Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Definition und Methoden 3
3 Prävalenz von Adipositas 6
4 Ursachen von Adipositas 9
4.1 Bewegungsmangel mit langfristiger positiver Energiebilanz 9
4.2 Ernährungsgewohnheiten 11
4.3 Genetische Gründe 16
4.4 Soziale Gründe 16
4.4.1 Sozio-ökonomischer Status 16
4.4.2 Vorbildfunktion der Eltern und ihre Erziehungsmaßnahmen 20
4.4.3 Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft 22
4.5 Soziostrukturelle Faktoren 22
4.5.1 Bewegungsangebote in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen 23
4.5.2 Werbung 27
4.6 Psychische Gründe 28
5 Gesundheitliche Folgen von Adipositas 30
6 Präventionsmaßnahmen in der Schule 38
6.1 Bewegungsangebote in der Schule 39
6.1.1 Sportunterricht 40
6.1.2 Nachmittagsbetreuung 46
6.1.3 Projekt „Walking Bus“ 48
6.2 Ernährung in der Schule 50
6.3 Projekt „Robuste Kids“ 59
7 Zusammenfassung und Ausblick 62
Literaturverzeichnis 66
1 Einleitung
Übergewicht und Adipositas werden in den europäischen Industrieländern mehr und mehr zu einem Problem. Waren bis vor einigen Jahren hauptsächlich Erwachsene betroffen, so steigt seit zehn Jahren auch die Anzahl übergewichtiger und adipöser Kinder und Jugendlicher. Mittlerweile hat sie bereits epidemische Ausmaße erreicht (vgl. Kurth & Schaffrath-Rosario, 2007, S. 736). In Amerika ist es bereits seit Langem ein nicht zu verleugnendes Thema, weil im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ ein Großteil der Bevölkerung einen zu hohen Body-Mass-Index hat. Dieser wird im folgenden Kapitel ausführlich beschrieben und erläutert. So gelten 60 % der US-Amerikaner zurzeit als übergewichtig oder adipös, was im Jahr 2005 zu Behandlungskosten von 75 Milliarden Dollar führte. Zudem schätzt die USamerikanische Gesundheitsbehörde, dass seit jenem Jahr erstmals mehr Menschen an den Folgeerkrankungen von Adipositas sterben als an Zigaretten (vgl. Nething, Stroth, Wabitsch, Galm, Rapp, Brandstetter, Berg, Kresz, Wartha & Steinacker, 2006, S. 42). Auch in Deutschland haben solche besorgniserregenden Zahlen ihre Spuren hinterlassen. Seit einigen Jahren wird versucht, über verschiedene Präventions- sowie Therapiemaßnahmen die Ausbreitung von (extremem) Übergewicht zu verhindern oder wenigstens einzudämmen. Es ist jedoch schwierig, Adipositas effektiv zu behandeln, sobald sie einmal aufgetreten ist (vgl. Danielzik, Landsberg, Pust & Müller, 2007, S. 161). Daher kommt der Prävention eine besondere Bedeutung bei der Erreichung des Ziels zu, das extreme Übergewicht einzudämmen. Auch in Deutschland hat die Behandlung von Adipositas bereits enorme Kosten verursacht, was die Prävention umso wichtiger macht. Darauf wird zu Beginn des sechsten Kapitels noch näher eingegangen.
Das Thema dieser Arbeit lautet Adipositas im Kindes- und Jugendalter: Präventionsmaßnahmen in der Schule. Es wird die Frage beantwortet, in welcher Weise die Schule zur Prävention beitragen kann. Hierzu wird zunächst im zweiten Kapitel erläutert, was man unter Adipositas versteht und welche Methoden es gibt, um sie zu bestimmen. Dadurch werden die Grundlagen für das Verständnis des weiteren Verlaufs der Arbeit gelegt. An die „Definition und Methoden“ schließt sich in Kapitel drei die „Prävalenz von Übergewicht und Adipositas“ an. Hier wird erläutert, in welchem Ausmaß ein zu hohes Körpergewicht bei Kindern und Jugendlichen auftritt. Der Teil verdeutlicht die Bedeutung der Prävention in der heutigen Zeit, vor allem bei Heranwachsenden. Im Anschluss daran, werden die verschiedenen Ursachen von Adipositas vorgestellt und detailliert erklärt. Von besonderer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang eine zu geringe körperliche Aktivität, die Ernährungsgewohnheiten der Kinder und Jugendlichen sowie die sozialen Gründe, bei denen der sozio-ökonomische Status eine wichtige Rolle spielt. Die Ursachen zeigen deutlich auf, in welchen Bereichen eine weitreichende und möglichst allumfassende Vorbeugung ansetzen müsste. Nachdem die Ursachen erläutert wurden, werden im fünften Kapitel die gesundheitlichen Folgen, die eine Adipositas nach sich ziehen kann, vorgestellt und erörtert. Auch sie heben die Bedeutung der Prävention her-
vor. In der Schule sind die Möglichkeiten hierfür geringer einzustufen als im klinischen Bereich, da sich die verwendeten Maßnahmen immer auf eine Klasse, also auf eine Mehrzahl von Personen, beziehen und das Individuum nicht in gleichem Maße berücksichtigt werden kann wie in einer speziellen Therapie (vgl. Graf, 2007, S. 118). Dennoch macht eine schulische Prävention gegen extremes Übergewicht durchaus Sinn. Die Gründe und Verfahren werden im sechsten Kapitel dargelegt. In der Literatur findet sich eine Vielzahl an Methoden, mit denen der Adipositas vorbeugend begegnet werden kann. Sie alle darzustellen, würde jedoch den Rahmen dieser Arbeit übersteigen. Aus diesem Grund beinhaltet Kapitel sechs eine reduzierte, aber dennoch aussagekräftige und effektive Auswahl an Maßnahmen. Sie beziehen sich auf die Bewegungsangebote und die Ernährung in der Schule; letztere beinhaltet auch den Bereich der Ernährungslehre. Eine Zusammenfassung und ein Ausblick beschließen die Arbeit.
