1. EINLEITUNG 2
2. OBJEKTIVITÄT IM JOURNALISMUS 5
2.1. Qualitätskriterien im Journalismus 7
3. SPORTBERICHTERSTATTUNG IN TAGESZEITUNGEN 10
3.1. Einfluss der Fußballberichterstattung auf die nationale Identität 11
3.2. Lokalpatriotismus 13
3.3. Fußball 14
3.3.1. Österreichische Fußball-Bundesliga 14
3.3.2. FC Red Bull Salzburg 14
4. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG 15
4.1. Inhaltsanalyse 15
4.2. Darstellung der Hypothesen 16
4.3. Untersuchungsgegenstand 17
4.3.1. Salzburger Nachrichten 17
4.3.2. Der Standard 18
4.4. Untersuchungszeitraum 19
4.5. Kategorien 19
4.5.1. Journalistische Darstellungsformen 21
4.5.1.1. Tatsachenbetonte Darstellungsformen 21
4.5.1.2. Meinungsbetonte Darstellungsformen 24
4.6. Untersuchungsergebnisse 26
5. ÜBERPRÜFUNG UND BEANTWORTUNG DER HYPOTHESEN 39
6. RESÜMEE UND AUSBLICK 43
7. ANHANG 46
7.1. Literaturverzeichnis 46
7.2. Onlinequellen 48
7.3. Interviews 49
7.4. Codebogen 52
1
1. Einleitung
Tageszeitungen befinden sich seit mehreren Jahren in einer herausfordernden und schwierigen Situation. Zu Beginn des neuen Jahrtausends sorgte der Absturz der „New Economy“ für stark sinkende Werbeeinnahmen bei den Zeitungen. Viele Inserate wurden im Internet geschalten und ferner entstand eine starke Konkurrenz durch kostenlose Anzeigenblätter. Dies hatte zur Folge, dass die Zeitungen hohe Einsparungen machen mussten, um am Markt weiter präsent zu bleiben. Durch diese 1 Einsparungen war es für Journalisten von Qualitätszeitungen nur mehr
eingeschränkt machbar, eine möglichst gute, qualitative Berichterstattung zu gewährleisten, was zu Kundenverlusten führte. Durch Einsparmaßnahmen,
Anhebung der Bezugpreise und Erschließung neuer Einnahmequellen schaffte man es dennoch die wirtschaftliche Situation der Zeitungen wieder zu verbessern und im gewohnten Stil zu berichten. Seit Beginn der Achtziger Jahre sinken Auflagen und Reichweiten um 1 bis 2%punkten jährlich. (Vgl. Arnold, 2009: S.14f) Dies sind zwar keine drastischen Verluste, aber dennoch muss es im Interesse der Zeitungen stehen, die Verluste so gering wie möglich zu halten. Das geht in der Zeit der kostenlosen Tageszeitungen und des Internet, wo man binnen Sekunden die neuesten Informationen online abrufen kann, nur mit einem Mittel: durch Qualität in der Berichterstattung.
Eine weitere wichtige Rolle spielt die Unparteilichkeit einer Zeitung, welche auch ein essentieller Punkt in einer qualitativ hochwertigen Berichterstattung ist. In Bezug auf diese Arbeit bedeutet das, dass Qualitätszeitungen bei der Fußballberichterstattung objektive Artikel publizieren sollten und keinerlei Anzeichen von Patriotismus setzen sollten. Speziell für lokale Qualitätszeitungen ist es wichtig, dass Objektivität gewahrt wird. Der Begriff „Objektivität“ wird als „Darstellung der Wirklichkeit, wie sie ist“ (Silbermann, 1982, S.328) definiert. Doch aus dieser Definition können sich keine eindeutigen Kriterien ableiten, denn jeder Mensch empfindet die Wirklichkeit für sich als anders. Dies hat zur Folge, dass der journalistische Beitrag nicht als Abbild der Realität angenommen werden kann. In der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft ist Objektivität im Sinne von Unparteilichkeit ein wichtiges Anliegen der
1 Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wurde in dieser Arbeit nur die männliche Schreibweise
