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1.1 Entstehung. 2
1.2 Zur Begriffsdefinition „Mehrsprachigkeit“ 3
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2.1 Die Bedeutung der Muttersprache 4
2.2 Die Bedeutung von Mehrsprachigkeit in der Kindertagesstätte. 5
2.3 Interdependenz-Hypothese. 9
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3.1 Interkulturelle Kommunikation in Kindertagesstätten 10
3.2 Interkulturelle Bildung in Kindertagesstätten 11
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II
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In der deutschen Bildungsdiskussion ist die Integration und Förderung ausländischer Kinder ein zentrales Thema - insbesondere nach der PISA-Studie 2001, die Defizite im deutschen Bildungssystem im Hinblick auf den Ausgleich sozialer Unterschiede und die Bildungsbeteiligung von Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund aufgezeigt hat. Vor allem die Sprachdefizite von Migrantenkindern in der deutschen Sprache werden hervorgehoben. Während Mehrsprachigkeit einerseits als wichtige Kompetenz anerkannt wird, sieht es bei der Erziehung von Kindern mit Migrationshin-tergrund anders aus: In der Regel werden nicht die spezifischen mehrsprachigen und interkulturellen Entwicklungsprofile gesehen, sondern die Mehrsprachigkeit dieser Kinder wird problemorientiert betrachtet und eher als Belastung im Kindergartenalltag empfunden.
Diese Arbeit setzt sich mit dem Thema Mehrsprachigkeit bei Kindern mit Migrations-hintergrund und der Bedeutung von interkultureller Bildung in Kindertagesstätten auseinander. Es soll insbesondere auf die Probleme hingewiesen werden, die sowohl für die Kinder in den Tagesstätten als auch für die Institutionen bestehen. In diesem Zusammenhang muss auch auf die Rolle der pädagogischen Fachkräfte und auf die besondere und wichtige Rolle der Muttersprache aufmerksam gemacht werden.
Die Arbeit gliedert sich in vier Kapitel:
Im ersten Kapitel erfolgt eine kurze Erläuterung zur Entstehung von Mehrsprachigkeit in Deutschland sowie eine Definition zum Begriff Mehrsprachigkeit. Im zweiten Abschnitt erfolgt ein Überblick über die Bedeutung der Muttersprache und die Mehrsprachigkeit - zum einen für die Kinder mit Migrationshintergrund und zum anderen für die Kindertageseinrichtung. Anschließend wird die Interdependenz-Hypothese vorgestellt, die einen wichtigen Beitrag zur Annerkennung der Muttersprache von Kindern mit Migrationshintergrund geleistet hat.
Im dritten Abschnitt werden interkulturelle Aspekte in der Kindertageseinrichtung dargestellt - insbesondere Aspekte zur interkulturellen Bildung. Im letzten Kapitel erfolgt ein Überblick über aktuelle Maßnahmen der Politik zur Sprachförderung speziell in Niedersachsen.
1
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1.1 Entstehung
Die Verbreitung von Mehrsprachigkeit in Deutschland hat seit dem Beginn des Zuzugs von ausländischen Arbeitskräften und deren Familien seit den 1960er Jahren stattgefunden. Hinzu kamen Aussiedler und bleibeberechtigte Flüchtlinge. Bereits vor über 20 Jahren waren die Sprachprobleme von Kindern mit Migrationshin-tergrund bildungspolitisch ein wichtiges Thema. 1 Durch den Besuch des Kindergartens und dem damit verbundenen so genannten „Sprachbad“ 2 in der deutschen Sprache erhoffte man sich eine Verbesserung der Integration der Kinder und Familien, sowie eine Unterstützung und Hilfestellung bei der sprachlichen Entwicklung. Die anfänglich einseitig auf die deutsche Sprache ausgerichteten Konzepte wurden bald einer kritischen Revision unterzogen, da die Bedeutung der Muttersprache wissenschaftlich nachgewiesen wurde 3 (siehe hierzu Kapitel 3.3: Interdependenz-Hypothese).
Seit der Veröffentlichung der PISA-Studie im Jahr 2001 gewinnt das Thema Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund, insbesondere im Elementar- und Primarbereich, an Bedeutung. In der PISA-Studie werden explizit die Sprachdefizite von Migrantenkindern in der deutschen Sprache hervorgehoben. Zudem macht die Studie darauf aufmerksam, dass der Schulerfolg in Deutschland stark von der sozialen Herkunft abhängt und insbesondere Kinder aus Familien mit Migrationshin-tergrund benachteiligt sind.
Es entstehen Maßnahmen und Programme der Bundesregierung zur Sprachförderung. Für die Eltern gibt es verpflichtende Sprachkurse und für die Kinder Sprachförderprogramme auch schon vor der Einschulung (siehe Punkt 5: Aktuelle Maßnahmen der Politik).
