Inhalt
1. Einleitung 1
2. Duarte Nunes do Leão, sein Schaffen und seine Zeit 1
3. Die Geschichte der portugiesischen Sprache - ein Überblick 3
4. Die Bedeutung der Erkenntnisse des Duarte Nunes do Leão für die heutige Zeit 6
5. Schlusswort 10
6. Bibliographie 12
1. Einleitung
In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit dem sprachhistorischen Werk „Origem da língua portuguesa” des Portugiesen Duarte Nunes do Leão, das im Jahre 1606, zwei Jahre vor seinem Tod, veröffentlicht wurde.
Duarte Nunes do Leão schrieb sein Werk in einer Zeit, als das Portugiesische durch die Vormachtstellung der spanischen Sprache auf der Iberischen Halbinsel zusehends in Bedrängnis geriet. Der Autor ist bemüht, die Einzigartigkeit und Individualität der portugiesischen Sprache angesichts des wachsenden Prestiges des Spanischen in seinem Land aufzuzeigen. Er stellt viele auch für die heutige Zeit noch wertvolle Erkenntnisse seiner Zeit über das Portugiesische zusammen, um die nationale und internationale Bedeutung dieser Sprache hervorzuheben und so ihre Stellung auf der Iberischen Halbinsel zu festigen. Darüber hinaus gibt er seinen Landsleuten Hinweise hinsichtlich einer gewählten Ausdrucksweise im Gebrauch des Portugiesischen als Sprache der Oberschicht.
Zunächst möchte ich auf das Leben des Duarte Nunes do Leão und die historischen Umstände, unter denen das Werk „Origem da língua portuguesa” entstand, eingehen. Desweiteren werde ich einen kurzen Überblick über die Geschichte der portugiesischen Sprache bis zu den Anfängen des 17. Jahrhunderts geben, um eine Ausgangsbasis für meine weiteren Betrachtungen zu schaffen. Im Hauptteil meiner Arbeit komme ich dann auf einzelne vom Autor im Werk beschriebene Aspekte zu sprechen, wobei ich auch den heutigen Stand der Erkenntnisse über die portugiesische Sprachgeschichte mit einbeziehen möchte.
2. Duarte Nunes do Leão, sein Schaffen und seine Zeit
Duarte Nunes do Leão wurde um 1530 als Sohn eines jüdischen Arztes in der portugiesischen Stadt Évora geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Coimbra fand er eine Anstellung in der Casa da Suplicação (Oberster Gerichtshof), zunächst als Vertreter der Anklage, später auch als Strafverteidiger.
1
In seinen mittleren Jahren fing er an, sich vermehrt Gedanken über Sprache zu machen, zumal er eine gründliche humanistische Ausbildung genossen hatte. 1576 veröffentlicht er sein Werk „Orthographia da língua portuguesa”. Darin schlägt er eine Rechtschreib-norm für das Portugiesische vor und verurteilt die Verwendung latinisierter und gräzisierter Wortformen 1 sowie dadurch entstehende Hyperkorrektismen (cf. Edwin B. Williams (1962): 26/27).