verwendet. Es wird an dieser Stelle aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass im Folgenden damit
sowohl die männliche als auch die weibliche Form gemeint ist
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journalistischen Berichterstattung. Im westlichen demokratischen Mediensystem gilt die Trennungsform von Meinung und Nachricht um ein möglichst hohes Maß an Objektivität zu erzielen. (Vgl. http://www.unischaft.gmxhome.de) Unter Objektivität versteht man auch die Fähigkeit einen Artikel sachgerecht mitzuteilen. Dies wird aber oft durch die subjektive Wahrnehmung des Journalisten und die symbolische Gewalt des Zeitdrucks eingeschränkt. (Vgl. Grehl, 2002, S.3f) Dies kann dazu führen, dass auch in der Fußballberichterstattung nicht immer objektiv gearbeitet wird. Die beiden österreichischen Qualitätszeitungen „Der Standard“ und die „Salzburger Nachrichten“ definieren sich beide als unabhängige österreichische Tageszeitungen. Beide Zeitungen führen einen Sportteil, welcher über sämtliche inländische Profifußballspiele berichtet. Die Publizierung von Fußballereignissen in Tageszeitungen ist eine unabdingbare Bereitstellung, was folgende Zahlen bestätigen: Fußball ist der Sport welcher weltweit die höchste Medienaufmerksamkeit hat. In Kontinentaleuropa nimmt Fußball 50,9 % der Sportberichterstattung ein. Nicht nur in den Onlineportalen der Tageszeitungen werden die Sportergebnisse gerne abgerufen, auch in der Zeitung, die meist am nächsten Tag erscheint, sind die Ergebnisse von großer Wichtigkeit für viele Rezipienten. (Vgl. Schierl, 2007, S.71) „Die Sportberichterstattung ist ein hautnahes Medium zur Kommunikation von echten Gefühlen, Sehnsüchten, Bedürfnissen, Werten und Handlungsmaximen und Gefühle denen ansonsten wenig Raum gelassen wird, dürfen ausgelebt werden.“ (Reiners, 2006, S.3)
Ziel dieser Arbeit ist es herauszufinden, welche Unterschiede es bei der Berichterstattung über den Fußballclub „Red Bull Salzburg“ in den Tageszeitungen „Der Standard“ und den „Salzburger Nachrichten“ gibt und ob es in den „Salzburger Nachrichten“ Hinweise auf eine lokalpatriotische Berichterstattung gibt, welche sich durch die verstärkt positive Hervorhebung des Vereins „Red Bull Salzburg“ gegenüber anderen Mannschaften auszeichnet.
3
Daraus ergeben sich auch die beiden zentralen forschungsleitenden Fragen, die im Zuge dieser Untersuchung beantwortet werden sollen: Gibt es Unterschiede in der Qualität der Fußballberichterstattung über die
Zeichnet sich die Fußballberichterstattung in der Tageszeitung Salzburger Nachrichten stärker durch Elemente einer lokalen Identifikation - sowohl im
Dazu erfolgt zunächst eine theoretische Auseinandersetzung mit Qualität und Objektivität in der Tagespresse (Kapitel 2) sowie die Behandlung der Themen Fußball in Tageszeitungen und Lokalpatriotismus (Kapitel 3), um in weiterer Folge, in Kapitel 4, empirisch untersuchen zu können, welche Unterschiede es zwischen den beiden Qualitätszeitungen in der printmedialen Berichterstattung gibt. Dazu wurde eine Inhaltsanalyse der Fußballberichterstattung über FC Red Bull Salzburg in den beiden österreichischen Tageszeitungen „Salzburger Nachrichten“ und „Der Standard“ durchgeführt. Ferner wurden vier Experteninterviews via E-Mail mit österreichischen Sportjournalisten zum Thema „Objektivität in österreichischen Qualitätszeitungen“ gemacht. Die Transkripte der Interviews sowie ein Codebogen finden sich im Anhang dieser Arbeit.
