2
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1 Tadschikistan auf dem Weg in den Bürgerkrieg 4
1.1 Tadschikistan in Zahlen 4
1.2 Die Ursachen des Bürgerkriegs 5
2 Der Tadschikische Bürgerkrieg 9
2.1 Erste Phase - „Der Bürgerkrieg beginnt“ 9
2.2 Zweite Phase - „Die Verschärfung des Bürgerkriegs“ 11
2.3 Dritte Phase - „Die Machtübernahme Rachmonows“ 13
2.4 Vierte Phase - „Rückkehr zum Verhandlungstisch“ 17
3 Die Beziehungen zwischen Tadschikistan und Usbekistan 18
Schluss 19
Literaturverzeichnis 21
Nach dem Zerfall der Sowjetunion kämpften die kommunistischen Kräfte in den zentralasiatischen Staaten energisch um die Erhaltung ihrer Macht. Während sie in Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan und Turkmenistan einen gewissen Grad an Glaubwürdigkeit bewahren konnten und durch politische Unterdrückung und gezielte ökonomische Initiativen vom Volk weitgehend anerkannt waren, versagte die kommunistische Regierung in Tadschikistan. Der Verlust ihrer Macht bedeutete für das kleine Land einen fürchterlichen Bürgerkrieg, der mehr Opfer forderte, als jegliche andere kriegerische Auseinandersetzung auf dem Boden der ehemaligem GUS.
Der Bürgerkrieg in Tadschikistan von 1992 bis 1997 und seine Folgen haben im Westen relativ wenig Aufmerksamkeit erregt. Den zentralasiatischen Staatschefs, die bis dahin eher in westlich-liberalen Ideen einen großen Feind sahen, verdeutlichte er, dass die vom Islam ausgehende, ihre Macht bedrohende Gefahr sehr viel größer ist. Diese Hausarbeit soll einen Überblick über jenen Bürgerkrieg geben. Wieso kam es in Tadschikistan überhaupt erst dazu? Wie verlief der Bürgerkrieg? Wie konnte er schließlich beendet werden? Da Tadschikistan traditionell sehr eng mit Usbekistan verbunden ist, soll auch ein Einblick in die Beziehungen beider Länder und ihrer Völker gegeben werden.
Da ein Buch, das sich ausschließlich mit Tadschikistan befasst, nicht auffindbar war, stützt sich diese Hausarbeit hauptsächlich auf Literatur, die die neuerliche Entwicklung Zentralasiens wiedergibt. Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die Bücher „The Newly Independent States of Eurasia“ von Stephen K. Batalden, „New States - New Politics“ von Ian Bremmer und Ray Taras sowie „Nationenbildung östlich des Bug“ von Hans-Heinrich Nolte. Ebenfalls größere Beachtung fanden der Beitrag Walentin Buschkows für die Berichte des Bundesinstitutes für ostwissenschaftliche und internationale Studien unter dem Titel „Politische Entwicklung im nachsowjetischen Mittelasien: Der Machtkampf in Tadschikistan 1989-1994“ und die Berichte der Gesellschaft für Staatenforschung (AMDAC+).
Rostock, August 2003
4
1. Tadschikistan auf dem Weg in den Bürgerkrieg
1.1 Tadschikistan in Zahlen
Mit 143100 km² ist Tadschikistan der kleinste Staat Zentralasiens. Fast die Hälfte seines Territoriums liegt in über 3000m Höhe. Auf dem landwirtschaftlichen Sektor werden hauptsächlich Schafe gezüchtet und mit Hilfe künstlicher Bewässerung wird Baumwolle produziert. Das Gebiet ist reich an Bodenschätzen, darunter auch Uranvorkommen (14% der Weltreserven). Die Gebirgsflüsse werden zur Energiegewinnung gestaut. Tadschikistan ist in zwei Regionen geteilt: der Hauptstadtbezirk und das autonome Gebiet Berg-Badachschan (63700 km²) Die ca. 6,1 Millionen Einwohner Tadschikistans verteilen sich auf viele Ethnien. Die größte davon sind die Tadschiken mit 68%, weitere 25% sind Usbeken und 3% sind Russen. Aber auch Tataren, Kirgisen, und Ukrainer sind anzutreffen. Nach der Unabhängigkeit haben viele Russen, die einst 10% der Bevölkerung ausmachten, und Deutschstämmige (1979: 39000) das Land verlassen. Große Tadschikische Bevölkerungsgruppen leben auch in Usbekistan und in Afghanistan, wo sie die zweitgrößte Ethnie nach den Paschtunen sind. 80% der Einwohner Tadschikistans sind sunnitische Muslime, weitere 5% sind Muslime schiitischen Glaubens und 10% sind russisch-orthodoxe Christen.
Die größten Städte sind neben der Hauptstadt Duschanbe (528 600 Einwohner) Chodschand (161 500) und Kuljab (79 000).
Sämtliche Ursachen, die später zum tadschikischen Bürgerkrieg führen, müssen vor dem Hintergrund einer tief greifenden wirtschaftlichen und sozialen Krise betrachtet werden. Besonders deutlich wird die miserable Lage bereits in den letzten Jahren vor dem Zerfall der Sowjetunion.