2 Definition und Methoden
Es gibt unterschiedlich formulierte Definitionen von Adipositas, sie alle haben jedoch einen Aspekt gemeinsam - den erhöhten Fettanteil an der Gesamtkörpermasse. Im Folgenden werde ich drei Definitionen von verschiedenen Autoren darlegen, um einen Eindruck zu vermitteln, was sich hinter dem Begriff „Adipositas“ verbirgt.
Bei Lawrenz (2005, S. 10) wird Adipositas als ein „übermäßiger Fettanteil an der Körpermasse verstanden“.
Reinehr (2007, S. 3) definiert den Begriff als „einen erhöhten Körperfettanteil an der Gesamtkörpermasse“.
Eine dritte Definition entstammt dem medizinischen Bereich, ähnelt jedoch den beiden vorherigen.
Von Adipositas (Fettsucht) oder Fettleibigkeit, spricht man, wenn sich das Körperfett über das Normalmaß hinausgehend vermehrt und sich so das Körpergewicht erhöht. Der Übergang von Normalgewicht zu Adipositas wird als Übergewicht bezeichnet“ (Onmeda Redaktion, 2009, par.1).
Es lässt sich festhalten, dass Adipositas dann vorliegt, wenn der Körperfettanteil eines Mensch bezogen auf seine Körpermasse, vereinfacht ausgedrückt sein Gewicht, zu hoch ist. Die einfachste Beschreibung von Adipositas ist starkes oder extremes Übergewicht.
Es gibt verschiedene Methoden, um Übergewicht und Adipositas zu messen. Die gängigste ist die Bestimmung des Body-Mass-Index (BMI), der wie folgt gebildet wird: BMI = Körpergewicht (kg) / Körperlänge (m 2 ).
Im Erwachsenenalter ist der BMI eine ausreichende Art, um Übergewicht und Adipositas zu bestimmen. Ein Übergewicht liegt hier ab einem BMI von mehr als 25 kg/m 2 vor (vgl. Schmidt, 2008, S. 107). Bei Adipositas können drei verschiedene Grade unterscheiden werden. Der erste Grad liegt bei einem BMI von 30-34,5 kg/m 2 . Bei Grad II besteht ein BMI von 35-39,5 kg/m 2 . Menschen, die unter dem
dritten Schweregrad von Adipositas leiden, haben einen BMI von 40 kg/m 2 und höher (vgl. Onmeda Redaktion, 2009, par. 3).
Für das Kindes- und Jugendalter sind die reinen BMI-Werte jedoch nicht genug, da sich die Körperproportionen und der Fettanteil in diesen Lebensphasen noch verändern (vgl. Lawrenz, 2005, S. 10). Aus diesem Grund wird der Body-Mass-Index bei Kindern und Jugendlichen in alters- und geschlechtsspezifischen Perzentilen angegeben. Zudem wird auf diese Weise in Deutschland eine einheitliche Definition erreicht (vgl. Reinehr, 2003, S. 3; AGA, 2005, par. 3). Perzentile drücken Prozentangaben bzgl. des Auftretens von körperlichen Merkmalen, wie z.B. Größe oder Geschlecht, innerhalb einer Personengruppe aus. Befindet sich ein Kind mit seiner jeweiligen Körpergröße auf dem 60. Perzentil, so bedeutet dies, dass 40 % der Gleichaltrigen größer und 60 % kleiner sind. Beim Körpergewicht ist es das gleiche. Die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) hat sich darauf geeinigt, Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen auf das 90. Perzentil festzulegen. Erreicht ein Kind also diese Perzentile, so gilt es als übergewichtig. Die 97. Perzentile legt die Grenze zur Adipositas fest. Ab der 99,5 Perzentile liegt eine extreme Adipositas vor (vgl. AGA, 2009, par. 3). Kinder und Jugendliche sind also dann übergewichtig, wenn sie schwerer sind als 90 Prozent der Gleichaltrigen, und adipös bei einem Gewicht höher als das von 97 Prozent der anderen Kinder und Jugendlichen in diesem Alter.
