Inhaltsverzeichnis
Einleitung (gemeinsam) 3
1. Martyrien-Klärung des Begriffs (Schmidt) 4
1.1 Bedeutung der Martyrien (Schmidt) 5
1.2 Motivation der Märtyrer (Schmidt) 7
1.3 Wirkung der Martyrien (Schmidt) 7
2. Justin, zur Person und seinem Leben (Schöttke) 8
2.1 Leben des Justin (Schöttke) 9
2.2 Werk des Justin (Schöttke) 11
2.3 Wirken des Justin (Schöttke) 12
2.4 Die Apologien des Justin (Schöttke) 14
3. I. Apologie (Schmidt) 15
3.1 Erster Teil der I. Apologie (Schmidt) 16
3.2 Zweiter Teil der I. Apologie (Schöttke) 20
3.2.1 Prophetenbeweise in der I. Apologie (Schmidt) 27
3.3 Dritter Teil der I. Apologie (Schöttke) 33
4. II. Apologie(Schmidt) (Schöttke) zweigeteilt 37
5. Fazit/Zusammenfassung (gemeinsam) 45
Literaturverzeichnis 45
2
Einleitung
In folgender Arbeit des Justin handelt es um seine Strategien der Verteidigung, welche er in seinen Apologien zum Besten gibt. Zunächst wird geklärt, was es mit dem Begriff Märtyrer auf sich hat, welche Bedeutungen Martyrien haben und welche Motive es gibt, Märtyrer zu sein oder zu werden. Auch wird beschrieben, welche Wirkung die Martyrien haben.
Der Hauptteil der Arbeit befasst sich mit Justin und seinen Apologien. Justin wird in seiner Person vorgestellt. Sein Wirken wird deutlich. Die Apologien werden ebenfalls ausführlich beschrieben und kommentiert. Besonders hervorzuheben ist, dass die Verfasserinnen sich Gedanken zu Strukturvorschlägen der ersten Apologie gemacht haben, welche vorgestellt werden.
Die erste Apologie wurde auf drei Teilabschnitte eingeteilt. Der erste Teilabschnitt befasst sich mit den Adressaten, an denen die erste Apologie gerichtet ist und dem Glauben als Christ. Im zweiten Teilabschnitt wird deutlich, wie Justin die Christen verteidigt und eine Verbindung zum heidnischen Glauben darstellt. Auch fließen hier Beweise ein, die Justin durch die Darstellung der Propheten und deren Prophezeiungen stärkt.
Der dritte Teilabschnitt beginnt mit einer Rückkehr zu Erzählungen von den Dämonen, die im zweiten Teilabschnitt schon Gehör fanden. Zudem wird hier auf christliche Kultgebräuche eingegangen. Die zweite Apologie beginnt mit Vorwürfen gegen die Obrigkeit, da alle Christen getötet werden sollen, weil sie zum einen Christen sind und sich zum anderen zu ihrem Glauben bekennen. Justin geht in dieser Apologie im Besonderen auf die Treue zu den Lehren Christi und dessen Todbereitschaft ein und kommt zu dem Schluss, dass Christen keine Lasten besitzen.
3
1. Martyrien-Klärung des Begriffs
Als Martyrium wird im Christentum die Hinnahme von Strafen für das Bekennen zum christlichen Glauben bezeichnet. Die Bestrafungen konnten von Feinden der Christen 1 in Ämtern und durch private Personen erfolgen. Mitchristen konnten diese Bestrafungen unter Umständen auch angeregt haben. Das Martyrium lässt sich als Wiederfahrnis bezeichnen. Die Christen selbst sehen „ … es als einen Einsatz reinster und höchster Art.“ 2 Der Begriff des Märtyrers 3 hat sich im Laufe der Zeit auf diejenigen beschränkt, die durch ihre Glaubensbekenntnisse ihr Leben ließen. 4 Idee und Vorstellung des Martyriums und des Märtyrers sind christlichen Ursprungs. Ein Märtyrer ist ein leidender Wahrheitszeuge, ein Blutzeuge, der den
Glaubenstod erleidet. 5 In jüngster Vergangenheit ist der Begriff des Märtyrers oder des Märtyrertums meist im Zusammenhang mit Seuchen oder Kriegen verwandt worden. Alle, die ihr Leben im Dienste Jesu und damit im Dienste von Gott stehen, sind damit
1 Die Verfasserinnen benutzen zur Einfachheit den übergeordneten
Begriff Christen und verzichten auf Doppelnennungen. 2 vgl. TRE, 1988, S. 207
3 Die Verfasserinnen benutzen zur Einfachheit nur den männlichen
Begriff und verzichten auf Doppelnennungen. 4 vgl. TRE, 1988, S. 207 5 vgl. v. Campenhausen, 1936, S. 1, 4 & 18 4
gemeint. 6 „Der Märtyrer war im Christentum der Prototyp des Heiligen.“ 7
Es bestand für alle Christen die Gefahr ein Martyrium zu erleiden, da die Existenz des Christentums selbst unter scharfer Verfolgung stand. Der Begriff Märtyrer, Blutzeuge, kam um 140/150 in Kleinasien auf. In den Jahren nach 160 bildete sich daraus die
Märtyrerverehrung im Gottesdienst heraus. 8
1.1 Bedeutung der Martyrien
