Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 2
2 Definition von Matriarchat. 2
2.1 Definition des Wortes Matriarchat 2
2.2 Definition der Gesellschaftsform Matriarchat 3
2.2.1 Matrilokalität und Matrilinearität 3
2.2.2 Verwandtschaftsgesellschaft. 4
2.2.3 Ausgleichsgesellschaft und Ackerbau. 4
2.2.4 Konsensgesellschaft. 4
2.2.5 Sakrale Gesellschaft. 5
3 Leben im Matriarchat. 5
3.1 Verhältnis von Frau und Mann. 6
3.2 Sexualität im Matriarchat. 8
3.3 Glaube im Matriarchat 9
4 Matriarchat - eine geschlechtssymmetrische Gesellschaft? 11
5 Fazit, oder: „Was können wir daraus lernen?“ 13
6 Literaturverzeichnis. 15
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1 Einleitung
Denkt man an Matriarchat, mag einem etwas in den Sinn kommen, wie von Frauen beherrsch‐ te und ausgebeutete Männer, oder Frauen, die sich wie Männer benehmen, in den Krieg zie‐ hen, in fremde Dörfer einfallen und die männlichen Kinder aussetzen. Diese Vorstellungen von Matriarchat wurden nicht nur durch Serien wie Xena oder andere Amazonen‐Mythen geprägt. Selbst in der Matriarchatsforschung ist die Umkehrthese ein auftretender Fehler, der sogar einen eigenen Namen trägt: der ‚Vaerting‐Effekt‘ (vgl. Göttner‐Abendroth 1995, S.154). In der Matriarchatsforschung geht es zumeist um die Frage, ob das Matriarchat diejenige Le‐ bensform ist, welche vor der Sesshaftigkeit bestand, also ob sie eine Vorform des Patriarchats war. Außerdem wird die Frage gestellt, warum sie zum größten Teil abgelöst wurde. Die vorlie‐ gende Arbeit knüpft an diese Forschung an, beschäftigt sich aber im Hauptteil mit den tatsäch‐ lich existierenden matriarchalisch strukturierten Kulturen, die noch heute, z.B. in Amerika, Indien, Afrika, Ostasien, Indonesien und Ozeanien, zu finden sind. Was unter einem Matriarchat heute wissenschaftlich verstanden wird, wird in den folgenden Kapiteln erläutert. Darüber hinaus soll diese Arbeit nicht nur das Leben und den Glauben im Matriarchat in Ansätzen darstellen, sondern außerdem die Frage stellen, was unsere patriar‐ chalisch geprägte Kultur vom Matriarchat lernen könnte.
2 Definition von Matriarchat
Wie oben erwähnt, haben matriarchalisch strukturierte Kulturen nicht viel mit dem Mythos von Amazonen o.ä. zu tun. Vielmehr zeichnen sie sich durch eine sehr komplexe Sozialstruktur aus, bei der Herrschaft zweitrangig ist, bzw., wie Göttner‐Abendroth sagt, die herrschaftsfrei sei (vgl. Göttner‐Abendroth 1997b, S. 26‐38).
2.1 Definition des Wortes Matriarchat
Im Folgenden wird die Definition von Heide Göttner‐Abendroth verwendet, die neben dem Vorreiter in der Matriarchatsforschung J.J. Bachofen eine der meist rezipierten Wissenschaftle‐ rInnen zu diesem Thema ist.
Das Wort Matriarchat stammt ursprünglich von den griechischen Wörtern mêtêr Mut‐ ter und archê, was so viel wie Herrschaft, bzw. Anfang meint. Dabei sind diese beiden 2
Bedeutungen jedoch nicht synonym zu verstehen. Vielmehr ist ´Anfang´ die ältere Ü‐ bersetzung. Daher wird heute Matriarchat als „am Anfang die Mütter“ übersetzt und im Gegensatz dazu Patriarchat „Herrschaft der Väter (vgl. Göttner‐Abendroth 1997a, S. 13). In der Literatur tauchen neben dem Begriff matriarchal noch Wörter wie matri‐ zentrisch, matristisch, matrifokal, gynaikostatisch, mutterrechtlich oder gynaikokra‐ tisch auf. Dabei handelt es sich meist um Begriffe, die nur einen Teilaspekt von matri‐ archal meinen, aber nicht die Gesellschaftsordnung als ganze bezeichnen. Desweiteren werden sie von den unterschiedlichen Autoren meist nicht präzise genug abgegrenzt. Damit verdunkeln sie eher den Gegenstand, als ihn zu erhellen. Göttner‐Abendroth kritisiert außerdem, dass durch den Gebrauch dieser differenzierenden Begriffe die Existenz von Matriarchaten geleugnet würde, da sie nur jeweils Einzelaspekte gelten ließen (vgl. ebd.).
