Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Kulturindustrie - Aufklärung als Massenbetrug 4
3. Web 2.0 und Blogosphäre 5
4. Relevanz der Kulturindustrie-Theorie von Adorno
f ür das Web 2.0 und umgekehrt 6
4.1 Form: Ästhetik oder Effekt? 6
4.2 Inhalt: Kunst oder Kulturware? 7
4.3 Rollenverständnis und -verhältnis: Prosumer oder Produser? 10
5. Fazit 11
Literatur 14
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1. Einleitung
Jürgen Habermas, Vertreter der Frankfurter Schule, feierte das Web auf einer Dresdener Soziologentagung 2006 als Ort, an dem die „Wurzeln einer egalitären Öffentlichkeit von Autoren und Lesern reaktiviert“ (Stöcker 2006, Internet) würden. Sollte sich diese Euphorie bewahrheiten, hielte mit dem Web 2.0 womöglich der grundsätzliche Wandel Einzug, den Theodor W. Adorno und Max Horkheimer in ihrer „Dialektik der Aufklärung“ als einzig möglichen Umsturz der Kulturindustrie erachten. Gleichwohl äußerte Habermas auch die Befürchtung, „Online-Debatten könnten zu einer Fragmentierung des Massenpublikums in eine Vielzahl themenspezifischer Teilöffentlichkeiten führen“ (ebd.). Welche Tendenz zeichnet sich heute, 2009, ab?
Ich will mich der Frage widmen, ob Adornos Kulturindustrie-Theorie angesichts der - stellvertretend von Jürgen Habermas geäußerten -Hoffnungen und Ängste zum Web 2.0 besonders aktuell oder aber besonders überholt scheint. Adorno und Horkheimer haben ihre Kulturkritik unter den Eindrücken des deutschen Faschismus und der Massenmedien Radio, Fernsehen, Film (Kino), Print und Kunst entworfen. Die mediale und ökonomische Herrschaft letzterer war bis in die 90er-Jahre ungebrochen. Erst das Web 2.0 markiert einen Schnitt. Meine These lautet daher: Der user-generated content führt die Theorie und Kritik der Kulturindustrie ad absurdum, weil Adornos Warencharakterbegriff und seine Produzenten-Konsumenten-Definition für das Web 2.0 nicht mehr zutreffend sind. Um diese These zu be- bzw. widerlegen, werde ich vor allem Weblogs analysieren. Blogs als zu untersuchende Kategorie erscheinen besonders geeignet, weil die Anzahl 1999, 2001 und 2004 sprunghaft angestiegen ist (vgl. Ebersbach/Glaser/Heigl 2008: 59) und seither mitunter als Konkurrenz oder gar Wachablösung zu den etablierten Medien gehandelt wird. Andere Elemente des Social Web, wie z.B. Wikis, Podcasts, Social Networks und Social Sharing, können im Rahmen dieser Hausarbeit nicht untersucht werden. Angesichts der Komplexität des Themas einerseits und der limitierten Seitenzahl andererseits beansprucht diese Hausarbeit keine
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Vollständigkeit. Die Diskussion, ob und wann Blogs Journalismus sind, ist
meinem Thema zwar verwandt, wird hier aber nur am Rande behandelt.
Gleichsam beziehen die Überlegungen zu Kommunikationsstruktur und -
inhalt Adorno nur selten (direkt) ein und verweisen vielmehr auf Walter
Benjamin , Jürgen Habermas, Niklas Luhmann und Marshall McLuhan. Diese
L ücke gilt es mit vorliegender Hausarbeit zu füllen.
Zun ächst werde ich die Grundzüge der Kulturindustrie-Theorie von Adorno
und Horkheimer skizzieren. Darauf folgt eine kurze Definition von Weblogs
aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive. Die Bedeutung von
Adornos Ausführungen für das Web 2.0 und umgekehrt sollen aufgezeigt
werden , indem Form, Inhalt und Rollenverständnis von bzw. in Blogs
erforscht werden. Das Fazit fasst unter Berücksichtigung aller Kategorien
zusammen , wie relevant Adorno vor dem Hintergrund partizipativer Online-
Angebote ist bzw. überhaupt sein kann.
2. Kulturindustrie - Aufklärung als Massenbetrug
Die „Dialektik der Aufklärung“ von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno,
1944 in New York erstveröffentlicht, ist ein Werk der Kritischen Theorie.
