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Rebecca Krämer/ Jahrgang 2008
Studienarbeit : Burnout
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. 2
1. Einleitung 3
2. Aufbau der Studienarbeit. 4
3. Terminologie 5
4. Herkunft und Begrifflichkeit 5
5. Definitionsprobleme. 7
6. Verbale Definitionsversuche 8
7. Symptomatik von Burnout 10
8. Ätiologie. 12
8.1. Das Burnoutkonzept nach Freudenberger 13
8.2. Das Burnoutkonzept nach Maslach. 14
8.3. Das Burnoutkonzept nach Aronson, Pines und Kafry. 17
8.4. Das Burnoutkonzept nach Cherniss 20
8.5. Helfen in der Risikogesellschaft 25
8.6. Burnout als Entfremdung. 28
9. Resümee 30
10. Literaturverzeichnis 32
1. Einleitung
Burnout ist in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Begriffe avanciert, mit dem negative Begleiterscheinungen und -folgen der Arbeitstätigkeit psychosozialer, pädagogischer und medizinischer Professionen beschrieben werden. 1 Prägnant ist, dass insbesondere Berufsgruppen im Gesundheitswesen von einem verstärkten Risiko des „Ausbrennens“ betroffen zu sein scheinen. Demnach leiden, nach Angaben deutscher Arbeitsmediziner in Deutschland schätzungsweise 5% der 25- bis 40jährigen in Gesundheitsberufen Tätigen an der chronischen Erschöpfung, wobei eine steigende Prävalenz zu verzeichnen ist. Eine kooperative Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO 2 und der Internationalen Arbeitsorganisation 3 aus dem Jahr 2000 sorgte für die Generalisierung dieser eher berufsspezifizierten Schätzung, indem sie eine Untersuchung über die Verbreitung von Burnout in den westlichen Industrieländern durchführten. So lässt sich konstatieren, dass in Europa bereits mehr als 37 Millionen Menschen an den Folgen psychischer Arbeitsbelastung leiden.
Dieses Faktum führt in seiner Konsequenz zu einem erhöhten monetären Aufwand im kurativen Bereich des Gesundheitswesens. Darüber hinaus ist Burnout aber auch für Organisationen mit exorbitanten Kosten verbunden, weil neben der Minderung der Qualität und Quantität der Arbeitsleistung zugleich erhöhter Absentismus sowie Mitarbeiterfluktuation einhergehen. Dennoch sind die Folgen von Burnout neben den dargelegten volkswirtschaftlichen Kosten ebenso auf persönlicher und
zwischenmenschlicher Ebene in Form intangibler Kosten relevant. 4 Doch was ist das für ein Prozess, der Menschen mit ursprünglich anscheinend guter Motivation und einer Menge Vertrauen in sich selbst und ihre Fähigkeit, Krisensituationen zu meistern, in eine Geistesverfassung derartiger emotionaler Auflösung und Desillusionierung bringt? 5
Diese Fragestellung impliziert simultan die Suche nach Faktoren, welche die Entstehung von Burnout begünstigen. Bedeutsam ist, dass nach 30-jähriger Beschäftigung mit diesem Phänomen diese Ursachen noch keineswegs hinreichend erforscht wurden. 6
1 Vgl.: Enzmann, D.: Gestreßt, erschöpft oder ausgebrannt?. Einflüsse von Arbeitssituation, Empathie und
Coping auf den Burnoutprozeß. München; Wien: Profil-Verlag, 1996, S.21
2 Die Abkürzung WHO steht für World Health Organisation.
3 International Labour Organisation - ILO
4 Vgl.: Driller, E.: Burnout in helfenden Berufen. Eine Darstellung am Beispiel pädagogisch tätiger Mitarbeiter
der Behindertenhilfe. Berlin: LIT Verlag, Band 1, 2008, S.4f.