2.2 Definition der Gesellschaftsform Matriarchat
Um eine zu analysierende Kultur als Matriarchat bezeichnen zu können, wird eine fundierte Definition gebraucht. Im Folgenden wird eine von Frau Göttner‐Abendroth aufgestellte Liste verwendet, deren Punkte alle gleichzeitig erfüllt sein müssen. Zu diesen Punkten gehören Matrilokalität und Matrilinearität. Außerdem muss es sich, wie sie es nennt, um eine Acker‐ bau‐, Ausgleichs‐, Verwandtschafts‐, Konsens‐ und um eine Sakral‐Gesellschaft handeln. 2.2.1 Matrilokalität und Matrilinearität
Matrilokalität benennt die Zentralisierung um den Haushalt der Mutter. Die Kinder einer Mut‐ ter gehören zu ihrem Haushalt, d.h. sie arbeiten, essen und schlafen dort. Selbst nach der Hochzeit verbleiben die jungen Männer im Haus ihrer Mutter. Sie besuchen ihre Gattinnen nachts und kehren am Morgen wieder zurück. Dies wird Besuchsehe genannt und hat kaum Ähnlichkeit mit der in modernen Gesellschaften häufig auftretenden traditionellen Form der Ehe.
Matrilinearität beschreibt die Art und Weise, nach der die Herkunft der Kinder bestimmt wird. Im Gegensatz zu patriarchalen Strukturen, werden Sippennamen, soziale Titel und Würden sowie das Erbe über die mütterliche Verwandtschaftslinie weitergegeben. Dementsprechend hat die biologische Vaterschaft keine sozialen Konsequenzen, bzw. auch kaum Bedeutung.
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Männer in einer matriarchalischen Gesellschaft betrachten ihre biologischen Kinder nicht als „ihre“ Kinder, da sie den Namen der Mutter tragen. Sie sorgen als Onkel und Großonkel für die Kinder ihrer Schwestern und Nichten ihres Clans (vgl. ebd., S. 16). 2.2.2 Verwandtschaftsgesellschaft
Ein Clan besteht zumeist aus drei Generationen: die Sippenmutter und ihre Kinder sowie En‐ kelkinder. Zwischen den Clans werden Wechselhochzeiten gefeiert. Dies sind Gruppenehen von den jungen Männern und Frauen aus unterschiedlichen Häusern. Aufgrund dieser sozialen Struktur und komplexer Verwandtschaftsverhältnisse, ist niemand fremd und ihnen ist nichts Privates bekannt. Göttner‐Abendroth nennt solche Kulturen Verwandtschaftsgesellschaft (ebd.).
2.2.3 Ausgleichsgesellschaft und Ackerbau
Neben diesem komplizierten System von Geben und Nehmen, besteht ein zusätzliches Regel‐ system zum Ausgleich von Gütern, welches mit Verwandtschaftslinien und Heiratsregeln zu‐ sammenfällt. Denn selbst in einer Gesellschaft, die darauf bedacht ist, ein Gleichgewicht zwi‐ schen Geben und Nehmen zu erhalten, kann es vorkommen, dass ein Clan reicher ist, als die anderen. In diesem Fall hat der reichste Clan die Ehre, ein Fest für alle anderen auszurichten. So können sich Anhäufungen von Gütern nicht auch gleichzeitig zu Anhäufungen von Macht manifestieren (vgl. ebd., S. 15f.).
Desweiteren wird die ökonomische Komponente in einem Matriarchat durch den Ackerbau geprägt. Dabei ist es irrelevant, ob es sich um einfachen Gartenbau oder komplizierte Bewäs‐ serungssysteme mit komplexer Boden‐ und Wasserwirtschaft handelt, von dem die Dorfbe‐ wohner eines matriarchalen Dorfes leben (vgl. ebd. S. 15). 2.2.4 Konsensgesellschaft
Die Entscheidungsmacht in einer matriarchalen Gesellschaft geht nicht von den Frauen aus, auch wenn sie die Oberhäupter der Clans sind. Die Entscheidungsfindung findet generell in einer Versammlung statt, bei der es um eine Konsensfindung geht. Die Clanmutter nimmt da‐ bei zunächst eine neutrale Position ein und hört alle Meinungen an. Nichts desto trotz ist sie letztendlich die Entscheidungsträgerin. Sie besitzt allerdings keine Erzwingungsinstanzen, wie z.B. Polizei, um ihr Wort durchzusetzen, d.h. dass es keine Beherrschten und Herrschenden in diesem Sinne gäbe (vgl. ebd., S. 17).
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Arbeit zitieren:
Ilka Bengs, 2011, Leben im Matriarchat, München, GRIN Verlag GmbH
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