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2. Objektivität im Journalismus
Für Qualitätszeitungen ist es essentiell, dass sie objektiv und glaubwürdig berichten, deswegen werden im Folgenden diese Begriffe aufgezeigt und beschrieben. Objektivität wird oft als Komponente innerhalb der Glaubwürdigkeitsdimension „Trustworthiness“ untersucht. Bentele bezeichnet massemediale Berichterstattung als objektiv,
„wenn sie `objektmäßig` ist, d.h. wenn die Berichterstattung die zu berichtenden Sachverhalte so richtig, vollständig und präzise wie möglich darstellt. Objektive Berichterstattung vereinfacht (wie jede Beschreibung von Welt) die entsprechenden Sachverhalte teilweise extrem, ohne sie jedoch zu verfälschen.“ (Bentele, 2008, S.44) Ein wahrgenommener Widerspruch zwischen Medienrealität und Realität - als eine Kennzeichnung von mangelnder Objektivität kann zu einer verminderten Glaubwürdigkeit beim Rezipienten führen. Ein weiteres Anzeichen für den Mangel an Objektivität ist die Abkehr vom Neutralitätsprinzip. (Vgl. Bentele, 2008, S.44) Glaubwürdigkeit bezieht sich, analog zu Objektivität, „auf die Relation Realität-Medienrealität und drückt die Rezipienteneinschätzung dieser Relation bezüglich bestimmter Kommunikatoren und Medien aus.“ (Bentele, 2008, S.316) Es gibt folgende Regeln, welche objektive Berichterstattung konstruieren: Die Fakten müssen stimmen. (Wahrheitspostulat) Nachrichten (Berichte müssen vollständig sein und Bezug auf den beschriebenen Sachverhalt (Vollständigkeitspostulat) Nachrichten (Deskription von Sachverhalten/Ereignissen) müssen von Kommentaren (Bewertungen) getrennt werden (Trennungspostulat) Angemessene Strukturierung (Gewichtung, Platzierung) (Strukturierungspostulat)
Eigenbewertungen des Journalisten (z.B. in Berichten, Reportagen etc.) müssen kenntlich gemacht werden (Transparenzpostulat) Quellen sollen angegeben werden (Transparenzpostulat)
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Bei widersprüchlicher Quellenlage soll dies angegeben werden (Transparenzpostulat)
Nachrichten sollen sachlich und ohne Emotionen gehalten sein (Postulat der Gefühlsvermeidung)
In Bezug auf in der Bezeichnung umstrittene Sachverhalten sollen neutrale Begriffe gewählt werden (Neutralitätspostulat)
In Nachrichten und Berichten soll der eigene (politische) Standpunkt für Selektion und Präsentation folgenlos bleiben (Postulat der Vermeidung von
Diese Liste mit den Regeln und Verfahren rekonstruiert das, was in der Praxis als „journalistische Objektivität“ verstanden wird. (Vgl. ebd., S.324) Es gibt auch Dimensionen der publizistischen Objektivität, welche Grundlagen eines kritischen Objektivitätsbegriffs aufzeigen. Folgende können als einen solchen Objektivitätsbegriff verstanden werden: „Objektiv“ sollte nicht mehr rein als antinomiescher Begriff
„subjektiv“ verstanden werden - objektive Berichterstattung ist zwar möglich,
Für den Objektivitätsgehalt von Texten gibt es konstitutive Merkmale: Die Richtigkeit und die Vollständigkeit
Objektive Berichterstattung, welche durch Regeln definiert wird und deren
Durch die Nachprüfbarkeit kommt noch ein Postulat hinzu: objektive
Die objektive Berichterstattung ist nur durch bestimmte Regeln und
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2.1. Qualitätskriterien im Journalismus
Im Zusammenhang mit der Qualitätsdebatte darf ein Zitat nicht fehlen, dass fast schon als ein „Klassiker“ der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften bezeichnet werden kann:
„Qualität zu definieren ist wie der Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln.“ (Ruß-Mohl, 1992, S.85) Der Autor bringt damit zum Ausdruck, dass es keinen Maßstab für journalistische Qualität gibt. Qualität ist von vielen Faktoren abhängig, wie zum Beispiel dem Medium, der Zielgruppe, dem Genre, von den Quellen und auch von den Journalisten. (Vgl. edb., 1992, S.85) Folgende Abbildung soll verdeutlichen, wie sich das Verständnis von Qualität zusammensetzt:
(Quelle: Ruß-Mohl, 1992, S.85)
