2. Aufbau der Unterrichtsreihe
1. Stunde:
„Es kitzelt an den Füßen und kribbelt in der Nase“: Die SuS sammeln in einem Stationenlauf verschiedene Sinneseindrücke zum Thema „Natur“, äußern ihre Assoziationen zur Thematik und fixieren diese, um Wortmaterial für das Verfassen eigener Natur-Gedichte zu sammeln.
2. Stunde:
„Auf den Spuren der großen Dichter“: Die SuS lernen verschiedene Natur-Gedichte als Beispiele des lyrischen Ausdrucks von Wahrnehmungen der Natur kennen und erarbeiten sich ein lyrisches Fachvokabular, das es ihnen ermöglicht, sich über Gedichte adäquat auszutauschen.
3. und 4. Stunde:
„Wir schreiben ein Parallelgedicht“: Die SuS beschreiben die Struktur von Christine Nöstlingers Gedicht „Frühling“ bzw. des Gedichts „Der Wind“ von Josef Guggenmoos und verfassen ein eigenes Gedicht, indem sie eine der beiden Gedichtstrukturen imitieren und sich dabei des in der ersten Stunde erarbeiteten Wortmaterials bedienen; unter Zuhilfenahme der bereits erlernten lyrischen Fachbegriffe erfolgt zudem eine gegenseitige Beurteilung der produzierten Gedichte durch die SuS.
6. und 7.Stunde:
„Wie sieht mein eigenes Naturgedicht aus?“: Die SuS verfassen eigenständig Gedichte zum Thema „Natur und Umweltschutz“ und bedienen sich dabei der in der vergangenen Stunde erarbeiteten „Steckbriefe“, um ihre Erfahrungen und Wahrnehmungen in einer jeweils favorisierten Gedicht-Form schreibkreativ auszudrücken, wobei die SuS auf das zu Beginn der Reihe erarbeitete Wortmaterial zurückgreifen können.
8. Stunde:
„Unsere Dichterkonferenz“: Die SuS überarbeiten ihre Gedichte sowohl inhaltlich als auch formal und übertragen ihre Gedichte in die Reinschrift, um das Kapitel „Natur“ in ihrem Klassen-Gedichte-Buch fertigzustellen.
9. Stunde:
„Unsere große (Natur-)Dichterlesung“: Die SuS präsentieren ihre Gedichte (bzw. das Gedichtebuch) während einer Lesung im „Amphitheater“ der Schule und würdigen kriteriengeleitet die Leistung ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler.
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3. Thema und Ziele der Stunde
3.1 Thema der Stunde
„Wir schreiben Gedichte-Steckbriefe“: Die SuS erarbeiten in Kleingruppen die formalen Kriterien („Baupläne“) verschiedener Gedichtformen und präsentieren diese in einem kurzen Vortrag, um darauf aufbauend eine differenzierte Grundlage für das Verfassen eigener Naturgedichte zu erhalten.
3.2 Ziele der Stunde
Das übergeordnete Ziel der hier beschriebenen Unterrichtsstunde besteht schwerpunktmäßig darin, dass die SuS grundlegende Einsichten in den Aufbau verschiedener Gedichtformen erlangen und darüber hinaus ihr in den vergangenen Stunden erlangtes Fachvokabular im Bereich Lyrik festigen sollen, indem sie in Gruppenarbeit die ihnen unbekannten Gedicht-formen Elfchen, Haiku und Rondell anhand differenzierter Arbeitsaufträge hinsichtlich ihrer formalen und inhaltlichen Struktur analysieren und darauf fußend Steckbriefe erarbeiten, auf deren Grundlage im weiteren Verlauf der Unterrichtsreihe eigene Naturgedicht entstehen sollen.
3.2.1 Ziele im Bereich der Fachkompetenz Deutsch
a) Bereich: Sprache und Sprachgebrauch untersuchen:
Schwerpunkte 3 : „An Wörtern, Sätzen und Texten arbeiten“, „Grundlegende sprachliche Strukturen und Begriffe kennen und anwenden“, u.a. 4
Die SuS sollen die Konstruktionsprinzipien verschiedener Gedichtformen 5 ent-
DieSuS sollen bei der Erarbeitung der Strukturen der jeweils zu untersuchenden
3 Die nachfolgend aufgeführten Ziele im Bereich der Fachkompetenz Deutsch lassen sich nicht aus einem Schwerpunkt im Bereich „Sprache und Sprachgebrauch untersuchen“ ableiten. Es wurde daher mehrere Schwerpunkte zusammenfassend betrachtet.
