Abstract
In meiner Diplomarbeit werden die Begriffe Sucht, Drogen, Essstörungen, Suchtprävention und Kinder- und Jugendliteratur für suchtpräventive Zwecke aufgegriffen und erörtert. Ein Überblick sowohl über die Vielzahl an Substanzen, die uns süchtig machen können, als auch über deren Wirkung sowie eine Aufzählung von Essstörungen erweitern entweder bereits vorhandenes theoretisches Wissen oder bauen einen Grundstock mit Basiswissen auf. Der praxisbezogene Teil ermöglicht einen Einblick darin, unter welchen Voraussetzungen und anhand welcher Vorgehensweise Suchtprävention positive Auswirkungen zeigt. Es gibt jedoch nur eine einzige Art von negativer Prävention, nämlich keine Prävention. Speziell für den Deutschunterricht habe ich drei Kinder- und Jugendbücher ausgesucht, die die Thematik Sucht aufgreifen, und unter Heranziehung dieser gehe ich näher auf die didaktische Umsetzung des Themas Sucht im Deutschunterricht ein.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 5
1.1. Denkanstoß zum Thema Sucht 5
1.2. Abhängigkeit und Sucht 6
2. Drogen - ein Überblick 9
2.1. Substanzen 9
2.1.1. Opiate 9
2.1.2. Kokain 11
2.1.3. Cannabis 13
2.1.4. Halluzinogene 14
2.1.5. Amphetamine 15
2.1.6. Alkohol 16
2.1.7. Nikotin 22
2.1.8. Tranquilizer 50
3. Suchtauslösende Essstörungen 51
3.1. Grundsätzliches zum Thema Essverhalten 51
3.2. Verschiedene Arten von Essstörungen 51
3.2.1. Anorexia Nervosa (Magersucht) 52
3.2.2. Bulimia Nervosa (Ess-Brech-Sucht) 53
3.2.3. Binge Eating Disorder (Unkontrollierte Essanfälle) 55
4. Jugend und Sucht - Suchtprävention mit Hauptaugenmerk auf den Deutschunterricht 56
4.1. Mögliche Auslöser einer Sucht 58
4.1.1. Lebenskrisen 58
4.1.2. Stress 59
5. Suchtprävention in Schulen 61
5.1. Psychologische Suchtprävention im Jugendalter 61
5.2. Ziele der Suchtprävention 62
5.3. Verschiedene Stufen der Suchtprävention 62
5.3.1. Berücksichtigung des Milieus 62
5.3.2. Förderung von Lebenskompetenzen 63
5.3.3. Genuss und Freude im Klassenverband 64
5.3.4. Erkenntnis ist wichtiger als Kenntnis 64
6. Der Einsatz von Kinder- und Jugendliteratur für suchtpräventive Zwecke, gezeigt am
Beispiel dreier Jugendbücher 65
6.1. Dann bin ich eben weg von Christine Fehér 65
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6.1.1. Didaktische Umsetzung im Deutschunterricht 66
6.2. Alk. Außer Kontrolle von Wolfram Hänel 68
6.2.1. Didaktische Umsetzung im Deutschunterricht 69
6.3. Fragt mal Alice (Anonym) 69
6.3.1. Didaktische Umsetzung im Deutschunterricht 70
7. Schlusswort 71
8. Literaturverzeichnis 72
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1. Einleitung
Ich habe dieses Thema gewählt, da es mich im Zuge meines Berufes als Polizistin in Graz immer mehr beschäftigt, warum Menschen sich in Süchten verlieren und sich selbst oftmals gänzlich aufgeben. Ich wurde im Jahr 2009 für drei Wochen dem Kriminalreferat Graz, Fachbereich 03, Suchtmittelkriminalität, zugeteilt und durfte dort einen Einblick in das Verhalten und den Lebensalltag von Suchtmittelabhängigen gewinnen. Straftaten, welche der Beschaffungskriminalität im Suchtmittelmilieu zuzuordnen sind, werden nahezu täglich von Süchtigen in Graz verübt. Dahingehend war es mein Bestreben, mir Hintergrundwissen in Bezug auf Substanzen und ihre Wirkung auf den menschlichen Körper und die Psyche, aber auch in Bezug auf nicht substanzbezogene Süchte anzueignen und dieses erworbene Wissen in meiner Diplomarbeit zusammenzufassen.
