I. Die Geschichte des Filmeinsatzes im Unterricht
Der Einsatz von Filmen im Unterricht ist demnach keine Modeerscheinung der aktuellen Didaktik, sondern ein Teilbereich, der schon mit den technischen Neuerungen im letzten Jahrtausend aufkam. Doch mit der kommunikativen Wende in den 1970ern ebbte die Begeisterung für den Medieneinsatz schnell wieder ab. Die mangelnde didaktische Aufarbeitung hatte zur Folge, dass der erwünschte positive Effekt bei Schülern ausblieb. 3 Durch den erheblichen Mehrwert, den Medien für den Fremdsprachenunterricht bieten, ist diese medienfeindliche Haltung allerdings wieder immer weiter zurückgedrängt worden. Trotz neugewonnener Popularität war der Einzug des Filmes im Unterricht jedoch problematisch, denn „[i]n den ersten Jahrzehnten litt der Einsatz an einer starken quantitativen und technologischen
Beschränkung.“ 4 Dies bedeutet, dass Filme aller Formate, von Super-8 über VHS bis hin zu den neuen Formaten der DVDs und Blurays, spezielle Abspielgeräte erfordern. Die technische Ausstattung an Schulen wird allerdings erst langsam ausgebaut und modernisiert. Bis heute noch werden an manchen Schulen sogenannte Medienstationen, fahrbare Fernsehschränke mit DVD- und Videoabspielgeräten, von Klassenzimmer zu Klassenzimmer geschoben. Der Entschluss sich einen Film zu Nutzen zu machen, war und ist somit von der Verfügbarkeit solcher Abspielgeräte abhängig. Andererseits werden inzwischen ebenso auch immer öfter Klassenzimmer mit Beamern und anderen technischen Neuerungen
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ausgestattet, die für die einzelnen Lehrkräfte diesbezüglich eine Erleichterung bedeuten. Zumindest auf technischer Ebene wird der Einsatz des Mediums Film dadurch zunehmend vereinfacht. Neben der technischen Ausstattung in Klassenzimmern, erleichtert zudem das neue Trägermedium DVD den Medieneinsatz. Die Digital Versatile Discs erleichtern nämlich generell den Umgang mit den auf ihnen gespeicherten Filmen:
Die Vielseitigkeit der DVD beschränkt sich dabei nicht nur auf die Präsentation des Filmes selbst, sondern bezieht sich auch auf die zahlreichen Extras, die die Silberscheiben oftmals beinhalten. Zum Teil wird auf einer weiteren DVD eine Fülle an Zusatzmaterial geboten. Dies reicht von Making-ofs über Interviews und kleinen Dokumentationen weiter über die Entstehung von Spezialeffekten im Film bis hin zu vielen andere Features, die Hintergrundinformationen zur Filmentstehung oder der Besetzung bieten. Durch diese umfangreiche Ausstattung an Zusatzmaterialien wird nicht nur der Informationsgehalt für die Lerner erhöht, sondern auch neue Möglichkeiten der Analyse eröffnet. Dadurch sind Aufgabenstellungen möglich, die sich speziell mit der Entstehung eines Filmes befassen. Diese wiederum gehen über die Analyse, wie sie bei literarischen Texten möglich und etabliert ist, hinaus, wodurch
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II. Der neue Medienbegriff und die Einordnung des Filmes „Lange Zeit verstand man unter Medien ‚Informationsträger oder
Mittler, die den Lernenden mit dem Lernstoff konfrontieren“ 7 . Diese Definition bleibt nicht ohne Auswirkung für die Einsatzmöglichkeiten von Medien im Unterricht. Ein Medium wird darauf reduziert, ein Hilfsmittel für den Unterricht zu sein, wie ein Lehrbuch oder ein begleitender Hörtext, nicht aber ein Faktum, dass als solches zur näheren Betrachtung im Unterricht gedacht ist. Die Auswahl beschränkt sich dadurch vor allem in der Unter- und Mittelstufe des gymnasialen Unterrichts auf didaktische Medien, wie sie im Kapitel über Medien im Unterricht bei Klippel und Doff beschrieben werden:
Die didaktischen Medien weichen demnach vom heutigen, allgemein etablierten Medienverständnis ab. Die Medien, die hierbei beschrieben werden, dienen als begleitende Elemente des Unterrichts. Sie werden instrumentalisiert, nicht aber thematisiert.
