Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Borcherts Vorgeschichte 4
Zu den Szenen 6
Vorspiel und ein Traum 6
1. Szene 7
2. Szene 8
3. Szene 9
4. Szene 9
5. Szene 10
Die Rollen der Charaktere 12
Beckmann 12
Das Mädchen/Beckmanns Frau 14
Der Einbeinige 14
Der Oberst/Der Kabarettdirektor 15
Die Durchschnittsbürger 16
Der alte Mann 17
Der Tod 18
Der Andere/Die Elbe 19
Zusammenfassung 20
Literatur 23
Vorab möchte ich hier meine Intentionen schildern, welche mich zur Auswahl dieses doch eher eigenwilligen Themas leiteten.
Das vorliegende Werk Borcherts war mir bis vor kurzem noch nicht bekannt und selbst nach mehrmaligem Lesen erscheint es mir als interessante und tiefgründige Geschichte, keinesfalls jedoch als eines der Meisterwerke der deutschen Literatur.
Kaum jemand betrachtet, dass Kriege nicht nur Auswirkungen auf die Psyche der kämpfenden Soldaten und der Kampfhandlungen ausgesetzten Zivilisten haben, sondern auch auf die komplette Gesellschaft, wenn nicht sogar Weltbevölkerung. Man braucht niemanden persönlich zu kennen, der dem Grauen der Kriege ausgesetzt ist, um in einer Medienlandschaft wie der unseren das Elend der Welt zu erkennen. Es werden Ängste geschürt. Nicht mehr die Angst vorm „bösen Ostblock“, aber es sind neue Feinde: arabische Terroristen, Unruhen wie in Frankreich, Amokläufer an Schulen, durch Klimawandel entstehende Naturkatastrophen und jüngst „giftige Zahnpasta-Fälschungen aus Asien“ bedrohen angeblich permanent unser Leben. Es sind Ängste, die unser Leben bestimmen. Auch heute noch, wo man nachts keine Bombenangriffe hört und in Trümmern lebt, sind wir umgeben von einer beängstigenden Welt aus Gefahren und Trauer. In Borcherts Geschichte geht es in erster Linie um einen Kriegsheimkehrer. Ein Mann, aufgewachsen in einem gut funktionierenden Propagandasystem, der aus Überzeugung kämpfte, um sich und die Seinen vor dem Feind und allen Gefahren zu schützen. „Ein Mann kommt nach Deutschland“ beginnt die Geschichte „Er war lange weg, […] vielleicht zu lange“.
Der Kriegsheimkehrer Beckmann ist ein Verlierer, den Krieg verloren, in Gefangenschaft geraten um nach seiner Heimkehr zu bemerken, dass nicht nur nichts mehr ist, wie es einmal war, sondern es sogar nie so war, wie er und seine Kameraden glaubten. Mit dieser Thematik beschäftigten sich viele Autoren und tun dies vor Hintergründen des aktuellen Weltgeschehens auch noch heute. Doch wer betrachtet die Daheimgebliebenen, die Verantwortlichen, die neue Ära des Wiederaufbaus und Vergessens, die ewig Gestrigen und viele andere?
Borchert tat dies und genau dieser gesellschaftliche Spiegel, der zu gleichen Teilen objektiv und verblendet von seinen eigenen Erfahrungen ist, wirft ein Licht auf die Realität, das vor Klarheit fast schmerzt.
Er setzte sich somit literarisch mit einer Thematik auseinander, welche wissenschaftlich erst seit den Neunzigern Beachtung findet.
Einzig mit seinem Untertitel „Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will“ hatte er sich geirrt.
Wolfgang Borchert, am 20. Mai 1921 in Hamburg als Sohn des Lehrers Fritz Borchert und der Schriftstellerin Hertha Borchert geboren, begann im Alter von 15 Jahren erste Gedichten zu schreiben. Auf Wunsch seiner Eltern machte er eine Buchhändlerlehre und nahm nebenbei heimlich Schauspielunterricht.
Im März 1941 schließt er sich der “Landesbühne Osthannover” an. Im Juli 1941 tritt er als Panzergrenadier seinen Wehrdienst in Weimar-Lützendorf an. Im November 1941 erhält Borchert seinen Marschbefehl an die Ostfront. Bei Königsberg (Kalinin) besteht er im Dezember seinen ersten Einsatz. Zu Beginn des Jahres 1942 erkrankt er erstmals an Gelbsucht und erleidet eine Handverletzung.
Überführung in ein Lazarett in Schwabach. Dort wird Borchert im Mai festgenommen und nach dreimonatiger Haft in Nürnberg vor Gericht gestellt. Der Antrag lautet auf Tod durch Erschießen wegen des dringenden Verdachts auf Selbstverstümmelung. Nach einem Freispruch erneute Verhaftung. Als Waffenloser nimmt er ab Dezember 1942 in den Kämpfen um Tropez Teil. Fußerfrierungen und erneute Gelbsuchtanfälle zwingen ihn im Januar 1943 ins Seuchenlazarett. Nach zwei Monaten ist er transportfähig und kann heimatnahe auf deutschem Boden weiterbehandelt werden. Einen Heimaturlaub im September nutzt er für kabarettistische Auftritte in Hamburg.
Kurzzeitig kehrt er in seine Garnison nach Jena zurück und verrichtet seinen Wehrdienst in einer Durchgangskompanie Kassel-Wilhelmshöhe.
Wegen nachhaltiger Dienstunfähigkeit beabsichtigen seine Vorgesetzten, Borchert aus dem aktiven Kriegsdienst zu entlassen und ihn zur moralischen Unterstützung der kämpfenden Truppe im Fronttheater einzusetzen.
