1. Thema der Unterrichtsreihe
„Ein Löwe, der nicht schreiben kann? - Wir helfen Leo Löwe beim Verfassen eines Liebesbriefes und schreiben einen Brief an unseren Mitschüler Leon“
Eine Unterrichtsreihe zur handlungs- und produktionsorientierten Auseinandersetzung mit dem Bilderbuch „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ von M. Baltscheid, mit dem Ziel, das adressaten- und textsortenbezogene Schreiben anhand der Textsorte „Brief“ anzubahnen und einen Brief an einen längerfristig erkrankten Mitschüler 1 zu verfassen.
2. Aufbau der Unterrichtsreihe
1. „Leo Löwe hat ein Problem“ (Lernsequenz im Umfang von zwei Unterrichtsstunden): Die SuS 2 begegnen dem Protagonisten des Buches, „Leo Löwe“ 3 , und tragen ihre Assoziationen bezüglich der Hauptfigur zusammen, um Wortmaterial für das spätere Verfassen der „Löwen-Liebesbriefe“ zu sammeln. In Anknüpfung daran erarbeiten die SuS den Inhalt des Bilderbuches, um das Problem der „Sprachlosigkeit“ des Protagonisten zu verstehen und sich darüber hinaus der Textsorte „Brief“ anzunähern.
2. „Was haben die Tiere für den Löwen geschrieben?“: Die SuS erproben das Vortragen der einzelnen Briefe der Tiere unter Berücksichtigung verschiedener Leseparameter, um darauf aufbauend den Inhalt des Buches zu vertiefen und erste Einblicke in den formalen Aufbau eine Briefes zu erlangen.
3. „Wann ist ein Brief ein Brief?“: Die SuS verfassen aus der Perspektive ihnen bereits bekannter Tiere Briefe für den Löwen, um einerseits die formalen Kriterien für das Schreiben eines Briefes zu fixieren und zu erproben und andererseits bereits erkannte textsemantische Strukturen zu antizipieren.
4. „Wir informieren uns über den Löwen und seine Lebensweise“: Die SuS recherchieren Informationen zur Lebensweise des Löwen und fixieren diese für das Schreiben der Liebesbriefe in der nachfolgenden Unterrichtsstunde.
6. „Wir überarbeiten unsere Löwen-Liebesbriefe“: Die SuS überarbeiten ihre Entwürfe und übertragen diese auf ein Schmuckblatt, um sie angemessen präsentieren und ausstellen zu können.
7. „Ein Brief für Leon“: Die SuS verfassen als Handlungsprodukt der Reihe gemeinschaftlich einen Brief an ihren erkrankten Mitschüler Leon, um ihre während der Unterrichtsreihe erworbenen Kompetenzen in einem bedeutsamen Kontext anzuwenden.
1 Der betreffende Schüler befindet sich bereits seit mehreren Wochen in der LWL-Tagesklinik in Meschede und hat bisher
keinen Kontakt mehr zu seiner Klasse gehabt.
2 Im Folgenden durch „SuS“ zugunsten der Lesefreundlichkeit abgekürzt. Aus Gründen der vereinfachten Lesbarkeit wird an
entsprechenden Stellen zudem auf die geschlechtsneutrale Differenzierung verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten aber
im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für beide Geschlechter.
3 Um eine größere Identifikation der Kinder mit der Hauptfigur zu gewährleisten, wurde dem Löwen ein Name gegeben.
2
3. Ziele der Stunde
Das Schwerpunktziel der vorliegenden Stunde besteht darin, dass die SuS ihre Schreibkompetenz in Bezug auf das Verfassen der Textsorte „Brief“ erweitern und festigen sollen, indem sie die bereits erarbeiteten inhalts- und formbezogenen Kriterien bei ihrem Schreibprozess anwenden, um einen Text zu entwickeln, der nicht nur verständlich und strukturiert aufgebaut, sondern auch adressaten- und funktionsgerecht 4 verfasst ist.
3.1 Ziele im Bereich der Fachkompetenz Deutsch
Bereich „Schreiben“ 5
(Schwerpunkt: Texte situations- und adressatengerecht verfassen, richtig schreiben) Die SuS sollen ihren Brief verständlich und leserlich verfassen, indem sie einerseits die vorgegebene Lineatur nutzen und darüber hinaus - in Ansätzen - beim Schreiben bereits erarbeitete grammatische und rechtschriftliche Strukturen berücksichtigen. 6
Die SuS sollen einen „Liebesbrief“ an die Löwin aus Perspektive des Protagonisten Leo Löwe verfassen, indem sie die erarbeiteten form- sowie inhaltsbezogenen Kriterien der Textsorte „Brief“ beachten und anwenden.
Die SuS sollen beim Schreiben des Briefes für die Löwin rechtschriftliche Kenntnisse anwenden, indem sie das im Kontext der Lernumgebung gesammelte Wortmaterial nutzen und die erlernte Abschreibtechnik (lesen - sich merken - aufschreiben - kontrollieren) anwenden.