1.1. Denkanstoß zum Thema Sucht
Ladewig meinte: „(…) Nüchtern sein ist eine Qualität, die nicht einfach gegeben ist. (…) (…) Es ist eine Feststellung, dass jemand, der illegale Drogen konsumieren will, sich diese ohne weiteres beschaffen kann. Wie gehen wir mit dieser Tatsache um? Die Medien bringen fast täglich Beispiele. Wer ist nicht schon selber Zeuge irgendeines Ereignisses geworden, das eigene Emotionen in Gang setzte? Die Situation der Suchtszene, und hierzu gehören der schädliche Gebrauch von Drogen ebenso wie der übermäßige Genuss von alkoholischen Getränken oder der gesundheitsgefährdende Gebrauch von Medikamenten, erfordert Sachlichkeit, d.h. die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit den Fakten. Darüber hinaus braucht es Ideen, vielleicht sogar Visionen. Wir haben gelernt, dass es für oder gegen das Drogenproblem keine dauerhaft gültigen Lösungen gibt. (…) Die Frage, ob wir mit oder ohne Betäubungsmittelgesetze überleben, ist spekulativ. Was aber bereits heute und morgen nötig schein, ist das Bemühen, Drogen so unattraktiv wie möglich zu machen.“ (LADEWIG, 2002, S. 7f)
Die Gründe, warum Menschen zu Drogen greifen, sind subjektiv. Was für den einen eine Partydroge ist, um die ganze Nacht im Rausch durchtanzen zu können, ist für den anderen ein Hilfsmittel, um einige Stunden fernab von der Realität zu sein und negative Gedanken für einen kurzen Zeitraum wegzuschieben. Wenn ich im Dienst Jugendliche gefragt habe, warum sie Marihuana konsumieren, erhielt ich meist dieselbe Antwort. Um ein paar Stunden bedingungslos ruhig, glücklich und problemlos zu sein wird ein Joint geraucht. Man denkt für ein paar Stunden nicht über Probleme mit den Eltern, Arbeitslosigkeit oder Liebeskummer nach. Die Jugendlichen bezeichnen sich dabei selbst nicht als süchtig, sondern bezeichnen die illegale Droge als Genussmittel für zwischendurch. Doch wann wird aus Genuss Sucht, durch die die positive Lebensplanung außer Kontrolle gerät? Wie beschreibt sich Sucht überhaupt? Was tun, wenn der „Dämon“ zugeschlagen hat? Ist - 5 -
jede Sucht heilbar, oder hat man bei keiner Sucht die Gewissheit, wieder „clean“ zu werden“? Wie kann man einer Sucht vorbeugen, ohne nicht Gefahr zu laufen, einer anderen Sucht zu verfallen?
Das sind einige wenige der Denkanstöße zum Thema Sucht, die wie ein roter Faden durch diese Diplomarbeit führen.
