Management Summary
Am 26.12.2004 nahm ein Tsunami rund 230.000 Menschen das Leben. Mindestens 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Trotzdem verbuchten die Versicherer kaum Verluste. Der Grund: Viele der Betroffenen konnten sich keine Versicherung leisten. Einige Anbieter von Versicherungslösungen sind nun bereits in den Markt vorgedrungen, doch deckt sich das Angebot in vielen Fällen nicht mit den Wünschen der Versicherungsinteressenten.
Daher wurde im Rahmen dieser Arbeit untersucht, wie Versicherungslösungen für einkommensschwache Menschen nachfrageorientiert angeboten werden können. Hierzu wurde ein Kriterienkatalog erstellt, der die Bedürfnisse der potentiellen Kunden zusammenfasst. An Hand dieser Kriterien wurde im zweiten Schritt geprüft, ob sich eher kommerzielle oder nicht-kommerzielle Versicherer als kundenorientierte Anbieter eignen.
Jedoch erfüllten beide Anbieter, wenn auch nicht-kommerzielle Anbieter von den Nachfragern präferiert werden, nicht alle Voraussetzungen. Das Partner-Träger-Modell stellt eine geeignete Lösung für dieses Problem dar. Hierbei arbeiten professionelle Versicherer mit kundennahen Anbietern zusammen, um so ihre Schwächen mit den jeweiligen Stärken des Kooperationspartners auszugleichen.
Mit Hilfe der Mikroversicherung haben nun rund 2,6 Mrd. Menschen weltweit Zugang zu Versicherungslösungen, die es ihnen ermöglichen, eigenverantwortlich für ihre Zukunft vorzusorgen.
Lernfragen:
1. Erläutern Sie, welche Risikomanagementstrategien einkommensschwacher Menschen zu Verfügung stehen und wo sich die Versicherungslösung einordnet.
2. Stellen sie kommerzielle und nicht-kommerzielle Versicherer hinsichtlich ihrer Eignung als nachfrageorientierte Anbieter für das Niedrigpreissegment gegenüber.
3. Erläutern Sie die Funktionsweise des Partner-Träger-Modells. Welche Bedeutung hat dieses Modell für die Kundenorientierung?
4. Welche Vorteile haben Mikroversicherung für Anbieter und Nachfrager. Nennen Sie je drei Beispiele.
Literaturhinweise:
Churchill, Craig (Hrsg.)
Protecting the poor- A microinsurance compendium. Genf. 2006.
Kalar, Amit
Mikroversicherung-Risikoschutz für 4 Milliarden Menschen. in: sigma Nr. 6/2010 Swiss Re (Hrsg.). Zürich, 2010.
Loewe, Markus
Soziale Sicherung, informeller Sektor und das Potenzial von Kleinstversicherungen. Baden-Baden.2009.
III
Inhaltsverzeichnis
Management Summary I
Inhaltsverzeichnis III
Darstellungsverzeichnis IV
Abk ürzungsverzeichnis IV
1. Vom Tsunami zur Mikroversicherung 1
2. Vom Risiko zur Nachfrage 2
2.1 Lebensumstände und Risiken armer Menschen 2
2.2 Bisherige Risikomanagementstrategien und Versicherungslösungen 6
2.3 Ansprüche der Nachfrage an Versicherungslösungen 8
3. Von der Nachfrage zum Angebot 9
3.1 Bedarfsgerechte Produktlösungen 10
3.2 Angebotsbereitstellung durch Versicherer 12
3.2.1 Eignung von kommerziellen und nicht-kommerziellen Versicherern 12
3.2.2 Lösungsansatz. 16
4 Mikroversicherung als Resultat von Angebot und Nachfrage 17
4.1 Definition und Merkmale der Mikroversicherung 17
4.2 Nutzen der Mikroversicherung 18
4.2.1 Nutzen für die Nachfrager 19
4.2.2 Nutzen für die Anbieter 19
5 Fazit. 19
Literaturverzeichnis 21
IV
Darstellungsverzeichnis
Darst. 1: Die durch den Tsunami am 26.12.2004 betroffenen Länder ......................... 1
Darst. 2: Einkommenspyramide in Entwicklungsländern ............................................. 3
Darst. 3: Risikoklassifizierung dem Ursprung nach ..................................................... 4
Darst. 4: Risikoklassifizierung nach Schadenhöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit ..... 5
Darst. 5: Risikoauswirkungen auf das Vermögen einkommensschwacher Menschen 6
Darst. 6: Die drei strategischen Ansätze des Risikomanagements ............................. 7
Darst. 7: Kriterien, die das Vertrauen zum Anbieter bedingen .................................... 8
Darst. 8: Kriterien, die eine angemessene Prämie bedingen ...................................... 9