Bereich „Sprechen und Zuhören“ 7
(Schwerpunkt: verstehend zuhören, Gespräche führen, zu anderen sprechen) Die SuS sollen ihre Briefe vorstellen und dabei auf Rückfragen von Mitschülerinnen und Mitschülern eingehen, indem sie sich zu den Fragen und Gedanken anderer Kinder äußern und dabei vereinbarte Gesprächsregeln beachten.
Die SuS sollen sich während der Reflexionsphase zu den vorgestellten Texten äußern können, indem sie sich der Technik des aktiven Zuhörens bedienen.
Bereich „Lesen - mit Texten und Medien umgehen“ 8
(Schwerpunkt: Texte präsentieren, mit Medien umgehen)
Die SuS sollen bei der Vorstellung der von ihnen verfassten Briefe verständlich sprechen, indem sie sich deutlich artikulieren und sich an der Standardsprache orientieren.
Die SuS sollen die vorgestellten Briefe auf inhaltlicher Ebene reflektieren, indem sie die Perspektive der Löwin/des Adressaten einnehmen und ihre Gedanken und Gefühle zum Text äußern.
3.2 Ziele im Bereich der Sozialkompetenz
Die SuS sollen in ihrer Kritikfähigkeit weiter gefördert werden, indem sie die Briefe an die Löwin anhand der erarbeiteten formalen wie inhaltlichen Kriterien kommentieren.
4 Vgl. Bauermann, Jürgen/Pohl, Thorsten: Schreiben - Texte verfassen, in: Bremerich-Vos, Albert u.a. (Hrsg.): Bildungsstan-
dards für die Grundschule: Deutsch konkret, S.75.
5 Vgl. im Folgenden: Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Richtlinien und Lehrpläne
für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen, S. 29f.
6 Als Beispiele für solche Strukturen seien für die hier beschriebene Lerngruppe im Wesentlichen die Einhaltung von Wort-
grenzen sowie die Großschreibung bei Nomen und nach Satzschlusszeichen genannt.
7 Vgl. im Folgenden: Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Richtlinien und Lehrpläne
für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen, S. 28f.
8 Vgl. ebd. S. 31f.
3
Die SuS sollen ihre Empathiefähigkeit, also die Befähigung zur Perspektivübernahme, weiterentwickeln, indem sie einerseits einen Brief aus Sicht des Löwen verfassen und anschließend aus Perspektive der Löwin beurteilen.
3.3 Ziele im Bereich der Methodenkompetenz
Die SuS sollen lernen, in Situationen problemorientierten Lernens auf bereits vorhandene Lernergebnisse zurückzugreifen, indem sie selbstständig Hilfsmittel wie beispielsweise Tippkarten oder Lernplakate nutzen.
Die SuS sollen ihre Kompetenzen im Bereich des Vortragens von Arbeitsergebnissen ausbauen, indem sie auf ein angemessenes Sprechtempo achten und auf die bereits erarbeiteten Leseparameter zurückgreifen.
4. Fachwissenschaftliche Analyse des Unterrichtsgegenstandes
9 Vgl. Böhmann, Marc, u.a. (Hrsg.): „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ im Unterricht, S. 11ff.
4
5. Didaktische Schwerpunktsetzung
Der Schwerpunkt der vorliegenden Unterrichtsstunde besteht darin, dass die SuS - differenziert nach ihrem jeweiligen Leistungsstand - einen Brief aus Sicht des Protagonisten verfassen sollen, und hierbei nicht nur formale und inhaltliche Kriterien berücksichtigen müssen, sondern auch auf die Fähigkeit zur Perspektivübernahme angewiesen sind. Des Weiteren soll nicht nur die Textproduktion im Fokus dieser Stunde stehen, sondern auch die Reflexion der Arbeitsergebnisse mit Blick auf die Übereinstimmung mit den bereits genannten, zuvor erarbeiteten Kriterien.
Die nachfolgend beschriebene Unterrichtsstunde besitzt eine nicht zu unterschätzende Bedeutung mit Blick auf das Handlungsprodukt: Einerseits sollen die „Löwen-Liebesbriefe“ - nach ihrer Überarbeitung - präsentiert und ausgestellt werden; andererseits stellt das Schreiben der Briefe für den Löwen eine Art
10 Vgl. ebd., S. 4.
11 Vgl. ebd., S. 3.
12 Vgl. URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Brief , abgerufen am 09.11.2010, 15:31 Uhr.
13 Vgl. ebd.
14 Vgl. ebd.
5
Vorstufe für das Verfassen des Briefes an ihrenMitschüler Leon dar. Sollen die SuS während der Reflexionsphase aus Sicht der Löwin beurteilen, ob die präsentierten Briefe gelungen sind, so müssen sich die Kinder beim Verfassen eines Briefes an eine Person aus ihrer unmittelbaren Lebenswelt in deren Gedanken- und Gefühlswelt hineinversetzen und beurteilen, welche Wirkung der Brief besitzen wird.