1.2. Abhängigkeit und Sucht
Den Satz: „Ich bin süchtig nach Schokolade.“, habe ich in meinem Freundes-, und Bekanntenkreis bereits unzählige Male gehört. Nach einem harten Arbeitstag, nach einem Streit mit dem Lebensabschnittspartner oder beim Spielfilm am Abend gönnt man sich gerne etwas, das im Körper Glückhormone freisetzt und der Seele etwas schmeichelt. Man belohnt mit einem Genuss. Doch wo hört Genuss auf, wo beginnt Abhängigkeit? Ein Heroinsüchtiger konsumiert Heroin nicht wie ein Nichtsüchtiger ein Stück Schokolade. Ein Nichtsüchtiger, der kein Stück Schokolade, das er genießen könnte, erhält, nimmt dies zur Kenntnis. Ein Heroinsüchtiger, der kein Heroin zur Hand hat, wenn er einen Schuss braucht, hat nur mehr einen Gedanken: Ich brauche es - jetzt sofort. Ladewig beschreibt Abhängigkeit folgendermaßen: „Ein entscheidendes Charakteristikum der Abhängigkeit ist der oft starke, gelegentlich übermächtige Wunsch oder das unstillbare Verlangen, Substanzen oder Medikamente, Alkohol oder Tabak zu
konsumieren. Jeder Trieb oder jedes Interesse eines Menschen kann süchtige Dimensionen annehmen. So kennen wir z.B. die sexuellen Süchte, die Esssucht, die Spielsucht u.a. Bei allen diesen Süchten besteht ein unwiderstehliches Verlangen nachwenigstens scheinbarer - Überwindung der dem Individuum in der sozialen Realität gesetzten Schranken mit Hilfe von Mitteln oder Handlungen, die dem Lustgewinn, der Unlustverminderung, der Verminderung sozialer Distanz, der Steigerung des Selbstwerterlebens und/oder der Leistungssteigerung dienen. (…) Abhängigkeiten von einer Substanz sind ein Zustand psychischer oder psychischer und physischer Abhängigkeit von einer Substanz mit zentralnervöser Wirkung, die zeitweise oder fortgesetzt eingenommen wird. Die psychische Abhängigkeit äußert sich in dem starken Wunsch oder in einer Art Zwang, Substanzen oder Alkohol zu konsumieren.“ (LADEWIG, 2002, S. 30)
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Im Dienst komme ich sehr häufig mit „Abhängigen“ in Berührung, sei es bei Amtshandlungen, sei es, weil Parteien mit jemandem reden wollen und die nächst gelegene Dienststelle aufsuchen. Für mich war es schon immer von Interesse zu hören, wie ein offensichtlich Abhängiger den Begriff Abhängigkeit definiert, beschreibt, beziehungsweise, ob er diesen Zustand überhaupt wahrnimmt. Ein junger österreichischer Mann, etwa in meinem Alter, welcher seinen ersten Drogenkonsum mit 14 Jahren hinter sich gebracht hatte und seitdem 24 Stunden am Tag „high“ ist, sagte im Zuge eines Gespräches zu mir: „Ob ich abhängig bin? Keine Ahnung, sagen Sie es mir! Wissen Sie, zum ersten Mal Drogen zu nehmen ist überwältigend, ein bis dato unerlebtes Gefühl. Beim zweiten und dritten Mal gehört man schon zu den Routinierten, zu den Lässigen. Ist es aber erst einmal so weit gekommen, so bist du bereits im Teufelskreis gefangen. Angefangen hab´ ich mit Cannabis, dann a bissl Koks probiert, und heute bin ich auf Heroin und Substitol. Es ist, als ob dich der Dämon in dir zwingen würde, dir die nächste Dosis zu geben. Du lebst nur mehr für eines, du brauchst es, du willst es, du kannst nichts anders. Das ganze Rundherum nimmst du nicht mehr wahr - Geld besorgen, etwas kaufen und es mir geben. Dafür lebe ich.“ Den jungen, bereits amtsbekannten Mann lernte ich im Zuge einer Amtshandlung kennen. Auf meiner damaligen Dienststelle gingen einige Anrufe von Autofahrern ein, welche angaben, dass ein verwirrt wirkender Mann den Straßenverkehr in unserem Rayon behindere. Beim Eintreffen an der Einsatzörtlichkeit sah ich das erste Mal einen so genannten Junkie im Delirium. Blitzblaue Lippen aufgrund Methadon-Gebrauches, Pupillen wie Stecknadelköpfe, desorientiert. Einerseits war er weinerlich und schwach, andererseits entwickelte er aus heiterem Himmel Aggressionen gegen meinen Kollegen und mich. Die Situation war für mich tragisch und aufregend zugleich. Für mich hatte es den Anschein, als sei bei diesem Mann lediglich nur mehr die Hülle eines Menschen vorhanden und sämtliches Leben dem Körper entzogen worden. Der „Bursche“ musste vom Österreichischen Roten Kreuz aufgrund von Selbst-, und Fremdgefährdung in ein Sonderkrankenhaus verbracht werden. Es war für ihn weder der erste, noch wird es der letzte Aufenthalt dort sein.
