Inhaltsverzeichnis
Anlagenverzeichnis 3
Abbildungsverzeichnis. 3
1 Wohnungslosigkeit und Wohnungslosenhilfe. 6
1.1 Wohnungslosigkeit. 6
1.2 Wohnungslosenhilfe 9
1.3 Wohnungslosenhilfesystem Stuttgart 12
2 Qualitative Sozialforschung. 14
2.1 Grundzüge 14
2.2 Das Problemzentrierte Interview. 15
2.2.1 Grundpositionen. 15
2.2.2 Instrumente 16
2.2.3 Gestaltung. 17
2.2.4 Die Auswertung. 18
2.3 Das Gruppeninterview / die Gruppendiskussion. 18
3 Forschungsvorgehen. 19
3.1 Wie kamen wir zur Fragestellung 19
3.2 Chronologie 20
3.2.1 Gesamtchronologie 21
3.2.2 Verlauf der Interviews 22
3.3 Reflexion. 23
4 Forschungsergebnisse 29
4.1 Zusammenfassung der einzelnen Ergebnisse. 30
4.1.1 Zusammenfassung der Ergebnisse im Bereich System 30
4.1.2 Zusammenfassung der Ergebnisse im Bereich NutzerInnen. 38
4.1.3 Zusammenfassung der Ergebnisse im Bereich Soziale Arbeit 45
4.2 Vergleich der Ergebnisse. 61
5 Zugangsbarrieren und präventive Schlussfolgerungen. 77
5.1 Zugangsbarrieren 77
5.2 Präventive Schlussfolgerungen 81
Schlussbetrachtung. 84
Literaturverzeichnis 85
Anhang 87
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Anlagenverzeichnis
Anlage 1 Interviewleitfaden System S. 87 Anlage 2 Interviewleitfaden NutzerInnen S. 89 Anlage 3 Interviewleitfaden Soziale Arbeit S. 90 Anlage 4 Personaldatenbogen Adressatin I S. 91 Anlage 5 Personaldatenbogen Adressat II S. 93 Anlage 6 Codesystem MAXQDA S. 95 Anlage 7 Projektskizze S. 98 Anlage 8 Anschreiben System S. 99 Anlage 9 Anschreiben Soziale Arbeit S. 100 Anlage 10 E-Mail-Kontakte S. 102 Anlage 11 Liste der Gruppentreffen S. 118 Anlage 12 Protokolle S. 119 Anlage 13 Transkript System I S. 138 Anlage 14 Transkript System II S. 156 Anlage 15 Transkript Adressatin I S. 177 Anlage 16 Transkript Adressat II S. 185 Anlage 17 Transkript Soziale Arbeit I S. 205 Anlage 18 Transkript Soziale Arbeit II S. 220 Anlage 19 Transkript Soziale Arbeit III S. 229 Anlage 20 Transkript Soziale Arbeit IV S. 246
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Code-Matrix-Browser MAXQDA S. 265 Abbildung 2 Diagramme S. 267
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Einleitung
Die Europäische Union hat das Jahr 2010 zum ‚Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung’ erklärt. Auch die Bundesregierung hat sich damit verpflichtet ihren Beitrag zu leisten und das Grundrecht der von Armut und sozialer Ausgrenzung Betroffenen auf ein Leben in Würde und auf umfassende Teilhabe an der Gesellschaft anzuerkennen. Die Regierung lässt jedoch extreme Armut, Wohnungslosigkeit und Wohnungsnot sowie die steigenden Gesundheitskosten für Arme beinahe unbeachtet. Nahezu polemisch wird von Seiten der Politik, der Wirtschaft und den Medien Stimmung gegen Arbeitslosengeld-II-Beziehende gemacht. Vor allem im ‚Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung’ müssen solche Missstände offen gelegt und angeprangert werden weswegen die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. zur bundesweiten Kampagne ‚Der Sozialstaat gehört allen!’ aufruft. (vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. 2010b)
Seit dem Aktivierungsdiskurs infolge der Hartz-Gesetze im Jahr 2005 stellt sich die Frage, ob die Soziale Arbeit Gefahr läuft, sich zu einem Zwei-Klassen-System zu entwickeln: ‚Erfolg versprechenden’ AdressatInnen werden professionelle soziale Dienstleistungen angeboten, NutzerInnen mit Multiproblemlagen werden von der Hilfe abgehängt. Die Soziale Arbeit sieht sich immer mehr dem Druck ausgeliefert, verstärkt die Effektivität und Effizienz ihrer Unterstützungsleistungen nachzuweisen, um so ihre Angebote zu legitimieren.
Wir stellen uns die Frage, was einen effektiven, ergo erfolgreichen, Hilfeprozess darstellt. Aus diesem Grund behandelt unsere Projektuntergruppe das Thema ‚Erfolgsgeschichten’ und untersucht multiperspektivisch Erfolgsbegriffe in den Fachberatungsstellen der Wohnungslosenhilfe Stuttgart. Ziel dieses Projektberichtes ist es Erfolgsdefinitionen der NutzerInnen, des Systems, sowie der Sozialen Arbeit im Hinblick auf Barrieren und präventive Schlussfolgerungen auszuwerten. Zu Beginn dieses Berichts werden wir uns in Kapitel 1 den Begrifflichkeiten des Hauptgegenstandes dieser Arbeit annähern. Nach einer Beschreibung der Personengruppe Wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit Bedrohter, sowie des Wohnungslosenhilfesystems wird sich explizit dem Wohnungsnotfallhilfesystem der Stadt Stuttgart gewidmet. Im Anschluss hieran folgt ein Kapitel über qualitative Sozialforschung. Zuerst werden Grundpositionen, Instrumente, Gestaltung und Auswertung des problemzentrierten Interviews beschrieben. Danach werden Spezifika des Gruppeninterviews erörtert. In Kapitel 3 wird unser Forschungsvorgehen geschildert. Nachdem im ersten Unterkapitel beschrieben wird, wie wir zu unserer
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Fragestellung gelangten, wird die Chronologie des Prozesses thematisiert. In Punkt 3.3 werden wir den die Gruppenzusammenarbeit und den Projektverlauf reflektieren. Ab Kapitel 4 beschäftigen wir uns mit der Auswertung unserer
Untersuchungsergebnisse zum Thema ‚Erfolgsgeschichten’. Untergliedert in System, NutzerIn und Soziale Arbeit werden die Befragungsergebnisse kategorisiert zusammen gefasst. In Kapitel 4.2 wird dies untereinander nach Kategorien verglichen. Den Abschluss dieses Forschungsberichtes bildet Kapitel 5, in dem wir etwaige Zugangsbarrieren und präventive Schlussfolgerungen zusammenfassen.
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1 Wohnungslosigkeit und Wohnungslosenhilfe
Gesellschaftspolitische Entwicklungen und sozialrechtliche Veränderungen haben schwerwiegende Auswirkungen auf die Arbeitsfelder und AdressatInnen Sozialer Arbeit. Die Bundesrepublik nimmt spätestens seit der Hartz-Gesetze Abstand vom Sozialstaat alter Prägung. Es geht nicht mehr um die Sicherung eines erreichten Lebensstandards, sondern es wurde eine monetäre Untergrenze geschaffen, die niemand unterschreiten soll. Das Prinzip der Bedarfsdeckung wurde von dem der Grundversorgung abgelöst. Der vormalige aktive Sozialstaat weicht dem aktivierenden, wessen Grundprämisse ‚Arbeit um jeden Preis’ lautet, wobei die Schlagworte ‚fördern und fordern’ im Vordergrund stehen. Materielle Absicherung wird nur unter der Pflicht der Gegenleistung gewährleistet. Gemäß Sozialgesetzbuch (SGB) I sind die Ziele aller Sozialgesetze die Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit und sozialer Sicherheit sowie die Sicherung eines menschenwürdigen Daseins. Im SGB XII wird dieser Idee weitergehend Folge geleistet, denn dort ist zu lesen, dass es Aufgabe der Sozialhilfe ist dem Leistungsberechtigten die Führung eines menschenwürdigen Lebens zu ermöglichen. Gesicherte Rechtsansprüche sind die Voraussetzung zur sozialen Absicherung und gesellschaftlichen Reintegration. (vgl. Gillich / Nagel 2010, 8 ff.) In einer Zeit, in der Armut immer weitere Teile der Bevölkerung erfasst oder bedroht und in der immer mehr Menschen von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt sind, ist das Thema Wohnungslosigkeit aktueller denn je.
1.1 Wohnungslosigkeit
Definition der Begrifflichkeiten
Gemäß der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAG W) wird zwischen wohnungslosen Personen in Mehrpersonenhaushalten, alleinstehenden Wohnungslosen und wohnungslosen Aussiedlern in Übergangsunterkünften unterschieden. Des Weiteren findet eine Differenzierung zwischen Wohnungslosen und Wohnungsnotfällen statt.
Eine Person ist ein Wohnungsnotfall, wenn sie wohnungslos oder von Wohnungslosigkeit bedroht ist oder in unzumutbaren Wohnverhältnissen lebt. Wenn der Verlust der derzeitigen Wohnung wegen Kündigung von Seiten der VermieterIn, einer Räumungsklage, wegen einer Zwangsräumung oder aufgrund anderer zwingender Gründe unmittelbar bevorsteht spricht man von einem Wohnungsnotfall. (vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. 2008a)
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„Wohnungslos [hingegen, J.S.] ist, wer nicht über einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügt.“ (Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. 2008a) Im ordnungsrechtlichen Sektor bedeutet dies, dass aktuell von Wohnungslosigkeit betroffene Personen jene sind, welche aufgrund ordnungsrechtlicher Maßnahmen ohne Mietvertrag untergebracht sind was bedeutet, dass lediglich eine Einweisung in Wohnraum mit Nutzungsvertrag stattfand oder sie in Notunterkünften wohnen. Im sozialhilferechtlichen Sektor sind dies Menschen, die ohne Mietvertrag untergebracht sind, wobei die Kosten nach Sozialgesetzbuch II oder XII übernommen werden, sowie Betroffene, die sich in Heimen oder Notübernachtungen aufhalten, da keine Wohnung zur Verfügung steht. Des Weiteren gelten im sozialhilferechtlichen Sektor Personen als wohnungslos, die als Selbstzahler in Billigpensionen leben, sich vorübergehend bei Bekannten oder Verwandten aufhalten oder denen jegliche Unterkunft fehlt und die deshalb Platte machen. Aussiedler, die noch keinen Mietwohnraum gefunden haben und in Aussiedlerunterkünften untergebracht sind, gelten als wohnungslos im Sinne des Zuwanderungssektors. (vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. 2008a)
Die AG Definition der BAG W erweiterte diese Definition um ehemals von Wohnungslosigkeit betroffene oder bedrohte Personen, die nun mit Normalwohnraum versorgt wurden und auf Unterstützung zur Prävention von erneutem Wohnungsverlust angewiesen sind. Dies kann im Rahmen eines Betreuten Wohnens institutionell geschehen oder aber auch ohne eine institutionell geregelte Nachbetreuung jedoch mit besonderer punktueller und partieller oder umfassender Unterstützung zur dauerhaften Wohnraumerhaltung. Mit diesem Vorschlag wird verdeutlicht wie wichtig Nachsorge ist, um die Ergebnisse eines erfolgreichen Hilfeprozesses nicht zu gefährden. Diese Fallgruppe unterscheidet sich von den anderen dadurch, dass die akuten Wohnungsnotprobleme zwar gelöst sind, dass aber zur Stabilisierung der Wiedereingliederung in normale Wohnverhältnisse spezifische Nachbetreuung andauert bzw. dass wohnergänzende Unterstützung bei Bedarf über einen längeren Zeitraum verfügbar sein muss. (vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. 2010) Bis dato ist der Bereich der präventiven Hilfen in der Wohnungsnotfallhilfe noch randständig. Lediglich 1% der Hilfeangebote sind eigenständige präventive Angebote. Um wie dargestellt nachsorgend unterstützen zu können und um positive Ergebnisse des Hilfeprozesses nicht zunichte zu machen, müssen Angebote dieser Art ausgebaut werden. (vgl. Rosenke 2010) Des Weiteren regte die AG Definition der Bundesarbeitsgemeinschaft Anfang dieses Jahres an, den Wohnungsnotfallbegriff als einen der Grundbegriffe zur Beschreibung der Lebenslage der Klientel der Wohnungslosenhilfe zu verwenden. Ebenfalls wird der Terminus ‚Personen in
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besonderen sozialen Schwierigkeiten’ als weiterer Grundbegriff zur allgemeinen Beschreibung der Lebenslage gesehen. Dieser ist nicht notwendig deckungsgleich mit dem Rechtsbegriff des § 67 SGB XII, welcher von Personen ausgeht, bei denen besondere Lebensverhältnisse mit sozialen Schwierigkeiten verbunden sind. (vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. 2010) Die gegenwärtigen und zukünftigen AdressatInnen des Hilfesystems können so auf einer allgemeinen Ebene sinnvoll beschrieben werden. Präventionsbemühungen und Integrationsleistungen der Wohnungslosenhilfe, die mit 1200 Diensten bundesweit Hilfen zur Überwindung von Armut und Wohnungslosigkeit anbietet, leisten einen entscheidenden Beitrag zu den bis vor zwei Jahren rückläufigen Wohnungslosenzahlen. (vgl.
Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. 2009)
Die soziale Situation von Wohnungslosen ist geprägt von Langzeitarbeitslosigkeit, Entwertung beruflicher Qualifikationen, prekären Beschäftigungsverhältnissen, Armut, schlechtem Gesundheitszustand und allzu oft auch durch Vertreibung in andere Gemeinden und aus dem öffentlichen Raum. „Wohnungslosigkeit wurde immer mehr in engem Zusammenhang mit Armut und Wohnungsnot diskutiert und somit als Ausdruck einer sozialen Lage interpretiert, die von struktureller Ausgrenzung, Stigmatisierung und Unterversorgung charakterisiert ist.“ (Lutz / Simon 2007, 8)
Fallzahlen der von Wohnungslosigkeit bedrohten und betroffenen Personen
In Deutschland gibt es keine bundesweite Wohnungsnotfallberichterstattung, weshalb die Zahl der Wohnungslosen und Wohnungsnotfälle geschätzt wird. Zuletzt forderte daher die BAG W in einer Presseerklärung am 30.09.2010 die Einführung einer bundesweiten Wohnungsnotfallstatistik, was die Bundesregierung jedoch weiterhin ablehnt. Eine bundesweite und einheitliche Statistik ist Planungsgrundlage für Bund, Länder und Gemeinden und Bestandteil der Armutsberichterstattung. Seit 2009 ist ein Anstieg der Zahl der Wohnungslosen und der von Wohnungslosigkeit bedrohten Haushalte zu verzeichnen. Für das Jahr 2010 erwartet die Bundesarbeitsgemeinschaft einen noch höheren Anstieg. Die unzureichende Anpassung des Regelsatzes und die vielen Streichungen und Kürzungen im sozialen Bereich werden das Risiko in Deutschland wohnungslos zu werden drastisch erhöhen. Im Jahr 2008 betrug die Zahl der Wohnungsnotfälle insgesamt ungefähr 330.000. Davon gehörten 227.000 zu den wohnungslosen, 103.000 zu den von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen. Zu viele Menschen sind von Wohnungslosigkeit unmittelbar bedroht. Von den eben aufgeführten 103.000 Personen wurden ungefähr 30.000 von den Freien Trägern der Wohnungsnotfallhilfe betreut. Die
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Gesamtzahl der in Deutschland wohnungslos gewordenen Menschen war jahrelang leicht rückläufig, jedoch leben auch heute noch schätzungsweise 20.000 Menschen in Deutschland ohne jede Unterkunft auf der Straße. (vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. 2008b)
Die Präventionsbemühungen der Wohnungsnotfallhilfe zeigen Wirkung. Mit Ausnahme der Ballungszentren sank die Zahl wohnungsloser Menschen bis 2008. Andererseits hat diese Zielgruppe immer weniger Chancen auf eine dauerhafte Verbesserung der Situation und wird vom aktivierenden Sozialstaat systematisch überfordert. 2009 kam es das erste Mal seit Jahren wieder zu einem Anstieg der Zahl der Wohnungslosen und der von Wohnungslosigkeit Bedrohten. Die vormals rückläufige Entwicklung bei Menschen ohne Wohnung ist auf einen Wohnungsmarkt zurückzuführen, auf dem aufgrund stagnierender Bevölkerungsentwicklung weniger Nachfrager auftreten. Jedoch nimmt vor allem im Bereich der Kleinraumwohnungen die Nachfrage aufgrund der fortlaufend steigenden Zahl von Einzel- und Paarhaushalten zu und führt in großstädtischen Regionen zu Engpässen.
1.2 Wohnungslosenhilfe
Die Wohnungsnotfallhilfe hat den Auftrag ein gesellschaftliches Problem zu bearbeiten, das entscheidend durch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt wird. „Wohnungslosigkeit ist die individuelle sich ausprägende Folge struktureller Armut und Unterversorgung.“ (Gillich / Nagel 2010, 8) Die Armenfürsorge hat eine Tradition, die bis in das Mittelalter reicht. Wir werden auf die Historie nicht weiter eingehen und bei der heutigen Zeit und den Angeboten der Wohnungsnotfallhilfe ansetzen.
Die Anpassungsleistungen an sozialpolitische Modernisierungsprozesse sind eine Renaissance sozialstaatlicher Zwangs-, Disziplinierungs- und Sanktionsmaßnahmen nach alter Unterscheidung zwischen arbeitswilligen und arbeitsunwilligen Armen und Arbeitslosen aus dem 19. Jahrhundert. Soziale Arbeit im Bereich der Wohnungslosenhilfe muss wieder sozialpolitischer werden und sich aktiv in (lokal-) politische Diskurse und Entscheidungen einmischen. Mit der Ökonomisierung der Sozialen Arbeit ist auch die Würde und Individualität der Menschen bedroht, die arm, exkludiert und hilfebedürftig sind. (vgl. Malyssek / Störch 2009, 211 f.) Die Wohnungslosenhilfe hat sich in den letzten Jahrzehnten von einem eher traditionell und fürsorglich agierenden Hilfesystem zu einer modernen Dienstleistung gewandelt, die in sehr differenzierten Leistungstypen wohnungslosen Menschen Angebote zur Bewältigung ihrer Probleme und Konflikte stellt. Das Verständnis der oder des
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Wohnungslosen als mündige/r BürgerIn hat veraltete und zum Teil stigmatisierende Begriffe abgelöst. Das in der Vergangenheit stark medizinisch, defizitär und psychopatologisch geprägte und individualisierte Bild wurde durch neue Zugänge allmählich abgelöst. (vgl. Lutz / Simon 2007, 59 ff.) Menschen, die ihre Wohnung verlieren oder denen entsprechender Verlust droht, können sobald sie diese Notlage bei den kommunalen Behörden anzeigen nach geltendem Recht auf Interventionsmöglichkeiten hoffen. Zum einen sind Kommunen nach Ordnungsrecht dazu verpflichtet Wohnungsnot zu beseitigen, zum anderen können betroffene Personen weitergehende persönliche Hilfen zur Überwindung ihrer besonderen sozialen Schwierigkeiten gemäß §§ 67-69 SGB XII beanspruchen. Stationäre Einrichtungen waren lange Zeit die Basis der Hilfen für Wohnungslose und wurden ab den 1970er Jahren durch spezialisierte und vor allem ambulante Angebote ergänzt. In stationären Einrichtungen kann über einen direkteren und auch täglichen Zugang der Menschen zur Sozialen Arbeit unter Umständen eine intensivere und auch längerfristige Arbeit an den Problemlagen und eine Suche nach Lösungen ermöglicht werden. Schritte zur Wiedereingliederung per Hilfeplan in einem stationären Setting sind nur indiziert, wenn die Möglichkeiten einer ambulanten Betreuung erschöpft sind. Diese Art der Hilfe ist sehr hochschwellig und eine Erreichbarkeit stationärer Hilfe stellt Männer womöglich vor die Schwierigkeit ihre Schwellenangst überwinden zu müssen, weswegen wir uns dafür entscheiden ambulante Dienste in den Mittelpunkt unserer Untersuchung zu rücken. Ambulante Angebote haben Vorrang vor den Stationären und sollen den Betroffenen das alltägliche Leben erleichtern und ihnen Unterstützung bei der Strukturierung des Alltags geben, sowie vor allem Beratungsleistungen von SozialarbeiterInnen zur Verfügung stellen. Ambulante und auch stationäre Hilfen sind miteinander und interdisziplinär vernetzt. (vgl. Lutz / Simon 2007, 92 ff.) Gesetzlich verankerte Hilfe nach dem Zwölften Sozialgesetzbuch kann per se nicht jeder von Wohnungslosigkeit bedrohte oder betroffene Mensch in Anspruch nehmen, wobei Wohnungsnot natürlich ein wichtiger Indikator ist, denn mit dem Verlust der Wohnung gehen häufig weitere Prozesse der Ausgrenzung und Unterversorgung einher. Für eine Wiedereingliederungsmaßnahme nach §§ 67 ff SGB XII müssen weitergehende besondere soziale Schwierigkeiten vorliegen, die einen
sozialarbeiterischen Bedarf erkennbar werden lassen. Erst dann ist ambulante oder stationäre Hilfe im Rahmen der organisierten Wohnungsnotfallhilfe möglich. Diese besonderen Lebensverhältnisse können als eine Mangelsituation begriffen werden. Den Betroffenen fehlen also materielle und / oder immaterielle Güter und Kompetenzen, um ein selbständiges Leben führen zu können. Diese Unterversorgung wird vor allem deutlich durch fehlenden oder mangelhaften Wohnraum, ungesicherte
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wirtschaftliche Lebensverhältnisse, Arbeitslosigkeit und einem Mangel an sozialer Teilhabe. (vgl. Lutz / Simon 2007, 94 f.)
Wesentlich für den Hilfeprozess ist zum einen, dass die Hilfen lediglich einen Angebotcharakter besitzen, zum anderen, dass die Unterstützungsmaßnahmen mit den Betroffenen gemeinsam erarbeitet werden. Hierdurch kommt der Respekt vor der Freiheit und Würde des hilfeberechtigten Menschen zum Ausdruck. Bevormundende Festlegungen gilt es zu vermeiden, der Hilfeprozess in der Wohnungslosenhilfe muss menschlicher Vielfalt gerecht werden. Das Wohnungslosenhilfesystem soll Unterstützung zur adäquateren Lebensbewältigung liefern, da dies den Betroffenen aus eigener Kraft oftmals nicht möglich ist. „Lebensbewältigung meint dabei die Aktivierung von Kompetenzen und Fähigkeiten, existenzielle, institutionelle und persönliche Hilfen für sich selbst zu nutzen, um den eigenen Lebensentwurf neu ausrichten und praktizieren zu können.“ (Lutz / Simon 2007, 102) Oftmals wird im System der Wohnungsnotfallhilfe mit dem Schlagwort ‚Wiedereingliederung’ als Zielformulierung agiert. Zum einen sind wohnungslose Menschen Teil der Gesellschaft, zum anderen ist dieser Terminus unbestimmt und schwer präzise zu definieren. Hilfe sollte Normalität zum Ziel haben, jedoch nicht im Sinne einer bloßen Anpassung an bestehende Normen, sondern mit dem Ziel den AdressatInnen einen gelingenderen Alltag zu ermöglichen. Die Kompetenzen des Hilfesuchenden müssen im Mittelpunkt der passgenauen ressourcenorientierten Hilfen stehen. Im entsprechenden Sozialgesetzbuch steht ebenfalls, dass die Verhinderung von Schlimmerem ein Ziel der Hilfe darstellt.
Es wird geschätzt, dass es zwischen 20 und 30 Prozent der Wohnungslosen mit Unterstützung der Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe und professioneller Sozialer Arbeit gelingt wieder einen menschenwürdigen Platz in geordneten Wohnverhältnissen zu finden und in die Gesellschaft zurückzukehren. Die Wohnungslosenhilfe sieht sich weiterhin angesichts gegenwärtiger sozialpolitischer Anforderungen damit konfrontiert die Effizienz und Effektivität ihrer Arbeit zu belegen. Da die Hilfe für AdressatInnen aufgrund massiver multipler Problemlagen selten weder effektiv noch effizient ist besteht die Gefahr, dass genau diese aus dem Hilfesystem verdrängt werden könnten. Es ist Aufgabe der Sozialen Arbeit in jedem Arbeitsfeld, besonders jedoch in der Wohnungsnotfallhilfe, eine Synthese zwischen den fortdauernden Grundaufgaben der Sozialarbeit, dem kritischen Blick auf die schwierigen gesellschaftlichen Bedingungen und einem prozessorientierten Ansatz bei notwendigen Strukturveränderung herzustellen. (vgl. Malyssek / Störch 2009, 209 f.)
