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1. Einleitung: El pintor de su deshonra als drama de celos’ und drama de honor’ 1
2. Die Malerei als roter Faden im gesamten Stück 2
2.1. Eine schicksalhafte Heirat
2.2. Die schwärmerische Liebe in El pintor de su deshonra
2.3. Juans Versuch, Serafina auf die Leinwand zu bringen
2.4. Auf der Suche nach der geraubten Frau
2.5. Des Künstlers Herakles-Bild
2.6. Ein Gemälde für den Fürsten von Ursino
3. Schlusswort 10
4. Bibliographie 11
1. Einleitung: El pintor de su deshonra als ‘drama de celos’ und ‘drama de honor’
Lope de Vega (1562 - 1635), der als Begründer des spanischen Nationaltheaters und als größter Dramatiker des siglo de oro gilt, schrieb über das drama de honor: „Los casos de la honra son mejores, porque mueven con fuerza a toda gente” (cf. Castro, 1959: S. 3). Nach seiner Dramentheorie war es das Ziel der Ehrdramen, dem Zuschauer im Sinne der Kasuistik einen außergewöhnlichen Fall von Ehrverletzung zu präsentieren, der in ihm admiración wecken sollte.
Bei Pedro Calderón de la Barca (1600 - 1681) werden die Protagonisten der dramas de honor ebenfalls von einem rigorosen Ehrenkodex getrieben. Oftmals führt in diesen Stücken der bloße Verdacht des Ehemannes, dass seine Frau ihm mit einem Liebhaber untreu sein könnte, ihn zum festen Glauben an eine wahrhaftige Ehrverletzung. Weil in den dramas de honor so häufig der Ehebruch der Frau thematisiert wird, werden sie oft auch als dramas de celos, „Eifersuchtsdramen”, bezeichnet. Jedoch spielt die Eifersucht in den Stücken nicht eine so entscheidende Rolle, sondern eher der mit einem solchen Ehebruch verbundene Verlust der Ehre des Ehemannes und damit die Einbuße seines öffentlichen Ansehens. „[Im] Pintor de su deshonra (1650) tötet der Ehemann [um seine vermeintlich verletzte Ehre wiederherzustellen] - im übrigen sehr modern mit der Pistole
- aufgrund eines bloßen Verdachts seine unschuldige Ehefrau und ihren angeblichen Geliebten. Die ungeheure Tat erhält hier ihre gesellschaftliche Sanktionierung, indem der Autor die Väter der beiden Opfer das Geschehen ausdrücklich billigen lässt” (Neuschäfer, 1997: S. 179).
Der Affektkontrolle und der Bewahrung der Ehre messen die adligen Protagonisten in den dramas de honor sehr große Bedeutung bei. Der Protagonist von El pintor de su deshonra, Don Juan Roca, lässt sich in seinen Handlungen daher nicht vom Argwohn beherrschen, sondern bleibt bis zuletzt der festen Überzeugung, dass seine schöne Frau Doña Serafina ihrem Entführer und ehemaligen Liebhaber Don Álvaro wird widerstehen können. Und auch sie lässt nur in einem einzigen Moment - unter dem Eindruck eines Albtraums, in dem sie ihren eigenen Tod vorausgesehen hat - zu, dass dieser sie tröstend in den Arm nimmt. Dass Juan Roca genau diese Szene mit eigenen Augen mit ansehen muss und schließlich als Reaktion darauf beide im Affekt erschießt, dafür wird der Zuschauer sicher mehr Verständnis aufbringen können als für einen kaltblütig geplanten
Mord, wie etwa in El médico de su honra. Juan Roca selbst übt im Stück explizit Kritik am Ehrenkodex (cf. (1)) und empfindet am Ende tiefe Reue über seine Mordtat (cf. (2)): (1) ¡Mal haya el primero, amén, (2) Ahora más que me maten; que hizo ley tan rigurosa! ya no estimo la vida. Poco del honor sabía (Juan, TERCERA JORNADA, V. 988/989) el legislador tirano, que puso en ajena mano mi opinión, y no en mía. (Juan, TERCERA JORNADA, V. 487 - 492)
Dreh- und Angelpunkt ist im Grunde jedoch die von Juan Roca zuerst zum Vergnügen und dann zum Broterwerb betriebene Kunst der Malerei. Ihre zentrale Rolle in El pintor de su deshonra wird nun den Hauptgegenstand meiner weiteren Betrachtungen bilden.
2. Die Malerei als roter Faden im gesamten Stück
„Wie sehr bei der Konstruktion solcher Fälle [...] die Absicht mit im Spiel ist, beim Zuschauer admiración hervorzurufen, geht meist schon aus den Titeln [der Dramen] hervor, die - wie etwa El médico de su honra oder El pintor de su deshonra - den Fall zugleich als Rätsel ankündigen. Der Betrachter soll sich offensichtlich fragen, was Medizin oder Malerei mit der Ehre zu tun haben könnten” (Wentzlaff-Eggebert, 1982: S.24).
2.1. Eine schicksalhafte Heirat
Juan Roca erweckt in der ersten Szene von El pintor de su deshonra den Eindruck eines wirklich glücklichen Mannes. Nachdem er so viele Jahre seines Lebens dem Literaturstudium gewidmet und sich während seiner Freizeit in der Malerei versucht hatte (cf. (3) + (4)), wollte er nun doch seinen gesellschaftlichen Pflichten nachkommen und endlich heiraten. Nach eigener Aussage hat er dies auf Drängen seiner Freunde und Verwandten hin getan (cf. (5)): (3) [...] siendo así que divertido en varias curiosidades dejé pasar la primera (Juan, PRIMERA JORNADA, V. 24 - 27) edad de mi primavera.
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Arbeit zitieren:
Patrick Roesler, 2004, Die zentrale Rolle der Malerei in Calderóns "El pintor de su deshonra", München, GRIN Verlag GmbH
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