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zu werden, bemüht sich Aristoteles um eine Systematisierung der Ethik in einem idealen Raum. Sämtliche Einzeltugenden werden deshalb nach zwei Fragestellungen untersucht:
1. Welches sind die Situationen, in denen sich Tugend manifestiert oder beobachtet wird, bzw. welches ist ihr Bereich, ihr Betätigungsfeld? und 2. Wie und in welchem Sinn ist sie eine Mitte?
Dadurch kommt er zu Definitionen, die nicht auf eine dynamische ethische Entwicklung zielen, sondern auf Beschreibung eines vollkommenen Zustandes, der lediglich Grenzwerte mit einbezieht, die jedoch nur die jeweilige Tugend in ihrer Idealisierung hervorheben sollen. Der Mensch ist zwar aufgefordert, die Tugenden einzuüben, aber er ist potentiell durch seine Natur fähig, sie aufzunehmen (Buch II der NE). Denn Aristoteles geht aus von einer Grundkonstellation in der Seele des Menschen, die es ihm ermöglicht, wie ein Stück Land, das den Samen nähren soll (Buch X der NE) auch den Samen der Belehrung in sich aufzunehmen.
Aristoteles zeichnet also keine Entwicklungsskizze hin zur Tugend, denn es geht ihm nicht um die platonische Sorge für die Seele, in welcher der Mensch sich um das Gute als unendliche Aufgabe bemühen muss. Seine Werthaftigkeit, seine Tugend steht einfach da, und das Handeln wird von dieser vollendeten Haltung ausgehend untersucht, welche als gegeben gesetzt ist. Wie komme ich zur Tugend und worauf gründet sie, sind nicht die aristotelischen Fragestellungen. Der Glücksbegriff der aristotelischen Ethik unterstreicht dann auch diesen Zweck: Ziel des Menschen ist das Glück, welches eine Aktivität, eine energeia der Seele "gemäß" der Tugend ist, denn das Glück setzt bereits Arete voraus. Das Glück verbindet sich also nur mit der wesensgemäßen Tüchtigkeit zum obersten Gut, das von Aristoteles als das Endziel bezeichnet wird. Die Sittlichkeit bewegt sich hierbei im Rahmen der richtigen Handlung, der aristotelischen Mitte und entspricht nicht einer höheren Moralität, die sich an einem unbedingten Guten orientiert.
Das heißt, dass die aristotelischen Tugenden als Bestimmung sittlichen Handelns nicht wie ein mathematisches Prinzip a priori eingesehen werden, sondern Normen und Werte aus dem Gegebenen abstrahierend ermittelt und auf das Ziel
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des höchsten Gutes appliziert werden. Denn was ein oberster Wert und was Glück ist, gewinnt Aristoteles aus den bekannten Lebensformen (Buch I der NE). Wenn auch das oberste Gut "für sich allein genügend ist", da es "nirgends einen Mangel offenlässt", kann es dennoch nur innerhalb des Beziehungsgeflechts mit anderen Menschen erreicht werden. Dies führt zu einem wesentlichen Begriff der aristotelischen Ethik, den der Gemeinschaft.
Denn der Mensch ist von Natur für die Gemeinschaft bestimmt, ist ein zoon politicon, weshalb Aristoteles die Ethik dem Bereich der Wissenschaft vom Staat zuordnet. Das Glück des Einzelnen ist an die menschliche Gemeinschaft gebunden, da der Mensch für seine Selbsterhaltung und seine sittliche Verwirklichung auf das Zusammenleben mit anderen angewiesen ist. Dies ist auch der Grundtenor der Freundschaftsabhandlung in Buch VIII und IX der Nikomachischen Ethik, weshalb die menschliche Gemeinschaft der systematische Ort der aristotelischen Lehre von der Freundschaft ist. II) Der Begriff der Gemeinschaft in der aristotelischen Ethik: Gemeinschaft ist ein konstituierender Begriff für die Freundschaft, da sich der aristotelische Gebrauch von philia so weit wie die Gemeinschaft erstreckt und ihr Aristoteles auch eine politische Qualität zuerkennt: Denn in jeder Form von Gemeinschaft finden sich unterschiedliche Grade von Freundschaft und somit auch Recht im Sinne einer Förderung des Gemeinwohls, weswegen es die wichtigste Aufgabe der Politik sei, Freundschaft zu stiften. Aristoteles fasst deshalb besondere Teile der Polisgemeinschaft unter dem Begriff von Freundschaft zusammen, wie das Königtum, die Aristokratie und die Timokratie sowie ihre pervertierten Formen, deren Wesensmerkmale als Verfassungsformen sich in Graden von freundschaftlichem Miteinander ausdrücken lassen. Der Polis eigentümliche Freundschaftsform ist die der Eintracht, welche sich auf das öffentliche Wohl bezieht und eine Freundschaft im Sinne einer äußeren Gemeinschaft darstellt.