5 Vgl.: Burisch, M.: Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung. Berlin Heidelberg: Springer-
Verlag, 4. aktualisierte Aufl., 2010, S. 5
6 Vgl.: Driller, E.: a.a.O., S.4f.
So weist Burisch darauf hin, dass die Bestimmungsversuche des Burnout-Syndroms so global sind, dass nahezu jeder unbefriedigende Umstand als Ursache in Frage kommt, oder aber so spezifisch, dass sie nur auf wenige Berufsgruppen anwendbar sind, von Burnout-Prozessen im Privatleben ganz abgesehen. 7
Aufgrund des sozialpädagogischen Hintergrundes der Autorin wird sich diese wissenschaftliche Arbeit der Burnout-Problematik primär auf die im helfenden Berufsfeld beziehen. Da diese Berufsgruppe jedoch nicht losgelöst von gesellschaftlichen Bedingungen zu betrachten ist, sondern sich in vielfältiger Weise von politischen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Faktoren beeinflussen lässt, sollen diese ergänzend mit in den Blick genommen werden. 8 Demzufolge sollen folgende Aspekte beleuchtet werden: Ist Burnout als eine Folge persönlicher Schwierigkeiten einzelner professioneller Helfer („Helfersyndrom“) anzusehen? Sind spezifische institutionelle oder organisatorische Gegebenheiten für das sogenannte „Ausbrennen“ von vormals engagierten und kompetenten Individuen verantwortlich zu machen? Oder ist Burnout als grundlegendes Symptom der „Risikogesellschaft“ zu verstehen? 9
2. Aufbau der Studienarbeit
In der vorliegenden Ausarbeitung soll zunächst als Hinführung, zu dem im Zentrum stehenden Terminus Burnout die Herkunft dieses skizziert werden. Anschließend erfolgt eine Definition, wobei in diesem Kontext bereits auf die damit einhergehende Problematik eingegangen werden soll. Zur Komplettierung dieser wissenschaftlichen Arbeit wird vor der Ätiologie, die Symptomatik dieses Phänomens beleuchtet. Die Konsequenzen werden abschließend in Kapitel neun zusammenfassend diskutiert.
An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass nachfolgend zwar versucht wird, ein Überblick über die breitgefächerte Thematik zu geben, aufgrund der Seitenzahlbegrenzung jedoch nur ein sehr geringer Teil des Konstrukts Burnout elaboriert werden kann.
7 Vgl.: Burisch, M.: a.a.O., S. 44
8 Vgl.: Gussone, B./ Schiepek, G.: Die „Sorge um sich“. Burnout-Prävention und Lebenskunst in helfenden
Berufen. Tübingen: dgvt-Verlag, 2000, S. 35
9 Vgl.: Gussone, B./ Schiepek, G.: a.a.O., S. 15
3. Terminologie
Aus sprachstilistischen Gründen sowie im Sinne eines besseren Verständnisses wird in der gesamten Studienarbeit bei geschlechtsspezifischen Begriffen die maskuline Form verwendet. Diese Form versteht sich explizit als geschlechtsneutral. Gemeint sind immer beide Geschlechter.
Überdies wird der Ausdruck Klient im Folgenden sehr weit gefasst: Er impliziert alle Individuen, welche Auftraggeber oder Leistungsempfänger spezifischer
Dienstleistungsträger sind. Bezeichnend ist, dass Therapeuten und Angehörige von Pflegeberufen den Begriff gelegentlich in Abgrenzung zu „Patient“ verwenden, um den Dienstleistungscharakter ihrer Tätigkeit und die Mündigkeit des Behandelten zu betonen.
4. Herkunft und Begrifflichkeit
Der Fachausdruck Burnout ist aufgrund seiner amerikanischen Wortbedeutung im Deutschen mit dem Begriff „ausbrennen“ zu übersetzen. 10 Er entstammt ursprünglich dem technischen Sprachgebrauch, wo er für die Bezeichnung von Vorgängen wie dem Durchbrennen einer Sicherung oder Stromleitungen verwendet wird. Auf den Menschen bezogen ist das Phänomen mit Abnutzen oder Verausgaben beziehungsweise dem Verlust vorhandener Fähigkeiten und Fertigkeiten zu verstehen. 11
Bedeutsam ist, dass sich dieser chronische Erschöpfungszustand schon in weit zurückliegenden Veröffentlichungen anhand von detaillierten Fallbeschreibungen erkennen lässt. So finden sich neben weiteren Belegen aus früheren Jahrzehnten bereits Schilderungen zahlreicher Burnout-Züge in Thomas Manns Roman Buddenbrooks wieder. 12 Whiton Stewart Paine weist in diesem Kontext daraufhin, dass laut den Herausgebern der „Merriam-Webster´s Dictionaires“ der Terminus Burnout erstmals in den 30er Jahren in den Bereichen des Profisports und der darstellenden Künste gebraucht wurde. 13 Im Jahre 1974 griff der deutschstämmige Psychoanalytiker Herbert Freudenberger diesen Ausdruck erneut auf und sorgte für dessen Popularisierung.