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1.3 Wohnungslosenhilfesystem Stuttgart
Mitte der 1970er Jahre gab die Stadt Stuttgart das ‚Weeber-Gutachten’ in Auftrag und die Pilotstudie im städtischen Wohnheim ‚Nordbahnhofstraße 21’ ergab, dass bei über 60% der KlientInnen keine stationäre Unterbringung notwendig war bzw. eine Überversorgung darstellte. Im Jahr 1976 entstand aus dem Projekt ‚Armutsbekämpfung’ der Europäischen Gemeinschaft die erste ambulante Hilfeform. 1979 wurde in Stuttgart die Zentrale Beratungsstelle für Wohnungslose eröffnet. 1990 erschien der erste Armutsbericht der Stadt Stuttgart, der die Abkehr von Einzelfall- und Problemgruppenorientierung und die Hinwendung zu lebenslangen- und
1 Dieses Schaubild wurde vom ehemaligen Sozialplaner der Stadt Stuttgart, Michael Monzer, erstellt.
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stadtteilorientierten Ansätzen Sozialer Arbeit fordert. Als vorrangige Ziele werden die Verhinderung von Armut durch Integration in den Arbeitsmarkt und die Verhinderung und Behebung von Wohnungslosigkeit benannt. Im Jahr 2000 beginnt die Umsetzungsphase der Regionalisierung der Fachberatungsstellen der
Wohnungslosenhilfe in Stuttgart. Wie das Schaubild zeigt gibt es drei regionale und drei zielgruppenspezifische (Zentrale Frauenberatung, Beratungsstelle für Junge Erwachsene, Beratungsstelle für Strafentlassene) Fachberatungsstellen. (vgl. Ambulante Hilfe Stuttgart e.V. 2007) Ambulante Beratungsstellen bieten NutzerInnen alltagsstrukturierende Unterstützung, sowie Beratung und Information. Ambulante Unterstützung ist niedrigschwellig und beruht auf Freiwilligkeit. Das besondere Charakteristikum ambulanter Angebote im Wohnungsnotfallhilfesystem liegt darin, dass sie „keine an das Wohnen gebundene Kompaktlösungen anbieten, sondern individuell zugeschnittene Hilfemöglichkeiten offerieren, die sich immer am jeweiligen Einzelfall orientieren.“ (Lutz / Simon 2007, 106) Beratung ermittelt in der Arbeit mit zu Beratenden die Problemlagen und klärt mit diesen die bestehenden und erschließbaren Möglichkeiten, um diese anzugehen. Fachberatungsstellen wohnt eine Mehrfachfunktion hinsichtlich Versorgung und Beratung inne. Die Nutzung eines Angebots beinhaltet zunächst keine weiter gehenden Verpflichtungen. Die Offenheit ambulanter Dienste ermöglicht den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses, welches eine gute Kooperation begünstigt. (vgl. Lutz / Simon 2007, 93-120) Weitere ambulante Unterstützungsformen stellt das Betreute Wohnen, sowie das Teilstationäre dar. Letzteres ist eine absolute Ausnahme und wird nur in Württemberg angeboten. Wichtiger Verknüpfungspunkt und oftmals erste Anlaufstelle in Wohnungsnot stellen Tagesstätten dar, welche alltägliche Versorgungsleistungen anbieten und soziale Kontakte aufrecht erhalten können. Maßnahmen zur Vermeidung von Wohnungsnot auf kommunaler Ebene werden in Stuttgart durch die ‚Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit’ geleistet. Stationäre Angebote werden in Stuttgart durch Aufnahmehausplätze, wodurch der Bedarf nach Hilfe gemäß §§ 67 ff. SGB XII geklärt werden soll, intensiv betreutes Wohnen und stationäre Einrichtungen geleistet. Zentrale Vermittlungsinstanz zwischen Sozialarbeit und den verschiedenen Angeboten des Wohnungsnotfallsystems stellt die ‚Zentrale Fachstelle für Wohnungsnotfälle’ der Stadt Stuttgart dar. Hier werden freie Unterkunftsplätze koordiniert und vergeben. Die Sonderdienststelle des JobCenters und Sozialamtes für Menschen in Wohnungsnot (50-250) ist eine Ausnahme und wird sowohl von der Sozialen Arbeit, als auch von den NutzerInnen sehr gut angenommen und als notwendig erachtet.
Das Stuttgarter Wohnungslosenhilfesystem hat eine lange Tradition und bietet ein sehr differenziertes Angebot.
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2 Qualitative Sozialforschung
Da unsere Untersuchung qualitativer Natur ist, soll das nachfolgende Kapitel einen groben Überblick über die Grundzüge qualitativer Sozialforschung bieten sowie die von uns konkret verwendeten Erhebungsmethoden des problemzentrierten Interviews bzw. der Gruppendiskussion skizzieren. Hierbei soll, sofern methodologisch relevant, immer wieder auf unser konkretes Vorgehen eingegangen werden - eine detaillierte Darlegung unseres Forschungsvorgehens erfolgt allerdings in Kapitel 3. Wir haben insgesamt acht qualitative Interviews durchgeführt. Vier von ihnen (Soziale Arbeit) waren als eine Mischform aus problemzentriertem Interview und Gruppendiskussion konzipiert, für die lediglich fünf Fragepunkte im Vorfeld festgelegt wurden. Die Interviews mit den NutzerInnen bzw. Vertreterinnen der Systemseite fanden jeweils, auf Basis eines ausführlicheren Leitfadens, als problemzentriertes Einzelinterview statt.
2.1 Grundzüge
Lamneck benennt sechs Grundprinzipien qualitativer Sozialforschung, welche sich ursächlich aus der Kritik quantitativer Erhebungen konstituieren. Als erstes Prinzip führt er das Prinzip der Offenheit an, was im Konkreten die Offenheit gegenüber der Interviewpartner, der Interviewsituation sowie der verwendeten Methoden bedeutet, um ein möglichst breites Spektrum an Erhebungsergebnissen zu ermöglichen bzw. die thematische Selektion im Vorfeld so gering wie möglich zu halten.
Zweites Prinzip bildet das der Forschung als Kommunikation, welches als Kernaussage die Bedeutung der Interaktion zwischen InterviewerIn und Interviewten hat.
Drittens nennt Lamneck den Prozesscharakter von Forschung und Gegenstand, welcher sich sowohl auf das Forschungsvorgehen als solches, als auch auf die Prozesshaftigkeit sozialer Phänomene im Allgemeinen bezieht. Das vierte Prinzip umfasst die Reflexivität von Gegenstand und Analyse, welches sich wiederum auf den Forschungsakt an sich, als auch auf dessen Gegenstand bezieht und primär die Interpretation aller (non)verbalen Äußerungen in dessen sozialen Kontext impliziert.
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Fünftens umfasst das Prinzip der Explikation die Transparenz des Forschungsvergehen und der Datenanalyse, um die Interpretationen des Datenmaterials so nachvollziehbar wie möglich zu machen. Letztes Prinzip bildet das der Flexibilität, worunter die Anpassung des Forschungsvorgehens sowie der dabei verwendeten Instrumentarien an den Forschungsgegenstand zu verstehen ist. Auch wird hier wieder die Prozesshaftigkeit des Vorgehens wichtig und so bedeutet Reflexivität auch das Forschungsvorgehen ggf. auf Basis von neu erworbenen Kenntnissen zu modifizieren. (vgl. Lamneck 2005, 20-27)
2.2 Das Problemzentrierte Interview
Im Folgenden sollen die Grundzüge des problemzentrierten Interviews nach Andreas Witzel dargelegt werden und jeweils im Anschluss an ausgewählten Stellen plastisch an unserem Forschungsvorgehen verdeutlicht werden. Hierbei soll allerdings nur auf die Aspekte, die im direkten Zusammenhang mit der Methodik qualitativer Sozialforschung stehen eingegangen werden.
2.2.1 Grundpositionen
Die Methode des problemzentrierten Interviews zeichnet sich primär durch das Moment der Unvoreingenommenheit sowie, auf der methodischen Ebene, durch ein Wechselverhältnis zwischen Induktion und Deduktion bei der Erhebung und der Auswertung aus.
Witzel benennt drei Grundpositionen des Problemzentrierten Interviews. Die erste Position stellt die Problemzentrierung dar. Die Durchführenden nutzen im Vorfeld der Erhebung gewonnenes Wissen zum Forschungsgegenstand, um während des Interviews durch gezieltes Nachfragen den Interviewverlauf immer weiter auf die dem Interview zugrunde liegende Problemdarstellung zuzuspitzen. (vgl. Witzel 2000) So konnten auch wir im Vorfeld auf Vorkenntnisse aus Praxis und Theorie im Bereich der ambulanten Beratung in der Wohnungslosenhilfe zurückgreifen bzw. uns einen Überblick über die, bis dato noch kaum vorhandene, Wirkungsforschung im untersuchten Feld verschaffen.
Die zweite Position umfasst die Gegenstandsorientierung, welche in concreto die Nutzung einer Methodenvielfalt, sowohl was die Interviewtechniken im Allgemeinen als auch die Gesprächstechniken im Speziellen angeht umfasst. (vgl. Witzel 2000) So haben wir bei der Befragung der quantitativ am meisten ins Gewicht fallendsten
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Gruppe, der Gruppe der SozialarbeiterInnen, auf eine Melange aus Gruppeninterview und problemzentrierten Interview zurückgegriffen, um eine möglichst breite Antwortpalette zu erhalten, auf deren Basis wir die problemzentrierten Interviews mit den AdressatInnen bzw. Vertreterinnen des Systems führen konnten. Die dritte Position, die Position der Prozessorientierung, charakterisiert das Interview, in Abgrenzung zu einer statischen Frage-Antwort-Situation, als Prozess in dessen Rahmen der / die Befragte auch die Möglichkeit bekommt Aussagen zu revidieren bzw. zu korrigieren. In diesem Zusammenhang spielen vor allem die Erhebungsinstrumente eine bedeutende Rolle, welche im Folgenden Kapitel skizziert werden sollen.
2.2.2 Instrumente
Witzel benennt vier Instrumente bei der Durchführung problemzentrierter Interviews. Zunächst das Instrument des Kurzfragebogens, mit dessen Hilfe vor Beginn des eigentlichen Interviews demographische Daten der / des Interviewpartnerin/partners abgefragt werden, um so zu vermeiden, dass das eigentliche Interview zu einem statischen Frage-Antwort-Spiel wird. Darüber hinaus können die somit erfassten Daten Anknüpfungspunkte für den Gesprächseinstieg bieten. (vgl. Witzel 2000) Auch wir haben bei den Interviews mit den NutzerInnen einen solchen Kurzfragebogen (s. Anlage 2) entworfen, welcher vor allem auch einem zu abrupten Einstieg in die Thematik der Erfolgsdefinitionen vorbeugte. Zweites Instrument der problemzentrierten Interviewführung stellt die
Tonträgeraufnahme, welche im Anschluss an das Interview vollständig transkribiert wird, dar. Sie ermöglicht einen für die / den InterviewerIn ungestörten und somit authentischen Gesprächsverlauf. (vgl. Witzel 2000)
Drittens bietet ein Leitfaden (s. Anlage 1, 3) Orientierung während des Interviews und sichert dadurch die Vergleichbarkeit der einzelnen Interviews und viertens wird schlussendlich im Anschluss an das Interview ein Postskript erstellt, welches einer skizzenhaften Darstellung des Gesprächsverlaufs und den damit verbundenen inhaltlichen Schwerpunkten gleichkommt. Ebenso werden Auffälligkeiten wie Gestiken, Pausen etc. notiert sowie erste Hypothesen für die Auswertung gebildet. (vgl. Witzel 2000)
Da wir die Interviews stets zu zweit oder zu dritt durchführten, war es uns möglich die Rollen so zu verteilen, dass eine Interviewerin die Interviewführung übernahm, wohingegen die andere den Interviewverlauf skizzenartig festhalten konnte.
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2.2.3 Gestaltung
Zu Beginn des Interviews erfolgen Elemente der Kontaktaufnahme, wie beispielsweise die Erläuterung der Forschungsfrage, in deren Zusammenhang deutlich gemacht werden soll, dass es um die individuellen Einschätzungen der Befragten, welche als ExpertInnen im untersuchten Feld definiert werden, zur Thematik geht. Ebenfalls erfolgen eine Erläuterung der verwendeten Instrumentarien und die Zusicherung der Anonymität der Daten.
