Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Die Lebenssituation von Familien im 19. Jahrhundert. 1
2.1 Die bäuerliche Familie 2
2.2 Die Handwerkerfamilie. 3
2.3 Familien in der Hausindustrie 4
2.4 Die bürgerliche Familie 5
2.5 Die proletarische Familie 6
3 Generationenbeziehungen heute 6
3.1 Vereinheitlichte Familienformen. 6
3.2 Demografischer Wandel 7
3.3 Strukturwandel in den Familien. 8
3.4 Lokale Strukturen der Generationenbeziehungen 9
3.5 Rollenumverteilung in der späten Familienphase 11
3.6 Intergenerationaler Austausch. 11
4 Die besondere Situation der Frauen 13
4.1 Das Damoklesschwert der längeren Lebenserwartung 13
4.2 Die Tochter alternder Eltern. 14
5 Theoretische Ansätze. 15
5.1 Das Solidaritätsmodell 15
5.2 Ambivalenz 15
5.3 Fazit. 16
6 Schlussfazit. 16
Literaturhinweise 18
Liane Lauprecht - Die Mehrgenerationenfamilie im Wandel der Zeiten
(LQOHLWXQJJ
Die Mehrgenerationenfamilie in ihrer Definition als „Lebensform, in der mindestens drei Generationen durch Abstammung oder Adoption in der Generationenfolge miteinander verbunden sind“ (Lauterbach & Lange 2004, S. 79) hat sich aufgrund des demografischen Wandels erst im Laufe des letzten Jahrhunderts konstituiert (vgl. Backes & Clemens 2003, S.25ff, vgl. Lauterbach & Lange 2004, S.78f, vgl. Lauterbach 2004, S.105ff).) Obwohl man in der Literatur und in sentimentalen Vorstellungen über alte Zeiten oft auf das Modell dreier unter einem Dach lebender Generationen trifft, entsprach dies in Wirklichkeit so ganz und gar nicht der realen historischen Lebenswelt (vgl. Rosenbaum, S. 60f, 136f, 209f, 365f, vgl. Gestrich 2004, S.65ff)
Im Folgenden soll untersucht werden, wie diese Lebenswelt alter Menschen, speziell das familiäre Verhältnis der Generationen zueinander, früher tatsächlich aussah, zu welchen Veränderungen in den Familienstrukturen es im Zeitalter der Industrialisierung kommt, wie der demografische Wandel das Generationengefüge verändert und welche Konsequenzen dies auf die intergenerationalen Beziehungen in Familien heute hat.
'LH/HEHQVVLWXDWLRQQYRQQ)DPLOLHQQLP-DKUKXQGHUW
Will man die Verhältnisse alter Menschen und ihrer familialen Beziehungen im 19. Jahrhundert betrachten, so kann man, bevor man nach Stand und Besitz unterscheidet feststellen, dass gemeinhin ein recht niedriges Sterbealter von nur durchschnittlich 37 Jahren normal war (vgl. Backes & Clemens 2003, S.). Großelternschaft war keine zu erwartende Selbstverständlichkeit, Kinder erlebten ihre Mutter häufig nur bis zum Jugendalter oder bis ins frühe Erwachsenenalter (vgl. Lauterbach & Lange 2004, S.79). Die Lebensphase Alter war als solches eher eine überraschende Ausnahme und wurde je nach Stand und Besitz unterschiedlich gelebt.
Ende des 18 Jahrhunderts war die traditionelle Familienform des „ganzen Hauses“ - mit der Einheit von Produktion und Reproduktion, von Arbeitstätte und Heim- die Norm, wie sie von Bauernfamilien, Hand - und Heimwerkerfamilien gelebt wurde.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts bewirkt jedoch die Industrialisierung zunehmend die Trennung von Arbeitsplatz und Haushalt und führt so zu einer Bedeutungszunahme der bürgerlichen und der proletarischen Familienformen, die (die eine ideell und die eine quantitativ) letztlich
1
Liane Lauprecht - Die Mehrgenerationenfamilie im Wandel der Zeiten als Prototypen der heutigen modernen Familienformen betrachtet werden können (vgl. Rosenbaum S. 476, vgl. Rerrich S.29ff).
2.1 Die bäuerliche Familie
Die Ursache des Mythos vom bäuerlichen Dreigenerationenhaushalt begründet sich auf dem Umstand, dass sich gegenwärtig in bäuerlichen Betrieben häufiger 3 Generationen in einem Haushalt finden als in urbanen Arbeitnehmerhaushalten.
