Gliederung
1 Einleitung: Was ist ein Mann? 3
2 Begriffsklärung traditionelle männliche Identität und moderne
m ännliche Identität 4
3 Chancen durch Übernahme der modernen männlichen Identität 6
3.1 Der moderne Mann und Politik 6
3.1.1 Neue geschlechterdemokratische Männerpolitik 6
3.1.2 Politische Ziele des modernen Mannes. 8
3.2 Übernahme positiver weiblicher Attribute 9
4 Risiken durch Übernahme der modernen männlichen Identität 11
4.1 Männlichkeit und Beruf. 12
4.2 Unterdrückte und aufgestaute Gewalt 14
5 Schlussbemerkung. 16
6 Literaturverzeichnis 18
1 Einleitung: Was ist ein Mann?
„Je weniger Schlaf ich benötige, je mehr Schmerzen ich ertragen kann, je mehr Alkohol ich vertrage, je weniger ich mich darum kümmere, was ich esse, je weniger ich jemanden um Hilfe bitte und von jemandem abhängig bin, je mehr ich meine Gefühle kontrolliere und unterdrücke, je weniger ich auf meinen Körper achte, desto männlicher bin ich“ (Goldberg 1967, zitiert nach Schmid 2003, S.2).
Lässt sich ein Mann auch heutzutage noch an diesen Attributen erkennen? Was macht einen richtigen Mann eigentlich aus? Was ist Männlichkeit? Auch in dem Lied Wann ist ein Mann ein Mann geht der Sänger Herbert Grönemeyer diesen Fragen nach, wobei er in stereotyper und humorvoller Weise positive, wie auch negative männliche Eigenschaften beschreibt. Die Frage, was einen Mann aber nun wirklich ausmacht und wie ein typischer Mann heutzutage zu sein hat, kann aber nicht einfach so beantwortet werden. Zunächst muss man festhalten, dass sich die Rolle des Mannes in unserer modernen Gesellschaft weitgehend verändert hat und nicht nur die eine einzige männliche Identität existiert. Im Gegenteil, es gibt mehrere unterschiedliche Facetten männlicher Identität mit einem jeweils anderen Rollenverständnis. Grob unterscheiden lassen sich dabei die beiden Pole der traditionellen männlichen Identität auf der einen Seite und der modernen männlichen Identität auf der anderen Seite.
Mein Anliegen ist es deshalb, in dieser Arbeit vorab erst einmal zu klären, was man unter den beiden Begriffen der traditionellen männlichen Identität und der modernen männlichen Identität versteht, welche Mischformen es gibt und welche verschiedenen Rollenverständnisse mit ihnen einhergehen. Anschließend soll der Frage nachgegangen werden, welche Chancen und Risiken die Überwindung der traditionellen männlichen Identität und somit die Übernahme einer modernen männlichen Identität mit sich bringt. Bei den Chancen möchte ich erst auf die neue geschlechterdemokratische Männerpolitik eingehen und danach aufzeigen, welche erstrebenswerten politischen Ziele der moderne Mann verfolgt. Danach soll darauf eingegangen werden, welche Vorteile die Übernahme positiver weiblicher Attribute für den modernen Mann hat und wie sich die familiäre Situation dadurch verbessern kann. Bei den Risiken möchte ich darstellen, welchen hohen Stellenwert die Arbeit, beziehungsweise der Beruf, für den Mann sowie dessen Identität hat. Ferner soll analysiert werden, inwie-
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weit der Stellenwert des Berufes mit negativen Auswirkungen sinkt. Als zweites Risiko möchte ich beleuchten, wie sich unterdrückte und aufgestaute Gewalt, durch die soziale und gesellschaftliche Überformung des modernen Mannes, negativ äußern kann. Abschließend soll dann ein Fazit gezogen werden, ob der moderne Mann nun eine Bereicherung für die Gesellschaft darstellt oder ob es für alle Männer sowie deren Umfeld besser wäre, an der traditionellen männlichen Identität festzuhalten. Hierbei soll letztendlich auch meine persönliche Meinung Einfluss finden.