Der Name „Christ“ war vor dem Jahre 250 ein Anlass für Bestrafung. Die Christen legten ein Bekenntnis darüber ab, dass sie als Christen identifizierte. Dieses Bekenntnis zu ihrem Glauben zeichnet sie als Märtyrer aus. Ihre Bereitschaft, das Leiden zu ertragen begründete sich in der Ansicht, dass Glaube, der geleugnet wird, kein Glaube sei. Die Bereitschaft zum Leiden begründete sich zusätzlich in der Nachahmung ihres Erlösers, Jesus Christus. Denn Jesus selbst wird als ein Zeuge der Wahrheit umschrieben, auch wenn der eigentliche Akt, der zu seiner Verurteilung und letztlich zu seiner Kreuzigung führte nicht eindeutig nachzuhalten ist. Theologisch betrachtet sollte der Tod stellvertretend für die Sünden des Volkes erfolgen, wobei der elementare Ausgangspunkt Jesus Christus als der Zeuge der Wahrheit schlechthin dient. Die Briefe des Ignatius von Antiochien um 110, stellen erste Ansätze der Theologie des Martyriums dar. 9
6 vgl. TRE, 1988, S. 210 7 TRE, 1988, S. 210 8 vgl. Hauschild, 1995, S. 119 9 vgl. TRE, 1988, S. 208
5
In der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts wurden Märtyrerakten über die Vorkommnisse der damaligen Zeit geschrieben und aufbewahrt. Bei ihnen lassen sich zwei literarische Formen differenzieren, hier sind zu nennen zu einen der:
1. Bericht, der erbaulich und stilisiert verfasst wurde und das
2. Protokoll, das den Christenprozess bis zur Hinrichtung dokumentierte.
Da im vierten Jahrhundert der Heiligen- und Reliquienkult stark anstieg, wurden viele dieser Akten überarbeitet und erweitert. Dies sollte zur Verstärkung der Inhalte und Abläufe beitragen. Sogar Legenden wurden erfunden. 10
Das bekannte Reskript von Trajan dem Kaiser war bestimmend für die rechtliche Stellung der Christen zur Zeit Justins. Trajan hatte nicht im Sinn, einen amtlichen Entschluss zu fällen, seine Direktive wurde jedoch überall als Norm aufgefasst und dementsprechend gegen die Christen umgesetzt. Diese Direktive besagte, dass Christen nicht explizit gesucht werden sollen, werden sie jedoch angeklagt, so sollen sie bestraft werden. Der Name Christ allein war strafbar. 11
10 vgl. Hauschild, 1995, S. 119
11 vgl. Hubik, 1912, S. 62 6
1.2 Motivation der Märtyrer
Die Motive der Märtyrer die Leiden auf sich zu nehmen sind different. Die Märtyrer wollten nicht nur an der Wahrheit ihres Bekenntnisses zum Christentum festhalten. Andere Motive, wie die bereits angesprochene Nachahmung der Leiden Christi, die Erlangung des Sieges über den Teufel und die Verdeutlichung ihrer Anschauungen veranlassten Christen zum Märtyrer zu werden. Die Märtyrer wollten durch ihre Leiden und Bekenntnisse, aber auch ihre Unschuld an der Straftat des Atheismus mit den dazugehörigen Auswüchsen, wie Inzest und Kannibalismus, beweisen. Viele Märtyrer hatten den Wunsch, zu den Unschuldigen und nicht zu den schuldigen Sündern am Tage des jüngsten Gerichtes gezählt zu werden. 12
1.3 Wirkung der Martyrien
Die Christen stellten sich im Martyrium mit Christus vollkommen gleich. Dies hatte zur Folge, dass den Märtyrern hervortretende prophetische Fähigkeiten bereits in dieser Welt zugesprochen wurden. Diese Gaben sollten die Märtyrer befähigen, schwierige Entscheidungen zu treffen und Sündern zu vergeben. Dies galt jedoch nur für Märtyrer, die nicht den Tod erlitten hatten. Märtyrer, die nicht den Tod erlitten, sind als wirkungsvolle Verkünder des christlichen Glaubens anzusehen. 13
12 vgl. TRE, 1988, S. 208 13 vgl. TRE, 1988, S. 209 7
Denjenigen Märtyrern, die ihr Bekenntnis mit dem Tode zahlen mussten, wurde zugesprochen, dass die Gebete, die sie am himmlischen Altar vollzogen, zum Heil vieler beitragen würden. Auf die christliche Gemeinde hatten die Leiden der Märtyrer sakramentalen Charakter. Die Festigkeit in ihrem Glauben hat unzweifelhaft Auswirkungen auf Personen im Umfeld gehabt. So werden viele Gläubige erst durch Märtyrer ihren Glauben ernsthafter angenommen und vertreten haben. Die Schätzungen zur Anzahl der Märtyrer im Christentum sind different. Anzunehmen ist jedoch, dass viele Christen durch glückliche Gegebenheiten und
Vermeidungsverhalten keine Märtyrer wurden. 14 Die tatsächliche Anzahl der Märtyrer lässt sich auf vielleicht einige Hundert festlegen. 15