Für den Interviewverlauf benennt Witzel zwei Nachfragetechniken; zunächst die erzählungsgenerierenden Kommunikationsstrategien. Hierzu zählt eine vorformulierte Einleitungsfrage, welche zum einen die Offenheit des Interviewverlaufs demonstrieren und zum anderen eine Zentrierung auf den Gesprächsgegenstand herbeiführen soll. (vgl. Witzel 2000) In unseren Interviews lösten wir dies, indem wir zunächst sehr offen gehalten nach den ganz persönlichen Vorstellungen von Erfolg fragten, in den NutzerInneninterviews erfragte die Einstiegsfrage persönliche Erfahrungen mit Fachberatungsstellen im Allgemeinen.
Ebenfalls unter dieser Kategorie der Kommunikationsstrategien ist die allgemeine Sondierung zu subsumieren, unter welcher man das Aufgreifen einzelner Aspekte aus der freien Erzählung der / des Befragten für das Entwickeln eines roten Fadens innerhalb des Interviews sowie das Evozieren biographischer Erzählungen versteht. Auch ad-hoc-Fragen, die zum Beispiel als standardisierte Fragen zu Ende des Gesprächs gestellt werden und die Sicherstellung der Beantwortung von inhaltlichen Schwerpunkten, welche von der / dem Befragten ausgespart wurden, gewährleisten sollen spielen hierbei eine Rolle. (vgl. Witzel 2000) Die zweite Gesprächstechnik umfasst die verständnisgenerierenden
Kommunikationsstrategien, konkret Strategien zur spezifischen Sondierung. Hierbei nutzt die / der InterviewerIn das im Vorfeld bzw. im Verlauf des Interviews erworbene Wissen zur gezielten Nachfrage. Durch das Zurückspiegeln von Aussagen kann die / der Befragte darüber hinaus zur Reflexion und tiefgründigen Auseinandersetzung der eigenen Annahmen bewegt werden, selbes gilt für das Mittel der Konfrontation sowie das Stellen von Verständnisfragen.
Witzel führt an, dass es sich bei der problemzentrierten Interviewführung stets um ein hochkomplexes Wechselspiel zwischen erzählungsgenerierenden und
verständnisgenerierenden Kommunikationsstrategien handelt, mit der Zielsetzung, dass sich zum einen die Aussagen der / des Befragten in die bereits vorhandenen Muster fügen und zum anderen neue Muster entstehen können. (vgl. Witzel 2000)
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2.2.4 Die Auswertung
Basis für die Auswertung stellen die transkribierten Interviews dar, welche zunächst einzeln durchgegangen werden und nach Stichworten aus dem Leitfaden bzw. neu hinzugekommenen Themenkomplexen markiert werden. Diese Markierungen können die Grundlage für den Entwurf eines Codierungsrasters bieten. Witzel führt weiter an, dass die Transkripte im Anschluss gegebenenfalls einer vertiefenden biographischen Analyse unterzogen werden können. (vgl. Witzel 2000) Nachdem wir jedes Interviewtranskript einzeln durchgegangen waren und mit thematischen Notizen bzw. Kategorien versehen hatten, bildeten wir insgesamt fünf Großkategorien (Individuelle Problemlagen und die jeweilige Unterstützungsleistung, Alltägliche Beratungspraxis im Allgemeinen, Zielformulierung und Zukunftsorientierung, Strukturelle und systembedingte Rahmenbedingungen sowie Gesellschaft als normgebende Instanz), denen jeweils Unterkategorien zugeordnet waren. Wir entwarfen mit Hilfe des Statistikprogramms MAXQDA ein Codierungsraster welches die fünf Großkategorien und die Subkategorien auf mehreren Ebenen in einem Codierungsbaum strukturierte. (s. Anlage 6)
Im Anschluss an den Entwurf des Codingrasters markierten wir chronologisch in den einzelnen Interviews die Textstellen nach Kategorien, welchen diese zugeordnet werden konnten. Mit Hilfe der Auswertungsfunktion ließen sich nun die Aussagen aller InterviewpartnerInnen zu den einzelnen Kategorien untereinander darstellen. Wir wählten zunächst jeweils eine Einzeldarstellung der drei Komplexe ‚System’, ‚AdressatIn’ und ‚Soziale Arbeit’ und fassten die Aussagen zu den jeweiligen Kategorien in komprimierter und abstrahierter Form zusammen bzw. versahen die Abstraktionen an ausgewählten Stellen mit aussagekräftigen Interviewzitaten. Im Anschluss verglichen wir jeweils die zusammengefassten Aussagen der drei Systeme miteinander und konnten so Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede darstellen.
2.3 Das Gruppeninterview / die Gruppendiskussion
Flick benennt die Methode der Gruppendiskussion als von kritischen Fachkreisen oftmals als weniger künstlich titulierte Methodik, da statt isolierter Einzelerzählungen die Konstruktion sozialer Welten und die damit verbundene Dynamik zum Tragen kommen. (vgl. Flick 2010, 248 f.) Hierbei wird eine Thematik / eine Fragestellung von mehreren
DiskussionsteilnehmerInnen erörtert. Das Gruppeninterview kann zahlreichen
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methodologischen bzw. sozialwissenschaftlichen Intentionen unterliegen, zu denen auch der Bereich der Gruppenprozesse gehört. (vgl. Lamnek 2005, 413 ff.) Wir haben uns in unserer Zielsetzung lediglich auf den sozialwissenschaftlichen Aspekt beschränkt und uns durch die Interaktion von MitarbeiterInnen einer Einrichtung auf fachlicher Ebene erhofft, ein breiteres thematisches Spektrum einfangen zu können.
3 Forschungsvorgehen
In diesem Kapitel widmen wir uns dem Projektverlauf unserer Untergruppe ‚Erfolgsgeschichten’.
3.1 Wie kamen wir zur Fragestellung
Der Titel unseres gemeinsamen Projektes ‚Fördern und Fordern in der Wohnungslosenhilfe - Wohnungslos = Ahnungslos = Rechtlos…? - Zugangsbarrieren in der Wohnungslosenhilfe’ gab eine Richtung an, die zunächst jedoch genauer definiert werden musste. So befassten sich unsere ersten Treffen im gemeinsamen Plenum mit der Gestaltung der Kleingruppen und dem Finden der jeweiligen Forschungsfrage. Nach einigen Treffen kristallisierten sich vier Untergruppen heraus, die beabsichtigten unser Projektseminar auf vier verschiedene Herangehensweisen zu gestalten. Die Gruppe ‚Stadtplan’ nahm sich vor, eine Stadtkarte mit sämtlichen niedrigschwelligen Anlaufpunkten für wohnungslose Menschen zu gestalten, die Gruppe ‚Gesundheit’ wollte Zugangsbarrieren im Gesundheitssystem erforschen, während die Gruppe ‚Zugangsbarrieren’ das Ziel hatte, anhand von NutzerInnen-Interviews direkt von der Wohnungslosigkeit betroffene Menschen zum Thema zu befragen. Unsere Gruppe ‚Erfolgsgeschichten’ wollte sich mit eben diesen auseinandersetzen.
Wir definierten unsere Zielgruppe zunächst auf männliche Wohnungslose über 25 Jahren, die im Raum Stuttgart leben, den Kontakt zu den dort verankerten Fachberatungsstellen jedoch nach maximal sechs Monaten von sich aus abgebrochen haben. So lautete unsere erste Fragestellung: ‚Multiperspektivische Untersuchung von Erfolgsbegriffen und Abbruchgründen in den Fachberatungsstellen der
Wohnungsnotfallhilfe in Stuttgart aus den Blickwinkeln: System, Soziale Arbeit, NutzerIn’. Zu diesem Zeitpunkt war unser Ziel, Rückschlüsse auf das Passungsverhältnis zwischen den drei Instanzen, Prävention und Systemfehler des Staates, ziehen zu können. Als Produkt unseres Projektes einigten wir uns auf eine
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Publikation, die letztendlich auch den befragten Einrichtungen zugeschickt werden sollte.
Weil bislang zwei Schwerpunkte in unserer Forschungsfrage enthalten waren, mussten wir diese überarbeiten und uns auf einen begrenzen. Wir entschieden uns schließlich dafür, den Schwerpunkt ‚Abbruchgründe der NutzerInnen’ auszuschließen und legten uns auf den Schwerpunkt ‚Erfolgsgeschichten’ fest. Unter anderem auch deshalb, weil NutzerInnen nach einem Abbruch des Kontaktes zum Hilfesystem für uns schwer zu erreichen sind.
Beim Versuch genauer zu definieren, was Erfolgsgeschichten sind, stießen wir auf die Frage, wie Erfolg in der Arbeitspraxis der Wohnungslosenhilfe definiert wird. Des Weiteren interessierte uns, ob es innerhalb der Praxis möglicherweise Unterschiede in der Definition von Erfolg gibt. So entwickelten sich mehr und mehr Fragen, die zum Titel ‚Erfolgsgeschichten? - Multiperspektivische Untersuchung des wechselseitigen Passungsverhältnisses zwischen Soziale Arbeit - System - AdressantIn im Hinblick auf Erfolgsdefinitionen mit der Zielsetzung Prävention und Optimierung der Hilfen’ führten. (s. Anlage 7)
Um die für uns relevanten Informationen zu erhalten, einigten wir uns Interviews mit den drei Instanzen zu führen. SozialarbeiterInnen sollten Mittels qualitativer / quantitativer Fragebögen befragt werden. Mit AdressatInnen sowie VertreterInnen des Systems sollten qualitative, etwas längere Interviews geführt werden. Am Ende unseres Projektes sollte nach einigen Überlegungen eine kleine Publikation mit unseren Ergebnissen stehen.
Im Februar 2011 werden wir unsere Projektergebnisse im Rahmen einer VIEW im Stuttgarter Rathaus vor Fachpublikum vorstellen, sowie den am Forschungsprojekt beteiligten Einrichtungen eine komprimierte Version unserer Forschungsergebnisse (Gliederungspunkt 4.2 und 5) in Form einer Kurzbroschüre zur Verfügung stellen. Außerdem stehen wir im Kontakt mit dem BAG W-Verlag, der sehr daran interresiert ist, einen Artikel unserer Projektergebnisse zu veröffentlichen.
3.2 Chronologie
Im folgenden Unterkapitel wird die Gesamtchronologie unseres Unterprojektes beschrieben und der Interviewverlauf erläutert.
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3.2.1 Gesamtchronologie
Nachdem wir entschieden hatten, dass Interviews und Fragebögen die methodologische Basis unseres Projektes bilden würden verfassten wir Anschreiben. (s. Anlage 8, 9) Durch die Arbeitsstelle einer Projektteilnehmerin im Bereich der Wohnungsnotfallhilfe hatten wir sehr schnell Kontakt zu den betreffenden Personen. Um strukturiert und effektiv arbeiten zu können, legten wir fest, dass von jedem Treffen unserer Gruppe ein Ergebnisprotokoll angefertigt werden sollte. (s. Anlage 12) Diese wurden in einem gemeinsamen Projektordner abgeheftet. Des Weiteren richteten wir uns für das Projekt eine eigene E-Mail-Adresse (erlofgsgeschichtenwohnungslose@web.de) ein, auf die jeder von uns Zugriff hatte. (s. Anlage 10) Ein Zeitplan half uns den Überblick zu behalten und Zwischenziele zu definieren. Nachdem die ersten E-Mails verschickt worden waren, wurden die Fragebögen für den Bereich der Sozialen Arbeit und die Interviewleidfäden für AdressatInnen und System ausgearbeitet. Hierfür benötigten wir mehrere Treffen. (s. Anlage 11) Beim Erstellen des qualitativen / quantitativen Fragebogens fiel uns auf, dass die Beantwortung der Fragen durch die Professionellen wahrscheinlich länger dauern würde, als die zunächst veranschlagten 15 Minuten. Dies bestätigte sich während der Interviews.
Während wir mit konzeptionellen Dingen beschäftigt waren, informierten wir uns auch über mögliche Auswertungsprogramme für unsere Interviews und entschlossen uns schließlich für die Verwendung des Transkribtionsprogrammes ‚F4’ sowie des Auswertungstools ‚MAXQDA’ um unsere Ergebnisse zu strukturieren. Um einen einheitlichen Standard für unsere Transkripte zu gewährleisten, beschlossen wir bestimmte Transkriptionsregeln. So war es möglich jedem Gruppenmitglied Interviews für die Transkription zuzuteilen und sie schließlich gut vergleichen zu können. Die transkribierten Interviews sind in Anlage 13, 14 und 15 zu finden. Zwei Kommilitoninnen unserer Gruppe übernahmen anschließend die Strukturierung und Auswertung der Interviews.
