Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG. 2
2. DIE STELLUNG BABYLONIENS IM ASSYRERREICH. 3
2.1 DIE BEZIEHUNGEN DER REICHE VOR DER EROBERUNG BABYLONIENS 3
2.2 KULTURELLE GEMEINSAMKEITEN 3
2.3 VERÄNDERUNGEN VON BABYLONS STATUS IM WANDEL DER ZEIT 4
2.4 EINFLÜSSE DER SONDERSTELLUNG BABYLONIENS AUF DEN UNTERGANG DES
ASSYRERREICHS 7
3. DIE WIRTSCHAFTLICHE LAGE IM ASSYRERREICH VOR DEM
UNTERGANG. 8
3.1 GRUNDZÜGE DER ASSYRISCHEN WIRTSCHAFT. 8
3.2 AUSSENHANDEL, TRIBUTE UND EVENTUELLE WIRTSCHAFTLICHE URSACHEN DES
UNTERGANGS DES ASSYRISCHEN REICHES. 10
4. GESELLSCHAFTLICHE UND KULTURELLE FAKTOREN 11
4.1 GESELLSCHAFTSSTRUKTUREN IN ASSYRIEN. 11
4.2 INNENPOLITISCHE PROBLEME. 12
5. ANDERE FAKTOREN 14
6. SCHLUSSWORT 15
BIBLIOGRAPHIE 17
1. Einleitung
Der assyrische König Tiglatpileser III. unterwarf im Jahr 731 v. Chr. Babylonien und bestieg dessen Thron selber. 1 Die Beziehung zwischen den beiden Reichen erwies sich in den Folgejahren als sehr kompliziert. Von 720 - 710 v. Chr. konnte sich das babylonische Reich wieder eine kurzfristige Unabhängigkeit erkämpfen, wurde aber wieder zurückerobert. In der Folgezeit gab es immer wieder Aufstände und Unabhängigkeitsbestrebungen Babyloniens, die aber immer wieder abgewehrt werden konnten. 702 v. Chr. schaffte der damalige assyrische Herrscher Sanherib das Doppelkönigtum ab und setzte einen Marionettenkönig auf den Thron Babyloniens. Ab diesem Zeitpunkt hatte Babylonien einen eigenen König, welcher jedoch dem assyrischen Herrscher untergeordnet war. Ein Ende der Unruhen zwischen den Babyloniern und den Assyrern war aber nicht abzusehen. 689 v. Chr. wurde nach langen Kämpfen die Stadt Babylon zerstört. Der assyrische Herrscher Assurbanipal liess sie aber wieder aufbauen. Die Königswürde blieb Babylonien erhalten. Der neue Herrscher war der Bruder von Assurbanipal, Schamasch-schumu-ukin. Aber nicht mal das konnte weitere Aufstände von Seiten Babyloniens verhindern. Es kam immer wieder zu Kämpfen, welche 612 v. Chr. zum Fall der assyrischen Hauptstadt Ninive durch die Babylonier und zum Untergang des Assyrerreiches führte. 2
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, inwiefern der Sonderstatus Babyloniens im assyrischen Reich, bei dessen Untergang, eine Rolle gespielt hat. Ergab sich die Möglichkeit der Babylonier das Assyrerreich zu besetzen nur durch die Sonderrechte, die ihnen eingeräumt wurden, oder war der Untergang des Assyrerreiches von anderen Faktoren abhängig und nur eine Frage der Zeit? Die Leitfrage für diese Arbeit lautet: „Was bietet die Fachliteratur für mögliche Antworten zur Frage, ob der Untergang des Assyrerreichs durch das Einräumen von Sonderrechten für die Babylonier, oder durch andere Faktoren verursacht wurde?“ Ziel wird sein zu erfahren, ob sich anhand des aktuellen Forschungsstandes überhaupt genau sagen lässt, welche Einflüsse eine Rolle spielen. Dabei werden mögliche Faktoren in vier verschiedenen Kapiteln einzeln durchleuchtet. Zunächst soll dargestellt werden, wie der Status Babyloniens im Assyrerreich genau aussah. Darauf wird die Wirtschaftslage des Assyrerreichs untersucht. Anschliessend werden eventuelle kulturelle und gesellschaftliche Gründe für einen Zerfall des Assyrerreichs genau überprüft, da es Anhaltspunkte gibt, dass diese eine wichtige Rolle in der Fragestellung gespielt haben könnten. Ein Beispiel wäre dieses Zitat: „Nach Assurbanipals Tod 627 begann der Zerfall des
1 Vgl. Cancik-Kirschbaum, Die Assyrer, S. 65-72.
2 Vgl. Jursa, Die Babylonier, S. 33-35.
2
geschwächten assyrischen Reiches, das dem Druck, dem es von außen und innen ausgesetzt war, nicht länger standhalten konnte.“ 3 Schliesslich sollen noch eventuelle weitere Ursachen, die sich bei der Arbeit mit der Fachliteratur herauskristallisieren ebenfalls genau dargelegt werden. Der Zeitraum, der untersucht wird, erstreckt sich von 731 v. Chr., also der Unterwerfung des babylonischen Reiches durch die Assyrer, bis 610 v. Chr., zu der Eroberung der letzten assyrischen Hauptstadt durch die Babylonier. 4 Faktoren, welche für die Fragestellung eine Rolle spielen, aber nicht über diesen Zeitraum hinausgehen, werden ebenfalls berücksichtigt.
