Der Begriff abstrakte Idee wurde im vorherigen Teil schon verwendet,
dennoch wird dieser im Folgenden näher beleuchtet. Abstraktion bezeichnet die
Fähigkeit, reale Dinge gedanklich von einander zu trennen und zu kombinieren
um so Ideen von neuen Dingen zu schaffen. Die Ideen werden als abstrakte Ideen
bezeichnet. Jene abstrakten Ideen haben keine reale Existenz, sondern nur eine
gedankliche. Beispielweise hat ein grünes Quadrat, die abstrakten Ideen der Farbe
Grün und der Ausdehnung Quadrat. Betrachten wir also dieses grüne Quadrat, so
hätten wir eine Vorstellung davon, was Grün und was ein Quadrat sei. Ebenso
bezeichnet Abstraktion die Fähigkeit Eigenschaft miteinander zu verbinden, um
neue Ideen zuformen. Wie verbinden die Eigenschaften von Mensch und Flügel
um die Idee des Engels zu formen. Dies ist eine von mehreren Auffassungen von
abstrakten Ideen. Nach Berkeley, seien abstrakte Ideen aber von anderem
Charakter.
Berkeley bezeichnet die Abstraktion als einen unmöglichen Prozess. Diese
Annahme erscheint zunächst als sehr stark, wird aber noch differenziert. Denn
zunächst muss die Auffassung von Berkeley erläutert werden, was er unter
abstrakten Ideen versteht. Berkeley versteht unter Abstraktion, die Herauslösung
von Ideen aus Gegenständen, die getrennt von einander nicht existieren können.
Diese Abstraktion ist, nach Berkeley, unmöglich. Zudem unterscheide Berkeley
drei verschiede Arten von abstrakten Ideen. Diese werden nun kurz erläutert.
Die erste Art von abstrakten Ideen ist die, der einfachen Idee. Diese ist die
Idee einer ganz bestimmten, spezifischen Eigenschaft eines einzelnen
Gegenstands, wie Bewegung, Ausdehnung oder Farbe. Im Falle des grünen
Quadrats, bedeutet dies, dass wir aus dem Quadrat dessen Farbe herauslösen
könnten. Wir lösen die Idee der Farbe, in dem Falle die Idee der Farbe Grün, aus
dem Gegenstand heraus. Anders gesagt werden alle anderen Eigenschaften des
Quadrats abgezogen um nur die Idee der Farbe Grün zu erhalten. Somit hat man
die spezifische Idee der Farbe des Quadrats. Berkeley zufolge, sei dies nicht
möglich. Wir könnten keine einzelne Idee von Grün aus dem Quadrat gewinnen,
ohne die Idee der Ausdehnung oder der Bewegung des Quadrats zu
berücksichtigen. Eine einzelne Idee des Gegenstands könne nicht von den anderen
Ideen des Gegenstands gesondert gedacht werden. Diese Art von abstrakten Ideen
wird im Folgenden auch als der erste Abstraktionsprozess bezeichnet.
Die zweite Art von abstrakten Ideen sei die von einfachen, allgemeinen
abstrakten Ideen. In diesen werden aus mehreren Gegenständen verschiedenen
Ausprägungen der einfachen Ideen herausgelöst um eine allgemeine Idee zu
bekommen. Man nimmt also mehrere Gegenstände von unterschiedlicher Farbe
und betrachtete diese einzeln. Aus ihnen löst man dann ihre verschiedenen
Ausprägungen der Farben um so die allgemeine Idee von Farbe zubekommen.
Diese zweite Art von Abstraktion erforderte die erste. Erst müssen alle einfachen
Ideen der Gegenstände abgezogen werden um nur eine einzige, bestimmt Idee zu
erhalten. Aus diesen wird dann die allgemeine Idee gebildet. Dies ist der zweite
Abstraktionsprozess. Auch diese Abstraktion ist für Berkeley unmöglich. Grund
hierfür ist, dass die erste Abstraktion notwendige Bedingung für die zweite sei.
Da aber die erste nicht möglich sei, könne auch die zweite nicht möglich sein. Es
ist uns somit nicht möglich, allgemeine Ideen zu beschreiben, wenn wir keine
einfachen Ideen absondern können.