Tatsächlich musste damals sich die Zahl der in einem bäuerlichen Haushalt lebenden Personen mit der Größe und ökonomischen Kapazität des Betriebes im Gleichgewicht halten. Man brauchte genügend Arbeitskräfte aber letztlich nur so viele Konsumenten, wie auch ernährt werden konnten (vgl. Rosenbaum 1982, S.60). Dieses Gleichgewicht wurde einerseits geschützt durch das Erbrecht und durch die Tatsache, dass nur heiraten durfte, wer nachweisen konnte über ausreichend „Nahrung“ zu verfügen, wer also in der Lage war, einer potentiellen Familie ein Dach über dem Kopf und ausreichende Versorgung zu gewähren. Daher fand die Vererbung meist nicht zum Todeszeitpunkt der Eltern statt, sondern wenn eine Hochzeit stattfinden sollte, da die Heiratsmöglichkeit eben an den Erbteil gebunden war um davon gemeinsam mit dem Ehepartner ein eigenes Haus zu bauen oder zu mieten oder, wie beim Anerbenrecht der Fall, den Hof der Eltern zu übernehmen. Das Anerbenrecht wurde in einigen Gebieten Deutschlands mit einer wohlhabenderen Bauernschaft praktiziert und schrieb vor, dass nur ein Kind, in der Regel der älteste Sohn, Grund und Boden erbt. Die anderen Kinder wurden mit anderem „mobilen Besitz und Geld“ (ebd., S.61). abgefunden in dem Rahmen, wie es der künftige Hofbesitzer finanziell verkraften konnte“(vgl. ebd. 1982, S.60ff).
Durch diese Erbform kam es häufiger zu Dreigenerationenfamilien, wenn die Eltern auf dem Hofe blieben, doch es war nicht unproblematisch und auch nicht unbedingt von Seiten der Eltern oder Kinder eine gewünschte Sache. Auf dem Hof musste ein Altenteil eingerichtet werden, die Eltern hatten ihren Teil an Wohnraum, Unterhalt, Naturalien, Land und Vieh zu bekommen, was nur auf größeren Höfen überhaupt möglich war und auch da mit „großen materiellen psychischen Belastungen“ (ebd., S.63) verbunden war. Daher waren nicht alle Eltern bereit, den Hof zu übergeben, wenn der Erbe heiraten wollte, viele zögerten es auch gern hinaus. Wenn genug Wohlstand vorhanden war, vermieden die Eltern selbst gerne das Zusammenleben mit den Kindern und die komplizierten Vertraglichkeiten, die die Einrichtung des Altenteil erforderte und oft mit Konflikten und Spannungen verbunden war,
2
Liane Lauprecht - Die Mehrgenerationenfamilie im Wandel der Zeiten und nahmen von sich aus einen anderen Wohnsitz wo sie von den Zinsen lebten, die der Erbe für den Hof zu zahlen hatte. (vgl. ebd., S.63)
Besitzer mittlerer und kleinerer Betriebe praktizierten meist als Erbregelung die Realteilung, bei der Besitz und Boden unter den Kindern aufgeteilt wurde und jedes Kind sein Erbteil zum Zeitpunkt der Hochzeit bekam. Hierdurch kam es in den Gebieten, wo die Realteilung vorherrschend war (eben in weniger wohlhabenderen Gebieten) noch seltener zum Zusammenleben von 3 Generationen, da jede neu gebildete Familie in der Regel ihr eigenes Haus bezog.
Durch die Bindung des Erbteils an die Heiratsmöglichkeit war das Alter zum Zeitpunkt der Hochzeit sehr hoch; verbunden mit dem sehr niedrigen Sterbealter verringerte sich der mögliche Zeitraum des gleichzeitigen Lebens von 3 Generationen immens. (vgl. ebd., S.61ff) Die Vorstellung der großen Mehrgenerationsfamilie in einem Haushalt kam selten vor, ebenso ist der Kinderreichtum von Bauernfamilien nur ein Mythos, entstanden durch die Verwechslung von Geburtenzahl und Kinderzahl. Eine Bauernfamilie hatte im Durchschnitt nicht mehr als 3 Kinder, was einerseits daran lag, dass durch das hohe Heiratsalter für die Frau nicht allzu viel fruchtbare Zeit blieb und diese durch harte Arbeit und viele Fehlgeburten eingeschränkt war; andererseits hatte es seine Ursache in der hohen Säuglings und Kindersterblichkeit, die für diese Zeit typisch war (vgl. ebd., S.63f).
2.2 Die Handwerkerfamilie
Ebenso wie bei den Bauernfamilien lebten die Handwerkerfamilien als produktivereproduktive Wohneinheiten - man lebte dort wo man arbeitete. Auch hier dominierte das Zusammenleben von zwei Generationen in einem Haushalt, da die Mehrzahl der Handwerksbetriebe nicht in der Lage waren 2 Familien zu ernähren. Auch gab es durch die Zunft den „Wanderzwang der Gesellen“, der die Handwerkersöhne an anderer Orte brachte, wo ihnen die Verselbständigung leicht gemacht wurde, da sie als Meistersöhne privilegiert waren. Zur Einrichtung einer Werkstatt brauchte man ohnehin nur wenig Kapital (vgl. Rosenbaum 1982, S.121, 134ff, 180).