Darst. 9: Priorisierte Risiken in ausgewählten Ländern ............................................. 10
Darst. 10: Präferenzkriterien zur Entscheidung für einen Anbieter ............................ 15
Darst. 11: Das Partner-Träger-Modell ....................................................................... 17
Darst. 12: Ausgewählte Besonderheiten von Mikroversicherungen .......................... 18
Abkürzungsverzeichnis
BMZ Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
USD US-Dollar
1
1. Vom Tsunami zur Mikroversicherung
Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 ereignete sich ein Erdbeben in der Nähe Sumatras. Der daraus resultierende Tsunami war eine der größten Naturkatastrophen der Geschichte. Darstellung 1 zeigt, dass vor allem Entwicklungsländer betroffen waren. 230.000 Menschen starben. Mindestens 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. 1
Durch die hohe Opferzahl gingen die Versicherer von großen Verlusten aus. Doch stellte die Allianz beispielsweise nach einigen Wochen fest, „dass die größte Naturkatastrophe der letzten 100 Jahre .. keine ... Niederschläge auf der Bilanz … fand.“ 3 Der Grund dafür war schnell gefunden: Der Großteil der Betroffenen hatte zu wenig Geld, um sich eine Versicherung zu leisten. Die Allianz ergriff darauf die ersten Initiativen und bezeichnete den Tsunami als „Ursprungsmoment der Mikroversicherungen“ 4 in ihrem Unternehmen. 5
Dieser Fall stellt leider keine Ausnahme dar. In Entwicklungsländern 6 sind die Einkommen gering, dadurch ist es kaum möglich, das Absicherungsbedürfnis ausreichend zu befriedigen. Einige Anbieter von Versicherungslösungen sind in diesen
1 Vgl. n-tv (Hrsg.). [Tsunami 2004, 2009].
2 Vgl. UNICEF (Hrsg.). [Tsunami 2004, 2007].
3 Anthony, Michael. [Mikroversicherungen, 2010].
4 Anthony, Michael. [Mikroversicherungen, 2010].
5 Vgl. Anthony, Michael. [Mikroversicherungen, 2010].
6 Die Begriffe Schwellenland und Entwicklungsland werden in dieser Arbeit synonym verwendet.
2
Markt schon vorgedrungen, doch deckt sich das Angebot in vielen Fällen nicht mit den Anforderungen der Versicherungsinteressenten. 7
Deshalb wird im Rahmen dieser Arbeit untersucht, wie Versicherungslösungen für einkommensschwache Menschen nachfrageorientiert angeboten werden können. Anhand des erarbeiteten Kriterienkatalog wird im 3. Kapitel geprüft inwieweit kommerzielle und nicht-kommerzielle Anbieter die Anforderungen erfüllen und welcher von den potentiellen Versicherungskunden präferiert wird. Sollte sich kein geeigneter Anbieter finden, wird nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Auf Basis der Ergebnisse soll im 4. Kapitel schließlich eine Definition herausgearbeitet werden, die die Mikroversicherung als nachfrageorientierte Versicherungslösung beschreibt.
2. Vom Risiko zur Nachfrage
Da die Anforderungen der Versicherungsinteressenten an Versicherungslösungen und somit die Nachfrage stark von den Lebensumstände, Risiken und Risikomanagementstrategien in Entwicklungsländern abhängen, werden diese im Folgenden näher betrachtet. 8
2.1 Lebensumstände und Risiken armer Menschen
Bevor der Zusammenhang zwischen den Lebensumständen und den Risiken einkommensschwacher Menschen erläutert wird, muss zunächst definiert werden, wer als einkommensschwach gilt.
Darstellung 2 zeigt vereinfacht die für diese Arbeit relevanten Einkommensschichten. Unvermögend ist eine Person demnach, wenn sie weniger als 4 US-Dollar pro Tag verdient. Darunter zählen weltweit 4 Mrd. Menschen. Bei einer aktuellen Gesamtbevölkerung von 6,8 Mrd. Menschen (Stand März 2011) sind demnach ca. 59% der Erdbevölkerung finanzschwach. 9
7 Vgl. BMZ (Hrsg.). [Mikroversicherungen, 2009] S.4-5 und
Loewe, Markus. [Kleinstversicherungen, 2009] S.144-154.
8 Vgl. Loewe, Markus. [Kleinstversicherungen, 2009] S.135-138.
9 Vgl. Statista. [Weltbevölkerung, 2011] und Kalar, Amit. [Mikroversicherung, 2010] S.11.
Arbeit zitieren:
Sabrina Schmidt, 2011, Mikroversicherungen, München, GRIN Verlag GmbH
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