2. Die Stellung Babyloniens im Assyrerreich
2.1 Die Beziehungen der Reiche vor der Eroberung Babyloniens
Bevor Tiglatpileser III. 731 v. Chr. Babylonien besetzte, waren die Beziehungen der beiden Reiche friedlich. Es kam stellenweise zu Auseinandersetzungen an der Grenze, welche aber eher selten waren und das grösstenteils gute Verhältnis nicht beeinflussten. Die Herrscherhäuser waren durch Verträge und auch durch dynastische Heiraten verbunden. In Einzelfällen stand man den Verbündeten aus dem Nachbarreich sogar näher, als den eigenen Landsleuten. Der Assyrer Salmanassar III. (Regierungszeit: 858 - 824 v. Chr.) intervenierte beispielsweise in Babylonien, um seinem Verbündeten Marduk-zakir-schumi gegen dessen aufständischen Bruder zu helfen. Im Gegenzug half Marduk-zakir-schumi Salmanassars Sohn Schamschi-Adad V. (Regierungszeit: 823 - 811 v. Chr.) bei dessen Thronfolge. Erst Schamschi-Adad V. fiel in Babylonien ein, ohne Absicht einen Verbündeten zu unterstützen. Er kam als Eroberer, plünderte einige Städte und leitete eine mehrere Jahre dauernde Herrschaft Assyriens über Nordbabylonien ein. Die Folge davon war, dass sich die politische Macht des babylonischen Reiches in den kaldäischen Süden verschob. 5 Ab diesem Zeitpunkt wurde die Babylonpolitik der assyrischen Herrscher deutlich aggressiver. 6
2.2 Kulturelle Gemeinsamkeiten
Ab Tiglatpileser III. änderten sich die Beziehungen der beiden Reiche entscheidend. Als Reaktion auf die Machtergreifung des Kaldäerfürsten Mukin-zeri in Babylon, besetzte der
3 Jursa, Die Babylonier, S. 35.
4 Vgl. Cancik-Kirschbaum, Die Assyrer, S. 98.
5 Vgl. Jursa, Die Babylonier, S. 32.
6 Vgl. Cancik-Kirschbaum, Die Assyrer, S. 63.
3
assyrische König Babylonien und bestieg dessen Thron selbst. 7 Dieser Schritt war notwendig, denn das babylonische Reich hatte für Assyrien durch die bilateralen Abkommen einen besonderen Status. Ausserdem erwies es sich als schwierig ein solch grosses, neues Herrschaftsgebiet zu kontrollieren. Die Unterwerfung Babyloniens war aus militärischer und diplomatischer Sicht ein Akt von völlig neuer Qualität. 8 Nach der Eroberung durch die Assyrer, behielt Babylonien innerhalb des Reiches dennoch einen Sonderstatus. Das lässt sich schon an der Tatsache erkennen, dass die Assyrer in vielen besetzten Gebieten, wie beispielsweise Kilikien, grosse Teile der ansässigen Bevölkerung deportierten. An ihrer Stelle wurden nicht nur Assyrer, sondern auch Babylonier angesiedelt. 9 Ein möglicher Grund für den Sonderstatus der Babylonier könnte das hohe Alter ihrer Kultur sein, von welcher die assyrische lediglich eine spätere Abzweigung war. 10 Eine Stammverwandschaft war sicherlich vorhanden. Genau genommen waren die Babylonier und Assyrer sogar zwei Teile des selben Volkes. Sie hatten mit kleinen Unterschieden im Dialekt die selbe Sprache, übten die gleiche Religion aus, wenn auch der Hauptgott der Assyrer einen anderen Namen trug, als derjenige Babyloniens, und hatten einen gleich hohen Stand in Gesittung und Bildung. 11
2.3 Veränderungen von Babylons Status im Wandel der Zeit
Der Sonderstatus Babyloniens war aber nicht während der ganzen Zeit der Besetzung durch die Assyrer auf dem gleichen Level. Tiglatpileser III. und sein Nachfolger Salmanassar V. waren gleichermassen Könige des assyrischen und babylonischen Reiches. 12 Unter deren Nachfolger Sargon II. kam es zu den ersten grösseren Problemen mit den Babyloniern. Zu Beginn der Herrschaft schloss Sargon II. ein Friedensabkommen mit Marduk-apla-iddinna II., einem der babylonischen Herrscher. Dieser nutzte die damalige unübersichtliche Situation im assyrischen Reich, um den babylonischen Thron selber zu besteigen. Sargon II. schloss daraufhin 720 v. Chr. ein Friedensvertrag mit dem babylonischen Herrscher und nutzte die Friedenszeit, um im assyrischen Reich die Ordnung wiederherzustellen und besetzte danach 710 v. Chr. Babylon erneut. Nach dieser zehnjährigen Unabhängigkeitszeit fiel das babylonische Reich erneut unter das Doppelkönigtum eines assyrischen Herrschers. 13 Erst unter Sanherib, welcher der Nachfolger von Sargon II. war, begann sich der Status Babylons zu verändern. Zunächst begann Sanherib in Ninive einen neuen Palast zu bauen,