10 Vgl.: Dr. med. Schmiedel, V.: Burnout .Wenn Arbeit, Alltag & Familie erschöpfen. Welche körperlichen
Untersuchungen Ihnen jetzt weiterhelfen. Wie Sie aus der Stress-Spirale aussteigen. Stuttgart: TRIAS Verlag,
2010, S.12
11 Vgl.: Gusy, B.: Stressoren in der Arbeit, soziale Unterstützung und Burnout: Eine Kausalanalyse. München:
Profil Verlag, 1995, S.21
12 Vgl.: Burisch, M.: a.a.O., S. 3
13 Vgl.: Enzmann, D.: a.a.O., S.26f.
Er bezeichnet Burnout als einen Zustand, der bei Helfern eintritt, wenn diese nach „anfänglichen großen Engagement für ihre Arbeit oder Aufgabe physisch und/oder psychisch zusammenbrechen“. 14
Die Übersetzung seines Buches „Ausgebrannt“ und eine Veröffentlichung in einer deutschen psychologischen Fachzeitschrift, sorgte in Deutschland für die erste Welle wissenschaftlicher Publikationen Anfang der 80er Jahre. Vor allem die Entwicklung eines Messinstrumentes durch Maslach und Jackson und damit der Option, Burnout empirisch zu erfassen, ließ das Forschungsinteresse exorbitant steigen. 15 Es ist feststellbar, dass der Wortsinn des Phänomens solche Popularität erhielt, dass die Problematik nicht mehr nur in der Fachliteratur veröffentlicht wurde, sondern auch in der allgemeinen Presse und somit der Gesamtgesellschaft zugänglich gemacht wurde. 16 Dies kann primär damit erklärt werden, dass dieser Begriff als Synonym für die Bündelung verschiedener Symptome und Missstände herangezogen werden kann, die grundsätzlich in der Gesellschaft verankert sind. Demnach werden hierbei Felder bedient, die die Erreichung eines Lebenszieles, die Zufriedenheit und Erfüllung am Arbeitsplatz sowie den Erfolg im außerberuflichen Leben beschreiben.
Andere Autoren begründen den ausgeprägten Bekanntheitsgrad des Erscheinungsbildes mit einer positiven Konnotation des Begriffes, der gleichzeitig die vorherrschende Stigmatationsfreiheit der Betreffenden in der Gesellschaft erlaubt. Demzufolge wurde der Ausdruck Burnout für eine Vielzahl differenzierter Präventions-sowie
Interventionsmöglichkeiten verwendet. Hierbei sollte der Zielgruppe vorrangig die Chance offeriert werden, den Verlauf des Symptoms positiv zu beeinflussen, beziehungsweise bestenfalls sich davor zu schützen. 17
Bei genauerem Betrachten erweist sich die Metapher Burnout übrigens als nicht allzu treffend, vor allem wenn sie aus dem Erfahrungsbereich der Technik im Sinne von durchbrennen übersetzt wird. In diesem Zusammenhang wäre nämlich angedeutet, dass etwas abrupt passiert - mit dem Effekt des sofortigen Stillstandes. Demnach können nach Aussage von Burisch allenfalls Sicherungen und Stromleitungen durchbrennen. Burnout jedoch impliziert oft eine jahrelange Quälerei.
