„Die Unglücksfahrt der Zeppelin LZ 18
( Luftschiff Nr. 2 der Kaiserlichen Marine)
am 17. Oktober 1913 in Johannisthal.“
Herausgeber & Autoren: Alexander Kauther, Berlin und Paul Wirtz, Jülich. Heft 8 der Dokumentenreihe über den Flugplatz Berlin-Johannisthal 1909-1914. © August 2011, 1. Auflage
Deckblatt- und Homepagegestaltung: D&M agentur, www.dundm-agentur.de 12487 Berlin-Johannisthal, Winckelmannstraße 70,
4
Inhaltsverzeichnis
Anmerkung der Autoren 6
Geschichte der Zeppelin-Luftschiffe für das Reichsmarineamt 7
Zeppelin-Militärluftschiffe 1905 bis 1914 8
Bau der Luftschiffhallen in Berlin-Johannisthal 9
Die Geschichte des Zeppelin-Luftschiffs L2 (Baunummer LZ 18) 13
Die Explosionskatastrophe am 17. Oktober 1913 19
Das Aviatische Museum in Johannisthal 33
Die Absturzbilder 36
Die 28 Todesopfer des Luftschiffunglücks 41
Die Trauerfeier am 21. Oktober 1913 51
Die Entstehungsursache der Katastrophe 59
Die heutige Unglücksfläche 63
Das Luftschifferlied 70
Quellen 66
Zeitungen und Periodika 66
Literatur 66
Bildnachweis 67
Personenregister 67
5
Anmerkungen der Autoren
Die Dokumentation soll versuchen, das Unglück des Zeppelinluftschiffes LZ 18 (L 2) nachzuzeichnen. Die Autoren haben eine Chronologie anhand von zeitgenössischen Veröffentlichungen in Büchern, Zeitungen und Archiven erstellt. Dabei war die Internetseite www.zeppelin-luftschiff.com von Diana Busch aus Österreich eine sehr große Unterstützung.
Johannisthaler wissen heute wenig vom Flugplatz Johannisthal und von diesem Unglück. Auf der Unglücksfläche stehen heute Wohnhäuser und im September 2011 eröffnet dort die Wohnungsbaugenossenschaft Johannisthal (WOJO) eine Freizeitstätte (Mietertreff).
Die Dokumentation reiht sich in die bereits vorhandenen Hefte ein, die von den Autoren über den Flugplatz Johannisthal für den Zeitraum von 1909-1914 geschrieben worden sind.
www.johflug.de Berlin-Johannisthal im August 2011
Flugplatz Johannisthal im Oktober 1913.
6
Geschichte der Zeppelin-Luftschiffe für das Reichsmarineamt
Bereits 1907 entschied sich das Reichsmarineamt, Staatssekretär Großadmiral Alfred Friedrich Peter v. Tirpitz (1849-1930), Luftschiffe des deutschen Generals der Kavallerie und Luftschiffkonstrukteur Ferdinand Adolf Heinrich August Graf v. Zeppelin (1838-1917) für See-Aufklärungszwecke zu verwenden. 1912 wurde der erste Bauauftrag für ein Marine-Luftschiff an die Firma Luftschiffbau Zeppelin in Friedrichshafen erteilt.
Am 7. Oktober 1912 war die L 1 (Baunummer LZ 14) fertig und es erfolgte die Erstfahrt. Am 17. Oktober wurde das Luftschiff von der Marineverwaltung abgenommen. Es sollte als Versuchs- und Schulschiff genutzt werden. Im Sommer 1913 wurde das Luftschiff „L 1“ nach Hamburg-Fuhlsbüttel verlegt und nahm am Flottenmanöver in der Ost- und Nordsee teil. Am 9. September 1913 gegen 19.00 Uhr verunglückte das Luftschiff bei seiner 68. Fahrt im Sturm 18 Meilen nördlich von Helgoland. Es wurde auf die Wasseroberfläche geschleudert, zerbrach und ist im Meer gesunken. Der größte Teil der Besatzung, darunter der Kommandant der Marine-Luftschiff-Abteilung, Korvettenkapitän Friedrich Metzing (1875-1913), und einige Gäste kamen ums Leben. Nur sechs Schiffbrüchige von den 20 Besatzungsmitgliedern konnten lebend geborgen werden.
Das Luftschiff LZ 14 (L 1) bei Helgoland 1913. 1
Die Firma Luftschiffbau Zeppelin versah ihre Konstruktionen mit einer fortlaufenden Bau- und Produktionsnummer in der Form „LZ“ plus laufende arabische Ziffer, wobei „LZ“ für „Luftschiffbau Zeppelin“ steht. Die Marine verwendete für die Luftschiffe vom Typ Zeppelin die taktische Bezeichnung „L“ (=Luftschiff) plus laufende arabische Ziffer. 2 Oft wurden auch die Luftschiffe zum Beispiel mit „L 2“ oder „L II“ bezeichnet.
1 www.wikipedia (Weltrundschau zu Reclams Universum 1913).
2 www.wikipedia
7
Zeppelin-Militärluftschiffe (bis Baujahr 1914) 3
Das letzte gebaute Zeppelin-Militärluftschiff LZ 24 (L 3) für die Marine.
3 Aus dem Buch „20 Kapitel frühe Luftfahrt“, Schmitt/Schwipps, transpress Verlag, 1990.
8
Bau von Luftschiffhallen in Berlin-Johannisthal
Die Doppel-Halle der Johannisthaler Station der Luft-Verkehrs-Gesellschaft, Berlin, während des Baus 1910/11 (Obere Foto Parseval-Halle). Die Zeppelin-Halle (untere Foto) war 160 m lang, 45 m breit und 28,5 m hoch und wurde im September/Oktober 1911 fertiggestellt.
