Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS III
ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
TABELLENVERZEICHNIS V
1. EINLEITUNG 1
2. GRUNDLAGEN DER FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG IN DER PHARMAINDUSTRIE 3
2.1 FORSCHUNGS- UND ENTWICKLUNGSPROZESS 3
2.2 HERAUSFORDERUNGEN IN DER FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG 5
2.3 RISIKOSTREUUNG DURCH FINANZIERUNG 9
3. KONVENTIONELLE FINANZIERUNGSFORMEN ZUR RISIKOSTREUUNG 11
3.1 KOOPERATIONEN 11
3.2 IN-LICENSING 12
3.3 OUT-LICENSING 13
3.4 PUBLIC PRIVATE PARTNERSHIPS 14
3.5 OUTSOURCING 16
3.6 OFFSHORING 17
3.7 ÜBERSICHT 18
4. INNOVATIVE FINANZIERUNGSFORMEN ZUR RISIKOSTREUUNG 20
4.1 VENTURE CAPITAL 20
4.2 SPIN-OFFS 23
4.3 VIRTUAL PHARMA 24
4.4 DERIVATE 27
4.5 ÜBERSICHT 31
5. BEWERTUNG DER INNOVATIVEN FINANZIERUNGSFORMEN 33
5.1 BEWERTUNGSMODELL 33
5.1.1 Net Present Value 33
5.1.2 Datengrundlagen der Bewertung 34
5.1.3 Entscheidungsbaum 35
5.1.4 SWOT-Analyse 36
5.2 BEWERTUNG 37
5.2.1 Venture Capital 37
5.2.2 Spin-offs 40
5.2.3 Virtual Pharma 41
5.2.4 Derivate 44
5.3 EINSATZEMPFEHLUNGEN 47
6. FAZIT 49
LITERATURVERZEICHNIS 51
INTERNET- / INTRANETVERZEICHNIS 55
ANHANG 62
INDEX 67
II S e i t e
Abkürzungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
BHC -Bayer HealthCare BPI -Bundesverband der pharmazeutischen Industrie BSP -Bayer Schering Pharma CRO -Contract Research Organization E7 -Emerging 7 (Aufstrebende Schwellenländer) EFPIA -European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations FDA -Food and Drug Administration FIPCO -Fully Integrated Pharmaceutical Company FIPNet -Fully Integrated Pharmaceutical Network FuE -Forschung und Entwicklung IMI -Innovative Medicines Initiative IPO -Initial Public Offering J&J -Johnson & Johnson KMU -Kleine und Mittlere Unternehmen MMV -Medicines for Malaria Venture NBE -New Biological Entity NCE -New Chemical Entity NME -New Molecular Entity NPV -Net Present Value PoC -Proof of Concept PPP -Public Private Partnership R&D -Research and Development SWOT -Strengths, Weaknesses, Opportunities and Threats VC -Venture Capital VCs -Venture Capitalists VFA -Verband der forschenden Pharmaunternehmen
III | S e i t e
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Forschungs- und Entwicklungsprozess
Abbildung 2: FuE-Kosten für ein neues Medikament 1979-2007
Abbildung 3: Productivity Gap - Verhältnis NME/NBE und FuE-Ausgaben
Abbildung 4: FuE-Ausgaben der führenden zehn Pharmaunternehmen und BSP
Abbildung 5: Venture Capital Modell nach Goldman Sachs
Abbildung 6: Spin-off Modell
Abbildung 7: Virtual Pharma Modell
Abbildung 8: Vereinfachte Einflüsse der Projektbewertung
Abbildung 9: Derivate zur Risikoabsicherung
Abbildung 10: Zahlungsstrom Derivate (Sicht Pharmaunternehmen)
Abbildung 11: Formel für den Net Present Value
Abbildung 12: Entscheidungsbaum: FuE-Prozess
Abbildung 13: Formel für den gewichteten NPV
Abbildung 14: Entscheidungsbaum: Venture Capital
Abbildung 15: SWOT - Venture Capital
Abbildung 16: SWOT - Spin-off
Abbildung 17: Entscheidungsbaum: Virtual Pharma
Abbildung 18: SWOT - Virtual Pharma
Abbildung 19: Entscheidungsbaum: Derivate
Abbildung 20: SWOT - Derivate
IV S e i t e
Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Risikosenkung durch konventionelle Finanzierungsformen 18
Tabelle 2: Risikosenkung durch innovative Finanzierungsformen 31
Tabelle 3: Risikostreuung vs. Einflussverlust 31
Tabelle 4: Abbruchraten in der pharmazeutischen Entwicklung 34
Tabelle 5: Kosten der Phasen des FuE-Prozesses 34
Tabelle 6: Gewichtete NPV-Berechnung 36
