Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Risikofaktoren für Suizidalität im Alter 1
2.1 Körperliche Erkrankungen 2
2.2 Depression 2
2.2.1 Verschiedene Formen der Depression 2
2.2.2 Symptomatik von Depressionen 3
2.2.3 Probleme bei der Diagnostizierung von Depression bei alten Menschen 4
2.3 Soziale Faktoren 4
3 Die Bewertung des Alterssuizids 6
4 Maßnahmen zur Prävention von Alterssuizidalität 6
4.1 Gesundheitserhaltende Maßnahmen 7
4.2 Effektive Depressionsfrüherkennung und -therapie 8
4.2.1 Sensibilisierung von Kontaktpersonen 8
4.2.2 Aus- Weiter- und Fortbildung von Hausärzten und Pflegekräften 8
4.2.3 Installation von gerontopsychiatrischen Spezialisten im ambulanten, teilstationären und
station ären Bereich 9
4.2.4 Bessere Erreichbarkeit von Krisendiensten für depressive und suizidale ältere Menschen 9
4.3 Wohnformen 10
4.4 Projekt „Jedem seine Datsche“ 10
4.5 Senioren-TV 12
5 Fazit 13
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Das Thema Alterssuizid fristet hierzulande in Deutschland ein mediales Schattendasein, obwohl die Zahl der Suizide bei alten Menschen erstaunlich hoch ist. Nur 30 % der Bevölkerung ist über den zahlenmäßigen Anteil alter Menschen an der Suizidrate informiert: Von 100.000 80-85 jährigen Männern nahmen sich im Jahr 1990 87,8 das Leben. 48 % aller weiblichen Suizide werden von über 60 jährigen Frauen begangen. Über 60 jährige machen 18 % der Bevölkerung aus, begehen aber 30% aller Suizide!!! Die Zahlen steigen: 2002 nahmen sich bundesweit 3534 Menschen über 65 das Leben, fast fünf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer: Da die Grenzen zwischen suizidalem und chronisch selbstschädigendem Verhalten fließend sind, gehen Todesfälle aufgrund von bewusstem Absetzen oder Verweigern lebensnotwendiger Medikamente,
Nahrungsverweigerung und Drogen- und Medikamentenmissbrauch meist ebenso wenig in die Statistiken ein, wie viele Verkehrsunfälle in suizidaler Absicht oder Fälle, die aus moralischen oder versicherungstechnischen Gründen verschwiegen werden. Ältere Menschen begehen seltener Selbstmordversuche, ihre Absichten sind meist äußerst ernsthaft und geschehen selten „nur“ um Aufmerksamkeit zu erregen. Sie verwenden meist harte und Erfolg versprechende Suizidmethoden wie Erhängen, Erschießen, Erstechen, Schnitt, oder Stürzen aus großer Höhe.
Angesichts des demographischen Wandels wird sich das Problem weiter verschärfen. Präventive Maßnahmen in Bezug auf Alterskrisen sind daher nach Ansicht von Experten dringend erforderlich.
(vgl. Teising 1992, S.28ff, vgl. http://www.focus.de/magazin/archiv/suizid-im-alter-lieber-tot-als-ins-pflegeheim_aid_199435.html)
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Als wichtigste Risikofaktoren für Suizidalität im Alter gelten:
• Körperliche Erkrankungen, die mit Schmerzen einhergehen,
• Psychische Erkrankungen (besonders die Depression) und
• Soziale Faktoren
1
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Jeder dieser Faktoren ist in der Praxis selten hermetisch von den anderen genannten zu trennen, da es häufig zu Kettenreaktionen kommt bzw. zu Kausalitätsverkettungen. Beispielsweise kann eine Depression das Entstehen körperlicher Erkrankungen begünstigen und umgekehrt kann eine körperliche Erkrankung Ursache für eine Depression sein. Beide können zu belastenden Lebensereignissen führen und Krisen begünstigen, beispielsweise die Einweisung in ein Pflegeheim oder die Entstehung von sozialer Isolation aufgrund von eingeschränkter Mobilität. Persönlichkeit und Lebensumstände des Betroffenen haben wiederum großen Einfluss darauf, inwieweit sich einer oder mehrere dieser Faktoren tatsächlich als Krisen auslösend auswirkt. (vgl. Wächtler 2001, S. 134f)
2.1 Körperliche Erkrankungen
Bei über 35 % aller über 60-jährigen Suizidanten ist eine körperliche Krankheit der Grund für den Suizid. (vgl. Teising 1992, S.41) In Textanalysen von Abschiedsbriefen älterer Suizidanten wurden am häufigsten schwere Krankheit und Schmerzen als Suizidgrund angegeben. In der Untersuchung der vorhandenen körperlichen Vorbelastungen von Suizidanten ragten Einschränkungen der Mobilität und Schmerzen am meisten heraus, gefolgt von Herz-/Kreislauferkrankungen und Tumorerkrankungen. (vgl. Klostermann & Schneider 2004, S.38) Entscheidend sei jedoch die subjektive Verarbeitung einer Krankheit, nicht der objektive Befund. (vgl. Teising 1992, S.41) „Die innerpsychische Disposition bildet die Matrix für die Suizidentscheidung.“ (ebd.)
