1. Reflexion des eigenen Lernprozesses Lerntyp
Nach einem im Seminar „Teaching English as a Foreign Language“ durchgeführten Test habe ich mit fast gleichen Ausprägungen einen visuelle, kinästhetischen und auditorischen Lernstil. Ich muss zum effektiven Lernen also Informationen sowohl durch Lesen, Zuhören oder sprechen, Bewegung aufnehmen. Außerdem bin ich zu einem bestimmten Anteil gewiss auch ein taktiler Lerner, da ich nicht umhin kann, Gegenstände (Schreibtischplatte, meine Finger, Papier und anderes) beim Lernen zu berühren, und große Probleme damit hätte, meine Hände unbeweglich an ein und derselben Stelle während des Lernprozesses zu behalten. Bezüglich meines Biorhythmus´ fühle ich mich am Wohlsten, den Tag zwischen 6:00 Uhr und 7:00 zu beginnen. Ferner kann ich mich besser disziplinieren, wenn ich, auch wenn ich zu Hause, in einem nicht‐öffentlichen Umfeld lerne, auf legere Kleidung verzichte und anziehe, was ich auch außerhalb meiner Wohnung tragen würde. Hinsichtlich der sechs Lernstrategien kann ich mich nicht auf eine oder zwei beschränken, sondern nutze, mehr oder weniger konstant und strukturiert, sowohl kognitive, meta‐ kognitive, erinnerungsbezogene, kompensatorische, affektive und soziale Strategien. Lernprozess
Mein eigener Lernprozess variiert von Zeit zu Zeit und vor allem je nach Aufgabenstellung. Bezogen auf das Lernen für Tests und Klausuren, das Vorbereiten von Referaten und Präsentationen, Seminarvorbereitungen oder das Arbeiten in Gruppen kann ich ungefähr die folgenden Lernprozesse feststellen.
Bei der Vorbereitung eines Tests lese ich zuerst meine Notizen oder anderes Material und schreibe dann nochmals Zusammenfassungen oder Tabellen. Anschließend lenke ich mich durch Tätigkeiten im Haushalt, Essen und Trinken oder Klavierspiele ab, oder bewege mich. Danach lese ich meine Aufzeichnungen mehrere Male durch, rufe mir das Gelernte in Erinnerung, lese es laut vor, und reflektiere es erneut. Während dieser Phase konzentriere ich mich höchstens 45 Minuten auf diese Aufgabe, dann brauche ich wieder eine Pause. Für diese Reflektionsphasen setze ich mir immer Zeitlimits. Hinzuzufügen wäre noch, dass ich am Schreibtisch gerne auf einem Gymnastikball sitze, also auch hier Bewegung zu brauchen scheine. Bei Referaten und Seminarvorbereitungen findet fast derselbe Prozess statt: Nach dem Aufschreiben von Informationen lese ich das Gelernte und vertiefe es während der Besprechung des Themas im Seminar, für Referate lese ich die gesammelten Informationen sehr oft laut vor, und stelle mir auch die Situation im Seminar vor. Dann laufe ich ungefähr eine Dreiviertelstunde umher und wiederhole den Referatsinhalt bis ich ihn verinnerlicht habe. Das Lernen in der Gruppe oder durch Gruppenarbeiten im Seminar fällt mir hingegen schwer, wahrscheinlich, weil eben jene dargestellten Prozesse hier nur teilweise angewendet werden können oder mindestens an die Verwendung von Lernstrategien und Lernstile der anderen Gruppenmitglieder angepasst werden müssen. Verglichen mit dem Lernen in der Mittel‐ und Oberstufe sind diese Prozesse sicherlich regelmäßiger und konstanter geworden, unterscheiden sich aber sonst nicht von denen, die 2
ich in dieser Zeit angewendet habe. Einzig die Vorbereitung von Unterrichtseinheiten, an der Universität die Seminare, ist hinzugekommen. Reflexion über zukünftiges Unterrichten
In meinem idealen zukünftigen Unterricht möchte ich so gut ich es vermag auf die individuellen Lernstrategien, ‐typen und -stile meiner Schüler eingehen, um ihnen zu helfen, ihre Fähigkeiten im Unterricht voll auszuschöpfen oder auszubauen. Darüber hinaus ist es mir auch wichtig, dass meine Schüler gerne zur Schule gehen, keine Ängste im Unterricht haben und vor allem, dass sie wesentliche Kompetenzen erwerben, die ihnen auch über ein Unterrichtsthema oder eine Klassenarbeit hinaus helfen und sie auf ihr späteres Leben vorbereiten.
