durch einen Neologismus („Wolkenflotten“) betont und ihre Vielzahl verdeutlicht, sondern sie werden durch das Verb „fliehen“ auch noch personifiziert.
Der erste Vers ist einer der wenigen, die mit einer weiblichen Kadenz enden, wodurch hier die Härte ein wenig abgeschwächt und eine fließende Bewegung der Wolken ausgedrückt wird. Außerdem erwartet man beim Verschwinden der Wolken eigentlich eine sternenklare Nacht, was sich im Weiteren jedoch als Fehleinschätzung herausstellt. Das Fliehen der weißen Wolken bedeutet höchstwahrscheinlich nicht, dass alle Wolken, sondern nur die weißen Wolken verschwinden und somit nichts mehr Reines vorhanden ist.
Im nächsten Vers tritt die Härte des Lebens und der Kampf des Tages gegen die Nacht in den Vordergrund, indem der Tag personifiziert wird und der Begriff „Kampf“ im Verb „ausgekämpft“ erscheint. Durch ein Enjambement wird dieser Vers noch mit dem nächsten verbunden, der den Ort dieses Kampfes beschreibt: „über dem Meer“, sodass der Verlierer in diesem untergeht. In Vers vier wird nun zum ersten und einzigen Mal die Sonne indirekt erwähnt und auch dies nur in einem negativen Sinn. Sie färbt beim Untergehen das Meer rot, was in Wirklichkeit eigentlich einen schönen Anblick bietet, in diesem Gedicht aber mit einer „roten Blutlache“ verglichen wird und somit wiederrum negativ und abstoßend erscheint. Hierbei wird der genannte Begriff durch den Pleonasmus des „roten Blutes“ noch sehr stark betont und das Bild der „Blutlache“ weist erneut auf Qualen, Tod und Verderben hin.
Mit diesem Verderben wird im folgenden Vers nun sofort das Land verbunden, da es sich im Meer spiegelt. Das „Land“ wird durch eine Alliteration mit den „Leichen“ in Verbindung gebracht und gleichzeitig noch mit ihnen verglichen, sodass das Bild des Todes auch hier wieder sehr stark in Erscheinung tritt; das Land ist quasi dem Untergang geweiht.
Hinzu kommt, dass hier nicht direkt das Spiegelbild des Landes erwähnt wird, sondern dass das Land personifiziert wird, indem es im Wasser „schwimmt“. Das Verb „schwimmen“ erweckt hier wiederum den Anschein der Verlorenheit und der Einsamkeit; ohne festen Halt, einen festen Grund und Boden. Der „Eiter“, der in Vers sechs vom Himmel „tropft“, ist hier nicht unbestimmt, sondern „ein Eiter“, nämlich die Strahlen des Mondes. Dieser Vers beinhaltet eine Inversion und das Nomen „Mond“ wird ohne jegliche weitere Erläuterung durch ein Komma angeschlossen, sodass „Eiter“ und „Mond“ direkt hintereinander stehen und ein Paradoxon bilden. Die Mondstrahlen wirken somit ekelerregend und abstoßend.
Vers sieben bildet einen kurzen einzelnen Satz, der so seinen Inhalt in den Vordergrund rückt, auch eine Inversion darstellt und wie eine Erklärung der Situation bzw. wie der Gipfel des Schlechten
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Vanessa Seip, 2008, "Sonnenuntergang" von Oskar Kanehl - eine Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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