diverse, oft amerikanische Sendungskonzepte über die ganze Welt. Insbesondere interessant ist in diesem Zusammenhang das Phänomen der lokalen Anpassung oder Adaption. Ein Paradebeispiel hierfür ist das von der britischen Produktionsfirma Celador entwickelte Format „Wer wird Millionär?“, das derzeit erfolgreich in mehr als 100 Ländern ausgestrahlt wird 3 . Bemerkenswert sind alleine schon die durch lokale Währungen begründeten, unterschiedlichen Namen der Sendung. So spielt man in Indien „Wer wird Zehn Millionen Millionär?“ und in der Türkei „Wer möchte 500.000€ haben?“ 4 . Entgegen des im Genre üblichen Trends, sich an (mediale) lokale Gegebenheiten anzupassen, erscheint diese Sendung in Aussehen, Musik und Kameraführung überall gleich, was aber mit strengen Vorgaben des Lizenzgebers zusammenhängt. Diese harten Richtlinien sollten in verschiedenen Ländern zum Verhängnis werden. In Ägypten wurde das Format nach einer Fatwa durch den dortigen Obermufti wegen „teuflischem Glücksspiel“ ersatzlos gestrichen, während sich japanische Zuschauer ob dem langsamen Spieltempo langweilten und von dem öffentlichen Zelebrieren von Reichtum angewidert waren 5 .
Bereits in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann man in England mit der öffentlichen, spielerischen Auseinandersetzung im Fernsehen. Schon während der ersten Ausstrahlungen der Sendung „Spelling Bee“ ab dem 31. Mai 1938, gemeinhin als die erste Quizshow der Geschichte bekannt, begann man damit, eine zielgruppenorientierte Sendung zu konzipieren 6 . So traten in derartigen „TV- Buchstabierwettbewerben“ Sekretärinnen gegen Ihre Chefs, Zuschauer gegen Fernsehmacher und Einwohner unterschiedlicher Städte gegeneinander an.
Bereits 12 Jahre später begann man in den USA mit einer weiteren, täglich ausgestrahlten Gameshow: Truth or Consequences 7 . Auch diese neue Variante sollte das Genre revolutionieren, da starke Emotionen, Kampf, Preise und Überraschung integrale Bestandteile der von Ralph Edwards moderierten Sendung waren. Das Grundprinzip war dabei denkbar einfach. Einem Kandidaten wurde eine praktisch unlösbare Frage (Truth) gestellt, die er innerhalb von dreißig Sekunden beantworten musste. Schaffte er dies erwartungsgemäß nicht, musste er eine Aufgabe (Consequence) erfüllen, welche nach heutigen Standards wohl eher einem waghalsigen Stunt entsprechen dürfte- immerhin lockten Geldpreise. Am Ende einer jeden Sendung wurden die Kandidaten außerdem durch vermisste oder im Kriegsdienst befindliche Verwandte (häufig aus Vietnam) überrascht, was dem Sender herzzerreißende Szenen für ein stetig wachsendes Millionenpublikum brachte.
3 http://millionaire.itv.com/tvshow.php#
4 http://de.wikipedia.org/wiki/Who_Wants_to_Be_a_Millionaire%3F
5 Röhr, Nina: Internationale Formatwertung von „Who wants to be a Millionaire? “ (2005). München: Grin.
6 http://www.ukgameshows.com/ukgs/Spelling_Bee_%281%29
7 http://en.wikipedia.org/wiki/Truth_or_Consequences
In Deutschland begann die Entwicklung der Gameshows etwas später. Vereinzelt in den sechziger und siebziger Jahren des vergangen Jahrhunderts, vor allem aber auf den im Entstehen befindlichen Privatsendern der Achtziger begann man nun auch mit der öffentlichen Auseinandersetzung von Kandidaten. Im ersten Abschnitt der Geschichte der Spielshows zentrierte sich das Geschehen im Wesentlich auf den „Herr der Antworten“, den Showmaster. Ein wichtiger Vertreter seiner Art war Hans- Joachim Kulenkampff, der ab 1964 die Sendung „Einer wird gewinnen“ für die ARD moderierte. Vorgesagte Antworten und eigenständig geforderte Ersatzfragen machten aus „Kuli“ ein Volksliebling, aber, noch viel wichtiger, aus „EWG“ einen echten Quotenhit. Schon ab Mitte der siebziger variierten die Herausforderungen für potentielle Kandidaten immer mehr. Während zunächst nur reine Wissensfragen zu lösen waren, wurden nun auch sportliche oder auf Schnelligkeit basierende Spiele gespielt.