2.2 Depression
Depressionen gehören neben Demenz zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter. Zwischen den einzelnen Depressionsformen gibt es oft fließende Übergänge(vgl. Wolfersdorf et al. 2001, S. 143)
2.2.1 Verschiedene Formen der Depression
Zu einer reaktiven Depression kommt es häufig als Antwort auf kritische Lebenssituationen, denen alte Menschen häufiger ausgesetzt sind als junge. Dabei kann es sich um Krankheit, Behinderung, Partnerverlust, Wohnortwechsel, den Verlust von Objekten, die wichtig für das Selbstwertgefühl waren oder eine Unterbringung im Altenheim handeln. (vgl. Teising 1992, S.36ff)
Die neurotische Depression ist verursacht durch frühkindliche Verluste und kann in akuten Krisensituationen wieder verheilte Wunden aufreissen. ( vgl. ebd.)
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Die exogene Depression wird verursacht durch körperliche Faktoren z. B. einen Hirntumor, die somatogene Depression durch Gehirn- oder Gefäßerkrankungen z. B. Demenz oder Multiinfarktdemenz. (vgl. ebd.)
Über die Ursachen der endogenen Depression gibt es noch keine entgültigen Erkenntnisse. Derzeit werden genetische und stoffwechselspezifische Befunde, auch im Wechselprozess mit psychischen Faktoren, angeführt. Die endogene Depression wird zu den Psychosen gerechnet. (vgl. ebd.)
„Alle Formen der Depression gehen mit einer besonders hohen Suizidgefährdung einher. (…) Die neurotischen und reaktiven Depressionsformen werden bei alten Menschen am häufigsten diagnostiziert. (…) Die psychotischen Depressionen sind diejenigen mit der höchsten Rate vollzogener Suizide.“ (ebd. S.39f)
2.2.2 Symptomatik von Depressionen
Typische Kennzeichen einer Depression nach ICD-10 sind „gedrückte Stimmungslage, Freudlosigkeit, Interessenverlust, Verminderung von Antrieb, erhöhte Ermüdbarkeit mit Aktivitätseinschränkung. Weiterhin kann es zu Konzentrations-und
Aufmerksamkeitseinschränkungen sowie vermindertem Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen bis zu Gefühlen von Schuld und Wertlosigkeit kommen. Auch negative pessimistische Zukunftsperspektiven, Suizidideen und Suizidhandlungen sowie Selbstverletzungen, Schlafstörungen und verminderter Appetit gehören zur typischen Depressionssymptomatik. (vgl. Wolfersdorf et al 2001, S.145)
Sie kann jedoch alterspezifisch unterschiedlich ausgestaltet sein: Die bedrückte Stimmungslage als Hauptsymptom der Depression steht bei der altersspezifischen Depression oft weniger im Vordergrund. Es kommt eher zum Gefühl der Erstarrtheit, der Gefühlsleere, der Freudlosigkeit. Depressive ältere Menschen können zu „ängstlicher Klagsamkeit“ aber auch zum apathischen Rückzug neigen. (vgl. ebd.)
Körperbezogene Klagen stehen im oft im Vordergrund: Betroffen berichten häufig über völlige Mattheit, Müdigkeit in Kombination mit Schlafstörungen, Appetitverlust, Verstopfung, aber auch über Schwindelgefühle und Druckgefühl im Kopf. Es kommt zu hypochondrischen Überbewertung der körperlichen Symptome. (vgl. ebd., vgl. Teising 1992, S. 39) Der Grund hiefür kann darin liegen, dass psychische Schwäche gerade auch bei Älteren mit der Angst vor dem Anstaltsgesicht des Psychiatriewesens früherer Jahrzehnte, aber auch
3
Arbeit zitieren:
BA Soziale Arbeit L. Lauprecht, 2009, Konzept zur Prävention von Suizidalität im Alter, München, GRIN Verlag GmbH
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