4 Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen, S. 34.
5 Die für diese Stunde getroffene Auswahl umfasst die Gedichtformen: Elfchen, Haiku und Rondell.
6 Verwiesen sei an dieser Stelle auf die Materialien im Anhang.
7 Das erworbene Fachvokabular umfasst zu diesem Zeitpunkt der Unterrichtsreihe folgende Begriffe: reiner und unreiner Reim, Strophe, Vers, Zeile, Reimform(en). Vgl. hierzu auch: Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen, S. 35.
3
Der Bereich „Sprache und Sprachgebrauch untersuchen“ im Lehrplan erstreckt sich nach Oomen-Welke/Kühn nicht nur auf den Bereich der Grammatikarbeit, sondern reicht bis auf die Textebene. 8 Somit kann das o.g. Ziel, lyrische Texte auf Strukturen bzw. Regelmäßigkeiten zu untersuchen, mit dem Kompetenzbereich „Sprache und Sprachgebrauch untersuchen“ durchaus legitimiert werden.
b) Bereich: Sprechen und Zuhören Schwerpunkt: Zu anderen sprechen
Die SuS sollen ihre Fähigkeiten, sich verständlich und situationsgerecht auszudrücken, weiterentwickeln, indem sie ihre erarbeiteten Ergebnisse dem Plenum vortragen. 9
Die SuS sollen ihren Vortrag funktionsangemessen gestalten, indem sie die Regeln für einen informierenden Kurzbeitrag beachten und zudem die innerhalb der Klasse erarbeiteten Kriterien beim Vortragen der Arbeitsergebnisse umsetzen. Die SuS sollen bei der Vorstellung ihrer Lernergebnisse auf die bereits erlernten lyrischen Fachbegriffe zurückgreifen, indem sie entweder auf ihr bereits erworbenes Wissen diesbezüglich zurückgreifen oder Hilfsangebote wahrnehmen. Die SuS sollen ihr Verständnis der vorgestellten Arbeitsergebnisse dokumentieren, indem sie ggf. zu den Vorträgen Stellung beziehen.
Die SuS sollen in den Arbeitsgruppen ein Ergebnis erarbeiten, indem sie über die Aufgabe diskutieren und nach Lösungen für das gestellte Problem suchen.
c) Bereich: Lesen - mit Texten oder Medien umgehen Schwerpunkt: Über Lesefähigkeit verfügen
Die SuS sollen die ihnen gestellten Aufgaben möglichst selbstständig bearbeiten, indem sie die schriftlichen Arbeitsanweisungen verstehen und danach handeln. 10 Die SuS planen ihren Vortrag zielgerichtet, indem sie einer schriftlichen Aufgabenstellung die wesentlichen Informationen entnehmen und keinen der zu bearbeitenden Aspekte auslassen.
3.2.2 Ziele im Bereich der Sozialkompetenz
Die SuS sollen während der Arbeit in den Kleingruppen folgende Klassenregeln beachten: einander ausreden lassen, einander zuhören und in einer der Arbeitsform angemessenen Lautstärke sprechen.
Das kooperative Lernen innerhalb des Klassenverbandes soll gestärkt werden, indem die SuS bei der Zusammenarbeit in den Kleingruppen die ihnen bekannten Regeln zur Gruppenarbeit beachten.
8 Vgl. Oomen-Welke, Ingelore/Kühn, Peter: Sprache und Sprachgebrauch untersuchen, in: Bremerich-Vos u.a.: Bildungsstandards für die Grundschule: Deutsch konkret, S. 139.
9 Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen, S. 28.
10 Vgl. ebd., S. 31.
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Die SuS sollen beim Vortragen der Arbeitsergebnisse die Leistung der jeweils vortragenden SuS würdigen, indem sie ggf. ein positives Feedback abgeben.
3.2.3 Ziele im Bereich der Methodenkompetenz
Die SuS sollen ihre Arbeit in den Kleingruppen möglichst zielgerichtet gestalten, indem sie sich einerseits die ihnen zur Verfügung stehende Zeit effektiv einteilen und andererseits die jeweiligen Kompetenzen der einzelnen Gruppenmitglieder bündeln, um die Aufgabe lösen zu können.