1606 - zwei Jahre vor seinem Tod - veröffentlicht Duarte Nunes do Leão das sprach-historische Werk „Origem da língua portuguesa”. Zu diesem Zeitpunkt sind Spanien und Portugal schon seit mehr als 20 Jahren in Personalunion vereint. Philipp III. von Spanien herrscht als Philipp II. von Portugal auch über das in der Folgezeit immer stärker von den Niederländern bedrohte portugiesische Weltreich. Sein Vater, Philipp II. von Spanien, hatte nach dem Tod des greisen und kinderlosen Königs Heinrich im Jahre 1580 seinen Anspruch auf den portugiesischen Thron geltend gemacht und war in Portugal einmarschiert. „Im April 1581 wurde Philipp II. von einer Ständeversammlung in Tomar zum neuen König gewählt, nachdem er das feierliche Versprechen abgegeben hatte, die Rechtsordnung Portugals zu respektieren, die Verwaltung beider Reiche strikt von einander zu trennen und alle Ämter an Portugiesen zu vergeben” (Bernecker/ Pietschmann (2001): 49). Hatte das Land unter seiner Herrschaft noch als reino independente eine beträchtliche Selbstständigkeit genossen, so behandelten seine beiden Nachfolger es schon eher als eine spanische Provinz, was zu Unmut unter der einheimischen Bevölkerung führte. Bis zum Ende der União Ibérica im Jahre 1640 kämpften die Portugiesen nicht nur für die Wiedererlangung ihrer Unabhängigkeit, sondern auch um den Erhalt ihrer Sprache und gegen Einflüsse des Kastilischen, welches vor allem in den höheren Gesellschaftsschichten immer mehr an Prestige gewann. „Entre le milieu du XV e siècle et le fin du XVII e l’espagnol a servi de deuxième langue à tous les Portugais cultivés. Les marriages des souverains portugais avec des princesses espagnoles avaient eu pour effet une certaine ‘castillanisation’ de la cour. Les soixante ans de domination espagnole [...] ont accentué cette imprégnation linguistique” (Paul Teyssier (1980): 45).
1 Ab dem 15. und 16. Jahrhundert traten vermehrt folgende Schreibungen auf: aucthor,
fructo, damno, somno, bocca und eschola, phrase, estylo sowie Hyperkorrektismen wie
thesoura, phylosophia und occeano.
2
Duarte Nunes de Leão - bemüht, einen Beitrag zum Erhalt seiner Muttersprache zu leisten - beschreibt nun in seinem Werk die Entstehung des Portugiesischen aus dem Latein, legt die grundlegenden Unterschiede zum Kastilischen dar und trägt sowohl der nationalen als auch der internationalen Bedeutung der portugiesischen Sprache Rechnung. „Those sixteenth-century critics [believed] that their language was worthy of preservation as a seperate tongue” (Edwin B. Williams (1962): 17).
3. Die Geschichte der portugiesischen Sprache - ein Überblick
Für die Auseinanderentwicklung der einzelnen romanischen Varietäten gibt Edwin B. Williams (1962: 11; cf. a. 17) mehrere Gründe an. Zum einen sind der Zeitpunkt der Romanisierung, dialektale Unterschiede der italischen Kolonisten sowie Einflüsse der vor der Romanisierung in den einzelnen Gebieten vorkommenden Substratsprachen von Bedeutung. Desweiteren können die relative Isoliertheit der einzelnen Sprechergruppen voneinander - zunächst vor allem bedingt durch die jeweiligen geographischen Gegebenheiten - sowie Unterschiede in der lokalen Kultur, aber z.B. auch im Bildungsgrad, entscheidend sein für sprachliche Veränderungen. Hinzu kommen nicht zuletzt die Auswirkungen der Völkerwanderung auf die Romania: die Entstehung voneinander getrennter politischer Einheiten (germanische Reichsgründungen) und die damit einhergehenden Superstrateinflüsse der verschiedenen germanischen auf die lokalen romanischen Varietäten.
Im Jahre 218 v. Chr., in der Zeit des 2. Punischen Krieges, landen die Römer erstmals in Spanien, nachdem der karthagische Feldherr Hannibal den Ebro mit dem Ziel, die Pyrenäenvölker zu unterwerfen, überschritten hat. In der Folgezeit erobern die Römer die gesamte Iberische Halbinsel. Zunächst werden die beiden Provinzen Hispania Citerior (im Nordosten) und Hispania Ulterior (im Südwesten) errichtet. Letztere wird durch die Gründung zahlreicher städtischer Zentren am schnellsten und gründlichsten kolonisiert und romanisiert.