Tabelle 7: NPV-Übersicht innovativer Finanzierungsformen 47
Tabelle 8: Einsatzgebiete innovativer Finanzierungsformen 49
V S e i t e
Einleitung
1. Einleitung
Für kaum eine andere Branche ist Innovation ein solch entscheidender Erfolgsfaktor wie für die pharmazeutische Industrie. Die Entwicklung neuer, innovativer Wirkstoffe bildet die Grundlage zukünftigen Umsatzes. Um den stetigen Nachschub neuer Arzneimittel zu sichern, investieren Pharmaunternehmen jährlich Milliardensummen in ihre Forschung und Entwicklung (FuE). Im Jahr 2008 betrugen die weltweiten Forschungs- und Entwick-
lungsausgaben der größten Pharmaunternehmen 1 über 71 Milliarden Euro 2 , was einem Anteil von 16% des Gesamtumsatzes entspricht. 3 Damit stellt die Pharmaindustrie die forschungsintensivste Branche dar, weit vor anderen High-Tech Industrien wie der Informa-
tionstechnologie oder dem Maschinenbau. 4 Rentiert werden diese Anstrengungen durch die - im Vergleich mit anderen Branchen - ebenfalls sehr hohe EBITDA 5 -Marge von durchschnittlich 32%. 6 Doch trotz der enormen Profite wird die pharmazeutische Industrie seit geraumer Zeit mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Als Beispiele seien
hier nur die durch auslaufende Patente von Blockbustern 7 begünstigte, immer aggressiver auftretende Generika-Konkurrenz, die sinkende Zahlungsbereitschaft der öffentlichen Ge-sundheitssysteme sowie die damit einhergehenden höheren Anforderungen an das Kosten/Nutzenverhältnis neuer Medikamente genannt. Verbunden mit dem drastischen Verfall
der Forschungsproduktivität 8 steigt daher das Risiko, das Pharmaunternehmen mit den Investitionen in ihre FuE-Abteilungen eingehen, enorm.
Zur Lösung dieses Problems wurden vielfach Fusionen und Übernahmen beschlossen. Diese sollten die Marktmacht steigern, um bestehende Produkte besser am Markt platzieren zu können. Darüber hinaus sollten die Entwicklungsabteilungen der übernommenen Unternehmen die Forschungspipelines mit neuen, viel versprechenden Wirkstoffen füllen. So wurden hohe Summen für die Konsolidierung der Branche aufgewendet. Insbesondere angelsächsische Unternehmen wie der Weltmarkführer Pfizer taten sich hierbei als „Hun- 1 Häufigals Big Pharma bezeichnet.
2 Vgl. Guevara u. a. (2008), S.21
3 Vgl. ebenda S.21.
4 Vgl. ebenda, S.8.
5 earnings before interest, taxes, depreciation and amortization
6 Vgl. Garnier (2008), S.70.
7 Blockbuster bezeichnet in dem Zusammenhang ein Medikament, welches über 1 Milliarde US Dollar pro Jahr umsetzt.
8 Die Forschungsproduktivität ist definiert als Verhältnis vom Output an Arzneien im Verhältnis zu den R&D-Ausgaben. Dies Verhältnis ist seit Jahren sinkend, da die Ausgaben um ein Vielfaches schneller wachsen als der Output der R&D-Abteilungen. (siehe Kapitel 2.2).
1 | S e i t e
Einleitung
ter“ 9 hervor und wuchsen enorm. Aber auch auf dem deutschen Markt kam es 2006 zu einer viel beachteten Übernahmeschlacht um die Schering AG, an deren Ende sich Bayer gegen Merck durchsetzte und zum größten deutschen Pharmahersteller avancierte. Doch
der Erfolg solcher Mega-Fusionen und Übernahmen ist zweifelhaft. 10
So müssen, trotz der vielfältigen Anstrengungen durch externes Wachstum im Wettbewerb zu bestehen, langfristig betrachtet die Forschungspipelines der Unternehmen gefüllt werden, um künftige Umsätze zu generieren. Hier stellt sich angesichts der enormen Kosten und der Unvorhersehbarkeit von wirklichen Innovationen die Frage nach neuen Denkansätzen bei der Risikostreuung, um die Finanzierung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten weiterhin zu sichern.