Eine Möglichkeit, das Lernen der Schüler zu unterstützen, ist ihre Lernstrategien, ‐stile und ‐ typen zu diagnostizieren. Dies kann am einfachsten durch eine Umfrage oder Studie im Unterricht oder durch aufmerksame Beobachtung umzusetzen. Nachdem ich festgestellt haben werde, welche Arbeitsweise und Methoden für den jeweiligen Schüler angenehm ist und welche nicht, kann ich viele Aufgabenstellungen an sie anpassen. Außerdem kann ich Problemen wegen Differenzen von gegensätzlichen Lernerpersönlichkeiten bei Gruppenarbeiten vorbeugen, wenn ich über ihre Arbeitsweisen und ihr Verhalten Bescheid weiß. Jedoch sollten Schüler auch von Zeit zu Zeit mit Aufgabenstellungen und Methoden konfrontiert werden, die ihrer gängigen Arbeitsweise nicht vollkommen entsprechen, um ihr Repertoire an Strategien zu erweitern, da ihnen auch nach dem Leben in der Schule Herausforderungen begegnen können, die ungewohnt für sie sein sind und sich mit ihren bevorzugten Arbeitsmethoden vielleicht nicht immer meistern lassen werden. Methodisch sollte mein zukünftiger Unterricht abwechslungsreich sein, zum einen aus den oben genannten Gründen und zum anderen, weil keine einzelne L2‐Methodologie alle Schüler und ihre Neigungen und Strategien ansprechen kann. Im Allgemeinen stelle ich mir eine ausgewogene Mischung aus Gruppenarbeiten, produktions‐ und handlungsorientierten Verfahren und ähnlichem, und eher traditionellen Methoden wie der Diskussion in der Klasse, lautem Vorlesen und auch dem Lehrerreferat. Darüber hinaus sollte der Englischunterricht keine inszenierte, autarke Welt sein, sondern sich so oft wie möglich an der Lebenswirklichkeit englischsprachiger Schüler orientieren. Nach dem Beispiel von H.‐J. Modlmayr (siehe Bibliographie) ist es wohl möglich, Schüler mit Originaltexten und sprachlichen Phänomenen zu konfrontieren, die auch bei gleichaltrigen Englischsprechern benutzt werden. Wie in anderen Fächern sollte auch hier stets darauf geachtet werden, den Unterricht mit Kontakt zur Außenwelt zu beleben, zum Beispiel durch Brieffreundschaften, englische Medien, Auslandsaufenthalte, Theaterbesuche und eigene Aufführungen, Besuche durch Muttersprachler im Unterricht oder Besuche in Berufszweigen, welche täglich mit der englischen Sprache arbeiten. 3
2.Hausaufgaben aus dem Seminar
2.1 Buchpräsentation zum Thema Interkulturelle Kompetenz Interkulturelle Kompetenz
Im Berliner Rahmenlehrplan für die Sekundarstufe II sind unter dem Abschnitt „Nationale und kulturelle Identität“ interkulturelle Kompetenzen beschrieben, welche die Schüler im Laufe jenes Themengebietes erwerben sollen. Hierzu zählen unter anderem das Kennenlernen „positiver Aspekte multikulturellen Zusammenlebens“, das Verstehen der eigenen und anderen Kulturen und Vermitteln zwischen der eigenen und fremden Lebensweise, also dem Entwickeln von Toleranz, und das Untersuchen anderer Lebensweisen hinsichtlich der Themen Ausgrenzung, Anpassung und Integration. Darüber hinaus sollen Schüler der Oberstufe verschiedene Varianten des Englischen sowohl als ehemalige Kolonialsprache als auch als Weltsprache und ihren Einfluss auf die jeweilige kulturelle Identität kennenlernen 1 . Yann Martel: Life of Pi
Die Hauptfigur in Life of Pi, Piscine Molitor, lebt in Indien und erleidet bei der Überführung des Zoos seines Vaters Schiffbruch auf hoher See. Er kann sich in ein Beiboot retten und treibt für mehr als 200 Tage auf dem Meer umher. Leider wird seine Reise von einem der Zootiere, dem Tiger Richard Parker, begleitet.