Mit Blick auf Richtlinien und Lehrpläne lässt sich der geschilderte Unterrichtsgegenstand zunächst damit legitimieren, dass die Schriftsprache, und damit insbesondere der Brief, als ein Medium wahrgenommen werden kann, um Entfernungen zwischen Kommunikationspartnern zu überwinden, sowie Sachverhalte, Erfahrungen und Beziehungen gedanklich zu klären. 15 Damit die von den Kindern verfassten Brieftexte sowohl adressaten-, als auch funktionsgerecht sind, müssen die SuS verschiedene Teilprozesse beim Schreiben koordinieren: Planung, Textproduktion und - in der nachfolgenden Unterrichtsstunde - das Überarbeiten.
Im Bereich „Schreiben“ wird als Kompetenzerwartung für die Schuleingangsphase gefordert, dass die SuS einerseits eigene Texte nach Vorgaben verfassen sollen; im Sinne eines antizipierenden bzw. strukturimmitierenden Schreibens sollen sich die SuS beim Verfassen der „Löwen-Liebesbriefe“ an den von ihnen entdeckten, wiederkehrenden semantischen Strukturen der Briefe der Tiere orientieren und sie als Gerüst für ihren eigenen Schreibprozess nutzen. Weitergehend fordert der Lehrplan, dass die SuS ihre Texte verständlich und formklar gestalten sollen. 16 Ein weiterer Aspekt aus dem Bereich „Schreiben“ ist eng verknüpft mit den Kompetenzerwartungen im Bereich „Sprechen und Zuhören“: Das Vorstellen und Besprechen (Reflektieren) der Schülerdokumente/Brief-Entwürfe innerhalb der Stunde dient dazu, sich über die Einhaltung der form- sowie inhaltsbezogenen Kriterien der Textsorte „Brief“ auszutauschen und ggf. Optimierungsvorschläge zu äußern. 17 Außerdem sollen die SuS während der Präsentation/Reflexion die bereits bekannten Gesprächsregeln einhalten und darüber hinaus situationsangemessen sprechen, z.B. „Das habe ich nicht ganz verstanden…“ oder „Hier habe ich noch einen Tipp für dich…“. 18 Abschließend kann konstatiert werden, dass die vorliegende Stunde auch Kompetenzerwartungen im Bereich „Lesen- mit Texten und Medien umgehen“ tangiert. Die Kinder sollen ihre Gedanken und Gefühle zu den Brieftexten ihrer Mitschüler äußern; 19 dies geschieht aus Perspektive der Löwin unter Berücksichtigung folgender Fragestellung: „Was würde ich anstelle der Löwin entgegnen, wenn ich einen solchen Brief erhielte?“ Das Vortragen der Schülertexte am Ende der Stunde soll sich darüber hinaus an den SuS bereits bekannten Leseparametern orientieren.
Im Folgenden soll nun die Frage geklärt werden, inwiefern der behandelte Unterrichtsgegenstand für die SuS gegenwärtig bedeutsam ist. Das Verfassen der Briefe an die Löwin ist für die SuS einerseits subjektiv bedeutsam, da sie das Ende des Buches noch nicht kennen und daran interessiert sind, zu erfahren, welche Wendung die Geschichte nach dem emotionalen Ausbruch des Löwen auf S.23f. 20 noch nehmen wird. Andererseits ist das Verfassen der Briefe an die Löwin bedeutsam, da unter dem Aspekt der Mitplanung der SuS mit den Kindern als Handlungsprodukt ein Brief an ihren Klassenkameraden Leon vereinbart wurde; die SuS erhalten die Möglichkeit, ihre Erfahrungen und Kompetenzen bezüglich des Schreibens eines Briefes auszubauen und in das Handlungsprodukt einfließen zu lassen. Die Zukunftsbedeutung des Unterrichtsgegenstandes liegt darin, dass das Verfassen eines Briefes einen Einblick in den Aufbau von Sprache ermöglicht und die Fähigkeit fördert, Sprache und Sprachgebrauch zu untersuchen. 21 So werden die Kinder dafür sensibilisiert, dass bestimmte Textsorten wiederkehrende for-
15 Vgl.Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Richtlinien und Lehrpläne für die Grund-
schule in Nordrhein-Westfalen, S. 25f.
16 Vgl. ebd, S. 29.
17 Vgl. ebd., S. 28.
18 Vgl. ebd.
19 Vgl. ebd, S. 32.
20 Vgl. Baltscheit, Martin: Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte, S. 23f.
21 Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Richtlinien und Lehrpläne für die Grund-
schule in Nordrhein-Westfalen, S. 33f.
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Arbeit zitieren:
Dirk Feldmann, 2010, Der Löwe, der nicht schreiben konnte (Unterrichtsentwurf, 1./2. Schuljahr), München, GRIN Verlag GmbH
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