In diesem Spannungsfeld soll die vorliegende Arbeit daher analysieren, welche neuen Möglichkeiten sich großen Pharmaunternehmen 11 zur Finanzierung ihrer Forschung und Entwicklung bieten. Voraussetzung hierfür ist ein Grundverständnis des Arzneimittelentwicklungsprozesses und das Wissen um die Herausforderungen der pharmazeutischen Industrie. Beides soll zunächst kurz in Kapitel 2 erläutert werden. Anschließend erfolgt in Kapitel 3 die Darstellung der bisher in der Praxis hauptsächlich angewandten konventionellen Methoden der Risikostreuung wie Allianzen mit anderen Pharmaunternehmen, das In- und Out-Licensing neuer Wirkstoffe, das Offshoring sowie das Outsourcing und Public Private Partnerships (PPP).
Kern der Arbeit stellt die sich daran anschließende Erläuterung und Analyse innovativer Finanzierungsformen dar. Darauf basierend erfolgt in Kapitel 5 die Bewertung der innovativen Finanzierungsformen, um Rückschlüsse auf die generelle Anwendbarkeit zu ziehen.
9 Vgl. Collis / Smith (2007), S.12 (siehe Internetverzeichnis).
Pfizer hat seit 2000 drei Großübernahmen im Wert von über 200 Mrd. US Dollar durchgeführt.
10 Sowohl der gemeinsame Marktanteil, als auch die FuE-Produktivität gehen in der Regel nach Mega-Fusionen und Übernahmen zurück. Vgl. Gassmann (2008), S.18.
11 Sämtliche Betrachtungen werden aus Sicht großer Pharmaunternehmen getätigt. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind nicht Part der Analyse. Wo die Grenze zwischen KMU und Großunternehmen gezogen wird, soll im Rahmen dieser Arbeit nicht genauer betrachtet werden.
2 | S e i t e
Grundlagen der Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie
2. Grundlagen der Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie
2.1 Forschungs- und Entwicklungsprozess
Der Forschungsprozess in der pharmazeutischen Industrie beginnt mit der Suche nach Mechanismen im Krankheitsgeschehen, an denen Wirkstoffe eingreifen könnten. Diese
Stellen, meist Proteine 12 , werden Targets genannt. 13 Ist ein solches Target identifiziert, werden mittels verschiedener Verfahren wie z. B. dem High-Throughput Screening 14 Wirkstoffe gesucht, welche sich an das Target binden können. Über einen Zeitraum von 4-5 Jahren wird die dabei gefundene lead compound weiter verändert und optimiert. In dem sich nun anschließenden Entwicklungsprozess wird während der präklinischen Entwicklung der Wirkstoffkandidat in Versuchsstudien an Tieren getestet und sein Verhalten ana-
lysiert. 15 Besteht der Kandidat alle erforderlichen Tests, kann er in klinischen Studien am Menschen getestet werden. Diese, für die Zulassung vorgeschrieben Studien, werden in drei Phasen unterteilt.
In Phase I wird die Verträglichkeit der Substanz sowie deren Aufnahme, Verteilung, Um-wandlung und Ausscheidung im menschlichen Körper an bis zu 100 gesunden Freiwilli-
gen geprüft. 16 In der sich anschließenden Phase II wird die neue Substanz nun erstmals an einigen Hundert Kranken auf den gewünschten therapeutischen Effekt getestet. Darüber hinaus werden in Phase II potentielle Nebenwirkungen und die optimale Dosierung analysiert. Scheint ein Wirkstoff die erwünschten Eigenschaften zu besitzen, müssen diese im Rahmen der Phase III Studien statistisch nachgewiesen werden. Hierzu wird das Medikament an meist mehreren Tausend Patienten erprobt, wobei Neben- und Wechselwirkungen
genaustens untersucht werden müssen. 17 Sind die durchgeführten klinischen Studien erfolgreich abgeschlossen, kann ein Antrag auf Zulassung bei den entsprechenden nationalen Behörden eingereicht werden, wobei sich die Anforderungen in den einzelnen Ländern
unterscheiden können. 18
12 Vgl. Bullinger (2009), S.190.
13 Vgl. VFA (2009) (siehe Internet- / Intranetverzeichnis).
14 Automatisiertes Verfahren, bei dem durch Robotereinsatz mehrere Tausend Substanzen täglich auf deren Verhalten bezüglich des Targets geprüft werden.