Die AGA hat Perzentilkurven für den Body-Mass-Index sowohl für Mädchen als auch für Jungen im Alter von 0-18 Jahren festgelegt (s. Abb. 1, S. 4). Die Grafik ist dem Text von Reinehr (2005, S.4) entnommen.
ebd.).Bei einer verzögerten Pubertätsentwicklung ist zunächst das Längenwachstum vermindert (vgl. Leidenberger, Strowitzki & Ortmann, 2009, S. 329), so dass eine geringere Körpergröße vorliegt. Eine geringere Körpergröße bedeutet bei der BMI-Bestimmung jedoch einen kleineren Divisor und somit einen höheren BMI. Neben der Berechnung des Body-Mass-Index gibt es noch weitere anthropometrische Parameter, mit denen die Körperfettmasse abgeschätzt werden kann. So ist es auch möglich den Taillen- und Hüftumfang oder die Hautfaltendicke zu messen (vgl. Reinehr et al. 2006, S. 8). Die Ergebnisse, die dabei ermittelt werden, haben ebenfalls hohe Aussagekraft bei der Bestimmung von Normal- und Übergewicht oder von Adipositas. Sie sind jedoch aufwändiger als die Berechnung des BMI, die sehr schnell durchgeführt werden kann. Aus diesem Grund wird auch häufiger der BMI bei der Bestimmung der Körperfettmasse verwendet.
Dieses Kapitel beschäftigte sich mit der Erläuterung des Begriffs „Adipositas“. Es wurden einige Definitionen vorgestellt und auf die Verwendung von alters- und geschlechtsspezifischen BMI-Perzentilen im Kindes- und Jungendalter hingewiesen. Bevor im Weiteren auf die Ursachen von Adipositas eingegangen wird, behandelt das nächste Kapitel zunächst die Prävalenz von Adipositas in den erwähnten Lebensphasen. Dadurch wird verdeutlicht, wie aktuell das Problem der Fettsucht bei Kindern und Jugendlichen in der heutigen Zeit ist.
3 Prävalenz von Adipositas
Die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas hat in den vergangen Jahrzehnten nahezu überall in Europa zugenommen (vgl. Kurth & Schaffrath-Rosario, 2007, 736). Sollte sie weiterhin mit einer Rate von 1,3 Millionen pro Jahr ansteigen, so erwarten Experten bis 2010 etwa 26,7 Millionen (36,7 %) übergewichtige europäische Schulkinder, davon werden 6,4 Millionen (8,8 %) adipös sein (vgl. Schmidt, 2008, S. 107). Auch für Deutschland gibt es mehrere regionale Untersuchungen, mit denen ein kontinuierlicher und deutlicher Anstieg der Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen belegt werden kann (vgl. Reinehr & Wabitsch, 2006, S. 13). Für Deutschland wurde die Prävalenz u.a. durch den Kinder- und Jugendgesundheitssurvey ermittelt. Die Untersuchung ergab, dass bei den 3- bis 17-jährigen Kindern und Jugendlichen 15 % übergewichtig und 6,3 % adipös seien. Dies entspricht 1,9 Millionen übergewichtigen und 800.000 adipösen Heranwachsenden (vgl. Schmidt, 2008, S. 128f.). Die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter berichtet, dass 10 bis 24 % der Schulkinder übergewichtig und 4 bis 8 % adipös seien (vgl. Reinehr & Wabitsch, 2006, S. 13). Bei den 3- bis 6- und den 7- bis 10-Jährigen ergeben sich unterschiedliche Häufigkeiten beim Auftreten. Während bei der ersten Gruppe lediglich 6,2 % übergewichtig, d.h. zwischen der 90. Und 97. Perzentile liegen, und 2,9 % adipös, d.h. oberhalb der 97. Perzentile, sind, steigen die Zahlen bei den älteren Kindern stark an. Hier sind 9,0 % übergewichtig und 6,4 % adipös (vgl. Schmidt, 2008, S. 129). Auf- fällig ist hierbei die Verdoppelung der Anzahl der Adipösen in der Gruppe der 7- bis
10-jährigen Kindern. Unterscheidet man nach Geschlecht, so fällt auf, dass in der jüngeren Gruppe mehr Mädchen (3,3 %) als Jungen (2,5 %) adipös sind, dagegen sich die Verteilung in der anderen Gruppe umkehrt. Hier sind 7,0 % der Jungen und 5,7 % der Mädchen adipös. Daraus folgt, dass ältere Kinder häufiger übergewichtig und adipös sind als jüngere (vgl. ebd.). Dieser Trend setzt sich bis in das Jugendalter fort. In der „Interdisziplinären Evaluation der Fitness und Gesundheit von Kindern im Saarland” Studie (IDEFIKS) fanden die Autoren Ergebnisse für Jugendliche der sechsten und neunten Klasse, die diese Annahme bestätigen (vgl. Urhausen, Schwarz, Klein, Papathanassiou, Pitsch, Kindermann & Emrich, 2004, S. 205). Auch wenn die Stichprobe kleiner war als die KiGGS-Studie, so ist sie für das Saar-land dennoch repräsentativ. Die IDEFIKS-Studie fand heraus, dass zehn Prozent der Schülerinnen und Schüler unter Adipositas leiden (vgl. ebd.). Dies sind knapp vier Prozent mehr als in bei den 7- bis 10-jährigen Kindern. Betrachtet man den Vergleich von 3- bis 6- und 7- bis 10-Jährigen, so fällt auf, dass der Adipositasanteil von der jüngeren zur älteren Gruppe zunimmt. Dies ist bei den Jugendlichen der sechsten und neunten Klasse nur bei den Mädchen der Fall. Während bei den im Schnitt 12-Jährigen 13,8 % adipös sind, sind es bei den im Schnitt 15-jährigen Mädchen bereits 20,4 %. Bei den Jungen kehrt sich die Verteilung um. Von ihnen sind in der sechsten Klasse 22,2 % adipös, in der neunten sind es nur noch 14,6 % (vgl. ebd.). Die Anzahl sinkt bei den Jungen also von der sechsten zur neunten Klasse um ein Drittel.