Die SuS sollen ihre Kompetenzen im Bereich des Vortragens von Arbeitsergebnissen ausbauen, indem sie als „Experte“ für die von ihnen bearbeitete Gedicht-form versuchen, den übrigen Kindern ihre Ergebnisse so zu präsentieren, dass möglichst wenig inhaltliche Rückfragen gestellt werden müssen. Die SuS sollen durch die Analyse verschiedener Gedichtformen in Ansätzen für den Aspekt sensibilisiert werden, dass Form und Funktion miteinander korrespondieren und sich bestimmte Textsorten (z.B. ein Brief) durch einen strengen formalen Aufbau (hier: Anrede, Hauptteil, Schlussformel) auszeichnen. 11
4. Fachwissenschaftliche Analyse des Unterrichtsgegenstandes
Den zentralen Unterrichtsgegenstand der Stunde bildet die Analyse verschiedener Gedicht-formen in Bezug auf ihre spezifischen Konstruktionsprinzipien sowie auf ihre inhaltlichthematischen Schwerpunkte.
4. 1 Lyrik und Gedicht 12
Mit dem Begriff Lyrik bezeichnet man die dritte literarische Gattung neben der Epik und der Dramatik. Lyrische Werke werden auch Gedichte genannt. Der Ordnungsbegriff „Lyrik“ wird erst seit dem 18. Jahrhundert als Gattungsbezeichnung verwendet. Lyrische Texte unterscheiden sich von der Prosa oft durch ihre äußere Form (Versmaß, Strophe etc.), besonders aber durch ihre Kürze trotz inhaltlicher Dichte (Ausdruckskraft) und sprachlicher Ökonomie (Prägnanz). Sie sind subjektiv und weisen meist einen Bezug zu einer lyrischen Figur auf.
Mit Blick auf die formale Ebene werden viele sprachliche und formale Mittel als Ausdrucksmittel nutzbar gemacht (Reim, Rhetorische Figur, Alliteration, Metapher). Auch eine nicht alltägliche Anordnung von Wörtern, Wortgruppen und Sätzen kann dabei eine Rolle spielen. Allerdings gibt es auch Gedichte, die sich diesen Merkmalen bewusst widersetzen und im
11 Als Beispiel für diese Korrespondenz zwischen Form und Inhalt sei hier die Gedichtform „Haiku“ genannt: Trotz der stofflichen Freiheit soll der Gegenstand in einer sehr knappen Form sprachlich treffend erfasst werden. Vgl. hierzu: Schulz, Gudrun: Umgang mit Gedichten, S. 83; vgl. ferner: Vgl. Oomen-Welke, Ingelore/Kühn, Peter: Sprache und Sprachgebrauch untersuchen, in: Bremerich-Vos u.a.: Bildungsstandards für die Grundschule: Deutsch konkret, S. 140.
12 Vgl. im Folgenden: URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Lyrik, abgerufen am 10.05, um 20:17 Uhr.
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Extremfall zu „Anti-Gedichten“ werden. Moderne Lyrik verzichtet oft auf die strengen Regeln von Versmaß und Reimschema und verwendet den freien Vers, wodurch sie sich der Prosa annähert.
Neben offenen Formmerkmalen können Merkmale eines Gedichtes auch verborgen sein. So kann eine bestimmte Silbenzahl einer Zeile festgelegt sein, zum Beispiel beim Haiku oder Tanka, oder es können an bestimmten Positionen im Gedicht bestimmte Buchstaben gefordert werden, beispielsweise beim Akrostichon.
4. 2 Gedichtform
Trotz der oben angesprochenen Vielfalt lyrischer Formmerkmale lassen sich die meisten Gedichte auf formaler Ebene kategorisieren: Gedichte mit identischen strukturellen Merkmalen lassen sich zu einer Gedichtform zusammenfassen.
Sind Metrik, Versform und Strophengliederung vorgegeben, spricht man von eigens benannten Gedichtformen. Eine der bekanntesten und am strengsten gegliederten Gedichtform ist das Sonett. Das Rondell und das Madrigal hingegen lassen etwas mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Die mithin größte Variationsbreite bietet das Akrostichon, das eigentlich keine eigene Gedichtform darstellt. Daneben gibt es freie Gedichte ohne wiederkehrende Versformen und metrische Regelmäßigkeiten. 13
4.3 Rondell, Haiku und Elfchen
Im Folgenden soll in Kürze auf die von den SuS zu erarbeitenden Gedichtformen eingegangen werden.