15 Vgl. VFA (2009) (siehe Internet- / Intranetverzeichnis).
16 Vgl. ebenda, S.190.
17 Vgl. ebenda, S.190.
18 Die Arznei Xarelto von BSP ist z. B. in vielen Ländern Europas bereits zugelassen, in den USA bisher jedoch noch nicht.
3 | S e i t e
Grundlagen der Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie
Im Anschluss an die Zulassung folgen oftmals sogenannte Phase IV Studien zur Beobachtung sehr selten auftretender Nebenwirkungen. 19 Eine kurze Veranschaulichung des FuE-Prozesses stellt die folgende Grafik dar.
Abbildung 1: Forschungs- und Entwicklungsprozess
Quelle: Vgl. VFA (2007), S.28 (siehe Internetverzeichnis); Schöffski u. a. (Hrsg.) (2008), S.120.
Der Erfolg/Misserfolg in der Forschung und Entwicklung hat großen Einfluss auf den Erfolg des Unternehmens hat. So kann schon der Misserfolg eines einzelnen Wirkstoffes
signifikante Verluste nach sich ziehen. 20
Das folgende Kapitel gibt daher zum besseren Verständnis einen Überblick über die Her-ausforderungen forschender Pharmaunternehmen.
19 Vgl. Schöffski u. a. (Hrsg.) (2008), S.114.
20 Pfizer investierte drei Mrd. US Dollar in Exubera, bevor es nach neun Monaten und gerade einmal 12 Millionen US Dollar Umsatz vom Markt genommen wurde. Vgl. BusinessWeek (2007) (siehe Internet- / Intranetverzeichnis).
4 | S e i t e
Grundlagen der Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie
2.2 Herausforderungen in der Forschung und Entwicklung
Lange Entwicklungszeiten und hohe Kosten
Lange Entwicklungszeiten
21
und die hohe Komplexität des FuE-Prozesses führen zu enormen Kosten bei der Entwicklung eines Medikaments.
22
Mittlerweile wird, nach Be-
rechnungen von DiMasi, für die Forschung und Entwicklung einer New Molecular / Biological Entity (NME,
NBE)
24
durchschnittlich über eine Milliarde US Dollar aus-gegeben.
25
Treiber dieser Entwicklung sind u. a. die
häufigen Fehlschläge, immer aufwendigere klinische Stu-dien 26 und Investitionen in neueste Technologien. 27
Productivity Gap
Im Zeitraum von 1990 bis 2007 stiegen daher die FuE Ausgaben in den USA, Europa und
Japan um durchschnittlich 8% jährlich. 28 Gleichzeitig sank die Produktivität der For-
21 SieheAbbildung 1.
22 Vgl. BPI (2008), S.18 (siehe Internet- / Intranetverzeichnis).
23 Für das Jahr 2007 stellen DiMasi und Grabowski nur Kosten auf Basis des 2005 $ US zur Verfügung. Diese wurden zu Vergleichszwecken auf Basis des 2000 $ US umgerechnet. Molecular oder Biological beziehen sich dabei auf das Herstellungsverfahren, durch chemische Synthese oder biologische Prozesse.
24 NME/NBE bezeichnen nach der Food and Drug Administration (FDA) - die amerikanische Behörde für Arzneimittelzulassungen - einen bisher noch nie zugelassenen und vermarkteten Wirkstoff.
25 Diese Zahl inkludiert sowohl die Kosten der bis zur Marktreife angefallen Fehlschläge, als auch die Kapitalkosten für das pharmazeutische Unternehmen. (Vgl. DiMasi u. a. (2003), S.151-185.) Diese Art der Berechnung ist jedoch nicht unumstritten. (Vgl. Public Citizen (2001) (Hrsg.), S.4.) Doch alle Erhebungen kommen, unabhängig von der konkret ermittelten Summe, zu dem Schluss, dass die FuE einer neuen Arznei mit hohem, stetig steigendem Aufwand verbunden ist. Anzumerken ist, dass für die Entwicklung neuer Indikationen für bestehende Wirkstoffe, also das Life-Cycle-Management des Produkts, nur ein Bruchteil der Kosten einer Neuentwicklung anfällt. Vgl. Congress of the United States, (2006), S.2 (siehe Internet- / Intranetverzeichnis).