Die soziale Verteilung von Übergewicht und Adipositas liefert ein eindeutiges Bild. Die Prävalenz nimmt von den höheren sozialen Schichten zu den schwächeren hin zu. Kinder und Jugendliche mit niedrigem sozialen Status sind häufiger übergewichtig und adipös als Gleichaltrige mit besserem sozialen Status (vgl. Danielzik & Müller, 2006, S.214). Die Kieler Obesity Prevention Study (KOPS) fand heraus, dass bei 5- bis 7-jährigen Kindern mit niedrigem sozio-ökonomischen Status 15,4 % Übergewichtig haben; bei den 9- bis 11-Jährigen liegt die Zahl sogar bei 19,5 %. In der mittleren sozialen Schicht werden die Zahlen bereits geringer. Hier sind 10 % der 5- bis 7-jährigen Kinder und 15 % der 9- bis 11-Jährigen übergewichtig. Die niedrigsten Werte treten jedoch in der oberen sozialen Schicht auf. So waren 6 % der 5- bis 7-Jährigen und 10 % der 9- bis 11-Jährigen übergewichtig (vgl. Danielzik & Müller, 2006, S. 216). Laut Schuleingangsuntersuchungen in Stuttgart und Berlin besteht Übergewicht in Familien mit Migrationshintergrund doppelt so oft wie in einheimischen Familien (vgl. Reinehr & Wabitsch, 2006, S. 13). Diese Zahlen beziehen sich zwar nur auf Übergewicht, jedoch kann auch ein inverser Gradient zwischen sozialer Schicht und der Prävalenz von Adipositas beobachtet werden. Wabitsch et al. (2009) fanden heraus, dass bei Migranten sogar neun Mal höhere Werte von Adipositas gemessen wurden als bei einheimischen Familien (vgl. S. 1264). Dies hängt ebenfalls mit dem sozialen Status zusammen. Lediglich 14 Prozent der Arbeitnehmer, die aus einem anderen Land zugewandert sind, erzielen ein Einkommen über 2.000 Euro. Bei Erwerbstätigen ohne Migrationshintergrund leben 23 % mit einem solchen Einkommen (vgl. BMAS, 2008, S. 140). Außerdem haben 37
% der Männer und 50 % der Frauen mit Migrationshintergrund im Alter von 25 Jahren keine beruflichen Abschlüsse. Daher ist es für sie auch besonders schwierig Zugang zum Arbeitsmarkt zu bekommen (vgl. BMAS, 2008, S. 144). Dies wiederum führt dazu, dass sie längerfristig erwerbslos bleiben und Sozialleistungen des Staates in Anspruch nehmen müssen.
Aus diesen Gründen sind Migranten in Deutschland verstärkt in den unteren sozialen Schichten vertreten. Da bei ihnen eine neunfach höhere Prävalenz von Adipositas festgestellt wurde, lässt sich folgern, dass auch bei der Adipositas eine inverse Beziehung zwischen dem sozialen Status und dem Auftreten besteht. In der IDEFIKS-Studie wurde auch die Verteilung von Adipositas bezogen auf das Gymnasium sowie die erweiterte Realschule und Gesamtschule untersucht. Es wurde herausgefunden, dass in der erweiterten Real- und Gesamtschule eine größere Anzahl von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen unterrichtet wird, als dies am Gymnasium der Fall ist. So sind knapp 25 % der Schülerinnen und Schüler, welche die sechste Klasse einer erweiterten Real- oder Gesamtschule besuchen, übergewichtig. Beim Gymnasium sind es in dieser Altersgruppe nur 10 %. Während die Zahlen in der neunten Klasse in den ersten beiden Schulformen auf 21 % absinken, steigen sie beim Gymnasium auf 12 % an (vgl. Urhausen et al., 2004, S. 208). Dennoch liegen die Prozentzahlen der letztgenannten Schulform stets erheblich unter denen der erweiterten Realschule und Gesamtschule.