In der aristotelischen Konzeption einer Ethik kommt so Gemeinsamkeit und damit auch Freundschaft nur aufgrund von Gerechtigkeit zustande, die ihrer Stabilisation dient. Sie ist deshalb unerlässliche Bedingung jeder Form von Gemeinschaft. Menschliche Gemeinschaft jedoch beruht, so Aristoteles auf
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Gegenseitigkeit. Immer da, wo Menschen sich zu Tauschgeschäften zusammenfinden, findet sich eine Gleichheit von zwei Verhältnissen, so z.B. innerhalb der vier Terme: Baumeister A, Schumacher B, ein Haus C und Schuhe D. Der Baumeister erhält vom Schumacher dessen Erzeugnisse und zum Ausgleich erhält der Schumacher die Erzeugnisse des Baumeisters. In diesem Beispiel muss das proportionale Verhältnis durch das Mittel des Geldes hergestellt werden, das in der Polis ein allgemein verbindliches Maß ist. Entscheidend dabei ist, dass die Gleichheit der Verhältnisse zustande kommt. Ein weiteres Moment für die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt der Menschen sind ihre Bedürfnisse und die Tatsache, dass sie diese nicht allein befriedigen können. In jedem möglichen Fall unterliegt die Gemeinschaft aber der aristotelischen Gerechtigkeitsregel: Dass alles, was ausgetauscht wird, vergleichbar sein muss. Aristoteles fasst dies in der Überlegung zusammen: Ohne Austausch keine Gemeinschaft, ohne Gleichheit keinen Austausch und ohne Messbarkeit keine Gleichheit. Der aristotelische Gemeinschaftsbegriff ist damit durchaus utilitaristisch.
Um also Gemeinschaft zu stiften, müssen Normen und Werte so beschaffen sein, dass sie im aristotelischen Sinne sittlich sind, d.h. dem proportionalen Gerechtigkeitsprinzip entsprechen und die rechte Mitte wahren müssen. Sie konstituieren sich aus der Erfahrung im Umgang mit Menschen. Denn elementare Lebensgemeinschaften unterhalb der Polis, wie die von Mann und Frau, in der Familie und des Hauses sind von entscheidender Bedeutung für den Menschen, da diese die primären Orte sind, an denen er Recht und Unrecht erlebt, weshalb Aristoteles diese auch als Muster der Verfassungen bezeichnet. Allen Gemeinschaften aber sind Formen und Grade von Freundschaft eigen: Denn Freundschaft ist Gemeinschaft, so seine Aussage in Buch IX. III) Der aristotelische Freundschaftsbegriff in Buch VIII und IX: Aristoteles erachtet die Freundschaft in Hinsicht auf das Leben in der Gemeinschaft als "höchst notwendig", denn ohne Freunde möchte niemand leben, selbst wenn ihm alle äußeren Güter zur Verfügung stünden. Freundschaft bedeutet Hilfe in allen Lebenssituationen und sie ist die Grundlage des Zusammengehörigkeitsgefühls aller unter die Gattung Lebewesen fallender Arten. Aristoteles bezeichnet sie als einen Naturtrieb, der sich aber besonders in den
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Arbeit zitieren:
M.A.phil. Sigrid Eckold, 1996, Der Begriff der Freundschaft im VIII. und IX. Buch der Nikomachischen Ethik unter dem Aspekt der "Gemeinschaft" als Grundwert der Aristotelischen Ethik, München, GRIN Verlag GmbH
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