14 Driller, E.: a.a.O., S.10
15 Vgl.: Driller, E.: a.a.O., S.9
16 Vgl.: Gusy, B.: a.a.O., S.21
17 Vgl.: Demerouti , E.: Burnout: Eine Folge konkreter Arbeitsbedingungen bei Dienstleistungs- und
Produktionstätigkeiten. Oldenburg: Verlag Peter Lang, Band 17, 1999, S.1
Diese kritische Anmerkung lässt erkennen, dass die Übersetzung von Burnout keineswegs den Prozess dieses Phänomens verdeutlicht sondern diesen sogar verfälscht. 18
5. Definitionsprobleme
Es lässt sich konstatieren, dass trotz der Popularität des Erscheinungsbildes aus der wissenschaftlichen Sicht, bisher noch keine eindeutige und allgemeinverbindliche Begriffsdefinition hervorgegangen ist, die simultan zu einer Abgrenzung verwandter Konstrukte befähigt. Vielmehr kann bei der Literaturdurchsicht ein Spektrum an nebeneinanderstehenden und heterogenen Definitionsvorschlägen mit Modellen, Konzepten und Symptomauflistungen festgestellt werden, welche in bestimmten Aspekten sogar widersprüchliche Positionen aufweisen. So sind durch die Zunahme an Veröffentlichungen alle einschlägigen Versuche einer Präzision des Terminus entweder zu umfassend oder zu spezifisch. Burisch bekräftigt dies indem er unter dem Begriff Burnout ein „fuzzy set, eine randunscharfe Menge, einen wolkigen Begriff“, 19 versteht, den zu definieren der Aufgabe gleiche, „die genauen Grenzen einer Wolke“ 20 zu beschreiben. Begründet werden kann dies seiner Ansicht nach damit, dass zunächst einmal jeder, der sich in früheren Jahren zu dieser Krankheit äußerte, vermutlich anhand von kurzen Fall-Vignetten, Interview-Ausschnitten oder Symptomlisten seine eigene implizite Definition hatte, welche dann auch expliziert wurde. Ebenso berief man sich vorzugsweise auf Definitionsversuche der bekannteren Autoren, wie Herbert Freudenberger oder Christina Maslach. 21
Neben diesem Dilemma einer fehlenden Begriffsbestimmung ist es augenscheinlich, dass der chronische Erschöpfungszustand weder in der jüngsten Ausgabe des DSM-IV 22 noch in dem entsprechenden internationalen Verzeichnis, dem ICD-10 23 , aufgeführt ist.
18 Vgl: Burisch, M.: a.a.O, S. 7
19 Driller, E.: a.a.O., S.10
20 Driller,E.: ebd.
21 Burisch, M.: a.a.O., S. 14
22 Die Abkürzung DSM-IV steht für "Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders" (Diagnostisches
und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen). Es handelt sich um ein Klassifikationssystem der
Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung.
23 Die Abkürzung ICD- 10 steht für "International Statistical Classification of Diseases and Related Health
Problems"( Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme),
die Ziffer 10 bezeichnet die 10. Revision der Klassifikation. Es handelt sich um ein internationales Verzeichnis
der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen.
Dies beinhaltet folglich, dass Burnout im Sinne der kanonisierten medizinischen Definition keine Krankheit darstellt. Lediglich im Abschnitt Z-73.0 „Ausgebranntsein, Burnout, Zustand der totalen Erschöpfung“ findet der Terminus unter der Überschrift „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des
Gesundheitswesens führen“ in Kapitel 21 des ICD-10 Erwähnung. 24
Es ist somit erkennbar, dass Burnout bisher keiner medizinischen Kategorie zugeordnet werden kann, sondern eher „in unserer Kultur (…) noch unendlich davon entfernt ist, eine `legitime` Belastungsstörung zu sein, die auf mehr Anspruch hätte als auf die Empfehlung `mach doch mal Ferien! `“ 25
6. Verbale Definitionsversuche
Aufgrund der begrifflichen Unklarheiten ist es entscheidend verschiedene Auslegungen des Begriffes Burnout zu skizzieren. So wurde dieser chronische Erschöpfungszustand unter anderem definiert als
„ein Syndrom unangemessener Einstellungen gegenüber Klienten und sich selbst, oft in Verbindung mit unangenehmen physischen und emotionalen Symptomen.“ 26
„ein Syndrom emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und persönlicher Leistungseinbußen, das bei Individuen auftreten kann, die in irgendeiner Art mit Menschen arbeiten. Es ist eine Reaktion auf die chronische emotionale Belastung, sich andauernd mit Menschen zu beschäftigen, besonders, wenn diese in Not sind oder Probleme haben.“ 27
Diese angeführten Begriffsbestimmungen nach Kahn und Maslach lassen eine Gemeinsamkeit erkennen. So beschränken sie Burnout ausschließlich auf Individuen, die mit Klienten arbeiten, also als professionelle Helfer agieren. Die Berkeley-Gruppe konzedierte in diesem Kontext immerhin, dass dasselbe Phänomen auch außerhalb der helfenden Berufe augenscheinlich ist, nur seien dort die lokalisierten Ursachen anders zu deklarieren. Zur Differenzierung reservierten sie den Terminus Burnout für Helfer, während andere Tedium (Überdruss) erlebten.
