Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung. 1
II. Historischer Hintergrund
II.1 Die Zeit des arabisch-romanischen Sprachkontakts in Spanien. 2
II.2 Über das Poema de Mío Cid. 5
III. Arabismen im Spanischen. 6
IV. Interjektionen, Demonstrativa und andere Bestandteile von Ausrufen
IV.1 aba. 9
IV.2 albricias. 10
IV.3 (h)arre. 10
IV.4 evás/ euas/ ebas/ evad/ euad/ ebad/ evat/ euades. 11
IV.5 guay. 11
IV.6 (h)ala. 12
IV.7 asta/ hasta/ fasta/ ata/ hata/ fata/ adta/ adte. 13
IV.8 he/ ahe/ ahé/ fe/ afe/ afé / helo. 13
IV.9 ojalá/ ojala/ oxalá/ oxala/ ojualá. 14
IV.10 ya. 15
V. Formeln und Sprichwörter. 15
V.1 llenar el ojo/ henchir el ojo. 16
V.2 salir a alguien. 16
V.3 Religiöse Formeln. 16
V.4 Segens- und Fluchformeln. 17
V.5 Sprichwörter. 18
VI. Schlussbetrachtung. 18
VII. Literaturverzeichnis 20
Ausrufe, Formeln und Sprichwörter arabischen Ursprungs im Spanischen 1 Sabine Husmann
I. Einleitung
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei Teile: In einem ersten Abschnitt wird der historische Hintergrund beschrieben, der die Übernahme von Arabismen ins Spanische erst möglich machte. Zudem wird das Poema de Mío Cid vorgestellt, das als wichtigstes schriftliches Zeugnis des Altspanischen gilt und durch die mündliche Tradition des Epos ein gutes Bild der gesprochenen Sprache der Zeit liefert. In einem zweiten Teil geht es um Arabismen im Allgemeinen - aus welchen Bereichen sie stammen und wie sie ins Spanische gelangten. Im letzten Abschnitt werden Ausrufe, Formeln und Sprichwörter vorgestellt, die auf einen arabischen Einfluss zurückgehen. Während der fast achthundert Jahre langen Herrschaft der Araber über die Iberische Halbinsel diente ihr kultureller Status als Grundlage für die Übernahme bestimmter Begriffe ins Spanische. Auch danach gab es noch die Möglichkeit der sprachlichen Beeinflussung, da die zum Christentum konvertierten Muslime - die weiterhin Arabisch sprachen - unter der neuen Herrschaft geduldet wurden.
Bei der Übernahme von Ausdrücken aus dem Arabischen gilt es zwischen absichtlichen und unabsichtlichen Übernahmen zu unterscheiden. Absichtlich wurden beispielsweise Begriffe aus den Bereichen der Wissenschaft, Landwirtschaft und Literatur in den spanischen Wortschatz eingeführt, da man den Arabern auf diesen Gebieten eine große Überlegenheit den Spaniern gegenüber zugestehen muss. Außerdem wurden einige Wörter aus Prestigegründen angenommen. Meist kamen sie durch Übersetzungen aus dem klassischen Arabisch ins Spanische. Unter unabsichtlichen Übernahmen sind spontane Äußerungen und Ausrufe zu verstehen. Diese wurden durch Vermittlung der Mozaraber und Mudéjares zu spanischem Wortgut.
Da das Poema de Mío Cid so wichtig für Untersuchungen des Altspanischen ist und viele der im Folgenden behandelten Interjektionen dort zum ersten Mal auftauchen, wurde es als Hauptreferenzwerk dieser Arbeit gewählt. Den Betrachtungen lag die Ausgabe von Menéndez Pidal aus dem Jahre 1961 zugrunde. Zudem wurde die Konkordanz von König (2003) dafür benutzt, die Häufigkeit des Auftretens bestimmter Wörter und deren verschiedener Schreibweisen zu überprüfen. 1
Die Auswahl der in dieser Arbeit untersuchten Wortgruppe wurde aufgrund der Tatsache getroffen, dass es sich dabei um Ausdrücke handelt, die nicht aus der Übersetzertradition oder aus Notwendigkeit der Benennung neuer Dinge/ Techniken/ etc. ins Spanische gelangten, sondern um spontane Äußerungen, die wohl dem wirklichen Sprachge-