Die inhaltliche Bedeutung der Aussagen zum Übergewicht lässt sich auch in diesem Fall auf Adipositas übertragen. Zwar ist nicht ein Viertel der Sechstklässler adipös, aber dennoch sind in den anderen Schulformen mehr adipöse Kinder und Jugendliche als im Gymnasium vorzufinden.
Dass Gymnasiasten seltener übergewichtig und adipös sind, hängt u. a. mit der Freizeitgestaltung der Schülerinnen und Schüler zusammen. In der sozialwissenschaftlichen Teilstudie der IDEFIKS-Studie wurden insgesamt 931 Heranwachsende sowie deren Eltern untersucht. Von den 931 Kindern und Jugendlichen nahmen bereits 222 an der medizinischen und sportmotorischen Teilstudie teil (vgl. Emrich,
Klein, Papathanassiou, Pitsch, Schwarz & Urhausen, 2004, S. 223). Von den Gymnasiasten gaben 70,1 % Sport bzw. Bewegung als eine ihrer häufigsten Freizeitaktivitäten an; bei den Schülerinnen und Schülern der erweiterten Realschule und Gesamtschule waren es 61 % (vgl. Emrich et al, 2004, S. 224). Die Unterschiede sind statistisch signifikant.
In diesem Kapitel wurde die Prävalenz von Adipositas im Allgemeinen und anschließend speziell für verschiedene soziale Schichten und auch für einzelne Schulformen erläutert. Auffällig war hierbei, dass die Adipositas mit abnehmendem sozialem Status ansteigt und bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshinter-grund bis zu neun Mal höher ist als bei gleichaltrigen Nichtmigranten. Weiterhin fiel auf, dass in der erweiterten Realschule und Gesamtschule wesentlich mehr adipöse Kinder und Jugendliche unterrichtet werden, als dies auf dem Gymnasium der Fall ist. Der inverse Gradient zwischen sozialer Schicht und Adipositas lässt sich also auch zwischen den verschiedenen Schulformen beobachten, da Kinder aus sozial schwächeren Familien am Ende der Grundschule seltener die Empfehlung für das Gymnasium erhalten (vgl. BMAS, 2008, S. 97) und somit häufiger auf die anderen Schulformen wechseln. Diese Erkenntnisse verdeutlichen die Bedeutung, die der Adipositas seit einigen Jahren mehr und mehr zukommt. Es ist ein Problem, das nicht (mehr) übergangen oder schön geredet werden kann. Das nächste Kapitel behandelt die Ursachen von Adipositas. Es erläutert verschieden Gründe für das Entstehen von Adipositas, um zu verdeutlichen, dass es sich um eine „multifaktoriell bedingte chronische Erkrankung“ (Urhausen et al., 2004, S. 207) handelt, bei der sich mehrere Aspekte gegenseitig bedingen und verstärken. In Bezug auf Urhausen et al. werde ich Adipositas ebenfalls als chronische Krankheit bezeichnen.
4 Ursachen von Adipositas
Wie bereits erwähnt, ist Adipositas eine chronische Erkrankung, die aus verschiedenen Gründen auftreten kann. In diesem Kapitel werden sie ausführlich dargelegt und erläutert. Einer der am häufigsten genannten Gründe ist der Bewegungsmangel mit langfristiger positiver Energiebilanz.
4.1 Bewegungsmangel mit langfristiger positiver Energiebilanz
Unter Energiebilanz versteht man die Differenz zwischen Energiezufuhr und Energieverbrauch. Verbraucht ein Mensch mehr Energie, als er aufnimmt, so ist die Bilanz negativ und er nimmt ab. Wird jedoch mehr Energie aufgenommen, als verbraucht, so entsteht eine positive Bilanz. Dies führt zu einer vermehrten Energiespeicherung in Form von Fett. Gleicht ein Mensch die Energiebilanz nicht aus, so nimmt er zu und wird zunächst übergewichtig und anschließend adipös (vgl. Bönnhoff, 2005, S. 23; Schmidt, 2008, S. 115). Um die Energiebilanz auszugleichen, gibt es zwei Möglichkeiten - weniger Energie aufnehmen oder mehr verbrauchen. Sie ist also durch das Ernährungs- und Bewegungsverhalten bestimmt (vgl. Bönnhoff,
2005, S. 23). Dem Bewegungsverhalten kommt jedoch noch eine höhere Bedeutung zu als der Nahrungsaufnahme. Denn ein verminderter Energieverbrauch spielt in der Adipositasentstehung eine größere Rolle als die zu hohe Energiezufuhr (vgl. Koch, 2005, S. 134). In diesem Zusammenhang wird ein ausreichendes Maß an Bewegung immer wichtiger und ein Bewegungsmangel immer dramatischer. Bös (1999) berichtet, dass die Alltagsbewegung von Kindern in den letzten Jahren stärker eingeschränkt wurde als das Sporttreiben im Verein (vgl. S. 36). Dies ist insofern gravierend, als dass die Bewegung im Alltag einen großen Anteil am Energieverbrauch hat. Zudem können vier Stunden Vereinssport in der