7 Vgl. Jursa, Die Babylonier, S. 33.
8 Vgl. Cancik-Kirschbaum, Die Assyrer, S. 65.
9 Vgl. Marek, Geschichte Kleinasiens, S. 136.
10 Vgl. Tiele, Babylonisch-assyrische Geschichte, S. 488.
11 Vgl. Ebd., S. 4.
12 Vgl. Cancik-Kirschbaum, Die Assyrer, S. 65-67.
13 Vgl. Ebd., S. 71-72.
4
organisierte die Verteidigungsanlagen, das Strassensystem sowohl die Be- und Entwässerungssysteme neu und liess in der Stadt Gärten mit exotischen Tieren und Pflanzen anlegen, wodurch die Hauptstadt des Assyrerreiches deutlich an Pracht gewonnen hatte und mit der Infrastruktur und den optischen Reizen Babyloniens mithalten konnte. Die Regentschaft Sanheribs war in den Augen Marduk-apla-iddinnas II. aber eine Chance, sich den Thron Babylons zurückzuholen, worauf er sich mit dem benachbarten Reich Elam verbündete, um Sanherib in Babylonien zu stürzen. Dieser konnte Marduk-apla-iddinna II. zwar besiegen, den Aufständen aber kein Ende setzten. Deshalb hob er das Doppelkönigtum auf und setzte einen Babylonier, welcher ihm treu ergeben war, als Marionettenkönig auf den Thron Babels. Dieser Versuch scheiterte jedoch, worauf er 700 v. Chr. seinen Sohn Assurnadin-schumi als Regent einsetzte. 14 Dieser wurde 694 v. Chr. von Aufständischen nach Elam verschleppt und dort vermutlich getötet. Sanherib unternahm darauf weitere Vorstösse, um die Aufständischen unter Kontrolle zu bekommen. Nach zahlreichen Rückschlägen gelang es ihm 689 v. Chr. die Stadt Babylon wieder einzunehmen. Er liess die Kultbilder aus den Tempeln entfernen, die Statue des Stadtgottes Marduk nach Assyrien schaffen und zerstörte die Stadt völlig. Er liess dazu den Fluss über die Mauern der Stadt leiten. Sein Ziel schien sowohl eine politische, wie auch religiöse Unterwerfung Babyloniens zu sein. Er wollte das Selbstbewusstsein der babylonischen Eliten und besonders der Priesterschaft brechen. Dazu war ihm jedes Mittel recht. Er liess sogar den mesopotamischen Weltschöpfungsmythos Enuma Elisch umschreiben und ersetzte Marduk, den obersten babylonischen Gott, durch Assur, den Berggott der gleichnamigen Stadt am Tigris, an der Spitze des mesopotamischen Pantheons. Ausserdem führte er Kultfeierlichkeiten nach babylonischem Vorbild in Assur ein. 15 Die babylonische Theologie sollte assyrisiert werden. Diese Babylonpolitik war der Höhepunkt einer anti-babylonischen Phase. Assyrien versuchte ein Bewusstsein kultureller Unabhängigkeit von Babylon zu erlangen. 16 Das Vorgehen Sanheribs wurde als Sakrileg gesehen und sein Schicksal als Strafe der Götter für diesen Frevel. 17 Sanherib wurde von einem seiner Söhne umgebracht. Asarhaddon, welcher ebenfalls einer seiner Söhne und auch sein Nachfolger war, liess darauf einige der Reformen rückgängig machen und die Stadt Babylon wieder aufbauen. 18 Um für Frieden zu sorgen, setzte Asarhaddon seinen Sohn Assurbanipal als König des assyrischen Reiches ein und dessen Bruder Schamasch-schumuukin auf den Thron Babylons. Babylonien durfte die Königswürde behalten. Das war ein
14 Vgl. Cancik-Kirschbaum, Die Assyrer, S. 78.
15 Vgl. Ebd., S. 79-81.
16 Vgl. Jursa, Die Babylonier, S. 34.
17 Vgl. Cancik-Kirschbaum, Die Assyrer, S. 79.
18 Vgl. Jursa, Die Babylonier, S. 34.
5
Arbeit zitieren:
Josip Lasic, 2011, Der Untergang des Assyrerreiches – selbstverschuldet oder unvermeidbar?, München, GRIN Verlag GmbH
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