Das von mir angeführte Beispiel beschreibt keinen Einzelfall. Ich wage sogar zu behaupten, dass jeder von uns in seinem Leben bereits mindestens ein Mal mit einem Süchtigen in Kontakt gekommen ist. „Süchtige Abhängigkeit ist“, laut KUNTZ, „ein stark verbreitetes Phänomen. Doch viele Erfahrungen und Umstände müssen im Leben eines Menschen zusammenkommen, auf vielen verschlungenen Pfaden muss er sich verirren, bis er den Weg in die Sucht wählt. Sucht ist kein Schicksal, sondern eine Wahl, für die der Wählende mitverantwortlich ist.“ (KUNTZ, 2000, S. 17) Jeder von uns ist ein Individuum mit unterschiedlichen Vorlieben und Abneigungen. Auch wenn der Alltag oft den Eindruck vermittelt, dass jeder Tag dem anderen gleicht, so würde ein elementares Ereignis reichen, um jeden von uns aus der Bahn zu werfen. Unsere Reaktionen beziehungsweise unsere
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Aktionen wären dann ebenso individuell wie wir selbst und niemand kann diese voraussagen. Ein Beispiel: Zwei Männer aus meinem Bekanntenkreis, beide sind Studenten, wurden vor zirka einem halben Jahr fast gleichzeitig von ihren Lebensgefährtinnen verlassen. Reaktion des Mannes A: Merkbarer Kummer, Konzentration auf Freundeskreis und Sport, mittlerweile eine neue Lebensgefährtin. Reaktion des Mannes B: Merkbarer Kummer, übermäßiger Alkoholkonsum, um den Kummer wegzuschwemmen, Motivationslosigkeit und Abgrenzung vom Umfeld, keine neue Lebensgefährtin. Welcher der beiden den richtigen Weg gegangen ist, mag eine Streitfrage sein, doch ich für mich beantworte dies leicht - sollte mich jemals dieses Schicksal ereilen, so würde ich die Art der Problemlösung des Mannes A vorziehen. Ob ich dies in der Realität schaffen würde, dafür gibt es keine Garantie.