1 Deshalb wird in der weiteren Arbeit nicht mehr explizit auf diese Quellen verwiesen.
Ausrufe, Formeln und Sprichwörter arabischen Ursprungs im Spanischen 2 Sabine Husmann
brauch des Volkes entnommen sind. Hierbei wird der Einteilung von Corriente (2003) bezüglich wahrer und falscher Arabismen sowie den Forschungsergebnissen von Kiesler (1994) bezüglich Formeln und Sprichwörtern gefolgt. Der lautlichen Entwicklung wird dabei weniger Beachtung geschenkt. Vielmehr geht es darum, die Abstammung, Bedeutung und Anwendungshäufigkeit sowie den Bedeutungswandel und die Geschichte der Verschriftlichung näher zu beleuchten. 2
II. Historischer Hintergrund
II.1 Die Zeit des arabisch-romanischen Sprachkontakts in Spanien
Der Einfluss der arabischen Sprache und Kultur auf die Bewohner der Iberischen Halbinsel begann 711 als Tāriq b. Ziyād mit der Unterstützung von 5000 Berbern in der Nähe von Jerez de la Frontera die Westgoten schlug, die bis dahin über das Land herrschten. 3 Der Eroberungsfeldzug dauerte bis 716 und muslimische Heere nahmen bald fast die ganze Halbinsel ein. Dieser schnelle und weitreichende Erfolg der Eroberer hängt sicherlich auch mit dem „Verlust des Königs und vieler seiner Leute an der Spitze des Reiches“ 4 zusammen. „Nur ein schmaler, von Galicien bis in die östlichen Pyrenäen reichender Streifen Land blieb unbesetzt.“ 5 Nahezu acht Jahrhunderte lang konnten sich die Araber auf der Iberischen Halbinsel halten. 6 718 markierte der in den Norden geflüchtete Gote Pelayo mit der Schlacht von Covadonga (Asturien) den Beginn der Reconquista, der Wiedereroberung der unter muslimische Herrschaft gefallenen Territorien. 7 „Je weiter man nach Süden schreitet, desto länger gehörte die Gebiete zur islamischen Welt.“ 8 So kam den bisher unbedeutenden Dialekten im Norden eine immer wichtigere Rolle zu, denn das Kastilische wurde vom Kantabrischen Bergland aus ins Landesinnere getragen. 9
Zur Zeit der Araberherrschaft über die Iberische Halbinsel gab es nach Religion, Herkunft, Sprache und gesellschaftlichem Rang ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Im Norden organisierte man sich in christlichen Kleinkönigreichen und sprach romanisch. In Kastilien, in den Vorpyrenäen und im Ebrobecken sprach man zum Großteil auch romanisch, doch war die Mehrheit der Bevölkerung islamisch. Hier lebten vie- 2 Beidiesen Betrachtungen wurden die elektronischen Quellen DRAE, CREA und CORDE mehrfach genutzt. Diesbezügliche Angaben finden sich nur im Literaturverzeichnis.
3 vgl. Bollée/ Neumann-Holzschuh (2006), S. 43.
4 Bollée/ Neumann-Holzschuh (2006), S. 43.
5 Kontzi (1982), S. 406.
6 vgl. Gómez-Moriana (1973), S. 4.
7 vgl. Bollée/ Neumann-Holzschuh (2006), S. 43.
8 vgl. Metzeltin (1979), S. 124; Metzeltin (1973), S. 11.
9 vgl. Bollée/ Neumann-Holzschuh (2006), S. 42; Dietrich/ Geckeler (1990), S. 149.
Ausrufe, Formeln und Sprichwörter arabischen Ursprungs im Spanischen 3 Sabine Husmann
le Muladíes, zum Islam bekehrte Christen. 10 Ganz im Süden, in Al-Andalus lebten die islamischen Mauren. Damit sind die vor allem in den Städten lebenden Araber gemeint sowie die zahlreicheren, ihnen aber untergeordneten Berber aus Nordafrika. 11 Außerdem lebten in Al-Andalus die Mozaraber (von musta’rib ‚derjenige, der den Arabern ähnlich geworden ist‘ 12 ), die Christen blieben und für deren Kommunikation das Mozarabische (sp. mozárabe, romance andalusí 13 ) die Grundlage bildete. Das Mozarabische wurde aber auch von vielen Muladíes und Arabern gesprochen, wodurch romanisches Sprachgut ins Arabische kam und viele Arabismen ihren Weg ins Kastilische fanden. 14 Insgesamt gesehen gab es drei Nähesprachen - das Romanische (aus dem Norden), das weit verbreitete Mozarabische und einen arabischen Dialekt (der in Al-Andalus ent-stand) - und drei von den Religionen herrührenden Distanzsprachen - Latein (Christentum), Hebräisch (Judentum) und klassisches Arabisch (Islam). 15 Die ersten maurischen Einwanderer nach Al-Andalus waren Soldaten. Später kamen auch Familien nach. 16 Außerdem lebten unter ihnen Sklaven von ganz verschiedener Herkunft. 17
Die Araber, die aus einem völlig andersartigen Kulturkreis kamen, konnten und wollten sich nicht an die Lebensumstände der Romanen anpassen. 18 Ihre „Umgestaltung der Kultur und der Lebensverhältnisse auf der Pyrenäenhalbinsel im Sinne einer Orientalisierung [...] betraf nicht nur Religion, Recht und Sprache, sondern auch - und nicht zuletzt - die wirtschaftliche und gesellschaftliche und die Infrastruktur.“ 19 Das Zusammenleben der verschiedenen Völker und Religionsgruppen verlief eine lange Zeit relativ ruhig. Die mohammedanischen Herrscher ließen ihre christlichen Untertanen weiterhin ihre Religion ausüben und ihre Sprache sprechen. Sie brachten den Christen einen gewissen Respekt entgegen, da es sich bei ihnen auch um „ahl al-kitāb, ‚[Leute] des Buchs‘, d.h. Bekennern einer in einer heiligen Schrift geoffenbarten Religion“ 20 handelte.