Während der Zeit unseres Projektes gab es in regelmäßigen Abständen Treffen im Gesamtplenum. Gegenstand dieser Treffen war unter anderem der Austausch untereinander, die Berichterstattung der einzelnen Kleingruppen und das Beantragen von Projektgeldern. Fahrtkosten und Interviewbegleitkosten wurden von uns kontinuierlich im Rechnungsblock erfasst und aufgelistet.
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3.2.2 Verlauf der Interviews
Soziale Arbeit I, 24.06.10
Unser erstes Interview fand am 24.06.2010 in einer der zielgruppenspezifischen Fachberatungsstellen in Stuttgart statt. Hierbei handelte es sich um ein Gruppeninterview mit zwei Sozialarbeiterinnen. Angesichts der Tatsache, dass dies unser erstes Interview darstellte, waren wir alle etwas nervös. Dank der Freundlichkeit der zwei Interviewpartnerinnen legte sich diese Nervosität allerdings sehr schnell. Die Vermutung, dass sich die Ansichten der zwei Sozialarbeiterinnen aufgrund der gleichen Arbeitstelle nicht sehr unterscheiden würden, bestätigte sich nicht. Das Interview verlief insgesamt sehr informativ, weshalb wir bereits zu diesem Zeitpunkt motiviert und optimistisch hinsichtlich unserer Forschungsfrage im Allgemeinen und unserer Leitfadenkonzeption im Speziellen ins Projekt starten konnten.
Soziale Arbeit III, 09.08.10
Das zweite Interview wurde am 09.08.2010 in der zweiten zielgruppenspezifischen Beratungsstelle Stuttgart geführt. Auch hierbei handelte es sich um ein Gruppeninterview an welchem zwei Sozialarbeiterinnen teilnahmen. Wir beschlossen die folgenden Interviews unter uns aufzuteilen, um so mehr Termine wahrnehmen zu können. So führten wir dieses Interview zu zweit. Auch hier bestätigte sich die Methodenwahl der Mischung aus Gruppendiskussion und problemzentriertem Interview, da wir so ein breites Spektrum an Meinungen einfangen konnten.
Soziale Arbeit IV, 10.08.10
Das dritte Gruppeninterview fand mit drei Sozialarbeitern einer regionalen Fachberatungsstelle am 10.08.2010 in Stuttgart statt. Auch bei diesem Interview unterschieden sich die Ansichten der befragten Personen im Detail. Mit der Gruppenstärke von insgesamt drei befragten Personen, stellte dies unser umfangreichstes Gruppeinterview dar.
System I, 13.08.2010
Zu unserem vierten Interviewtermin am 13.08.2010 erschienen wir zu dritt. Bei diesem Interview handelte es sich um ein qualitatives Interview mit einer Mitarbeiterin des Sozialamts der Stadt Stuttgart. Das Interview verlief freundlich und sehr aufschlussreich. Besonders beeindruckte uns das Menschenbild der studierten Sozialpädagogin. Es handelte sich um eine sehr freundliche und interessierte
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Interviewpartnerin, die uns sogar mit dem Angebot entgegen kam, unser Projekt im Rahmen einer VIEW-Sitzung vor Fachpublikum zu präsentieren.
Soziale Arbeit II, 17.08.10
Das fünfte Interview am 17.08.2010 führten zwei Personen unserer Untergruppe mit einem Sozialarbeiter einer zielgruppenspezifischen Beratungsstelle. Bei diesem Interview handelt es sich um eines der kürzesten, die wir führten. Unser Interviewpartner verlor nicht viele Worte, sondern antwortete kurz und präzise.
Adressat II, 23.09.10
Am 23.09.2010 erwartete uns unser erstes Interview mit einem Nutzer. Bei diesem Interview wurde deutlich, was es bedeutet ein problemzentriertes Interview zu führen, da Ansichten des Nutzers, vor allem im Bezug auf MigrantInnen nicht mit unserer Meinung konform waren. Dennoch fielen wir nicht aus unserer Rolle als Interviewerinnen.
Adressatin I, 28.09.10
Unser zweites Interview auf AdressatInnenseite fand in den Räumlichkeiten des Tagestreffs ‚Femmetastisch’, einem Treff für Frauen in besonderen sozialen Schwierigkeiten statt. Wir führten dieses Interview zu zweit und waren beide sehr erstaunt über das Auftreten der Nutzerin. Sie wirkte freundlich, offen und interessiert, jedoch ebenso vom Leben gezeichnet. Das Interview verlief sehr humorvoll, zeigte uns jedoch zugleich auf erschreckende Art und Weise, mit welchen strukturellen und menschlichen Hürden diese Frau konfrontiert wurde.
System II, 28.09.10
Unser zweites Systeminterview zeigte uns im Vergleich zum ersten in diesem Bereich eine sehr gegensätzliche Sicht der Dinge auf. Auffallend war, wie sehr sich Gesagtes von Gemeinten unterschied.
3.3 Reflexion
Kontaktaufnahme zum Feld
Die Kontaktaufnahme zum Feld der Wohnungslosenhilfe gestaltete sich für uns recht unkompliziert, da eine Kommilitonin bereits in diesem Feld arbeitet. Dementsprechend
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war für uns schnell klar von welchen anzufragenden Fachberatungsstellen und Personen eine rasche Rückmeldung zu erwarten war.
Das Einrichten einer E-Mail-Adresse für unser Projekt half uns dabei bei, den E-Mail-Verkehr unkompliziert und geordnet ablaufen zu lassen. Wir konnten uns auf ein Postfach konzentrieren und angeschriebenen Personen war leicht ersichtlich worum es sich handelt. Dies war möglicherweise auch ein Grund dafür, dass keine unserer E-Mails verloren ging und nur wenige unbeantwortet blieben.
Ablauf der Gruppenarbeit / Gruppenphasen
Da wir uns im Studium kennen gelernt haben, hatten wir bereits schon vor Beginn des Projektes privat guten Kontakt und konnten uns leicht auf die Gruppenarbeit zu dritt einstellen. Deshalb entfiel in unserem Fall, um Bezug auf die Chronologie von Gruppenphasen zu nehmen, die ‚Orientierungsphase’, in der sich Gruppenmitglieder einer neu zusammengestellten Gruppe erst kennen lernen müssen ebenso, wie die ‚Streitphase’, in der es um den Kampf von Positionen innerhalb der Gruppe geht. Da wir im Laufe der Zeit zusammen zu unserer Forschungsfrage gefunden haben, stabilisierte sich das Wir-Bewusstsein recht schnell und die ‚Intimitätsphase’ verlief ohne weitere Probleme.
In vielerlei Hinsicht profitierten wir vom Fachwissen unserer erfahrenen Kommilitonin. So gab sie uns eine Übersicht über das Hilfesystem und stand uns stets für Fragen zur Verfügung. Am effektivsten gestalteten sich für uns die Treffen außerhalb des Plenums. Durch das gemeinsame Essen vor Arbeitsbeginn konnten wir Arbeit mit Vergnügen verbinden. In diesem gemütlichen Rahmen kamen wir schnell voran und es war stets genug Zeit verschiedenste Dinge auszudiskutieren und die nächsten Schritte genau zu planen. Durch eine Aufteilung der Termine und Interviews untereinander war es jedem gut möglich sein Privatleben trotz intensiver Projektarbeit frei zu gestalten. Im Rahmen unserer ‚Arbeitsphase’ gelingt es uns also, die Fähigkeiten und Stärken eines jeden Einzelnen einzubeziehen und kontinuierlich eine stabile Struktur zu erhalten.
Bislang ist keine ‚Trennungsphase’ zu erkennen, da wir uns im Moment noch mitten in der ‚Arbeitsphase’ befinden. Anfang nächsten Jahres wird es darum gehen unsere Publikation zu erstellen und das Projekt am 3. Februar 2011 mit der Vorstellung vor Fachpublikum abzuschließen.
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Positive Entwicklungen und Erfolge während des Projektes
Positiv zu bewerten ist der gesamte Ablauf unseres Projektes. Durch das Erstellen eines Zeitplanes, das protokollieren unserer Treffen und die klare Aufgabenteilung konnten wir effektiv und sauber arbeiten. Innerhalb unserer Semesterferien gelang es uns alle Interviews zu führen und einen Teil davon zu transkribieren. Trotz des Schreibens der Bachelorarbeit zweier Kommilitoninnen gelang es uns immer im Zeitplan zu bleiben.
Ein weiterer Erfolg ist das Angebot einer Mitarbeiterin des Sozialamtes unser Projekt im Rahmen einer VIEW vor Fachpublikum präsentieren zu können. Dies zeigte uns, dass unser Projekt auch von Professionellen wertgeschätzt und anerkannt ist. Außerdem bietet eine Präsentation vor Fachpersonal eine gute Übungsmöglichkeit für das zukünftige Berufsleben.
Eine tolle Entwicklung während unseres Projektes war auch, dass uns von Seiten der Professionellen zwei NutzerInnen als InterviewpartnerInnen empfohlen wurden. Der Kontakt zu diesen AdressatInnen kam dementsprechend über die
Fachberatungsstellen zu Stande. Für unsere Interviews mit den AdressatInnen wurden uns Räumlichkeiten im Tagestreff ‚Femmetastisch’ und ein Büro in der regionalen Fachberatungsstelle in Stuttgart zur Verfügung gestellt.
Negative Entwicklungen und Rückschläge
Bedauerlich war für uns, dass sich außer uns nur eine der insgesamt vier Untergruppen für die Vorstellung unseres Projektes bei der VIEW begeistern konnte. Weiterhin war es schade, dass weder das Fußballturnier noch eine Studienfahrt zu Stande kamen.
Selbstreflexion und Kompetenzerwerb (Mona Franke)
Durch die langwierige Bearbeitung des Projektes in der Gruppe konnte ich einige neue Erfahrungen sammeln.
Zu Beginn des Projektes war mir nicht klar, dass es so schwierig sein würde eine Forschungsfrage zu formulieren. Wir verbrachten anfangs mehrere Treffen im Plenum hauptsächlich damit, genau zu definieren in welche Richtung wir gehen wollen. Als sehr hilf- und lehrreich empfand ich hier das Engagement unserer Professorinnen. Das unkomplizierte Zusammenarbeiten in der Gruppe bestätigte mir, wie sinnvoll es ist Treffen zu protokollieren und untereinander genaue Absprachen zu halten. Es war
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immer klar, wer, was, wie und wann zu tun hatte. Für mein kommendes Arbeitsleben nehme ich den Sinn detaillierter Zeitpläne und erreichbarer Zwischenziele mit. Eine lehrreiche Erfahrung war für mich das Führen und Auswerten der Interviews. Das Transkribieren war eine gute Möglichkeit noch einmal genau darauf zu achten was in Interviews gesagt und was wirklich gemeint wurde. Vieles, was mir im Interview selbst nicht aufgefallen war, wurde mir klar, nachdem ich das Aufgezeichnete noch einmal anhörte.
Im Rahmen meiner Projektarbeit konnte ich mir so einen guten Überblick über das Feld der Wohnungslosenhilfe verschaffen, wobei für mich persönlich die Interviews mit den AdressatInnen am interessantesten waren. Reizvoll dabei war für mich zu erfahren, wie sich das Leben für einen wohnungslosen Menschen gestaltet und mit welchen strukturellen, politischen und gesellschaftlichen Hürden er zu kämpfen hat. Mich überraschte auch das Redebedürfnis dieser Menschen, da ich mir vor den Interviews nicht sicher war, ob jemand der ein Leben in Wohnungslosigkeit erfahren hat, womöglich etwas resigniert in eine solche Situation geht. Doch das Gegenteil war der Fall! Ich war fasziniert vom Humor und der Art unserer Interviews mit den AdressatInnen.
Spannend war für mich auch mit zu erleben, wie unterschiedlich die Ansichten von Seiten der Professionellen sind und wie sehr diese Wahrnehmungen von Subjekten und derer verschiedenen Positionen abhängt.
Des Weiteren wurde mir klar, wie positiv sich die Arbeit in einem funktionierenden Team auf die Eigenmotivation auswirkt. Zu keinem Zeitpunkt gab es Streit, lediglich Diskussionen, die immer sinnvoll und lohnend waren.
Ich habe es sehr genossen mit diesen zwei Kommilitoninnen zusammen zu arbeiten und bin mir sicher, dass die Art unserer Zusammenarbeit der Hauptgrund dafür ist, dass wir alles so hinbekommen haben, wie wir es uns vorgenommen haben.