Ab den achtziger Jahren bemühte man sich vermehrt, auch den Zuschauer zu Hause mit in das Geschehen einzubeziehen- das „Mit raten“ konnte nun auch per Telefon durchgeführt werden, was die Bindung zu den jeweiligen Sendungen erhöhte. Die nun diskreten und ruhigen Moderatoren treten zugunsten des Spielgeschehens in den Hintergrund. Ab 1988 starten dann zwei neue Formate, die sich im Verlauf des Jahrzehnt enormer Beliebtheit erfreuen werden: „Ruck Zuck“ mit Jochen Bendel auf Tele 5 und das „Glücksrad“ auf Sat.1. Während laut Angaben 8 des damaligen Moderators Bendel mit „Ruck Zuck“ die erste, tägliche Gameshow im deutschen Fernsehen entstand, dürfte das Glücksrad mit 4.000 Folgen und 15 Jahren Sendezeit den Titel der beständigsten Gameshow halten. Strukturell lässt sich Folgendes, auch in Hinblick auf die bisher eher mangelhafte Auseinandersetzung mit dem Thema, sagen: Gameshows variieren im Wesentlichen in den Bereichen Kandidatenkonstellation, Gewinn, Regelsystem und Fragen/ Aufgaben. Auch wenn es keine klare Begriffsdefinition gibt, teilt man das Genre hauptsächlich nach grober, inhaltlicher Ausrichtung auf:
-Talentwettbewerbe (Deutschland sucht den Superstar, Germanys next Topmodel..) -Quiz (Wer wird Millionär, Jeopardy!...) -Kinderquiz und Kindergameshows
-Fernseh- Gesellschaftsspiele (Mensch ärger dich nicht..) -Handlungsorientiere Gameshows (Wer schlägt den Raab, Takeshi`s Castle…) So wie man in der Bildlinguistik nicht davon ausgeht, dass Kommunikation in nur einem Zeichensystem verläuft 9 , spielt die Multimodalität auch in Gameshows eine entscheidende Rolle. Wichtige, spannende, emotionale und spielentscheidende Situationen werden durch
8 http://www.jochenbendel.com/de/tv_&_moderation/History_Block/
9 Stöckl, Harmut, Michael Klemm: „Bildlinguistik“-Standortbestimmung, Überblick, Forschungsdesiderate. Webressource: http://michaelklemm.files.wordpress.com/2011/02/klemm_stoeckl_bildlinguistik.pdf
eine entsprechende, musikalische Untermalung pointiert, Kameraführung (Schwenks, Zooming) liefern die entsprechend dynamischen oder verlangsamenden Bilder, wobei man sich in den modernen Spielshow mehr um ein seriöses Auftreten, weg von der Hektik der vergangen Jahrzehnte, bemüht. Dennoch: Alle Codes sind in jedem Moment der Inszenierung klar synchronisiert und detailliert geplant- ob ein Moderator über das Auftreten eines Kandidaten lacht oder eine Kamera zufällig auf die Siegestränen eines Anderen schwenkt.
Während man in den Anfangstagen hauptsächlich Sachpreise auslobte, werden Spielgewinner heute hauptsächlich mit Geldpreisen belohnt.
Analyse: Historische Entwicklung der Sendung „Wetten, dass..?“ Bereits seit 1987 erfreuen sich Fernsehzuschauer in ganz Europa wöchentlich an einer Sendung, die durch ihre aufwändige Gestaltung und berühmte Gäste immer wieder für Aufsehen sorgt: Wetten, dass..?. Das von Frank Elstner entwickelte Prinzip der Gameshow ist denkbar einfach: Ein prominenter Gast wettet mit einem medienwirksamen Wetteinsatz, ob ein Kandidat eine von diesem entwickelte Aufgabe bewältigen kann oder nicht. Das erfolgreiche Spielkonzept wurde auch in weitere Länder verkauft, darunter China, Italien, Russland und Griechenland.
In dieser Analyse werde ich die historische Entwicklung von „Wetten, dass..?“ während der letzten 30 Jahre untersuchen. Bitte beachten Sie: die Analyse der Sendung basiert auf dem mir vorliegenden Material, das mal umfangreich und mal kaum vorhanden war. 1981: Die erste Sendung 10
Digital und elektronisch geht es in diesen ersten Tagen zu- mitten in die immer größer werdende, deutsche Protestbewegung und die Erfindung des ersten Personal Computer von IBM platzt am Valentinstag 1981 die erste Ausgabe von „Wetten, dass…?“. Intro (Grafisch)
Von Rechts nach Links fliegen zu Beginn die für wenige Sekunden gelben Titelbuchstaben ein, die sich ständig farblich verändern (Blau, Grün, Pink). Der Schriftzug rotiert, dreht sich, springt, wird aufgeblasen und geschrumpft- ein aufwendiges Verfahren zu Beginn der achtziger Jahre des vergangen Jahrhunderts, das nur durch analoge Videosynthesizer und die erst zuvor erfundene Technik „Scanimate“ 11 ermöglicht wurde. Der Hintergrund bleibt konstant und zeigt die Showbühne. Nachdem die Buchstaben „explodieren“ zeigt die Kamera frontal auf den ersten Moderator der Sendung, Frank Elstner. Musik
10 http://www.youtube.com/watch?v=XauTOIedd98
11 http://www.youtube.com/watch?v=8R_x2zGSHpc
Arbeit zitieren:
Michael Schiffner-Ritz, 2011, Wetten dass, Familienduell & Co.: Die Geschichte der Gameshows, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen: Wetten dass, Familienduell & Co.: Die Geschichte der Gameshows ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen: neuer Titel erschienen: Wetten dass, Familienduell & Co.: Die Geschichte der Gameshows
Michael Schiffner-Ritz hat einen neuen Text hochgeladen
Cause and Effects: The Amazing Story Surrounding the Perfect Showcase ...
Terry Kniess, Jodi Colteryahnm
An Off the Record Guide to Popular Game Shows: Family Feud, the Price ...
Victoria Hockfield
Umstellung von Analog- auf Digital-Sat-Empfang
Was Sie tun müssen - Was Sie b...
Thomas Riegler
0 Kommentare