Die letzte Art von abstrakten Ideen ist die von den komplexen, allgemeinen
abstrakten Ideen. Dies ist kein neuer Abstraktionsprozess, sondern der gleiche
wie der zweite. Jedoch sind die Gegenstände der Abstraktion andere. Hier werden
komplexe Dinge als Ziel der Heraussonderung genommen, beispielsweise der
Mensch oder das Tier. In dieser Abstraktion werden von komplexen Dingen alle
Eigenschaften abgezogen, die bei den Dingen unterschiedlich sind. Will man also
die komplexe, allgemeine Idee von Menschen haben, so nimmt man mehrere
Menschen und zieht von ihnen alle Eigenschaften ab, in denen sie sich
unterscheidet. Zum Beispiel die Größe oder die Haarfarbe. Wenn man von jedem
der Menschen diese Eigenschaften abgezogen hat, so bliebe nur das, was ihnen
Gemeinsam sei. Dies sei, in diesem Fall, die Idee des Menschen. Da dies die
gleiche Abstraktion sei, wie die der einfach, allgemeinen Ideen, ist sie kein neuer
Abstraktionsprozess, sondern eine neue Art der abstrakten Ideen.
Diese drei Arten von abstrakten Ideen sind für Berkeley das Ergebnis von
echter Abstraktion. Diese echten Abstraktionen sind, nach seinem Denken,
unmöglich. Als Kriterium für die Abstraktion bezeichnet er die Fähigkeit, Dinge
in Gedanken getrennt vorzustellen, die in der Wirklichkeit nicht getrennt
existieren können. Gleichwohl existieren in Berkeleys Theorie noch zwei weitere
Abstraktionen, die er für möglich hält. Jedoch werden diese nicht als wahre
Abstraktion bezeichnet, da diese nicht das genannte Kriterium erfüllen. Diese
sind zum einen die Vorstellungen von getrennten Dingen, die auch in der
Wirklichkeit getrennt existieren können.
Diese Abstraktion bedeutet, dass wir Dinge oder Eigenschaften als getrennt
denken können, sofern es möglich ist, dass diese auch getrennt existieren können.
Wir können uns beispielsweise einen Arm ohne den Rest des Körpers vorstellen.
Denn es ist in der Wirklichkeit möglich, dass der Arm vom Körper abgetrennt
wird und weiterhin existiert. Ebenso können wir uns einen menschlichen
Oberkörper in Kombination mit dem Unterkörper eines Pferdes vorstellen, da es
auch dies in der Wirklichkeit denkbar wäre.
Daneben räumt Berkeley auch die Möglichkeit einer weiteren Abstraktion ein.
Diese ist die Fähigkeit, einen Gegenstand einer bestimmten Art in seinen
Grundvorrausetzungen zu betrachten ohne die Eigenschaften, die ihn von anderen
Gegenständen seiner Art abgrenzen. Wenn wir beispielsweise mehrere Stühle
hätten, könnten wir uns einen von ihnen herausnehmen. Aus diesem Stuhl lösen
wir dann gedanklich alle Eigenschaften, die ihn von den anderen Stühlen
unterscheiden, ohne seinen artspezifischen Charakteristika zu lösen. Wir würden
beispielsweise die Farbe und die Größe des Stuhls gedanklich herauslösen, da
diese ihn von anderen Stühlen unterscheiden. Die Eigenschaften, die ihn aber zu
Stuhl machen, wie die vier Beine, die Lehne sowie die Sitzfläche, müssten
bleiben. Somit hätten wir eine Definition, was ein Stuhl sei. Auch diese Form von
Abstraktion lässt Berkeley zu.
Die beiden letzt genannten Abstraktionsarten stellen für Berkeley jedoch
keine Abstraktion dar. Der Begriff der Abstraktion, lässt sich für Berkeley nach
wie vor nur an einem Kriterium festmachen. Hiernach sei Abstraktion, die
Fähigkeit, Dinge getrennt von einander zu betrachten, welche in der Wirklichkeit
nicht getrennt existieren können. Unter dieses Kriterium, fallen die beiden ersten
Abstraktionen, welche die ebengenannten drei Arten von abstrakten Ideen
hervorbringen. Die anderen beiden Abstraktionen sind zwar möglich, aber keine
Abstraktionen, die das Kriterium erfüllen. Bei beiden werden nämlich
Gegenstände gedanklich getrennt, die auch getrennt existieren können. Deshalb
bezeichnet Berkeley diese nicht als eigentliche Abstraktion.
Um seine starke These zu untermauern, bedient sich Berkeley weiterer
Argumente. Zum einen richtet er sich gegen den Ursprung der vorherrschenden
Arbeit zitieren:
Sven Wunderlich, 2010, George Berkeleys Theorie zu Abstrakten Ideen, München, GRIN Verlag GmbH
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