KUNTZ meint: „Die Suchtpersönlichkeit gibt es nicht. Ein süchtiger Mensch hat immer eine ganz individuelle Lebensgeschichte, die seinen Weg in die Sucht erklären mag. Wir können süchtige Abhängigkeit auch nicht monokausal erklären. Es gibt zahlreiche Theorien und Erklärungsansätze für die Psychogenese von Sucht. In der Fülle der Theorien finden wir kulturelle, soziologische, sozialpolitische, sozialpsychologische, lernpsychologische, triebpsychologische, ichpsychologische, selbstpsychologische, objektbeziehungspsychologische oder systemische Ansätze zum Verständnis des schillernden Phänomens „Sucht“. Kein Erklärungsansatz kann Allgemeingültigkeit beanspruchen, kaum einer ist völlig zu verwerfen. Alle erklären sie lediglich Teilaspekte der vielen Gesichter von Sucht, je nachdem, aus welchem Blickwinkel sie das Phänomen betrachten.“ (KUNTZ, 2000, S. 17)
KUNZ beschreibt verschiedene Theorien zur Erklärung von Suchtverhalten:
„Für die Ich-Psychologie ist der süchtige Mensch ein ich-kranker Mensch, der verzweifelt versucht, mit seinem Suchtverhalten die Defekte in seiner Persönlichkeit zu kompensieren.“ (KUNTZ, 2000, S. 20)
„Die Selbstpsychologie baut auf den suchttheoretischen Konzepten der Ich- Psychologie auf. Sie versteht den Drogengebrauch als einen adaptiven Versuch des Abhängigen, einen strukturellen Defekt im Selbst auszugleichen.“ (KUNTZ, 2000, S. 25) „Die Objektpsychologen greifen zur Erklärung süchtiger Lebensmuster einerseits Elemente auf, wie sie uns bereits in der Ich- und Selbst-Psychologie begegnet sind, fügen zusätzlich allerdings bisher vernachlässigte wichtige Aspekte des Suchtverhaltens hinzu. Für sie ist die Suchtkrankheit immer eine Beziehungskrankheit. Störungen im zwischenmenschlichen Feld sind ursächlich verantwortlich für die Störungen im Selbst. Die psychoanalytischen Theorien der Objektbeziehungen konzentrieren sich daher vor allem auf die frühen Wechselwirkungen zwischen dem Kind und seiner Umwelt.“ (KUNTZ, 2000, S. 27)
„Sucht entwickelt sich nach systemischer Sichtweise in gemeinsam gelebten Beziehungs- -8 -
und Kommunikationsstrukturen. Sie ist das Ergebnis eines adaptiven Verhaltens im familiären oder sozialen Kontext. (…) Jeder Mensch ist der Konstrukteur seiner eigenen Wirklichkeit. Aufeinander bezogen, konstruieren wir indes auch gemeinsame
Lebensgeschichten. (…) Nach systemischer Sichtweise sind Süchtige also einerseits für die Wahl ihres süchtigen Weges mit-verantwortlich, vermögen umgekehrt allerdings eine Entscheidung zu treffen, ihr Verhalten zu ändern. Andererseits steht nicht der Einzelne im Mittelpunkt systemischer Betrachtungsweisen, sondern ein Familiensystem, in dem sich ein bestimmtes Verhalten entwickelt.“ (KUNTZ, 2000, S. 30f)
Bezogen auf die Abhängigen, welche mir in meinem dienstlichen Dasein als Polizistin bereits begegnet sind, fließen meiner Meinung nach alle oder viele dieser Theorien und Ansätze ineinander. Es handelt sich in allen Fällen um Menschen, welche mit sich selbst beziehungsweise mit ihrem Umfeld unzufrieden sind, welche in einem suchtgeprägten Elternhaus aufgewachsen sind und nie gelernt haben, mit Problemen umzugehen, beziehungsweise nie Strategien für die Lösung von Problemen entwickeln mussten.
2. Drogen - ein Überblick
Das Wort Drogen ist im alltäglichen Gebrauch ein sehr umfassender Begriff. Um sich in diesem Bereich zurecht zu finden, ist es von Nöten, sich Grundkenntnisse über die verschiedenen illegalen und legalen Substanzen zu verschaffen, die ein Suchtverhalten auslösen können. Bemerkt wird, dass durch Versuche, das Suchtmittelgesetz zu
umgehen, immer wieder neue Gemische von illegalen Substanzen auf den Markt gebracht werden.
2.1. Substanzen
2.1.1. Opiate
Opium ist der getrocknete Saft der unreifen Kapsel des Schlafmohns Es wird vorwiegend im Iran und in der Türkei angebaut. Opium wurde während Jahrtausenden in verschiedenen Kulturkreisen als Mittel gegen Schmerzen, zur Beruhigung, zur mystischen Versenkung und zum Erreichen von Euphorie benützt.