„Kulturindustrie - Aufklärung als Massenbetrug“ betitelt das dritte von
insgesamt fünf essayistischen Kapiteln und erklärt, wie „Vermassung von
Kulturtr ägern diese zu Waren degradiert“ (Jacke 2004: 32) Weil die
Kulturindustrie auf die breite Masse zielt, stellt sie Form über Inhalt und
„schlägt alles mit Ähnlichkeit“ (Horkheimer/Adorno 2008: 128)
Dem Publikum kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Faktisch gesteht
die Kulturindustrie ihm die Möglichkeit zu, nicht zu konsumieren, denn „ihre
Verfügung über die Konsumenten ist durchs Amusement vermittelt nicht
durchs blanke Diktat ( )“ (ebd.: 144) Weil die Kulturprodukte aber so sehr
auf die Konsumenten zugeschnitten sind, werden sie auch konsumiert und
erzielen einen Zustand aus „rückwirkendem Bedürfnis, in dem die Einheit des
Systems immer dichter zusammenschießt“ (ebd.: 129)
Die Tatsache, dass die Konsumenten erwerbstätig sind, hat zur Folge, dass
Kulturwaren vor allem in der freien Zeit konsumiert werden und Müßiggang
bedeuten (müssen) Das Publikum duldet also ein Abhängigkeitsverhältnis,
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weil es Entertainment will. Adorno konstatiert diesen (Nicht)Anspruch wie folgt:
„Es [Das Vergnügen] ist in der Tat Flucht, aber nicht, wie es behauptet, Flucht vor
der schlechten Realität, sondern vor dem letzten Gedanken an Widerstand, den jene
noch übriggelassen hat. Die Befreiung, die Amusement verspricht, ist die von
Denken als von Negation. Die Unverschämtheit der rhetorischen Frage, ‚Was wollen
die Leute haben!’ besteht darin, daß sie auf dieselben Leute als denkende Subjekte
sich beruft, die der Subjektivität zu entwöhnen ihre spezifische Aufgabe darstellt.“
(ebd.: 153)
Einmal dem Abhängigkeitsverhältnis ausgeliefert, muss der Konsument auch Konsument bleiben. Adorno und Horkheimer bieten keinen Ausweg innerhalb der Kulturindustrie aus der Kulturindustrie an: Hier ist alle Kultur Ware und auch Protest wider die Kultur entsteht entweder schon als kalkuliertes Produkt oder wird kurz nach dem Moment seines Entstehens Teil des Systems, weil er angesichts seines Exotenstatus zwangsläufig populär ist (vgl. Horkheimer/Adorno 2008: 140). Authentische Kunst, Gegenentwurf zur Kulturware, ist derweil zu rar und für den vormals Kulturwarekonsumierenden ohnehin zu kompliziert (vgl. Jacke 2004: 52ff).
3. Web 2.0 und Blogosphäre
Web 2.0 bezeichnet eine Nutzungsmöglichkeit des Internets. Der Begriff wurde vom irischen Softwareentwickler Tim O’Reilly geprägt und meint nicht etwa ein technisches Update vom WWW, sondern eine gefühlte Veränderung im Umgang damit. Praktisch zieht diese neue technische Neuerungen und vor allem Inhalt-Nutzer-Strukturen innerhalb des (alten) Web nach sich: „eine wachsende Dezentralität, Partizipation, Gleichheit und Vernetzung“ (Neuberger 2008: 21). Mit Social Web existiert ein schärferer Terminus, der dem Anstieg sozialer Interaktion deutlich Rechnung trägt. Weblogs - „aus den Abkürzungen Web (von: World Wide Web, der am stärksten verbreiteten Nutzungsvariante des Internets) und Log (für: Logbuch, d.h. chronologische Kurzeinträge; Begriff aus der Schifffahrt)“ (Kopper 2006: 432) - eignen sich für die Betrachtung partizipativer Elemente im Web 2.0, weil sie theoretisch von jeder Person zu jeder Zeit an jedem Ort betrieben werden können, die technischen Einrichtungen und Fertigkeiten einmal vorausgesetzt. In ihrer Aufmachung erinnern Weblogs, kurz Blogs, an
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Arbeit zitieren:
Moritz Herrmann, 2009, Die Aktualität Theodor W. Adornos vor dem Hintergrund des Web 2.0, München, GRIN Verlag GmbH
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