Woche die geringere Alltagsbewegung nicht ausgleichen (vgl. ebd.). Des Weiteren erkannten dänische Wissenschaftler, dass die körperliche Aktivität am Wochenende deutlich absinkt. Sie führten im Raum Stockholm eine Querschnittstudie mit 6- bis 10-Jährigen durch. Die Autoren versuchten, Unterschiede in den Mustern der objektiv gemessenen körperlichen Aktivität während der Woche und am Wochenende sowie zu verschiedenen Tageszeiten zu bestimmen. Außerdem sollte herausgefunden werden, ob sich das Alter und Geschlecht auf diese Muster auswirken (vgl. Nyberg, Nordenfelt, Ekelund & Marcus, 2009, S. 1842f.). Die Aktivität wurde mithilfe eines Accelerometer gemessen und wie folgt berechnet: Gesamtsumme der Zählungen geteilt durch die Gesamtzeit. Angegeben wurde sie in „counts per minute“ (CPM) (vgl. Nyberg et al., 2009, S. 1843). Die Untersuchung ergab, dass bei den 1293 untersuchten Kindern (653 Mädchen und 640 Jungen) ein Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen körperlichen Aktivität, dem Wochentag, Wochenende und dem Geschlecht besteht. Jungen waren im allgemeinen 8 % aktiver als Mädchen. Der aktivste Tag war sowohl für die Jungen als auch die Mädchen der Montag mit 890 bzw. 800 CPM. Zudem waren die 6-jährigen Mädchen und Jungen um 9 % aktiver als die 9-Jährigen (vgl. Nyberg et al., 2009, S. 1845). Dies unterstützt die Beobachtung von Urhausen et al. in der IDEFIKS-Studie, dass 3- bis 6-Jährige seltener adipös sind als 7-bis 10-jährige Kinder (vgl., 2004, S. 25).
Im Hinblick auf den Energieverbrauch ist die körperliche Aktivität der untersuchten Kinder am Wochenende erschreckend. Hier stürzen die Zahlen bei den Jungen und Mädchen rapide ab. Haben die Jungen freitags noch eine körperliche Aktivität von 850 CPM und die Mädchen von 750 CPM, so fallen sie am Samstag auf 700 bzw. 650 CPM. Am Sonntag steigt die Aktivität bei beiden Geschlechtern wieder leicht auf 730 bzw. 675 CPM. Insgesamt nimmt das Aktivitätsniveau am Wochenende im Vergleich zur Woche bei den Jungen um 17 % und bei den Mädchen um 15 % ab (vgl. Nyberg et al., 2009, S. 1845).
Auch am Abend nimmt die körperliche Aktivität rapide ab. Hier ist sie bei beiden Geschlechtern mit ca. 660 CPM ungefähr gleich. Morgens liegt sie für die Jungen bei 950 CPM und 840 CPM bei den Mädchen. Für die männlichen Untersuchungsteilnehmer fällt sie also im Tagesverlauf um fast 300 CPM für die weiblichen um knapp 200 CPM (vgl. ebd.).
Wird die Nahrungsaufnahme nicht dem Verlauf der körperlichen Aktivität angepasst, so kann es zu einer Gewichtszunahme kommen. Es ist nicht ratsam, am Wochenende oder abends die meiste Energie zu sich zu nehmen. Da die Aktivität zu diesen Zeiten am niedrigsten ist, befindet sich auch der Energieverbrauch auf dem geringsten Niveau.
Übergewichtige und Adipöse leiden häufig unter motorischen Defiziten, insbesondere in der Körperkoordination und der Kondition (Koch, 2005, S. 137). Diese können einerseits Folge andererseits aber auch Ursache für die Erkrankung sein. Die Betroffenen kämpfen sich häufig bei sportlichen Betätigungen ab, ohne einen nennenswerten Erfolg zu erzielen. Dadurch verlieren sie die Lust an der Bewegung und ziehen sich aus dem Sport zurück. Dies verstärkt die motorischen Defizite jedoch noch weiter und es kommt zu einem Teufelskreis (vgl. Zubrägel & Settertobulte, 2003, S. 168). Ein weiterer Grund für den Rückzug aus dem Sport und die damit verbundene Verschlechterung der motorischen Fähigkeiten können Erfahrungen mit den Klassenkameraden sein. Bei Sportspielen werden adipöse Kinder von den Mitschülern oftmals übergangen, nicht beachtet oder als letzte gewählt (vgl. Koch, 2005, S. 137). Dadurch wird ihnen der Eindruck vermittelt, dass sie zu schlecht für den Sport seien. Außerdem sind sie Spott sowie Mobbing ausgesetzt und schämen sich (daher) für ihren Körper. Im Sport ist es ihnen nur sehr schwer möglich, ihre Körpermasse durch weite Kleidung zu kaschieren; beim Schwimmen ist es gar nicht möglich. All diese Faktoren führen zu noch mehr Mobbing und Hänseleien und verstärken den Rückzug aus dem Sport weiter, was die motorischen Defizite ebenfalls verschlimmert (vgl. Zubrägel & Settertobulte, 2003, S. 175). Die entstehende Ausweglosigkeit ist nur schwer zu durchbrechen, was eine frühzeitige Prävention von Adipositas noch notwendiger macht.