Morphin, eines der stärksten Schmerzmittel, ist eines von rund 90 verschiedenen Alkaloiden, die im Opium enthalten sind. Unter Alkaloiden versteht man stickstoffhaltige, meist kompliziert gebaute Stoffe, die in vielen tropischen und subtropischen Pflanzen gebildet werden. Opiate haben eine Wirkung auf Opiatrezeptoren im Gehirn. Es wird vermutet, dass es für die Schmerzregulation wie für die abhängigkeitsfördernde Wirkung verschiedene Rezeptoren im Gehirn gibt.
Heroin (Diacetylmorphin) ist ein Abkömmling des Morphins. Während Morphin, Methadon, Dolantin, Dicodid, Dilaudid u.a. als stark wirksame Schmerzmittel mit einem
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Betäubungsmittel ärztlich verordnet werden können, sieht das Betäubungsmittelgesetz eine ärztliche Verwendung von Heroin prinzipiell nicht vor.
Da Heroin auch illegal leicht herstellbar ist, als Schwarzmarktprodukt breite Verwendung findet und die Entwicklung internationaler Vereinbarungen zur Bekämpfung von illegalem Anbau und Handel von Betäubungsmitteln induziert, wird es als besonders gefährlicher Stoff eingestuft. Dies hat sich durch seine illegale Herstellung und Verwendung bis heute erhalten.
Heroin wird als weißes Pulver, zumeist in gestreckter Form gehandelt, wobei es im Straßenverkauf einen Reinheitsgrad von 10-20% aufweist. Höhere Konzentrationen kommen vor, sind in Österreich aber eher selten. Heroin kann, in Wasser aufgelöst, injiziert werden. Konsum durch Schnupfen oder Inhalation wird eher selten verübt. (Vgl. LADEWIG, 2002, S. 47)
Die Gefährlichkeit von Opiaten
Opiate und Opioide stellen nicht nur die wirkungsvollsten schmerzstillenden Substanzen dar, ihnen wird auch gleichzeitig das stärkste suchterzeugende Potenzial nachgesagt, so dass die Gefahr der sich schnell einstellenden Abhängigkeit das größte Risiko einer missbräuchlichen Verwendung dieser Substanzen darstellt. Zu den möglichen akuten Nebenwirkungen gehören Übelkeit und Müdigkeit, jedoch klingen diese in der Regel schnell wieder ab. Bei atypischen Verläufen können sich nach Einnahme statt der euphorisierenden lustbetonten Effekte auch Angst, Unlust, Panik und motorische Erregung einstellen. Weiters besteht die Möglichkeit des Auftretens von unerwünschten Nebenwirkungen, wie Abfall der Atemtätigkeit, Übelkeit und Erbrechen, schwere
Verstopfung, Koliken und Pupillenverengung. Bei unsachgemäßem Gebrauch der Substanzen kann es sehr leicht zu gefährlichen Überdosierungen kommen. So kann eine akute Morphinvergiftung zu einer Lähmung des Zentralnervensystems mit besonderer Beeinträchtigung des Atemzentrums bis hin zur Atemlähmung mit tödlichem Ausgang führen.
Folgeschäden
Während eine kontrollierte therapeutische Verabreichung von Opioiden in der Regel kaum zu anhaltenden Folgeschäden führt, kommt es bei einem dauerhaften missbräuchlichen Konsum zur chronischen Vergiftung, die - zum Teil bleibende - hirnorganische Schäden hervorrufen kann. Diese können zu individuell unterschiedlich ausgeprägten psychischen Veränderungen führen, wie zum Beispiel Wahnideen, verminderter Denkfähigkeit, mangelndem Selbstvertrauen bis hin zu akut auftretenden Psychosen. Mögliche körperliche Folgeschäden können unter anderem Magen- Darmstörungen, Hautausschläge, Potenzstörungen sowie Zeichen einer starken körperlichen Verwahrlosung sein. (Vgl. http://www.drogenberatung- rheine.de/_htm/_drugs/opiate.htm, 21.02.2009, 11.02 Uhr)
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