Neben den Einblicken in den Alltag eines indischen Jungen und die von ihm und seiner Familie gelebte Kultur darf der Leser auch an Piscines Gedanken und Fragen über Religionen und Glauben teilhaben. Die Hauptperson sieht sich als Anhänger von Christentum, Islam und Hinduismus, wodurch sich dem Leser neben den Unterschieden dieser Religionen und ihren Lebensweisen auch ihre Gemeinsamkeiten aus einer sehr unideologischen Sicht. Den Schülern kann somit Toleranz gegenüber eines die Kultur entscheidend prägenden Aspektes und gleichzeitig das Verstehen der, falls vorhanden, eigenen Religion vermittelt werden. Das Verstehen anderer Kulturen und deren Zusammenleben unter den Schwerpunkten Ausgrenzung, Anpassung und Integration dürfte anhand der verschiedenen nationalen Identitäten und, nicht zuletzt, an der Metapher des Rettungsbootes mit Richard Parker und Piscine, gut zu vermitteln sein. Neben der indischen Kultur gibt es Anknüpfungspunkte zu Japan und Mexiko. Beide sind in ihrer kulturellen Identität recht verschieden zur deutschen oder europäischen Lebensweise, sodass sie gut zur Veranschaulichung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten taugen. Zudem tauchen genügend Anknüpfungspunkte zur westlich geprägten Lebensweise durch das Beispiel Kanadas auf, sodass auch dieser Kulturkreis im Vergleich zu anderen Lebensweisen steht.
Nicht zuletzt bietet sich das Werk auch zur Vermittlung der indischen und kanadischen Varietät des Englischen an.
1 Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin: Rahmenlehrplan für die gymniasale Oberstufe: Englisch. Berlin: Oktoberdruck AG Berlin, 2006. S. 20.
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2.2 Pre‐ Reading Activities
Pre‐ Reading Activities sollen die Schüler auf das Lesen eines literarischen Werkes vorbereiten, sie dafür begeistern und Ängste und Widerstände gegenüber längeren, meist als anstrengend oder langweillig empfundenen Texten abbauen. Um diesen Effekt zu erreichen, sollte die Lehrkraft darauf achten, dass die Schüler während dieses Aufgabenteils ihren Ideen und Vorstellungen freien Lauf lassen können und es deshalb keine wirklichen falschen oder richtigen Antworten oder Ansichten gibt 2 .
Im Folgenden werden einige Pre‐Reading Activities zu den Figuren, dem Handlungsort, dem Thema und dem Text im Allgemeinen einer Geschichte vorgestellt, die ich als besonders wirkungsvoll und bereichernd für den Englischunterricht betrachte. Nach einer knappen Beschreibung der „Activity“ beschreibe ich deren Nutzen für den Unterricht und schlage, wenn nötig, eine Veränderung der Aufgabe vor. Aufgabe zu Figuren: Names
Bei dieser Aufgabe werden den Schülern die Namen der Hauptfiguren eines Werkes genannt und aufgefordert, paarweise Fragen zu deren Identität und Beziehung zu anderen Figuren zu stellen.
Hierbei werden Empathie, Kreativität und soziale Kompetenz gefördert. Außerdem haben die Schüler die Möglichkeit, ihre eigenen Ansichten und Emotionen unter dem Vorwand dieser Aufgabe preis zu geben und damit den Unterricht zu gestalten. Allerdings ist nicht jede Geschichte durch Charaktere mit sprechenden Namen bereichert, die einen Anlass zu sinnvollen Spekulationen über ihre Persönlichkeit geben, und ohne weitere Informationen zu den Figuren erschöpfen sich die Fragestellungen sicher recht schnell. Deshalb sollten die Charaktere mit einem sie beschreibenden Zitat aus dem Werk präsentiert werden. Anschließend können die Fragen an andere Schülerpaare zur Beantwortung weitergegeben oder in der Klasse besprochen werden. In jedem Fall sollten rasch weitere Informationen oder Andeutungen zu den Hauptpersonen durch das Lesen folgen, da die Schüler sonst mit ihren Fragen und Vorstellungen bei dieser offenen Aufgabe zurückgelassen werden, und wahrscheinlich Frustration empfinden könnten. Aufgabe zum Handlungsort: The Mental Video
Hier sollen die Schüler mit geschlossenen Augen den Ausführungen des Lehrers lauschen und sich den Ort der Handlung so detailliert wie möglich vorstellen. Anschließend sind sie aufgefordert, sich in Paaren von ihren Vorstellungen zu berichten, und dann der Klasse von den Ideen ihres Partners zu erzählen.
Auch bei dieser Aufgabe müssen sich Lerner in andere Situationen versetzen, ihre Vorstellungskraft und Kreativität nutzen und ihre eigenen Ansichten und Ideen formulieren. Dass die Schüler ihre Augen schließen und sich somit sehr wahrscheinlich während des Unterrichts physisch entspannen, dürfte relativ außergewöhnlich, und somit eine
2 Ohmsieder, Birgit: Pre‐Reading‐20 Ways to start and round off fictional texts in class. 5
Arbeit zitieren:
Franz Kröber, 2011, Einführung in die Didaktik des Englischen, München, GRIN Verlag GmbH
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