9
Links die Zeppelin-Halle, rechts die Parseval-Halle, die als erste ab April 1910 gebaut wurde. Sie brannte am 10.10.1915 vollständig ab.
Beide Hallen erbaute die „Ballonhallenbau (Arthur Müller) GmbH, Berlin-Charlottenburg. Besitzer war die „Luftfahrzeugbau GmbH Berlin“. Die Zeppelin-Halle wurde 1921 für die „Waggonfabrik (AMBI-Werke)“, Inhaber Arthur Müller (1871-1935), teilabgerissen.
10
Luftbildaufnahme der Gemeinde Johannisthal um 1913. Rechts unten das Rathaus. 4
4 Aus dem Fotoarchiv des Museums Berlin-Treptow.
11
Am 13. Oktober 1912 trat das „L 1“ unter der Führung des Grafen Zeppelin von
Friedrichshafen aus seine Abnahmefahrt an, die als Dauerfahrt von 31 Stunden nach
Johannisthal führte. Es legte dabei eine Strecke von 1450 km zurück, erreichte eine Höhe von
1900 m und fuhr sechs Stunden lang ununterbrochen in 1500 m Höhe. Als
Höchstgeschwindigkeit wurden etwa 21 m/s festgestellt.
12
Geschichte des Zeppelin-Luftschiffs „L 2“ (Baunummer LZ 18)
Schon vor dem Unglück der LZ 14 („L 1“) wurde am 30. Januar 1913 von der Marine ein neues zweites Luftschiff, die LZ 18 („L 2“), bei der Werft „Luftschiffbau Zeppelin“ in Friedrichshafen in Auftrag gegeben. Es sollte verbessert werden, mit vier statt drei Motoren ausgestattet und deutlich größer sein und damit über bessere Leistungen verfügen.
Der Kommandant des neuen Luftschiffes LZ 18, Kapitänleutnant Erich Otto Freyer (1882-1913), unternahm am 9. September 1913, am Tag des Absturzes der „L 1“, die erste erfolgreiche Jungfernfahrt.
Technische Daten der LZ 18 („L 2“):
- Lange: 158 m
- Durchmesser: 16,6 m
- Leergewicht: 20,25 Tonnen
- Nutzlast: 11,1 Tonnen
- Auftrieb: 31,35 Tonnen
- Traggasvolumen: 27.000 m3 Wasserstoff in 18 Gaszellen
- Antrieb: 4 Maybach-CX-Motoren mit je 134 KW (je 180 PS = 720 PS) Innenansicht der LZ 18
- Anzahl der Gondeln: 1 Führungsgondel, 2 Maschinengondeln
- Höchstgeschwindigkeit: 75,48 Km/h
- Eigengeschwindigkeit: 21 m/s
- Reichweite: ca. 2.100 Km
- Maximale Steighöhe: konnte nicht getestet werden, geschätzt 2900 m
- Besatzung: 23
- Anzahl der Fahrten: 6
Das neue Schiff „L 2“ (LZ 18), auch als „Zigarre“ im Volksmund bezeichnet, war das größte Luftschiff, was vor dem Ersten Weltkrieg gebaut wurde.
5 „Zeppelin-Weltfahrten, Sammelbildalbum 1932.
13
Die LZ 18 wurde zur Abnahme vom Bodensee nach dem Flugplatz Berlin-Johannisthal verlegt und landete dort am 20. September 1913, 18.08 Uhr, wo es den Hallenplatz seines Vorgängers LZ 14 („L 1“) übernahm.
14
Das neue Luftschiff „L 2“ machte einen insgesamt sehr guten Eindruck, denn es absolvierte alle Probefahrten ohne jegliche Beanstandungen, obwohl die Marinebehörden mit der Eigengeschwindigkeit von 21 m/s nicht zufrieden waren. Am 20. September 1913 stieg es um 4:25 Uhr in Friedrichshafen auf mit dem Auftrag im Bordbuch: „Überführungsfahrt nach Johannisthal“. Es wurde eine unfallfreie Fahrt, lediglich einzelne kleine Störungen sind in das Bordbuch eingetragen worden. Die Fahrt führte über Biberach, Ulm, Nürnberg, Erlangen, Bamberg, Lichtenfels, Ludwigsstadt, Saalfeld, Jena, Naumburg, Leipzig Torgau, Jüterbog, Luckenwalde und Trebbin nach Johannisthal, wo das Luftschiff nach rund zwölfstündiger Fahrt um 15:55 Uhr landete.
Das Luftschiff verblieb in der Zeppelinhalle und stieg vorerst nicht auf. Auf dem Flugplatz Johannisthal liefen die Vorbereitungen für die Herbstflugwoche vom 28. September bis 5. Oktober 1913 mit 34 Fliegern und Flugzeugen. Auch die nächste große Flugveranstaltung mit dem französischen Flieger Adolphe Pegoud (1889-1915) mit seinen sensationellen Kunstflügen wurde vom 23. bis 25. Oktober 1913 angekündigt.
Deshalb wurde der Abnahmeflug des Luftschiffes erst für den 17. Oktober 1913 festgesetzt. Die spezielle Marineabnahmekommission konnte nun dafür eingeladen werden.
15
Arbeit zitieren:
Alexander Kauther, Paul Wirtz, 2011, Die Unglücksfahrt der Zeppelin LZ 18 am 17. Oktober 1913 in Berlin-Johannisthal, München, GRIN Verlag GmbH
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