26 An den klinischen Studien zum potentiellen Blockbuster Xarelto - einem Gerinnungshemmer - nahmen über 50.000 Personen teil.
27 Vgl. Reepmeyer (2006), S.34.
28 Vgl. EFPIA (2009), S.2 (siehe Internet- / Intranetverzeichnis).
5 | S e i t e
Grundlagen der Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie
schungs- und Entwicklungsabteilungen beständig, da die Anzahl von NMEs und NBEs seit Jahren stagniert.
Abbildung 3: Productivity Gap - Verhältnis NME/NBE und FuE-Ausgaben
Quelle: PricewaterhouseCoopers (2007), S.5 (siehe Internet-/ Intranetverzeichnis).
So sank auch der Umsatzanteil, den Pharmaunternehmen mit neuen Arzneimittelpro-dukten machen, auf zuletzt nur 12,8% im Jahre 2005. 29 Diese Schere zwischen steigenden Kosten und gleichzeitig sinkendem Output ist eine der größten Herausforderungen für die pharmazeutische Industrie.
Marktexklusivität
Neben den schwindenden Forschungspipelines stellt darüber hinaus die finanzielle Verwertung der marktreifen Produkte ein zunehmendes Problem dar. Nach Beantragung des Patents, dies geschieht im Anschluss an die pharmazeutische Forschung, beträgt der Patentschutz 20 Jahre. Bis zur Marktreife und den damit verbundenen ersten Erlösen vergehen jedoch noch einmal ungefähr 10 Jahre, sodass für die Refinanzierung der Forschung und Entwicklung nur ein Zeitraum von 10 Jahren übrig bleibt. 30 Denn nach Ablauf des Patentschutzes drängen Generika auf den Markt, in deren Folge die Um-sätze des betroffenen Produkts drastisch einbrechen. 31 Im Schnitt 1,7 Jahre nach Marktein-
29 Zahlenfür Deutschland; neu heißt, dass das Produkt in den letzten 5 Jahren auf den Markt gekommen ist; Vgl. Wissenschaftsstatistik GmbH (2009) S.43 (siehe Internet- / Intranetverzeichnis).
30 Vgl. BPI (2008), S.18 (siehe Internet- / Intranetverzeichnis).
31 Z. B. Pfizer erlitt beim Medikament Camptosar nach Patentablauf Umsatzeinbußen von 42% innerhalb eines Jahres, Bei Zyrtec sogar 92%, da die Vermarktungsaktivitäten heruntergefahren wurden. Vgl. Pfizer (2008), S.2 (siehe Internet- / Intranetverzeichnis).
6 | S e i t e
Grundlagen der Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie
tritt der Arznei erscheinen außerdem Konkurrenzprodukte mit ähnlichen therapeutischen Wirkungen auf dem Markt. 32 Dies führt dazu, dass nur bei 3 von 10 Arzneimitteln die Gewinne die durchschnittlichen Forschungs- und Entwicklungskosten übersteigen. 33
Blockbuster-Abhängigkeit
Dass die Pharmabranche trotz aller Probleme zu einer der profitabelsten Branchen weltweit gehört, verdankt diese zu großen Teilen den Blockbustern. Jährlich erwirtschaften diese momentan 114 Arzneien einen Umsatz von 260 Milliarden US Dollar und stehen
damit für ungefähr ein Drittel des Pharmamarktes. 34 Die hohen Cashflows, die durch Blockbuster erwirtschaftet werden, finanzieren Ausschüttungen an Shareholder, weitere FuE-Aktivitäten und Akquisitionen.
Doch die enormen Umsätze verursachen gleichzeitig eine der Herausforderungen der kommenden Jahre. Ablaufende Patente von Blockbustern bedrohen in den nächsten fünf Jahren Umsätze von fast 100 Milliarden US Dollar. 35 Allein durch den Patentablauf von Lipitor 36 könnte bis zu 25% von Pfizers Gesamtumsatz entfallen. 37 Ersatz in Form von neuen, vielversprechenden Medikamenten ist rar. 38 Darüber hinaus sind potentielle Blockbuster oft nur in den Forschungspipelines kleiner Biotech-Unternehmen (Biotech) zu finden.