Während dieser Zeit bricht die Tadschikische SSR alle wirtschaftlichen Negativrekorde. Es weist das geringste Pro-Kopf-Einkommen, die höchste Geburtenrate und mit etwa 40% gleichzeitig auch die höchste Arbeitslosenquote auf. In Bezug auf das Bevölkerungswachstum gehört Tadschikistan sogar zur Weltspitzenklasse. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Auch der Urbanisierungsgrad (30%) ist in der tadschikischen Sowjetrepublik so niedrig wie nirgendwo sonst in der Sowjetunion. 1 Mit einem durchschnittlichen Lebensstandard von nur 57% des Normalniveaus in der Sowjetunion ist Tadschikistan die ärmste aller Sowjetrepubliken. Da sich die Bevölkerung in weniger als 100 Jahren um das zehn- bis zwölffache vermehrt hat, macht sich die zunehmende Land- und Wasserknappheit spürbar bemerkbar. Ungefähr 1988 beginnt eine tadschikische National- bzw. Oppositionsbewegung aus dem Schriftstellerverband heraus zu entstehen. Kleine politische und ökologische Bewegungen entstehen ebenfalls. Diese haben es allerdings erheblich schwerer, da sie von der Regierung unterdrückt werden und sich daher versteckt halten müssen. Die nationalistischen Bewegungen fordern eine souveräne nationale Staatlichkeit und die Etablierung der tadschikischen Sprache („Dari“) als Staatssprache. Besonderen Auftrieb erhält die zunehmende Ausprägung eines tadschikischen Nationalgefühls durch das Bewusstsein, sich von den turksprachigen Nachbarn zu unterscheiden und stattdessen eher den persisch sprechenden Iranern nahe zu stehen.
Unter dem zunehmenden Druck verabschiedet der Oberste Sowjet schließlich eine Reihe von Gesetzen zur Stützung der Republiksouveränität. Dazu zählt auch das „Sprachengesetz“, das bereits im Februar 1989 erlassen wird. Tadschikisch wird damit zur Staatssprache erklärt. Dies bedeutet, dass Beschäftigte im Bereich des öffentlichen Dienstes Dari beherrschen müssen. Ebenso wird der Unterricht an Fach-und Hochschulen in Dari abgehalten. Dadurch werden viele junge Nichttadschiken
1 Nolte, Hans-Heinrich: „Nationenbildung östlich des Bug“, S. 177
Arbeit zitieren:
Stefan Erl, 2003, Der Bürgerkrieg in Tadschikistan 1992 - 1997 - Ursachen und Verlauf einer menschlichen Tragödie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Referat / Aufsatz (Schule), 13 Seiten
Transformationsprozesse und Probleme im Vergleich: Kasachstan und Tads...
BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Seminararbeit, 39 Seiten
ROKO I. - König von Hessen - Intention, Manipulation und Rezeption - R...
Hausarbeit (Hauptseminar), 46 Seiten
Generation 50plus - Alter ist nicht gleich Alter - Zur Ausdifferenzier...
Hausarbeit, 33 Seiten
Zur Migrantenberichterstattung in deutschen Fernsehnachrichten - Eine ...
Medien / Kommunikation - Forschung und Studien
Magisterarbeit, 144 Seiten
Eine Analyse der Politikermarke Kurt Beck
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Einflussfaktoren der Persuasion
Warum wir Deutschen Günther Ja...
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Hausarbeit, 17 Seiten
Systemtheorie und Journalismus
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Hausarbeit, 25 Seiten
Das Verhältnis zwischen PR und Journalismus
Übermacht, Autonomie, wechsels...
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing
Hausarbeit, 18 Seiten
Die Geopolitik Friedrich Ratzels und Karl Haushofers - Eine Kontinuitä...
Politik - Politische Systeme - Historisches
Hausarbeit, 20 Seiten
Zukunft und Perspektive Zentralasiens
Politik - Internationale Politik - Region: Russland, Länder der ehemal. Sowjetunion
Hausarbeit, 30 Seiten
Organisatorischer Journalismus: Ansätze und Ergebnisse der Redaktionsf...
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Thedor W. Adorno. Kulturindustrie klassisch - und heute?
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Seminararbeit, 14 Seiten
Koalitionskriegführung: Rußland und Österreich im Siebenjährigen Krieg...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 23 Seiten
Das ZDF - Die Programmprinzipien des Senders und dessen Profile
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Studienarbeit, 14 Seiten
Stefan Erl's Text Der Bürgerkrieg in Tadschikistan 1992 - 1997 - Ursachen und Verlauf einer menschlichen Tragödie ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Stefan Erl hat den Text Der Bürgerkrieg in Tadschikistan 1992 - 1997 - Ursachen und Verlauf einer menschlichen Tragödie veröffentlicht
Stefan Erl hat einen neuen Text hochgeladen
Personal Watercraft: Yamaha, 1992-1997
Clarence W. Coles, Seloc Publications, Nichols / Seloc
Die Tragödie und Komödie des amerikanischen Lebens
Eine Studie zu Zuckermans Amer...
Till Kinzel
Ber Die Verschiedenheit Des Menschlichen Sprachbaues Und Ihren Einflu ...
Wilhelm Von Humboldt
0 Kommentare