Selbstreflexion und Kompetenzerwerb (Julia Schlembach)
Nachdem ich die Idee einer Stadtkarte mit Hilfen für wohnungslose Menschen ins Plenum eingebracht hatte war die Resonanz hierauf sehr groß, so dass ich mich letztendlich aus dieser Projektuntergruppe zurückzog, da ich mir eine Großgruppenarbeit (8 Personen) nicht vorstellen konnte. Diese Entscheidung erwies sich als sinnvoll, denn die Zusammenarbeit in der Erfolgsgeschichten-Gruppe funktionierte reibungslos. Schon zu Beginn der Gruppenarbeit wurden verschiedene Vereinbarungen getroffen, die das strukturierte Arbeiten erleichterten. Wir einigten uns darauf wichtige Entscheidungen und Prozessfortschritte des Projektes in
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Kurzprotokollen festzuhalten und Zeitpläne zu erstellen. So wurden Unsicherheiten von Anfang an vermieden und jedes Gruppenmitglied war je auf dem gleichen Wissens-und Arbeitsstand.
Da ich sowohl mein Praxissemester im Bereich der Wohnungsnotfallhilfe absolviert habe, als auch weiterhin bei einer Fachberatungsstelle angestellt bin und mich durch Vertiefungen im Studium intensiv mit der Thematik auseinander gesetzt habe, fiel mir die Einarbeitung in dieses Feld leicht, jedoch musste ich eine Art ‚Betriebsblindheit’ vermeiden.
Nachdem die Forschungsfrage durch Themensammlungen und konstruktive Diskussionen gefunden war arbeiteten wir anfangs vor allem zu dritt an Leitfäden und Anschreiben. Es hat uns gefreut, dass der Großteil der angeschriebenen Personen Interesse an unserem Projekt zeigte.
Da ich kaum Erfahrung im Führen von Interviews hatte war ich gespannt, wie das Erste verlaufen würde. Das ich die Kolleginnen vor Ort jedoch kannte erleichterte den Einstieg für mich. Man bemüht sich in einer solchen Situation natürlich möglichst eloquent zu sein, beim transkribieren der Interviews fiel allerdings auf, wie unvollständig und verwirrend die gesprochenen Sätze sind. Manche Befragungen führten wir zu dritt, bei den NutzerInneninterviews legten wir jedoch Wert darauf, dass nur zwei Projektmitglieder diese führen. Besonders in Gedanken blieb mir das Interview mit Systempartnerin I, da die Ansichten der Sozialpädagogin unglaublich wertschätzend gegenüber der Personengruppe wohnungsloser Menschen waren. Im Anschluss an diese Projektphasen wurden Arbeitsaufträge an die einzelnen Gruppenmitglieder verteilt und ein Zeitplan für den weiteren Verlauf aufgestellt. Gemeinsam mit einer Kommilitonin arbeitete ich mich in das qualitative Datenanalyseprogramm MAXQDA ein. Nach der Einspeisung der Interviews und Codes erwies sich dieses Programm als äußerst hilfreich beim Auswerten aufgrund der verschiedenen strukturierten Darstellungen. Diese Phase der Projektarbeit empfand ich als sehr spannend und erkenntnisreich.
Letztendlich hat sich mir eingeprägt, dass es wichtig ist erreichbare kleinschrittige Ziele zu formulieren. Wenn auch Diskrepanzen der Ansichten und Erfolgsdefinitionen zwischen System, NutzerInnen und Sozialarbeit aufgedeckt wurden, stellte sich ebenfalls eine gute Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen heraus. Während der Projektarbeitszeit versuchte ich gewonnene Erkenntnisse auf die Praxis rückzuspiegeln, um etwaige Barrieren sofort reflektiert zu beleuchten.
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Selbstreflexion und Kompetenzerwerb (Jessica Wagner)
Die nachfolgende Reflexion soll meine subjektive Sichtweise unserer Projektarbeit wiederspiegeln und darlegen, in welcher Hinsicht ich sowohl auf fachlicher als auch auf persönlicher Ebene elementare Lernerfolge erzielen konnte.
Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass ich mit der Zusammensetzung und Arbeitsweise unserer Gruppe in vollem Umfang zufrieden war. Die Anfangsphase unserer Gruppenfindung verlief überwiegend reibungslos und wir konnten, gestützt durch die Methodik des Mind-mapping, in einem Prozess des gegenseitigen Austausches gemeinsam eine Idee der Projektrichtung bzw. zu einem späteren Zeitpunkt eine konkrete Forschungsfrage formulieren. Die gesamte Zeit unsere Arbeit war geprägt durch unterstützende Hilfsmittel wie das Anfertigen von Protokollen und detaillierten Zeitplänen, so dass es in der Regel nicht zu Unstimmigkeiten bzw. Unsicherheiten im Arbeitsprozess kam. Zu Beginn des Forschungsprojektes arbeiteten wir überwiegend im Dreier-Team und verfassten sowohl die Leitfäden für die Interviews als auch die Anschreiben an die potentiellen Interviewpartner verbunden mit einer schriftlich ausformulierten Skizze unseres Forschungsvorhabens gemeinschaftlich.
Nachdem wir die ersten Interviewtermine vereinbart hatten bildeten wir für die jeweiligen Termine Zweier-Teams, zwei der Interviews (darunter auch das erste) führten wir zu dritt.
Dabei lässt sich festhalten, dass vor allem das Führen von Interviews mit AdressatInnen in Zweier-Teams eine gute Lösung darstellte, da somit eine der Interviewerinnen die Interviewführung, die andere das Anfertigen einer Skizze des Interviewverlaufs übernehmen konnte. Bis dato hatte ich erst einmal (im Rahmen des Seminars Praxiserkundung) Interviews geführt und ausgewertet und war mir deshalb bei unserem ersten Interview unsicher bezüglich meiner Kompetenz in diesem Bereich, ich fühlte mich jedoch recht schnell sehr sicher. Besonders beeindruckend empfand ich die Interviews mit den NutzerInnen da sie mir nochmals eindrücklich deren strukturelle Barrieren aufzeigten.
Für die anschließende Auswertungsphase arbeitete ich mich gemeinsam mit einer Kommilitonin in das uns bis zu diesem Zeitpunkt unbekannte qualitative Statistiktool MAXQDA ein. Auch dies stellte für mich eine Premiere dar, kannte ich bis dahin nur die Arbeit mit quantitativen Programmen wie EvaSys bzw. SPSS. Die Einarbeitungsphase fiel aufgrund des selbsterklärenden Charakters des Programms relativ kurz aus. Insgesamt stellte sich das Programm als äußerst nützlich in der
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Auswertung dar, vor allem durch die Möglichkeit der variablen Darstellungsmodi, nach der Einspeisung aller Interviews und dem Markieren von Kategorien. Persönlich empfand ich die Phase der Auswertung als spannendste Phase des Projektes. Der mehrschrittige Prozess vom Vergleich der einzelnen Systeme untereinander bis hin zur Formulierung präventiver Rückschlüsse gestaltete sich sehr erkenntnisreich. Auf der inhaltlichen Ebene fielen für mich vor allem die Schilderungen von NutzerInnenseite hinsichtlich struktureller Barrieren ins Gewicht, welche konträr zu diesbezüglichen Aussagen des Systems standen. In Bezug auf unseren Projekttitel ‚Erfolgsgeschichten’ fiel vor allem das Prinzip der Kleinschrittigkeit, statt der Formulierung hochtrabender Ziele auf.
Zusammenfassend kann ich für mich persönlich festhalten, dass ich das Projekt als äußerst erkenntnissgewinnend und elementar in meinem Studienverlauf betrachte. Auf der methodischen Ebene habe ich zahlreiche Kompetenzen im Bereich der qualitativen Sozialforschung (auch durch die theoretische Auseinandersetzung mit diesem Sujet) erworben, auf der inhaltlichen Ebene einen andere Blick für die Diskrepanzen zwischen den drei von uns untersuchten Systemen erhalten.
4 Forschungsergebnisse
Gesellschaftspolitische Entwicklungen und Reformen wirken sich gravierend auf die Arbeitsfelder Sozialer Arbeit und ihre Klientel aus. Im Zuge neoliberalen Denkens wird bei Angeboten und Leistungen Sozialer Arbeit zunehmend nach Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit gefragt. Erfolg ist jedoch vor allem im System der Wohnungslosenhilfe schwer zu messen.
Zuerst werden die drei interviewten Systeme definiert, im Anschluss hieran die Ergebnisse der Befragungen des Systems, der NutzerInnen und der Sozialen Arbeit dargestellt und in Punkt 4.2 miteinander nach Kategorien verglichen. Die folgenden Kapitel gliedern sich nach den fünf Großkategorien ‚Problemlagen und jeweilige Unterstützungsleistung’, ‚Alltägliche Beratungspraxis im Allgemeinen’, Zielformulierung und Zukunftsorientierung’, ‚Strukturelle und systembedingte Rahmenbedingungen’ und ‚Gesellschaft als normgebende Instanz’.
Im Bereich des Systems interviewten wir zwei Mitarbeiterinnen des Sozialamtes Stuttgart. Auf Seiten der Sozialarbeit befragten wir Mitarbeitende von vier Fachberatungsstellen. Hierbei führten wir Interviews mit MitarbeiterInnen der drei zielgruppenspezifischen Fachberatungsstellen, als auch mit SozialarbeiterInnen einer
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regionalen Beratungsstelle. Durch den Kontakt mit diesen Befragten traten wir mit NutzerInnen des Hilfesystems in Verbindung, welche wir ebenfalls interviewten. Die Aussagen der Interviews wurden in Diagrammen zusammengefasst und sind im Anhang zu finden. (s. Abbildung 2) Grundlage der Darstellungen ist die Code-Matrix-Browser-Visualisierung des Programms MAXQDA. (s. Abbildung 1)
4.1 Zusammenfassung der einzelnen Ergebnisse
Die folgenden drei Unterkapitel widmen sich den zusammen gefassten Ergebnissen der Bereiche System, AdressatIn und Soziale Arbeit.
4.1.1 Zusammenfassung der Ergebnisse im Bereich System
Aus dem Komplex des Systems führten wir zwei problemzentrierte Interviews mit Mitarbeiterinnen in Führungspositionen des Sozialamts der Stadt Stuttgart.
Problemlagen und die jeweilige Unterstützungsleistung
Interviewpartnerin I sieht im Bereich der individuellen Problemlagen klar in der Herstellung einer Alltagsstruktur ein erfolgsbildendes Moment. (vgl. System I, 85 ff.) Auch der Kontakt zu Freunden wird als sehr wichtig empfunden. Interviewpartnerin II betont in diesem Zusammenhang vor allem die Integration in soziale Netzwerke und gängige Zukunftsvorstellungen wie die Gründung einer Familie. (vgl. System II, 32-39, 247-250)
„zum Beispiel, sich in eine Hausgemeinschaft zu integrieren, mal einen ‚Schwatz’ zu halten mit dem Nachbar, nicht unangenehm aufzufallen, in Schwaben natürlich, die Kehrwoche zu machen.“ (System II, 37 ff.)
Auch die Kategorie Sicherung der materiellen Existenz wird von beiden Interviewpartnerinnen ins Feld geführt. (vgl. System II, 17 f.)
Die Hygiene und in diesem Zusammenhang besonders die Gesundheit wird von Interviewpartnerin I als Kategorie für Erfolg benannt. Sie verweist in diesem Zusammenhang auch auf das selbst gewählte Leben auf der Straße und betont hier abermals, dass sie vor allem Sicherheit und Gewährleistung von gesunden / menschenwürdigen Umständen für elementar hält. (vgl. System I, 25 f., 46 ff., 98-101)
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Auch Interviewpartnerin II nennt gesundheitliche Verbesserung sowie die Anbindung an das System der Gesundheitsvorsorge als Ziele. (vgl. System II, 107)
Arbeit ist für Interviewpartnerin II ebenfalls eine zentrale Erfolgskategorie. Sie führt an, dass die meisten NutzerInnen zwar durchaus erwerbsfähig gemäß der Definition des SGB II seien, realiter jedoch kaum in den Arbeitsmarkt zu vermitteln seien. (vgl. System II, 322-377)
Die Kategorie Wohnen betrachtend sieht Interviewpartnerin I nicht die Obdachlosigkeit per se als Problem an sondern vielmehr die damit verbundenen Folgen. Interviewpartnerin II sieht diese Kategorie betreffend das Wohnen im Rahmen einer Individualwohnung als wegweisendes Ziel an und definiert dies auch für die Soziale Arbeit als Großziel. Sie widerspricht sich jedoch im Laufe des Interviews und definiert auch die institutionelle Unterbringung ‚Dach über dem Kopf’) als Erfolg. (vgl. System I, 186 ff.)