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Die Abbildung verdeutlicht die Auffassung einer journalistischen Qualitätsdefinition, die je nach Funktion, Zielgruppe, Genre, Periodizität, Medium und Selbstverständnis des Journalisten unterschiedlich ist. Es gibt in der Definition von Qualität verschiedene Auffassungen, denn es gibt keinen einheitlichen, universal gültigen Maßstab für Qualität im Journalismus. Es gibt aber dennoch Möglichkeiten die Qualität messbar zu machen. Qualität wird feststellbar, wenn sich Experten, Journalisten oder das Publikum über Qualitätsmerkmale verständigen, indem sie angepasste Qualitätskriterien befolgen. (Vgl. Ruß-Mohl, 2003, S.336) Die Qualitätsmerkmale lassen sich wie folgt beschreiben: Richtigkeit Transparenz Vielfalt Authentizität Unabhängigkeit Relevanz Objektivität Aktualität Fairness Verständlichkeit Akzeptanz Exklusivität Originalität (Vgl. Ruß-Mohl, 2003, S.98)
2.1.1. Kriterien zur Bemessung journalistischer Qualität
Es gibt auch Kriterien zur Bemessung der journalistischen Qualität. Ruß-Mohl hat das bekannteste Modell der produktbezogenen Qualitätskriterien definiert, welches sich das „magische Vieleck“ nennt:
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(Quelle: Ruß-Mohl, 1992, S.86)
Ruß-Mohl hat das „magische Vieleck“ einige Jahre nach seiner Entwicklung um zwei Kriterien erweitert: Neben Komplexitätsreduktion, Aktualität, Originalität,
Transparenz/Reflexivität und Objektivität finden sich nun auch die Begriffe „Relevanz“ und „Interaktivität“. (Vgl. Ruß-Mohl, 2003, S.376) Es gibt noch eine weitere, etwas einfachere Aufzählung von Qualitätskriterien. Günther Rager (1994) reduziert zahlreiche Aspekte aus gängigen Kriterienkataloge und legt folgende Qualitätsdimensionen vor: Aktualität Relevanz Richtigkeit Vermittlung (Vgl. Rager, 1994, S. 190)
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Nach der Behandlung des Qualitätsbegriffs im Journalismus soll nun im Folgenden die Sportberichterstattung in Tageszeitungen ins Zentrum der wissenschaftlichen Auseinandersetzung gerückt werden. 3. Sportberichterstattung in Tageszeitungen
Die Fußballberichterstattung besteht in der Regel aus Vorberichten, aktuellen Spielberichten und Nachbetrachtungen. Für Fußballjournalisten ist es wichtig, dass sie nicht nur nackte Daten und Fakten aufzeigen, sondern dass sie „Geschichten“ erzählen und „Themen im Thema“ suchen. Dies macht diese Berichterstattungen auch so schwierig. (Vgl. Horky/Schauerte/Schwier, 2009, S.138f) Im Berufsfeld Journalismus ist es für viele Akteure schwierig zu arbeiten, denn durch sinkende Auflagen und Werbeeinnahmen haben sich die Arbeitsbedingungen in den Tageszeitungen in den letzen Jahren deutlich verschlechtert. Sportjournalisten arbeiten großteils auf Basis von Honorarnoten; nur wenige können von einer Festanstellung profitieren. Wenn ein Journalist lediglich als „Freier“ arbeitet, sind finanzielle Engpässe oft vorprogrammiert. Ein weiteres Problem im Sportjournalismus ist, dass der Konkurrenzdruck enorm hoch ist, da Sportevents zum größten Teil im Fernsehen durch Liveübertragungen und Zusammenfassungen sowie über das Internet publiziert werden. All diese Punkte können dazu führen, dass die journalistische Qualität sinkt. (Vgl.
Horky/Schauerte/Schwier, 2009, S.125)
Fußball hat den großen Vorteil, dass jeden Tag sehr viel Berichtenswertes anfällt, welches man journalistisch verarbeiten kann. Es gibt mehr oder weniger fast täglich relevante Fußballspiele, über die berichtet werden kann. In der Sportberichterstattung hat Fußball einen Sonderstatus, da sich die meisten Leser für dieses Thema interessieren. In Europa steht das durchschnittliche Verhältnis zwischen Fußball und anderen Sportarten 50:50. Doch vor allem für Qualitätszeitungen ist es wichtig, dass diese nicht nur über Fußball berichten, denn dies würde wiederum zum Verlust der Leserbindung und der so essentiellen Qualität führen. (Vgl. Horky/Schauerte/Schwier, 2009, S.134)
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Arbeit zitieren:
Sandra Müller, 2011, Objektivität in österreichischen Qualitätszeitungen , München, GRIN Verlag GmbH
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