieser Bibelstelle. Aber interessant ist es auch, gezielt zu betrachten, welche unterschiedlichen Formulierungen gerade bei kritischen Stellen angeboten werden. Mit kritisch sind die im vorherigen Schritt festgestellten Alternativ-Lesarten gemeint. Verglichen werden die Übersetzungen der Luther-Bibel, Zürcher Bibel, Einheitsübersetzung und des Münchener Neuen Testaments. In Vers 25 fällt nur die Übersetzung Luthers heraus, die als einzige „der“ und nicht „sein älterer Sohn“ übersetzt. Auffällig ist, dass wiederum in der Luther-Übersetzung (, aber auch in dem Münchener Neuen Testament,) anders übersetzt wurde. Hier wird das απελαβεν ins Präteritum übersetzt und nicht als Perfekt. Letzteres würde aber besser passen, da es sich um eine vergangene Handlung handelt, die Bezug zur Gegenwart hat. Der Vater hat ihn zurückbekommen und jetzt ist er da. Außerdem passt es besser, einen starken Aoristen, der eine einmalige Handlung signalisiert, mit dem Perfekt zu übersetzen.
12 Die alternative Lesart bezeugen A, W, Θ, Ψ, f 1.13 und der Mehrheitstext.
13 Codex Sinaiticus 2 , A, D, W, Θ, Ψ, , f 1.13 , 33, Mehrheitstext.
14 P 75 , ursprünglicher Codex Sinaiticus, B, L, Δ, 579, pc.
15 Außerdem in Minuskel 1241 und wenigen anderen.
16 Mehrheitstext.
17 P 75 , A, B, L, W, 579. 892. l 2211 pc, sy h .
Arbeit zitieren:
Margarete Berger, 2010, Das Gleichnis vom verlorenen Sohn, München, GRIN Verlag GmbH
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