Beide Interviewpartnerinnen führen an, dass es in Stuttgart kaum stereotype Obdachlose mehr gebe und unterscheiden zwischen unfreiwilliger und freiwilliger Obdachlosigkeit, welche sie als freie Willensentscheidung eines Individuums akzeptieren können. (vgl. System I, 94-101 ; System II, 90-94)
Alltägliche Beratungspraxis im Allgemeinen
Interviewpartnerin I benennt als Erfolg die Tatsache, dass der Beratungsprozess so gestaltet wurde, dass die / der NutzerIn nach Beendigung der Hilfe und einem ‚Rückfall’ die Hilfe erneut in Anspruch nimmt. (vgl. System I, 372-377)
„Dann hat die Wohnungsnotfallhilfe sich so wenig moralisch präsentiert, dass man zurück kommt. Das ist ja auch, das ist, glaube ich, für die Wohnungsnotfallhilfe selbstverständlich, aber das finde ich auch schon Erfolg.“ (System I, 375 ff.)
Interviewpartnerin I betont, dass sie nicht das Leben eines Menschen nach Erfolgskategorien bewerten würde, sondern vielmehr den Beratungsprozess, wobei sie vor allem das Gefühl des ‚Andockens’ hervorhebt, ergo das Vorhandensein einer verlässlichen Anlaufstelle. (vgl. System I, 94-101) Interviewpartnerin II schließt sich dem an und benennt ebenfalls ein Gefühl der Grundzufriedenheit von Seiten der NutzerInnen, welches sie veranlasst Hilfen immer wieder in Anspruch zu nehmen. (vgl. System II, 108-113)
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Die Partizipation der Nutzerin / des Nutzers, so die Einschätzung von Interviewpartnerin I, wird aus Nutzerseite als gewünscht angesehen, Interviewpartnerin II benennt hier eher das Moment des ‚In-Ruhe-gelassen-Werdens’. (vgl. System II, 139 f.)
Als weiteren angenommenen Wunsch der NutzerInnen formuliert Interviewpartner I die Möglichkeit der schnellen, flexiblen und unbürokratischen Hilfestellung, sowie die Gestaltung eines unsterilen Beratungssettings (Möglichkeit zu rauchen etc.) in der die Klärung von Fragen eher nebenbei erfolgen kann. (vgl. System I, 129-140) Weiter nennt sie als wünschenswertes Beratungssetting eines, in dem authentische Ziele formuliert werden können, welche auch in der Realität umgesetzt werden können und einen Effekt erzeugen. Auch das Gefühl der Angebundenheit stellt eine zentrale Rolle dar bzw. schlussendlich gegebenenfalls die Möglichkeit ein Setting zu schaffen, in dem eine Gemeinschaft aus vielen Menschen entsteht. (vgl. System I, 27-34)
Interviewpartnerin I hält Kategorien als Basis im Hinterkopf bei der Abfrage von Erfolgszielen zwar für sinnvoll, plädiert jedoch dafür Erfolgsdefinitionen immer vom Einzelfall und den damit zusammenhängenden individuellen Zielvorstellungen abhängig zu machen. Auch zwischen den Trägern sieht sie Unterschiede, was die Vorstellungen von Erfolg anbelangt, sieht allerdings die Unterschiede zwischen den einzelnen SozialarbeiterInnen als gravierender an. (vgl. System I, 53-61, 146-149, 165-169)
Auch Interviewpartnerin II sieht individuelle Unterschiede und betont die Wichtigkeit der Einzelfallbezogenheit, welche sie allerdings teilweise defizitär auslegt. (vgl. System II, 254-258)
„dass man es wirklich auf den Einzelfall runterbrechen kann, mach es natürlich auch schwierig dann, irgendwann zu sagen horch her, da ist jetzt auch nichts mehr zu machen.“ (System II, 256 ff.)
Interviewpartnerin I nennt im Zusammenhang mit der Einzelfallbezogenheit auch die Bezugsnahme auf die individuellen Voraussetzungen der Nutzer und würde hier Lebensqualität mit einbeziehen bzw. spricht sich allgemein für eine wenig defizitorientierte Sichtweise aus. (vgl. System I, 53-61, 70-83) Interviewpartnerin II benennt vor diesem Hintergrund dass es wichtig sei sich über Defizite bewusst zu sein und aus diesem Grund Ziele eher niedrig zu stecken. Sie würde als Ziel sehen, dass ein/e NutzerIn in der Lage ist ihre / seine Problemlagen und
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die damit zusammenhängenden Bedürfnisse schlüssig darzulegen, denkt hier als eher in den Kategorien Teilhabefähigkeit und Lebenszufriedenheit, welche sich, so ihre Einschätzung, über andere Faktoren definiert als die der Mainstreamgesellschaft. (vgl. System II, 591-603, 655-663)
Zielformulierung und Zukunftsorientierung
Hier führt Interviewpartnerin I zunächst eine Verbesserung in den gängigen Bereichen Wohnen und Gesundheit an. (vgl. System I, 23-27)
Beide würden sich außerdem zunächst an kleinschrittigen Zielen orientieren. Interviewpartnerin II benennt hier zunächst eine Unterbringung (‚Dach über dem Kopf’) und die Risikominimierung und Stabilisierung vor allem in gesundheitlichen Belangen. (vgl. System II, 16 f., 258 ff.)
Auch Interviewpartnerin I benennt zunächst die (gesundheitliche) Risikominimierung und verweist auf die, dem § 67 immanente, Verhinderung von Verschlimmerung und kleine Erfolgsschritte wie das Einhalten von Terminen. (vgl. System I, 72-75, 113 ff.) Interviewpartnerin II benennt aus dem Bereich der Rechtsverwirklichung die Klärung der Leistungsansprüche, im Speziellen der Ansprüche aus den Bereichen SGB II / XII. (vgl. System II, 20, 107 f.)
Sie benennt darüber hinaus das Entwickeln einer langfristigen Perspektive, vor dem Hintergrund, dass oftmals nach der Beendigung des Hilfeprozesses eine erneute Verwahrlosung einsetzen kann. (vgl. System II, 361-368)
Interviewpartnerin I merkt an, dass sie, trotzdem der Sozialbericht oftmals als Druck aufgefasst wird, eine gewisse regelmäßige Überprüfung von Zielen als sinnvoll erachtet. (vgl. System I, 230-236)
Interviewpartnerin II betont, dass hier in den Formulierungen die Schere zwischen den Erwartungen der Kostenträger und den Berichten der SozialarbeiterInnen immer weiter auseinander klafft. Sie verweist weiter auf die Pflicht der Einrichtungen ausführliche, auf Erfolg hin überprüfbare und zielgerichtete Berichte vorzulegen, auch vor dem Hintergrund knapper finanzieller Mittel. (vgl. System II, 158-162, 214-237) Interviewpartnerin II führt die Eigenständigkeit als Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe als langfristiges Ziel an und benennt darüber hinaus Kategorien wie Wohnen, Beruf, Einkommen oder Familiengründung. (vgl. System II, 18-22, 248 ff.)
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„Also Überwindung heißt dann natürlich wirklich schon, wenn man es ganz platt nimmt, er ist angekommen, also im Beruf, Einkommen, Frau, Familie gründen, Haus bauen, Baum pflanzen.“ (System II, 248 ff.)
Strukturelle und Systembedingte Rahmenbedingungen
Immer wieder wird durch die Interviewpartnerinnen Bezug auf die Arbeitsmarktpolitik genommen. Hier formuliert Interviewpartnerin I vor allem die Schwierigkeit Ziele, die nicht frustrieren zu formulieren, was besonders vor dem Hintergrund der offensichtlich zum Scheitern verurteilten Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt bedeutsam wird und weist auf den hohen gesellschaftlichen Stellenwert des Faktors Arbeit, welcher plastisch an der Zuordnung sämtlicher Sozialämter an die JobCenter, deutlich wird, hin. (vgl. System I, 78-82, 211-214)
Bezüglich der Kooperation zwischen dem System und der Sozialen Arbeit führt Interviewpartnerin II an, dass die Zusammenarbeit mit den Trägern Sozialer Arbeit sehr Einzelfallabhängig ist und es oftmals vorkommt, dass Träger aufgrund von Kontrollängsten die Kooperation mit der Stadt, zum Beispiel was die Weitergabe von Datenmaterial zur Erfolgsbewertung angeht, erschweren. Hier betont sie, dass dies vor allem zu Lasten des Klientels gehen würde. Sie bemängelt das Misstrauen auf beiden Seiten, sieht hier aber in den letzten Jahren eine positive Entwicklung. Auch merkt sie an, dass die Träger der Wohnungslosenhilfe Stuttgarts ein gewisses wirtschaftliches Interesse hätten. (vgl. System II, 196-204, 210-214, 633-643)
Was die Finanzierung anbelangt, weist Interviewpartnerin I vor allem auf die Verantwortung der Kostenträger gegenüber den Steuerzahlern und den ‚bedürftigen’ Personen in ihrer Gesamtheit hin und begründet vor diesem Hintergrund die Forderung nach mehr Nachweispflicht von Seiten der Sozialen Arbeit. (vgl. System I, 530-541)
„Ich darf das auch nicht, das ist gar nicht mein Geld. Das ist das Geld der Steuerzahler und ich darf das nicht einfach so irgendwem geben, die sagen, hey, peace, wir machen das.“ (System I, 537 f.)
Darüber hinaus wird von Interviewpartnerin I bemängelt, dass die Aufgaben der Qualitätssicherung sehr an der / dem einzelnen SachbearbeiterIn, die über die Fortgewährung von Hilfen entscheidet, hängen und dass es an einer Systematisierung der Bedarfe mangelt. (vgl. System I, 550-558)
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Interviewpartnerin II weist ebenfalls auf die Subjektivität von Kostenentscheidungen aufgrund der MitarbeiterInnenkomplexität in den Ämtern und deren individueller Erfolgsdefinitionen hin. Auch macht sie wiederum deutlich, dass es hier die Pflicht der Sozialarbeiterin / des Sozialarbeiters ist die Bedarfe der NutzerInnen ‚durchzuboxen’. (vgl. System II, 284-294, 667-673)
Interviewpartnerin I macht deutlich, dass im Bereich der Finanzierung vor allem das Prinzip der ‚Überwindung von sozialen Schwierigkeiten’ richtungsweisend ist und dass aus diesem Grund NutzerInnen der Wohnungsnotfallhilfe eine defizitäre Problembeschreibung zukommt, um ihren Anspruch auf Leistungen rechtfertigen zu können. (vgl. System I, 182-197)
Auch auf die Notwendigkeit des Herkunftsprinzips weist Interviewpartnerin I hin, da nur so erreicht werden kann, dass alle Landkreise ausreichend Angebote zur Verfügung stellen. Sie sieht jedoch auch die Konsequenzen für den Einzelfall. (vgl. System I, 456-472)
Interviewpartnerin II weist hier ähnliche Ansichten auf und betont, dass es Landkreise gibt die froh sind ihr Klientel nach Stuttgart ‚abschieben’ zu können. (vgl. System II, 545-585)
Interviewpartnerin I betont die breite Angebotspalette des Hilfesystems Stuttgart und hebt vor allem die Fülle an alltagsstrukturierenden Maßnahmen positiv heraus. Sie sieht hier die Sozialhilfe als normativen bzw. wegweisenden Rahmen und hebt die Sonderdienststelle 50-250 mit ihrer Doppelfunktion in den Bereichen SGB II und SGB XII in diesem Zusammenhang besonders heraus. Sie sieht hier die Reintegration in den Arbeitsmarkt als eher untergeordnete Maxime an. (vgl. System I, 83-87, 215-223, 275-280)
Interviewpartnerin II betont die Spannweite der Trägerlandschaft in Stuttgart, welche sie als für den Kostenträger unter Umständen hinderlich charakterisiert. Auch sie weist auf die Bedeutung der Sonderdienststelle hin und führt an, dass das Stuttgarter Hilfesystem eine schnelle Weitervermittlung, gegebenenfalls auch in ein Betreuungsverhältnis, gewährleisten kann. Sie sieht Stuttgart in einer Vorreiterposition für viele Landkreise, weist aber in diesem Zusammenhang auch nochmals auf deren Verantwortung für die Einrichtung adäquater Hilfen hin. (vgl. System II, 491-506, 561-564)
„Also Stuttgart ist, denke ich, der Himmel für die Wohnungsnotfallhilfe, wenn man sich so bundesweit umguckt.“ (System II, 461 f.)