Er feiert seine Entlassung mit dem Vortrag einer Goebbels-Parodie. Dieses bleibt jedoch nicht ohne Folgen. 1944 sitzt Wolfgang Borchert fast neun Monate ohne Verurteilung im Gefängnis Berlin-Moabit. Seine Entlassung im September verbindet das Gericht in seinem Urteil mit der Auflage “Feindbewährung”.
Die Zeit bis zu diesem Einsatz verbringt er in Jena. 1945 gerät er bei Frankfurt am Main in die Hände französischer Einheiten. Während des Transportes in die Kriegsgefangenschaft nach Frankreich gelingt ihm die Flucht. In einem 600km-Marsch entlang der Frontlinie wandert er in Richtung Norden und kommt am 10. Mai schwerkrank in Hamburg an. Ab September 1945 tritt er wieder in einem Kabarett auf und wird Mitbegründer des Theaters “Die Komödie”. Nebenbei arbeitet er im November als Regieassistent für eine Inszenierung von “Nathan der Weise” am Hamburger Schauspielhaus. Im Dezember verschlimmert sich sein Krankheitszustand akut.
Von Jahresbeginn 1946 an bis Ostern hält der inzwischen unheilbar kranke Borchert sich im Krankenhaus auf und entfaltet dort hektische schriftstellerische Aktivitäten. In rascher Folge entstehen fünf Erzählungen und Prosaskizzen, darunter auch “Die Hundeblume”, eine psychologische Studie aus dem Zellenalltag.
Neben der Aufarbeitung seiner Erfahrungen während der Haft sind auch die Situation des Heimkehrers, dessen Sichtweise in der Szenerie der Trümmerlandschaft und die “Stunde Null” wichtige Themen für Borchert. In Form von Kurzgeschichten und knappen Porträts bis hin zur szenischen Darstellung im Stück “Draußen vor der Tür” bearbeitet er diesen Problemkreis.
Ab Ostern ist Borchert wieder zu Hause. Es bleibt ihm, laut Aussage der Ärzte, nur noch ein Jahr zu leben.
Bis Ende 1946 sind insgesamt 24 Prosastücke entstanden. Außerdem erscheint eine Sammlung von Gedichten aus den Jahren 1940-1945 mit dem Titel “Laternen, Nacht und Sterne”. Im Herbst (oder frühen Winter) 1946 entsteht “Draußen vor der Tür”. Schon nach kurzer Zeit, am 13. Februar 1947, wird das Werk in einer Hörspielfassung des Nordwestdeutschen Rundfunks Hamburg gesendet. Das Stück entstand in nur 8 Tagen. Borcherts Untertitel zu dem Drama “Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum
sehen will” entsprach bei weitem nicht der Realität, denn die Resonanz nach der Übertragung war überwältigend und die Sendung wurde bereits in der ersten Woche dreimal wiederholt. Am 22. September 1947 bricht Wolfgang Borchert zu einem längeren Kuraufenthalt nach Basel auf, den seine Freunde ihm ermöglicht hatten.
Am 20. November 1947 stirbt Wolfgang Borchert im Alter von 26 Jahren in Basel. Einen Tag nach seinem Tod wird das Drama “Draußen vor der Tür” in den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt.
Vorspiel und ein Traum
Das Buch von Borchert fängt nicht mit der ersten Szene an, sondern Borchert lässt sein Stück mit einem "Vorspiel" und einem Traum beginnen. “Draußen vor der Tür” ist ein Stationendrama. Im Stationendrama ist der Held, dessen Entwicklung es schildert, von Gestalten, die er an den Stationen seines Weges antrifft, aufs deutlichste abgehoben. Sie erscheinen, indem sie nur in seinem Zusammentreffen auftreten, in seiner Perspektive und so auf ihn bezogen. Und da den Grund des Stationendramas nicht eine Vielzahl von einander weitgehend gleichgestellten Personen, sondern das eine zentrale Ich bildet, verliert auch der Monolog hier den Ausnahmecharakter, den er im Drama notwendiger Weise besitzt. Damit ist aber die unbegrenzte Eröffnung seines verborgenen Seelenlebens begründet. In der Konsequenz der subjektiven Dramatik liegt ferner, dass die Einheit der Handlung durch die Einheit des Ichs ersetzt wird. Dem trägt die Stationentechnik Rechnung, indem sie das Handlungskontinuum in eine Szenenfolge auflöst. Die einzelnen Szenen stehen hier in keinem kausalen Bezug. Vielmehr erscheinen sie als isolierte Steine, aufgereiht am Faden des fortschreitenden Ich. Die dramatische Szene schöpft ihre Dynamik aus der zwischenmenschlichen Dialektik, sie wird vorwärtsgetrieben dank des futuristischen Moments, welches diesem innewohnt. In der Szene des Stationendramas hingegen entsteht keine Wechselbeziehung, der Held trifft zwar auf Menschen, aber sie bleiben ihm fremd. Damit wird die Möglichkeit des Dialoges selbst in Frage gestellt. Der Zusammenhang des Stationendramas “Draußen vor der Tür” wird nur durch die Gestalt Beckmanns gewährleistet. Beckmann selbst ist, bis auf das Vorspiel, das aus einem Dialog zwischen Gott und Tod als
Arbeit zitieren:
Thomas Lindwurm, 2007, Zu W. Borcherts "Draußen vor der Tür" , München, GRIN Verlag GmbH
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