24 Vgl.: http://hilfe-bei-burnout.de/auswirkungen/krankheitsstatus/ (Download: 18.12.2010)
25 Rösing, I.: Ist die Burnout-Forschung ausgebrannt? Analyse und Kritik der internationalen Burnout-
Forschung. Sankt Augustin: Asanger Verlag, 2003. S.90
26 Kahn, R, 1978 zitiert nach Bursch, M. a.a.O., S.17
27 Maslach, C. 1982 zitiert nach Burisch, M. a.a.O., S.17
Diese Unterscheidung rief vielfältige Kritik hervor - schwang doch ein wenig der Unterton von „wichtigem Burnout“ bei Helfern und „weniger wichtigem Burnout“ bei allen anderen mit. Infolgedessen wurde diese unglückliche Abgrenzung mittlerweile revidiert.
Grundsätzlich lässt sich jedoch eine Öffnung für Beobachtungen außerhalb der engeren Helferszene konstatieren, welche sich auch in unterschiedlichen Definitionen niederschlägt. Demnach wurde Burnout auch als „(…) eine Erosion der Werte, der Würde, des Geistes und des Willens - eine Erosion der menschlichen Seele. Es ist ein Leiden, das sich schrittweise und ständig ausbreitet und Menschen in eine Abwärtsspirale zieht, aus der das Entkommen schwer ist“ 28 beschrieben. Bei dieser referierten Begriffsbestimmung wird Burnout explizit als Prozess aufgefasst, was der Sache näher kommt, will man nach Burisch nicht mit der Option rechnen, dass Menschen „ausgebrannt“ auf die Welt kommen oder über Nacht „ausbrennen“.
Als Quintessenz vieler Definitionsversuche, wie der bislang behandelten, haben Schaufeli und Enzmann die folgende Arbeitsdefinition vorgeschlagen:
„Burnout ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand „normaler“ Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung (distress), einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und der Entwicklung disfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen Menschen aber lange unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstiger
Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst aufrecht.“ 29
Ohne Zweifel ist dies von allen die elaborierteste und geschliffenste Begriffsbestimmung. Dennoch gilt es auch in diesem Zusammenhang Vorbehalte zu skizzieren. So ist die Bedeutung des Ausdruckes Seelenzustand nicht hinreichend geklärt und sorgt für einigen Auslegungsspielraum. Überdies wirft sich die Fragestellung auf, ob das Kernsymptom Erschöpfung für die Diagnose ausreichend ist oder inwiefern auch die Begleitsymptome existent sein müssen? Und warum werden nur schlecht passende Intentionen erwähnt, nicht aber mangelnde Kompetenzen oder ungewöhnliche Werte- oder Verhaltensmuster? Warum die Einschränkung auf die „Berufsrealität“, wenn sich dieses Erscheinungsbild
28 Maslach / Leiter 1997 zitiert nach Burisch, M. a.a.O. S.20
29 Schaufeli / Enzmann 1998 zitiert nach Burisch a.a.O. S.19
Arbeit zitieren:
Rebecca Krämer, 2011, Burnout im helfenden Berufsfeld, München, GRIN Verlag GmbH
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