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Interviewpartnerin I sieht in der stationären Langzeitunterbringung keinen Erfolg sondern konstatiert eher Stagnation was die einzelne Nutzerin / den einzelnen Nutzer betrifft. Institutionell gesehen betont sie die (eventuell überholte) Etabliertheit stationärer Einrichtungen im Hilfesystem. (vgl. System I, 245-254, 442-445)
„Weil, dass ein ehemals wild auf der Straße lebender Wohnungsloser für zig Jahre in der stationären Einzelfallhilfe ist, kann, das ist für mich nicht Erfolg. Das muss ich echt sagen. Also, wenn ich diese // auf ihren Rollator gestützten // habe ich schon das Gefühl das ist eine Domestizierung irgendwie.“ (System I, 248-251)
Interviewpartnerin II unterscheidet hier je nach Personenkreis. Bei Menschen jüngeren Alters auf der einen Seite sieht auch sie stationäre Einrichtungen als eher hinderlich an und würde eine intensive ambulante Betreuung mit dem Ziel der Integration in die Arbeitswelt begrüßen.
„Ich kann nicht auf der einen Seite sagen Fördern und Fordern und auf der anderen Seite mache ich eine Rundumversorgung, da wird er morgens um acht geweckt, vom Sozialarbeiter, dann wird er zum Frühstück getragen und dann machen sie mittags ein betreutes Basteln und das passt nicht, passt nicht zusammen.“ (System II, 531-534)
Bei älteren und physisch abgebauten Menschen auf der anderen Seite hält sie stationäre Einrichtungen für durchaus sinnvoll. (vgl. System II, 512-534)
„also für gewissen, abgebauten Personenkreis über 50, der eben schon seit Jahren in der Szene umeinander flutet, werden teilstat-, werden vollstationäre Angebote sicherlich nach wie wie vor wichtig sein.“ (System II, 526 f.)
Gesellschaft als Normgebende Instanz
Was die Integration in die Gesellschaft als Indikator für Erfolg anbelangt wird durch Interviewpartnerin I betont, dass die AdressatInnen bereits Teil der Gesellschaft seien, es jedoch einfacher sei, wenn man im klassischen Sinne in die Gesellschaft integriert ist. (vgl. System I, 70 f., 77-80)
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„Also was heißt schon Reintegration? Sie sind ja Teil der Gesellschaft.“ (System I, 70 f.)
Interviewpartnerin II sieht die Reintegration in die Gesellschaft als logischen Schritt nach dem Erreichen von Zielkategorien wie ‚eigene Wohnung’ an. (vgl. System II, 29-39)
Einen Teil unserer Erhebung umfasste den Bereich der Erfolgskontrolle. Was den Wandel in der Erfolgsdefinition bzw. die Messbarkeit von Erfolg per se betrifft, so wurde auf Seiten des Systems erwähnt, dass Wirkung von Leistungen aufgrund des multifaktoriellen Zusammenhangs in der Sozialen Arbeit nur schwer messbar sei. Dies liege unter anderem daran, dass die Soziale Arbeit auch nur ein Glied dieses Zusammenhangs darstellt und es schwer einzuschätzen ist welche Rolle diesem zukommt. Vielmehr wird Messbarkeit von Erfolg an dem Grad der vereinbarten Zielerreichung und der Frage nach den damit verbundenen Barrieren festgemacht und jeweils am Einzelfall statt an universellen Indikatoren, wie Wohnen, Gesundheit und Arbeit, welche eher als Orientierung dienen sollen, festgemacht. Ebenso wird auf die Gefahr hingewiesen, dass die Erfolgskontrolle dadurch verfälscht wird, dass SozialarbeiterInnen ihre Ziele zu den Zielen der NutzerInnen machen. Außerdem wird der Wunsch geäußert Erfolgskontrolle einzelfallbezogen zu erheben, um auch Rückschlüsse auf die Nachhaltigkeit von Hilfen ziehen zu können. Eine weitere Feststellung ist, dass die Ökonomisierung Sozialer Arbeit in keinem Falle zu konstatieren sei und auch die Finanzierung von Leistungen in der Praxis nicht mit dem Nachweis von Erfolg zusammenhänge, sondern im Umkehrschluss die mangelnde Ökonomisierung wenig qualitätssichernd für die Nutzer sei. (vgl. System I, 22 f., 293-318, 338-344, 485-497)
Diese Meinung wird von der zweiten Interviewpartnerin bestätigt, welche ebenfalls die fehlende Datenlage bzw. ein fehlendes Erhebungsinstrument bemängelt, um auch gegebenenfalls nachvollziehen zu können, ob ein/e NutzerIn bereits die Dienste jedweden Trägers in Anspruch genommen hat und daher seinen Anspruch auf Leistungen ‚verspielt’ hat.
„wir wissen teilweise nicht einmal was für eine Karriere hat ein Klient hinter sich, also im Einzelfall schon, da sehe ich manchmal da sind sie ins System gekommen, hat alle Träger durch, jetzt können ihn alle nicht mehr leiden, überall hat er schon Hausverbot und dann gibt es einfach nichts mehr.“ (System II, 272-275)
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Auch hier wird auf die Orientierung an den Kategorien Wohnung, Arbeit, Gesundheit und Teilhabe hingewiesen und an die Sozialarbeit appelliert, welche sich vor allem in der Formulierung von Hilfeplänen rhetorischer gewandter anstellen solle. (vgl. System II, 259-275, 456-469)
4.1.2 Zusammenfassung der Ergebnisse im Bereich NutzerInnen
Problemlagen und die jeweilige Unterstützungsleistung
Was die individuellen Problemlagen der NutzerInnen anbelangt, so lassen sich hier verschiedene Kategorien herauskristallisieren, die jeweils mit einer individuellen Erfolgsdefinition verknüpft sind.
Auf der persönlichen Ebene nennt Adressatin I, nach utopischen Erfolgsdefinitionen gefragt die ‚Heilung’ ihrer Krankheit (Epilepsie). (vgl. Adressatin I, 217) Auch Adressat II benennt zahlreiche gesundheitliche Einbußen, die aus dem Leben auf der Straße und der Alkoholabhängigkeit herrühren, dazu zählen zum Beispiel die Fettleber sowie eine chronische Erkrankung. Außerdem berichtet er von regelmäßigen Krankenhausaufenthalten. Hier sieht er persönlich jeden Tag, den er ohne Alkohol verbringen kann als Erfolg an (vgl. Adressat II, 36-44, 52-59, 244-245).
„Und ein Erfolg ist für mich, das muss ich auch mal sagen, jeder Tag den ich nicht besoffen bin. Das ist für mich eigentlich der Erfolg. Also so muss ich das sagen.“ (Adressat II, 244 f.)
Adressat II betont darüber hinaus die Wichtigkeit eines sozialen Netzwerkes innerhalb der Wohnungslosenszene, macht aber deutlich, dass er nur wenige echte Freunde besitze und die meisten lediglich als Saufkumpanen bezeichne. Auch eine Freundin habe er. (vgl. Adressat II, 113 ff.)
Adressatin I benennt ebenfalls die Wichtigkeit Menschen kennenzulernen. (vgl. Adressatin I, 191-195) Beide AdressatInnen verwenden in diesem Kontext explizit den Terminus Erfolg.
Adressatin I benennt institutionell gesehen vielfache Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden. Vor allem der Schriftverkehr und das Ausfüllen von Anträgen ist für sie logisch nicht nachvollziehbar, genauso wenig wie die Tatsache durch Bindungen an Zeitarbeitsfirmen etc. in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt zu sein. Immer wieder
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betont sie in diesem Zusammenhang ihren Willen einer Tätigkeit nachzugehen. (vgl. Adressatin I, 14-18, 331-334)
Als positiven Aspekt der Anbindung an die Fachberatungsstelle benennt Adressat II die Erleichterung des Umgangs mit Behörden, da diese bei Kontakt mit SozialarbeiterInnen oft kooperationswilliger wären. (Adressat II, 45-52, 59-63)
„Und das ist das Geschickte hier, wenn dann der Betreuer bei irgend so einer Stelle anruft, dann ist das geschickter, als wie wenn der Alkoholiker da selber anruft und dann sagt: ‘Ja dem Deppen, dem erzählen wir einfach irgendwas. Wir wollen das Geld und fertig.’“ (Adressat II, 45-58)
Er empfindet vor allem in diesem Bereich die Fachberatungsstelle als große Unterstützung, was er auch am Bespiel des Umgangs mit Ämterschreiben bzw. Postverkehr im Allgemeinen verdeutlicht. (vgl. Adressat II, 127-134)
„Also ich habe im Prinzip mit den Ämtern, also mit dem Ämtergang überhaupt keine Probleme von der Sache her. Nix, weil das wird alles hier so geregelt. Wenn irgendwas ist, entweder die faxen schnell oder schicken eben Post her oder rufen geschwind an.“ (Adressat II,188-190).
„Und deswegen (.) ich werde immer im Prinzip die Einrichtung hier nutzen oder die Möglichkeiten, die hier zur Verfügung stehen.“ (Adressat II, 133 f.)
Auch Adressatin I nennt diesen Bereich als besonders wichtig in der Beratung und betont immer wieder die Undurchsichtigkeit der deutschen Bürokratie. (vgl. Adressatin I, 14-18)
Auch die Geldverwaltung durch die Fachberatungsstelle wird von Adressat II als unterstützend angesehen. (Adressat II, 27-34)
„Das kann ich von dem Geld gar nicht finanzieren, aber das lasse ich dann hier regeln. Hier, über die Leute hier regeln (.) Und von der Sache her setzen die sich dann ein.“ (Adressat II, 44f .)
Adressatin I betont vor allem die Unterstützungsleistungen im Bereich der Postangelegenheiten.
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„Aber Frauenberatungsstelle sie sind richtig, richtig ganz toll. Ich kriege auch meine Post hin. Aber, wie gesagt, viele Sachen, die ich verstehe überhaupt kein Wort.“ (Adressatin I, 31-33)
Gleiches merkt Adressat II an. Auch er betont die Unverständlichkeit vieler Ämterschreiben, die er, auch aufgrund seiner Alkoholerkrankung ohne Unterstützung nicht bewältigen könnte. (vgl. Adressat II, 74 -91, 127-133) Adressatin I, welche immer wieder auf die für sie immense Bedeutung einer Arbeitsstelle hinweist, betont, dass für sie ein erfolgreicher Tag ein erfolgreicher Arbeitstag ist, selbst wenn die Tätigkeit sehr anstrengend oder monoton ist. (vgl. Adressatin I, 191-195, 199-202)
„Ich habe immer mein Geld verdient und für mich das ist eine super schwierige Situation. Und und ich will arbeiten, ich will mein Geld verdienen, ich hatte immer Geld gehabt.“ (Adressatin I, 199 ff.)
„Ich gehe arbeiten, hat Spaß gemacht, nette Leute. Bin Müde, aber glücklich. Das war für mich ein erfolgreicher Tag.“ (Adressatin I, 204 f.)
Auch geht sie davon aus, dass für den / die SozialarbeiterIn die Kategorie Arbeit einen wesentlichen Bestandteil in deren Erfolgsdefinition einnimmt. Sie betont, dass sich hier die Ansichten der SozialarbeiterInnen mit ihren eigenen decken. (vgl. Adressatin I, 252, 297-304)
„Für den Sozialarbeiter? Das ist, wenn jemand findet einen Job schon.“ (Adressatin I, 252)
„Ich glaube, das ist für sie derselbe Erfolg als für mich. Und ich glaube, dass als Sozialarbeiterin die macht alles mögliche für sie und sie merkt das bringt nichts, das ist für sie auch total frustrierend. (.)“ (Adressatin I, 302 ff.)
Adressat II formuliert in diesem Zusammenhang, dass er aufgrund seiner physischen Verfassung nicht in der Lage ist einer Tätigkeit nachzugehen. Er benennt als Erfolg für den / die SozialarbeiterIn eher den Begriff der Beschäftigung, will heißen die Übernahme alltagsstrukturierender Aufgaben, wie beispielsweise die Mitarbeit in der, der Fachberatungsstelle zugehörigen, Tagesstätte. (vgl. Adreassat II 97-102, 336-342)
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