Diese neuere Definition von Medien deckt ein viel weiteres Feld ab, das auch diejenigen Medien einbezieht, die im Alltag der Schüler verankert sind, wie den Film. Ergänzend ist an dieser Stelle jedoch zu bemerken, dass auch multimediale Mittler durchaus dabei sind, ihren Platz in der Reihe der Unterrichtsmedien zu festigen. Teilweise werden Computer und entsprechende Programme oder Recherchen über das Internet häufiger im Rahmen von Projekten oder ähnlichem in den Unterricht eingebunden, als es mit Filmen der Fall ist. Die mediale Einordnung nach Klippel und Doff weist das bewegte Bild
den technischen Medien zu 10 . Bei dieser Kategorie wird zwischen
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auditiven, visuellen, audiovisuellen und multimedialen Medien
unterschieden 11 . Ein Film spricht neben dem visuellen Kanal in Form des bewegten Bildes auch den auditiven Kanal durch die dem Bild unterlegte Tonspur an. Demzufolge ist er der dritten Medienart, den audiovisuellen Medien, zuzuordnen. Nach dieser Einordnung bieten Klippel und Doff eine letzte Kategorie für Medien im Allgemeinen. Sie unterscheiden zwischen den bereits erwähnten didaktischen und authentischen Medien. Beide Formen können in jeder der vier Medienarten auftreten. So sind auditive, didaktische Medien die ebenfalls bereits erwähnten Begleithörtexte zu dem jeweiligen Schulbuch. Authentisch würde selbiges werden, wenn es sich um ein altersgerechtes, im Zielland benutztes Hörbuch oder -spiel handelt. Doch nicht nur im Falle der Hörtexte, sondern auch bei den audiovisuellen Medien treten neben den üblichen Kinofilmen, didaktische Formen auf. Mit Schulfunksendungen kam „[e]ine neuartige Form der Fremdsprachenvermittlung […] ab Mitte der 1950er Jahre auf“ 12 . Jedoch ist nach der kommunikativen Wende von solchen Projekten abgelassen worden, weshalb derartige Formate nur noch selten zu sehen sind.
Ein weiterer Aspekt, der über die mediale Einordnung von Filmen hinausgeht, ist die Zuordnung von Filmen zu Texten.
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III. Gründe für den Filmeinsatz im Englischunterricht Dass Filme Texte sind, definiert auch ihre Bedeutung für den Unterricht neu, denn für diese gilt im Allgemeinen, dass sie
Ein Text ist daher mehr als nur ein Informationsmittler. Er erfüllt viele weitere Aufgaben, die dem Unterricht zu Gute kommen. Da das Klassenzimmer an sich ein isolierter Raum ist, in dem kein interkultureller Kontakt im eigentlichen Sinne eines Gespräches mit Muttersprachlern stattfindet, muss dieser mangelnde interkulturelle Sprachkontakt so gut wie möglich ersetzt werden. Dabei schränken der Organisationsaufwand und die Möglichkeiten die Ausgestaltung des Englischunterrichts diesbezüglich spürbar ein. Die Aufgabe von Texten aller Art, vor allem aber authentischer Texte aller Art ist es, hierbei einen interkulturellen Kontaktpunkt dadurch zu stiften, dass ein Produkt des Zielsprachenlandes rezipiert wird. Dadurch erklärt sich die sozio-kommunikative Seite eines Textes. Durch das Zusammenspiel aus Inhalt und Verschriftlichung entsteht ein Informationsträger, der neben der bloßen Informationsvermittlung sozio-kulturelle Unterschiede sichtbar macht. Bei schriftlichen Texten, wie Zeitungsartikeln und literarischen Texten, ist diese soziokulturelle Vermittlung allerdings auf Inhalt und Schriftbild beschränkt. Im Gegensatz dazu steht das bewegte Bild, durch das Bild und Ton im Zusammenspiel Kultur repräsentieren:
Arbeit zitieren:
Melanie Eckert, 2011, Filme im Englischunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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