Im Jahr 2000 lebten rund 486.000 ausländische Kinder im Alter bis zu 6 Jahren in Deutschland, 88% davon sind in Deutschland geboren worden. 4
1 vgl. Jampert 2002, S.10
2 vgl. ebd. 2002, S.11
3 vgl. ebd. 2002, S.11
4 vgl. Die Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen S. 142
2
Im Gegensatz zu den Eltern deutscher Kinder, die hauptsächlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Grund für einen Kindergartenbesuch nennen, ist für die Eltern von Kindern mit Migrationshintergrund vor allem der Bedarf nach Sprachförderung das Hauptkriterium. 5
1.2 Zur Begriffsdefinition „Mehrsprachigkeit“
In der einschlägigen Literatur ist meist von Mehrsprachigkeit die Rede, obwohl die Kinder mit Migrationshintergrund für viele Menschen auf den ersten Blick zweisprachig sind. Aber diese Sichtweise täuscht, denn jede Sprache besteht aus einem komplexen, flexiblen und dynamischen Gefüge von Ausdrucksweisen. 6 Hinzu kommen Dialekte, Soziolekte, Fachsprachen und Jugendsprache bzw. Slang. „Eine Sprache ist viele Sprachen“ 7 und jede hat ihre spezifische Funktion: Sie stellen regionale, soziale oder fachliche Milieus her und kennzeichnen sie durch die jeweilige Sprache. „Muttersprachler können je nach Milieu die passenden Ausdrucksweisen wählen (soziolinguistische Kompetenz) und zwischen ihnen umschalten (Switching: psycholinguistische Kompetenz), um dasselbe zu sagen.“ 8
Allerdings wird Mehrsprachigkeit in einer einsprachigen Umgebung, „die auf das Funktionieren in nur einer Sprache fixiert ist, und eine öffentliche Meinung, die durch die Sichtweise von Personen geprägt ist, die einsprachig aufgewachsen sind, zumindest ihrem Verständnis nach“ 9 , zum Problem sowohl für die Kinder als auch für die Institutionen. Dabei bleibt häufig unberücksichtigt, dass mehrere Sprachen zu beherrschen eine Leistung und eine Aufgabe darstellt und weniger ein Problem. Mehrsprachig aufwachsende Kinder besitzen besondere Fähigkeiten, die in den Institutionen unterschätzt und nicht anerkannt werden. Dazu zählt die Fähigkeit, absichtsvoll zwischen den Sprachen zu wechseln, das so genannte Code-Switching. Dieses Phänomen gilt weit verbreitet immer noch als ein Anzeichen dafür, dass weder die eine, noch die andere Sprache richtig beherrscht wird. Die Kinder werden dann als „doppelt halbsprachig“ bezeichnet. Allerdings entsteht der Sprachwechsel selten durch sprachliche Unkenntnis, sondern es handelt sich um eine besondere Leistung.
5 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2003, S.143
6 vgl. Stölting 2005, S.236
7 Stölting 2005, S.236
8 ebd.2005, S.236
9 ebd.2005, S.235
3
Während des Gesprächs, welches durch den geschickten Umgang innerhalb der verschiedenen Sprachen unterschiedliche Strategien verfolgt, wie beispielsweise der Markierung eines Themenwechsels oder der Einbeziehung eines neuen Gesprächspartners, werden die verschiedenen Sprachen bewusst und funktionell eingesetzt. Zudem machen die Kinder durch ihr alltägliches Code-Switching darauf aufmerksam, dass sie die verschiedenen Sprachen nicht voneinander isolieren.
Ferner hat das absichtsvolle Sprachwechseln identitätsstiftende Wirkung. Besonders Jugendliche markieren so ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe. „Mit der Fähigkeit zum Sprachwechsel geht die Fähigkeit zur Sprachtrennung einher.“ 10 Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, besitzen die Fähigkeit, schon früh die Sprachen unterscheiden zu können und passen sich an ihre Sprachpartner an.
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2.1 Die Bedeutung der Muttersprache
„Der Begriff der Muttersprache ist in der deutschen Tradition stark ideologisch gefärbt. In der Spracherwerbsforschung von mehrsprachigen Kindern hat er wieder ein Anwendungsfeld gefunden und widersprüchliche Konnotationen erhalten: Sprache der Emotionen und Vertrautheit, aber auch Sprache, die als negative Bedingung für den Deutschspracherwerb gesehen wird, sowie Sprache, die die deutsche Mehrheit zum großen Teil ausschließt.“ 11
Wie bereits erwähnt, wird Mehrsprachigkeit bei Kindern mit Migrationshintergrund in Kindertageseinrichtungen häufig negativ und als Belastung angesehen. Dadurch wird aber der emotionale, intellektuelle und kommunikative Stellenwert der Muttersprache außer Acht gelassen.
Die Muttersprache hat in den ersten Jahren der Kinder mit Migrationshintergrund „eine entscheidende Funktion auf der emotionalen, intellektuellen und kommunikativen Ebene“, 12 denn der aktive Sprachgebrauch und der Spracherwerb der Kinder beziehen sich in dieser Zeit fast ausschließlich auf sie. Die Muttersprache ist Bestandteil der gesamten Lebenserfahrungen und ist fest in den Alltag integriert. In ihr findet die
10 Petersen 2007, S.196
11 Jampert 2002, S.78
12 ebd. 2002, S.85
4
Arbeit zitieren:
Claudia Schacht, 2007, Interkulturelle Kommunikation in Institutionen, München, GRIN Verlag GmbH
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