2 Begriffsklärung traditionelle männliche Identität und moderne männliche Identität
Als erstes wollen wir klären, was die Begriffe der traditionellen männlichen Identität und der modernen männlichen Identität bedeuten. Dabei wollen wir feststellen, welche Einstellungen beziehungsweise welches Rollenverständnis Männern, die eine dieser Identitäten übernommen haben, zu Grunde liegen. Beginnen wir hierzu mit der traditionellen männlichen Identität. Männer, die dieser Identität zugeordnet werden können, besitzen ein überwiegend traditionelles/konservatives Rollenverständnis. Sie „… zeichnen sich nicht nur durch eine ungebrochen positive Einstellung zu einem polaren Modell geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung aus, … sondern imponieren darüber hinaus durch die habituelle Sicherheit, auf der diese Einstellung basiert. … Diese Männer [sind] nicht nur an hegemonialer Männlichkeit orientiert, sondern auf-grund ihrer sozialen Position zugleich in der Lage, diese zu leben und zu repräsentieren“ (Brandes, in Rosowski, Ruffing 2000, S.101). Das Leitbild der hegemonialen Männlichkeit, welches der traditionelle Mann verinnerlicht hat, steuert dessen Selbstbild und Handlungen in Richtung Externalisierung, Gefühlsverleugnung, Konkurrenzfähigkeit, Gewalt, Streben nach Macht und bedingungslose Heterosexualität. Traditionelle Männer vertreten beispielsweise die Auffassungen, dass der Mann für die finanzielle Versorgung des Haushaltes zuständig ist, während es Aufgabe der Frau ist sich um Haushalt und Kinder zu kümmern, dass Männer Frauen das Gefühl geben, etwas bestimmen zu können, aber letztendlich doch passiert, was der Mann will und dass der Mann seinen persönlichen Sinn in seiner Arbeit erfährt (vgl. Volz, Zulehner 2009, S.25).
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Die moderne männliche Identität bildet sozusagen genau den Gegenpol zur beschriebenen traditionellen männlichen Identität. Moderne Männer lehnen traditionelle beziehungsweise konservative Rollenbilder ab und vertreten modernere und emanzipiertere Auffassungen. So ist es zum Beispiel für Männer, die sich zur modernen männlichen Identität zuordnen lassen, keine Schande, zur Betreuung ihres kleinen Kindes in den Erziehungsurlaub zu gehen und sie vertreten die Meinung, dass sowohl Mann als auch Frau zum Haushaltseinkommen beitragen sollten. Die beste Lösung nach Ansicht des modernen Mannes ist es, wenn Mann und Frau beide nur halbtags erwerbstätig sind und sich somit in gleichem Maße um Haushalt und Kinder kümmern können. Desweiteren erkennen moderne Männer die Frauenemanzipation als eine sehr gute und notwendige Entwicklung an (vgl. ebd., S.25). „Zwischen diesen beiden gegensätzlichen Typen [(traditionell und modern), d. Verf.] finden wir solche, die in pragmatischer Weise balancierend (selektiv) traditionelle wie moderne Positionen verknüpfen“ (ebd., S.29). Männer des Typus balancierende männliche Identität können sich folglich sowohl mit traditionellen als auch mit modernen Einstellungen und Rollenbildern identifizieren und vertreten, je nach Situation und gegebenen Umständen, die für sie passenden Standpunkte. Um die Facetten männlicher Identität zu komplettieren, bleibt schließlich noch der suchende Mann zu nennen. Suchende Männer kennzeichnen sich dadurch, dass sie sich weder mit dem traditionellen, noch mit dem modernen Rollenverständnis identifizieren können. Sie werden auch als die Unsicheren oder Formbaren beschrieben, denn sie wissen nicht, ob sie sich dem starken Geschlecht zuordnen können und mit genug Männlichem ausgestattet sind. Daher suchen Männer diesen Typs noch nach der für sie emotional und individuell passenden Identität (vgl. ebd., S.29).
Diese vier Typen männlicher Identität, die mit Hilfe von Fragebögen ermittelt wurden, bilden den Ausgangspunkt für die Studie Männer in Bewegung von Volz/Zulehner. Bei dieser wurde unter anderem untersucht, wie sich der prozentuale Anteil der Identitäten bei 4454 Testpersonen vom Jahr 1998 im Vergleich zum Jahr 2008 entwickelt hat. Dabei ist anzumerken, dass die traditionelle Identität in dieser Studie als teiltraditionell bezeichnet wird, um den im Laufe der Jahre stattgefundenen Identitätsveränderungen Rechnung zu tragen.
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Arbeit zitieren:
Alexander Schwalm, 2011, Der moderne Mann - Bereicherung für die Gesellschaft oder Verfall männlicher Identität, München, GRIN Verlag GmbH
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