Das nächste Teilkapitel beschäftigt sich mit den Ernährungsgewohnheiten, die zu Adipositas führen können, da auch sie als Teil der Nahrungsaufnahme eng mit der Energiebilanz zusammenhängen.
4.2 Ernährungsgewohnheiten
Ernährungsgewohnheiten spielen bei der Entstehung von Adipositas ebenfalls eine bedeutende Rolle. Sie hängen von biologischen Faktoren ab, werden jedoch auch von externen und internen Stimuli beeinflusst. Im Wesentlichen hängt die Nahrungsaufnahme vom „Hunger-Sättigungs-Empfinden“ (Reinehr, 2007, S. 7) ab. Die entsteht durch das Hormon Leptin, das im Hypothalamus produziert wird, und dem damit zusammenhängenden Kreislauft. Leptin reguliert die Neuropeptide und sorgt somit für eine verringerte Nahrungsaufnahme (vgl. ebd.). Es fördert die Produktion des Alpha-Melanocytenstimulierenden Hormons (-MSH), das sich appetithemmend auswirkt. Das -MSH Hormon stimuliert Rezeptoren im Hypothalamus und diese Anregung wirkt als starkes Sättigungssignal. Außerdem senkt Leptin die Konzentration von appetitsteigernden Neuropeptiden (vgl. Reinehr, 2007, S. 7f.). Auf diese Weise kann die Nahrungsaufnahme durch das Leptin-Hormon reguliert werden.
Die externen Stimuli haben ebenfalls einen großen Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten. Sie wirken von außen auf das Essverhalten von Kindern und Jugendlichen ein (vgl. Bönnhoff, 2005, S. 40). Zu diesen Stimuli zählen vor allem Familienmitglieder und Freunde, Herkunft der Bezugspersonen und damit verbundene Essensanlässe und Tischsitten sowie die Schule und die Erziehung. Ebenso wirken sich die kulturelle und religiöse Zugehörigkeit auf die Ernährung aus. Den Familienmitgliedern und vor allem den Eltern kommt eine Vorbildfunktion bei der Essensaufnahme zu. Kinder orientieren sich an diesen Vorbildern und übernehmen die Gewohnheiten, die ihnen durch sie vorgelebt werden. Dieser Bereich wird im folgenden Unterkapitel noch ausführlich behandelt. Verfolgen verschiedene Kulturen bestimmte Essensanlässe und Tischsitten, so werden sie auch von den Kindern und Jugendlichen dieser Kulturen aufgenommen. Sind die Tischsitten jedoch für eine ausgeglichene Energiebilanz ungeeignet und führen zu mehr Energieaufnahme als -verbrauch, können auf diese Weise Übergewicht und Adipositas entstehen.
Zu den internen Stimuli zählen Einstellungen, Meinungen, Werte, Stimmungslagen und Emotionen, aber auch Erfahrungen und Gewohnheiten (vgl. ebd.). Die Einstellungen und Meinungen sind in diesem Kontext besonders bedeutsam. Wenn sich eine Person nicht an einer positiven Energiebilanz stört und weiterhin energiereiche Nahrungsmittel zu sich nimmt, ohne sich ausreichend zu bewegen, wird sie langfristig übergewichtig und adipös. Personen müssen also an einer zu hohen Körpermasse Anstoß nehmen, bevor sie ihre Ernährungsgewohnheiten so gestalten, dass sie nicht mehr Energie aufnehmen als sie verbrauchen. Die Stimmungslage wirkt sich insofern auf die Ernährung aus, dass Essen auch als Frustbewältigung und zum Abbau von Stress genutzt wird. Auch Trauer und Ängste werden durch Essen kurzfristig betäubt (vgl. Reinehr, 2007, S. 13). Eine Tafel Schokolade oder auch eine Packung Eiscreme sollen Personen, die aus Frust essen, helfen, unangenehme Ereignisse zu überwinden und zu verarbeiten. Weiter gibt es auch Menschen, die essen, wenn sie sich langweilen. Langeweile beeinträchtigt bei ihnen die Selbstkontrolle, so dass das Verhalten nicht mehr durch den eigenen Willen bestimmt wird, sondern der physiologischen Steuerung unterliegt (vgl. Pudel, 2003, S. 51). Langeweile löst bei ihnen das Empfinden aus, hungrig zu sein, auch wenn dies gar nicht der Fall ist.