4.3.1 Das Rondell
Bereits der Name dieser Gedichtform, der sich an die musikalische Form des „Rondo“ anlehnt, gibt Aufschluss darüber, dass bei der vorliegenden Gedichtform das Stilmittel der Wiederholung ein zentrales formales Merkmal darstellt. 14
Beim Rondell handelt es sich um eine achtzeilige, reimlose Gedichtform, wobei in der Literatur zwei Variationen hinsichtlich des Aufbaus zu verzeichnen sind:
a) Ein erster Satz, der für das Gedicht eine zentrale Bedeutung besitzt, wird (in Zeile 1) festgelegt. Dieser Satz wiederholt sich in Zeil 4 und Zeile 7. Anschließend wird eine dazu passende Assoziation in Zeile 2 notiert, die in Zeile 8 ebenfalls wiederholt wird. Mit weiteren Gedanken werden dann die übrigen Zeilen (3, 5 und 6) ergänzt. 15
b) Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass der 2., 4. und 7. Vers denselben (zentralen) Satz enthalten. Die übrigen Zeilen werden mit freien Assoziationen ergänzt. 16 Nachfolgend sei ein Beispiel aus den Arbeitsmaterialien der SuS für die hier skizzierte Stunde angeführt:
13 Vgl. Hewener, Vera: Gedichtformen. URL: http://www.vera-hewener.de/html/body_gedichtformen.html, abgerufen am 10.05, um 23:34 Uhr.
14 Vgl. URL http://sansiwi.san.hrz.uni-siegen.de/heupel/mineur/verschiedenes/gedichtformen/rondell.pdf, abgerufen am 10.05, um 23:34 Uhr.
15 Vgl. Böttcher, Ingrid: Kreatives Schreiben, S. 103.
16 Vgl. Rösgen, Anja/Willmeroth, Sabine: Schöne Gedichte, S. 54.
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Aufgrund der gegebenen Lernvoraussetzungen der SuS (vgl. unten) wurde Variante a) für die Analyse der Gedichtformen in der vorliegenden Unterrichtsstunde ausgewählt.
4.3.2 Das Haiku
Das Haiku ist eine traditionelle Gedichtform aus Japan und gilt als eine der kürzesten Ge-dichtformen der Welt. 17 Ein Haiku basiert auf folgenden Gesetzen, die Form und den Inhalt betreffend: Das Gedicht besteht aus drei reimlosen Zeilen mit nur 17 Silben. Die Silben teilen sich nach dem Muster 5-7-5 auf diese drei Zeilen auf.
Die traditionelle japanische Dichtung ist jedoch nicht silbenzählend, sondern quantisierend. Daher entspricht das Schreiben eines Haikus im europäischen Raum nicht den eigentlichen traditionellen Vorgaben. Ein Haiku nach traditionellem Vorbild besteht aus einem Vers zu drei Wortgruppen à fünf, sieben und fünf japanischen Moren. Eine japanische Silbe trägt eine Mora, wenn der Vokal kurz ist und die Silbe offen auslautet. Ein langer Vokal trägt zwei Moren. Ein n am Schluss einer Silbe oder ein verdoppelter Konsonant (Sokuon, wörtlich „gespannter Laut“) trägt ebenfalls eine Mora. 18
Als Themen werden traditionell die Bindung an die Natur, die Elemente und die Jahreszeiten bevorzugt. Trotz der stofflichen Freiheit kommt es beim Schreiben eines Haikus darauf an, den zu beschreibenden Gegenstand in der knappen Form sprachlich treffend zu erfassen. 19
Nachfolgend sei auch hier ein Beispiel zur Veranschaulichung angeführt:
17 Vgl. Schulz, Gudrun: Umgang mit Gedichten, S. 83.
18 Vgl. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Haiku, abgerufen am 10.05, um 23:54 Uhr
19 Vgl. Schulz, Gudrun: Umgang mit Gedichten, S. 83.
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Dirk Feldmann, 2010, Eine Unterrichtsstunde im Fach Deutsch: Wir schreiben Gedichte-Steckbriefe (Grundschule, 3. Schuljahr), München, GRIN Verlag GmbH
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