Wachsende Komplexität
Um den Zugriff auf externe Innovationen wie z. B. Technologien von Biotechs zu gewährleisten und dadurch das Know-how der eigenen FuE-Abteilungen zu verstärken, unterhalten die großen pharmazeutischen Unternehmen riesige Forschungs- und Entwicklungsnetzwerke. Diese erstrecken sich über weltweit verstreute Standorte mit Tausenden von
32 Vgl. DiMasi / Paquette (2004), S.8.
33 Vgl. Grabowski u. a. (2002), S.23.
34 Vgl. IMS-Health (2009) (siehe Internet-/Intranetverzeichnis).
35 Siehe Anhang A.
36 Lipitor ist das umsatzstärkste Medikament der Welt mit einem jährlichen Umsatz von 13,5 Mrd. US Dollar und Patentablauf in 2010. Vgl. IMS Health (2009).
37 Pfizer erwirtschaftete 2008 48 Mrd. US Dollar Umsatz (vor Wyeth-Übernahme). Vgl. Pfizer (2008), S.17 (siehe Internet-/Intranetverzeichnis).
38 Nur vier der Top10 Pharmaunternehmen verfügen über ausreichend Ersatz in ihren Pipelines. Vgl. PricewaterhouseCoopers (2008), S.2 (siehe Internet- / Intranetverzeichnis).
7 | S e i t e
Grundlagen der Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie
Mitarbeitern 39 und umfassen die Kooperation mit einer Vielzahl von Universitäten und externen Forschungseinrichtungen. 40
Abbildung 4: FuE-Ausgaben der führenden zehn Pharmaunternehmen und BSP
Quelle: Pharmaceutical Executive (2009), S.78 (siehe Internet- / Intranetverzeichnis); IMS-Health (2009) (siehe Internet- / Intranetverzeichnis); Bayer Schering Pharma AG (2009a) (siehe Internet- / Intranetverzeichnis).
Derartig weitreichende globale Netzwerke führen jedoch zu einem stark steigenden Kommunikations- und Koordinationsaufwand und stellen damit einen weiteren Faktor dar, der die Kosten der FuE erhöht.
Regulative Bedingungen
Neben den wettbewerbsbezogenen Herausforderungen besitzt der Staat großen Einfluss
auf die Pharmabranche. 41 Er legt Registrierungs- und Zulassungsvorschriften fest, die umfangreiche Dokumentationen erfordern. 42 Darüber hinaus gewährt der Staat Patentrechte, beeinflusst die Preisfindung und die Rückerstattung durch die öffentlichen Gesundheits-
39 Pfizerals größtes Pharmaunternehmen forscht an sechs verschiedenen Standorten mit einem Budget von über 7 Mrd. $US.
40 In den letzten Jahren fand ein Trend von FIPCOs (fully integrated pharmaceutical company) zu FIPNets (fully integrated pharmaceutical network) statt. Das heißt, dass FuE-Ergebnisse zunehmend in Kooperationen mit externen Partnern erreicht werden und nicht in der internen FuE. Merck & Co. erwartet, dass 2012 51% der Erlöse von extern entdeckten Produkten stammen. Vgl. Datamonitor (2008), S.24.
41 Vgl. Reepmeyer (2006), S.48.
42 New Drug Approvals - Zulassungsanträge für Medikamente - haben häufig einen Umfang von mehreren tausend Seiten. Vgl. Guarino (2004), S.115.
8 | S e i t e
Grundlagen der Forschung und Entwicklung in der Pharmaindustrie
systeme. 43 In den letzten Jahren führte dabei insbesondere der stärkere Einfluss von Kosten-Nutzen-Bewertungen 44 eines Arzneimittels zu steigenden Risiken bei der Zulassung und Erstattung, da strengere Anforderungen an die Wirksamkeit und Kosten eines Medikaments gestellt werden.
Forschende Pharmaunternehmen sehen sich also aufgrund der beschriebenen Herausforderungen steigenden finanziellen Risiken ausgesetzt. Da, wie eingangs geschildert, der wirtschaftliche Erfolg der Pharmabranche aber maßgeblich von neu entwickelten Arzneimitteln abhängig ist, müssen für die unternehmerische Stabilität diese Risiken gestreut werden.