Von der Hispania Ulterior aus erfolgte auch die Romanisierung des gesamten Westens der Halbinsel. Hier treffen die Römer im Gebiet zwischen Tejo und Douro zum einen auf das Volk der Lusitani und zum anderen, im äußersten Nordwesten, auf die Gallaeci.
3
„Les Gallaeci en particulier, qui habitaient la zone la plus septentrionale, ont conservé plus longtemps que les autres peuples des éléments de leur culture propre” (Paul Teyssier (1980): 5). Galicien, Asturien und Kantabrien sind von allen Regionen auf der Iberischen Halbinsel am spätesten romanisiert worden - die Basken bewahrten aufgrund ihrer geographischen Isoliertheit ihre ureigene Sprache sogar ganz. Die aus Süddeutschland stammenden, westgermanischen Sueben siedelten sich in der Zeit der Völkerwanderung in Gallaecia an. Sie gründeten hier ein eigenes Reich, das bis hinunter zum Douro reichte. Im Jahre 575 wird es von den Westgoten erobert. „Aside from Visigoths and Suevi no Germanic tribes ever settled [in Galicia] and Visigoths and Suevi left but slight traces of their stay. The linguistic result was that there was less stress accent than in other Romance territory [and therefore open e and o failed to diphthongize]” (Edwin B. Williams (1962): 12).
In den Jahren 711/712 erobern die Araber fast das gesamte Westgotenreich, den größten Teil der Iberischen Halbinsel einschließlich Lusitaniens und Galiciens. In den asturischen Bergen formiert sich jedoch eine Widerstandsbewegung gegen die muslimische Besatzung. Die asturischen Herrscher verstehen sich als Nachfolger und Erben des alten Westgotenreiches und beginnen mit der Rückeroberung. König Alfons I. (739 - 757) dehnt schon sehr früh seinen Machtbereich auf Galicien, Altkastilien und La Rioja aus.
Die Hauptstadt Asturiens wird zu Beginn des 10. Jh. von Oviedo nach León verlegt und zur gleichen Zeit ändert sich der Name des Königreichs Asturien in León. Im Nordwesten des Reiches sprach man Galicisch, im Zentrum Asturo-Leonesisch, und in der östlichen Grenzregion das Kastilische. Galicien ging dabei seit dem 9. Jh. eigene Wege. Die Kunde vom Fund des Jakobsgrabes in Santiago de Compostela verwandelte es in ein wichtiges religiöses Zentrum des Christentums, welches zugleich auch die Widerstandskraft der jungen asturischen Monarchie im Kampf gegen die muslimischen Mauren stärkte.
Das Gebiet südlich und nördlich der Stadt Porto, im Westen des Königreiches León, wird seit dem 10. Jh. Portugal genannt und erlangt im Jahre 1093 den Status einer selbstständigen Grafschaft. „Das Galicische im Westen drang mit der Reconquista weiter nach Süden vor und wurde - politisch bedingt - zum Portugiesischen” (Bollé/
4
Arbeit zitieren:
Patrick Roesler, 2005, Duarte Nunes do Leão - Sein Werk „Origem da língua portuguesa” (1606) und die Aktualität seiner Erkenntnisse, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Romanistik - Portugiesische Sprache, Literatur, Landeskunde: Duarte Nunes do Leão - Sein Werk „Origem da língua portuguesa” (1606) und die Aktualität seiner Erkenntnisse ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Romanistik - Portugiesische Sprache, Literatur, Landeskunde: neuer Titel erschienen: Duarte Nunes do Leão - Sein Werk „Origem da língua portuguesa” (1606) und die Aktualität seiner Erkenntnisse
Patrick Roesler hat einen neuen Text hochgeladen
Einführung in die portugiesische Sprachwissenschaft
Annette Endruschat, Jürgen Schmidt-Radefeldt
Existenz, Welt und reines Sein im Werk Robert Walsers
Versuch zur Bestimmung von Gru...
Jochen Greven, Reto Sorg
0 Kommentare