10 vgl. Kontzi (1982), S. 407.
11 vgl. Bollée/ Neumann-Holzschuh (2006), S. 44.
12 vgl. Bollée/ Neumann-Holzschuh (2006), S. 44; Kontzi (1982), S. 407.
13 vgl. Bollée/ Neumann-Holzschuh (2006), S. 46.
14 vgl. Bollée/ Neumann-Holzschuh (2006), S. 47; Meyer-Lübke (1920), S. 58.
15 vgl. Bollée/ Neumann-Holzschuh (2006), S. 47.
16 vgl. Bollée/ Neumann-Holzschuh (2006), S. 44.
17 vgl. Kontzi (1982), S. 407
18 vgl. Wartburg (1951), S. 174.
19 Lüdtke (2005), S. 509.
20 Kontzi (1982), S. 412.
Ausrufe, Formeln und Sprichwörter arabischen Ursprungs im Spanischen 4 Sabine Husmann
In den gebildeten Familien beider Gesellschaftsgruppen verbreitete sich Zweisprachigkeit immer weiter. 21 Auch Bischöfe und hohe Beamte sprachen meist das Romanische oder Mozarabische als Muttersprache und erlernten das Arabische als Fremdsprache. 22 Ebenso beherrschten die Juden Mozarabisch und Arabisch. 23 Für die Übernahme arabischer Begriffe ins Kastilische sind grundsätzlich zwei Wege zu nennen: Zum Einen resultieren viele Ausdrücke aus dem direkten sprachlichen Kontakt, vor allem in Al-Andalus und in den später von den Christen zurückeroberten Gebieten, zum Anderen fanden Arabismen über den indirekten Sprachkontakt, d.h. über Übersetzungen aus dem Arabischen, ihren Weg ins Kastilische. Gründe für die Aneignung arabischer Begriffe waren die Notwendigkeit der Benennung neuer Dinge und Fertigkeiten, die im arabischen Sprachraum schon länger bekannt waren, und das Prestige des Arabischen, das zur Ersetzung schon vorhandener Begriffe führte. 24
Da die anhaltende Orientalisierung in Al-Andalus vielen Mozarabern zu weit ging, flohen sie in den Norden Spaniens, wo sie in den christlichen Regionen gerne aufgenommen wurden. Sie dienten als Vermittler von Sprache und Kultur der Araber, die den Bewohnern der nördlichen Gebiete nachahmenswert erschienen. 25 So kamen viele arabische Begriffe in die romanischen Dialekte, „ohne dass deren Sprecher je das Arabische als Sprache gelernt und in kommunikativer Praxis verwendet hätten“. 26 Nach der Hochblüte des arabischen Staats im 10. Jh. folgte der Sturz der Omaijaden und an ihre Stelle traten viele Kleinkönige, die ihre eigenen Gebiete (taifas) regierten. Dadurch verlor das arabische Spanien immer mehr an politischer Macht und die Reconquista drang vom Norden aus immer weiter nach Süden vor. 27 Die Wiedereroberung wichtiger Städte begann bei Toledo 1085, woraufhin sich die Kleinkönige an die marokkanischen Almoraviden wandten. Diese kamen ihnen 1090 zur Hilfe, doch konnten auch sie die Rückeroberung Zaragozas 1118 nicht verhindern. 28 Infolgedessen zogen 1147 die auch aus Marokko stammenden Almohaden nach Spanien ein. Trotz deren Eingreifen gewannen die Spanier Córdoba 1236, Valencia 1238 und Sevilla 1248 zurück. 29 Im Rahmen der Reconquista wurde der Grundbesitz neu verteilt (sp. repartimiento) und demzufolge kam es zu einer starken demographischen Durchmischung. Die muslimi- 21 vgl.Wartburg (1951), S. 175, 179.
22 vgl. Meier (1930), S. 101.
23 vgl. Kontzi (1982), S. 412.
24 vgl. Penny (1995), S. 217f .; Pöll (2002), S. 45.
25 vgl. Kontzi (1982), S. 409f.
26 Lüdtke (2005), S. 513.
27 vgl. Kontzi (1982), S. 406; Metzeltin (1973), S. 11.
28 vgl. Bollée/ Neumann-Holzschuh (2006), S. 44; Lüdtke (2005), S. 512; Wartburg (1951), S. 179.
29 vgl. Metzeltin (1973), S. 11.
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Sabine Husmann, 2007, Arabismen: Ausrufe, Formeln und Sprichwörter arabischen Ursprungs im Spanischen, München, GRIN Verlag GmbH
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