2.3 Risikostreuung durch Finanzierung
Eine Methode der Risikominimierung ist die Streuung des finanziellen Risikos auf mehrere Partner durch die Nutzung verschiedenartiger Finanzierungsformen. Hierbei wird sowohl das Risiko des einzelnen, als auch, durch den effizienteren Ressourceneinsatz, das Gesamtrisiko gesenkt. Der Begriff Finanzierung wird in diesem Rahmen abweichend von
der gängigen Definition 45 verwendet. So beinhalten nicht alle vorgestellten Ansätze die direkte Beschaffung von Kapital für das Unternehmen. Formen wie das In-Licensing stel-
len grundsätzlich zunächst Investitionen 46 dar, werden hier jedoch als Finanzierungsform behandelt, da auch diese Investitionen die Streuung des finanziellen Risikos beinhalten.
In der pharmazeutischen Industrie, so auch bei Bayer Schering Pharma, werden bereits viele etablierte Finanzierungsformen zur Risikostreuung eingesetzt. Darüber hinaus wird stetig an neuen Formen gearbeitet, für die aber bisher kaum Erfahrungswerte bestehen. In
43 In allen Ländern der Welt außer Neuseeland und den USA hat der Staat direkte oder indirekte Mitwirkung bei der Preisfindung von Arzneimitteln (Vgl. Reepmeyer (2008), S.30). In Deutschland erfolgt dies zunächst über die Arzneimittelpreisverordnung, welche Preisspannen für den Handel und die Apotheken festlegt. Darüber hinaus wird durch die Festlegung der durch die gesetzlichen Krankenkassen zu erstattenden Medikamente (in den Arzneimittelrichtlinien) Einfluss auf die Preisbildung genommen, da meist nur die günstigsten Arzneien erstattet werden.
44 Bei der Kosten-Nutzen-Bewertung wird die verlängerte und verbesserte Lebensqualität, die durch ein Medikament erreicht wird, ins Verhältnis zu dessen Kosten gesetzt. Nur Arzneimittel die unter einer gewissen Kosten pro Lebensjahr Rate liegen werden für die Rückerstattung zugelassen. Hierbei sind insbesondere Großbritannien und Australien Vorreiter, jedoch existiert auch in Deutschland mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen eine derartige Prüfstelle. Vgl. Jena / Philipson (2008), S.1225; Kirch (Hrsg.) (2008), Teil 9, S.816.
45 Grundsätzlich umfasst der Begriff Finanzierung in der Literatur „…alle Maßnahmen der Mittelbeschaffung und -rückzahlung und damit der Gestaltung der Zahlungs-, Informations-, Kontroll- und Sicherungsbeziehungen zwischen Unternehmen und Kapitalgebern.“ Bea u. a. (Hrsg.) (2002), S.352.
46 Eine Kapitalbindung, welche mit der Beschaffung von Produktionsfaktoren einhergeht und sich über mehrere Perioden erstreckt. Vgl. Bea u. a. (Hrsg.) (2002), S.287.
9 | S e i t e
Arbeit zitieren:
Robert Messerle, 2009, Risikoteilung durch innovative Finanzierungsformen in der Forschung und Entwicklung der pharmazeutischen Industrie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Informatik - Wirtschaftsinformatik: neuer Titel erschienen: Risikoteilung durch innovative Finanzierungsformen in der Forschung und Entwicklung der pharmazeutischen Industrie
Robert Messerle hat einen neuen Text hochgeladen
Relationship Marketing in der Pharmazeutischen Industrie
Vertrauen und Commitment als E...
Rüdiger Witzel
Forschung, Entwicklung, Anwend...
T. Fleischer, R. Grünwald, D. Oertel, C. Revermann, Herbert Paschen, Christopher Coenen
Der neue Gemeinschaftsrahmen für Forschungs-, Entwicklungs- und Innova...
Inhalt, Bedeutung und Rechtsna...
Corinna Durinke
Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement in der pharmazeutischen Indust...
Eine empirische Untersuchung
Oliver Eckelmann
Seeing What's Next: Using the Theories of Innovation to Predict Indust...
Using the Theories of Innovati...
Clayton M. Christensen, Scott D. Anthony, Erik A. Roth
The Global Restructuring of the Steel Industry: Innovations, Instituti...
Anthony P. D'Costa
0 Kommentare