Nur da, wo eine Werkstatt mit finanziell aufwendigerer technischer Ausstattung und obendrein noch Hausbesitz und Wohlstand vorhanden war, kam es häufiger zu Dreigenerationenhaushalten, zum einen um den Besitzstand zu wahren, zum anderen weil es in ausreichend vorhanden Räumlichkeiten, die damals überhaupt keine Selbstverständlichkeit
3
Liane Lauprecht - Die Mehrgenerationenfamilie im Wandel der Zeiten waren (man hatte eine sogar Tendenz zum Bettenmangel und stapelte sich zuweilen), eher weniger zu Spannungen und Konflikten kommt (vgl. ebd., S.135ff)
Der Vater arbeitete quasi bis zum Umfallen im eigenen Betrieb, schon damals hatte die Frau eine höhere Lebenserwartung, wenn sie erst einmal die eigene Fruchtbarkeitsphase heil überstand. Die Aufnahme des überlebenden Elternteils in den eigenen Haushalt war keinesfalls der Normalfall und die Witwen der Handwerker wären hauptsächlich dem „städtischen Versorgungsproblem“ (ebd., S.138) ausgesetzt, wenn sich die Handwerkerzunft nicht noch eine andere Lösung ausgedacht hätte: Wer die Witwe eines Handwerkers heiratete, dem wurde die Erlangung der Meisterwürde leichter gemacht.
Gesellen nahmen diese Möglichkeit in Anspruch, wenn sie sich ihnen bot und so kam es in dieser Zeit durch Einheirat zu einem starken Anstieg an Ehen mit z. T. auch sehr viel älteren Ehefrauen (vgl. ebd., S.150f).
Andere Witwen lebten von einem „Gnadengeld oder anderen nicht-gewerblichen Mitteln“ (ebd., S.141) und mussten nicht bei den eigenen Kindern versorgt werden. Wegen der beengten Wohnverhältnisse wurde das Zusammenleben von 3 Generationen eher gezielt vermieden (vgl. ebd., S.135ff).
Dadurch, dass nur der heiraten durfte, der den Meistertitel erworben hatte (vgl.http://www.gutenberg-museum.de/index.php?id=145) lag bei den Handwerkern das durchschnittliche Heiratsalter recht hoch.
Kinderreichtum war unüblich, aus denselben Gründen wie bei den Bauernfamilien. Die Handwerkersöhne verließen obendrein früh den elterlichen Haushalt um sich auf die Wanderschaft zu begeben (vgl. Rosenbaum 1982, S.136ff).
2.3 Familien in der Hausindustrie
Die Zeit zwischen Ende 18 Jahrhundert bis zur Mitte des 19 Jahrhunderts blühte die Hausindustrie als vorkapitalistische Form der Massenproduktion innerhalb der räumlichen Einheit von Arbeitsplatz und Wohnung, Produktion und Familienleben. Im Vergleich zum Handwerk wurde hier nicht direkt für den Endkonsumenten produziert, sondern für einen Unternehmer, der häufig auch das Geld für die Rohmaterialien vorstreckte. In die Produktion war meist die ganze Familie involviert, häufig betrieben auch ärmere landwirtschaftliche Betriebe noch Heimarbeit zur Existenzsicherung. (vgl. Rosenbaum 1982, S.189ff) Die Hausindustrie war in überwiegend bevölkerungsreichen Gebieten angesiedelt, in denen die Wohnverhältnisse problematisch waren: der Wohnraum war sehr knapp. Auch hier nahm
4
Arbeit zitieren:
BA Soziale Arbeit L. Lauprecht, 2007, Die Mehrgenerationenfamilie im Wandel der Zeiten, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Sozialpädagogik / Sozialarbeit: Die Mehrgenerationenfamilie im Wandel der Zeiten ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sozialpädagogik / Sozialarbeit: neuer Titel erschienen: Die Mehrgenerationenfamilie im Wandel der Zeiten
Liane Lauprecht hat einen neuen Text hochgeladen
Die Schweißtechnik im Wandel der Zeiten
Vom Schmiedefeuer zum Laserstr...
H. Behnisch, G. Aichele
Berufsstrukturen in kommunalen Räten im Wandel der Zeit
Eine empirische Untersuchung a...
Udo Rosowski
Die russische Haus-Ikone im Wandel der Zeit
Eine Kulturgeschichte in Bilde...
Bernhard Bornheim
0 Kommentare