Die „Dortmunder Nutritional and Anthropometrical Longitudinally Designed Study” (DONALD) untersuchte das Ernährungsverhalten von 4- bis 18-jährigen Kindern und Jugendlichen. In der Untersuchung mussten die Probanden (500 Mädchen und Jungen) ihre Mahlzeiten in Zutaten aufschlüsseln, wiegen und in Drei-Tage-Wiege-Ernährungsprotokollen festhalten (vgl. Kersting, Alexey, Kroke & Lentze, 2004, S. 214). Auf diese Weise konnten die Mitarbeiter des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) in Dortmund, die die Studie durchführten, genau nachvollziehen, welche Nahrungsmittel die Kinder und Jugendlichen zu sich genommen hatten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kinder und Jugendlichen mehr zuckerhaltige Ge- tränke wie Limonaden und Fruchtsaftgetränke zu sich nehmen, je älter sie werden.
Von den verzehrten Getränken fallen ca. 30-40 % in die Kategorie der Limonaden und Fruchtsaftgetränke (vgl. Kersting et al., 2004, S. 216). Bei den tierischen Lebensmitteln, d.h. Milch und Fleisch, unterscheiden sich die Verzehrmengen. Während sie bei der Milch und den Milchprodukten, z.B. Joghurt, unter den empfohlenen Werten liegen, liegen sie bei Fleisch und Fleischwaren, z.B. Wurst, darüber. Letzteres ist jedoch nur bei den Jungen der Fall. Bei den Mädchen entspricht der Verzehr den Empfehlungen (vgl. ebd.). Fleisch und Wurst tragen 12 bis 13 % zur täglichen Energieaufnahme bei, Milch und Milchprodukte 14 bis 19 % (vgl. Bönnhoff, 2005, S. 26). Auffällig ist der Verzehr von so genannten geduldeten Lebensmitteln. Dazu zählen zuckerreiche Produkte wie Süßigkeiten, Brotaufstriche und Gebäck. Kinder und Jugendliche verzehren wesentlich mehr von diesen Lebensmitteln als vom FKE empfohlen. Sie tragen 18 bis 19 % zur täglichen Energieaufnahme bei und sind damit die Hauptenergielieferanten der Heranwachsenden (vgl. ebd.). Besonders Produkte, die zucker- und fettreich sind, werden von den Mädchen und Jungen gegessen. Von den 11- bis 15-Jährigen essen circa die Hälfte täglich Süßigkeiten in Form von Bonbons oder Schokolade. Bei den Jungen ist die Quote etwas höher als bei den Mädchen (vgl. Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit, 2002, S. 23).
Genau wie die Mengen von gezuckerten Getränken steigt auch der Verzehr von Fast Food mit zunehmendem Alter an. Bei 25 % der befragten 15- bis 18-Jährigen wurde in den Drei-Tage-Protokollen mindestens ein Fast Food Gericht genannt (vgl. Kersting, 2004, S. 217), d.h., dass ein Viertel der Jugendlichen in diesem Alter mindestens einmal in drei Tagen Fast Food isst. Dazu zählen Gerichte, wie Pommes frites, Pizza, Hamburger, Döner oder auch schnell zubereitete Sandwiches. Dies ist im Hinblick auf die Entstehung von Adipositas bemerkenswert. Denn der Energie-, Fett- und Zuckergehalt dieser Gerichte ist oftmals sehr hoch, der Ballaststoffgehalt jedoch gering, da Vollkornprodukte sowie Obst und Gemüse bei der Herstellung seltener verwendet werden. Zudem haben sie eine zu niedrige Vitamin-und Mineralstoffdichte. Bei mehrmaligem Fast Food-Verzehr in der Woche übersteigt die energetische Versorgung gemeinsam mit dem Fettgehalt den Bedarf des Körpers (vgl. Bönnhoff, 2005, S. 38f.). Wird zu viel Fett aufgenommen, so kann der Körper es nicht mehr durch die Fettoxidation, die Verbrennung von Fett durch Sauerstoff, kompensieren. Wird die Kapazität der Fettoxidation überschritten, werden die zusätzlichen Fettmengen aus der Nahrung als Energiespeicher in Depots im Körper abgelegt (vgl. Biesalski, 2004, S.79) - den so genannten Fettpolstern. Für unterschiedliche Altersklassen gibt es verschiedene Richtwerte in Bezug auf die tägliche Fettzufuhr: 10- bis 13-jährige Mädchen und Jungen sollten nicht mehr als 65 g bzw. 74 g zu sich nehmen. Für 14- bis 15-jährige Mädchen und Jungen liegen die Werte bei 71 g bzw. 87 g. 16- bis 19-Jährige dürfen pro Tag am meisten Fett zu sich nehmen. Mädchen sollten einen Wert von 81 g, Jungen von 100 g nicht überschreiten und insgesamt sollten lediglich 30 % der täglichen Energieaufnahme über Fett erfolgen (vgl. Bönnhoff, 2005, S. 28). In der „Health Behaviour in School aged children“-Studie (kurz HBSC-Untersuchung) wurde herausgefunden, dass Ju-
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Florian Knetsch, 2010, Adipositas im Kindes- und Jugendalter - Präventionsmaßnahmen in der Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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