2. Justin, zur Person und seinem Leben.
Folgt wird das Leben Justins dem Märtyrer vorgestellt. Dabei wollen
die Verfasserinnen 16 sein Werk und sein Wirken prägnant darstellen.
14 vgl. TRE, 1988, S. 209-210 15 Vgl. Hauschild, 1995, S. 119
16 Mit Verfasserinnen sind in dieser Arbeit die beiden Erstellerinnen
dieser gemeint. 8
2.1 Leben des Justin
Justins Aussagen in seinen Werken der ersten und zweiten Apologie, sowie in seinem Dialog mit dem Juden Tryphon selbst sind als Quellen seines Lebens zu betrachten. Später datierte Aussagen über
sein Leben orientieren sich ebenfalls an Justins Werken. 17 Justin gilt als der bedeutendste altkirchliche Apologet des zweiten Jahrhunderts nach Christus. Gestorben ist er um 165 in Rom, durch Enthauptung, zusammen mit sechs weiteren Christen, die seine
Schüler waren. 18
Justin stammte aus einer heidnisch-griechischen Familie, die in
Flavia Neapolis, dem heutigen Nabulus, beheimatet war. 19 Von Geburt an war Justin ein Samaritaner. 20 Justin hat nach seinen eigenen Darstellungen im Dialog mit dem Juden Tryphon dargelegt, dass er sich intensiver mit mehreren Richtungen griechischer Philosophie auseinandergesetzt hat. Letztlich hielt er jedoch an der platonischen Schulphilosophie fest, in der er seine Ruhe fand. 21 Die Begegnung mit dem Christentum traf Justin unvorbereitet und ungeplant. Es scheint als würden Justin als Platoniker die christlichen Märtyrer und ihre Todesbereitschaft imponieren.
17 vgl. TRE, 1988, S. 471
18 vgl. Rauschen, 1913, S. 57-60 / vgl. Hauschild, 1995, S. 120 19 vgl. Rauschen, 1913, S. 57-60 20 vgl. Volkmar, 1853, S. 3 21 vgl. TRE, 1988, S. 471 9
Ein alter Mann, dem Justin zufällig begegnet, erschüttert Justin in seinem Platonismus. Der Mann weist ihn auf die Bücher der Propheten hin. Justin findet, dass die Propheten „und jene Männer, die Christi Feinde sind“, die Wahrheit besitzen. Justin glaubt nun, die wahre Philosophie entdeckt zu haben und trägt von nun an den Philosophenmantel in seiner Eigenschaft als christlicher Wanderprediger. 22 Sein innerer Drang nach höheren Erkenntnissen der Wahrheit kennzeichnete bereits in frühen Jahren sein Streben. Daher hielt er es für seine Pflicht, den zu seiner Zeit so gefürchteten und verfolgten Glauben an das Christentum zu verteidigen, sogar ihn mit aller Entschlossenheit zu verteidigen. 23 Nachdem Justin eine philosophische Schule im mittleren Platonismus in Ephesus besuchte, bekannte er sich zum Christentum; blieb dem mittleren Platonismus trotzdem positiv gegenüber eingestellt. Er verstand sich als christlicher Philosoph und wirkte zunächst in Palästina und bezeichnete die Samariter als sein Volk; später lehrte er in Ephesus und in Rom. Dort lehrte er nach Art paganer Philosophenschulen. 24
22 vgl. Rauschen, 1913, S. 57-58
23 vgl. Volkmar, 1853, S. 3
24 vgl. TRE, 1988, S. 471-475 / vgl. RGG, 2001, S. 719 10
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