In Quines Aufsatz „Two dogmas of empiricism“ stehen zwei zentrale Aspekte, wie dem Namen schon zu entnhemen ist, die den Empirismus der modernen Prägung (Wiener Kreis) in gewisser Hinsicht kritisieren. Das erste Dogma besteht darin, die Unterscheidung zwischen analytischen und synthetischen Aussagen strikt aufrecht erhalten zu wollen, das zweite ist der Reduktionismus, also der Glaube, dass jede einzelne sinnvolle Aussage logisch äquivalent zu einer auf Erfahrung beruhenden Tatsache sei. Dem zweiten Dogma hält Quine entgegen, dass nicht einzelne Aussagen, sondern immer nur eine Menge von Aussagen verifiziert werden können.
Auch wenn beide Dogmen miteinander zusammenhängen, soll nun im weiteren Verlauf des Essays das erste Dogma im Mittelpunkt stehen. Quine behauptet, es gebe kein Kriterium, um eine genaue Unterscheidung von analytischen und synthetischen Aussagen vorzunehmen. Dazu erläutert er das geläufige Kriterium der Synonymie (Bedeutungstheorie), das die Analytizität erklären soll. Diese beruht auf drei Begriffen, nämlich (1) Definition, (2) Austauschbarkeit und (3) semantische Regel, auf die wir noch zurückkommen werden.
Die Begriffe „a priori“ und „a posteriori “ habe eine lange Tradition. Schon vor Kant stritten sich die Empiristen und Rationalisten um eine genaue Auslegung dieser Begriffe 1 . Kant fügte dann eine weitere Unterscheidung, die im wesentlichen auf ihn zurückgeht, durch „analytisch“ und „synthetisch“ hinzu. Drei Kombinationen sind hier sinnvoll, die erste ist „analytisch a priori“, die zweite „synthetisch a posteriori“ und die dritte ist teilweise umstritten und nach Kant „synthetisch a priori“. Wenn nun im folgenden die Rede von „analytisch“ und „synthetisch“ ist, dann sollen damit die beiden erst genannten Kombinationen gemeint sein.
Will man nun das Verhältnis von Analytizität und Synonymie untersuchen, muss man sich zuerst ansehen, was man geläufig unter „analytisch“ versteht.
Analytische Sätze sind Sätze, die schon aus logischen oder semantischen Gründen wahr sind 2 Beispiele für logische Gründe, die a priori wahr sind: p→p
(1)
kein unverheirateter
Mann ist verheiratet
Die Silbe „un“ und das Wort „kein“ stellen eine doppelte Negation dar, die den Wahrheitswert des Satzes „verheirateter Mann ist verheiratet“ somit nicht verändern.
1 Vgl. Baumann, Erkenntnistheorie, S.223
2 a.a.O. S.234
Diese gelten unabhängig von der Erfahrung (a priori), wie auch die semantischen Gründe:
(2) kein Junggeselle ist verheiratet
Die Beispiele 1 und 2 stammen aus Quine`s Aufsatz, der nun das Problem der Charakterisierung der Analytizität nicht in der ersten Klasse (1), den logischen Wahrheiten, sieht, sondern in der Klasse (2), den semantischen Wahrheiten. Die Klasse (2) der anlaytischen Aussagen, die semantisch wahr sind, lassen sich durch Synonymie in die logisch wahre Aussagen Klasse (1) überführen, indem man z.B. für „Junggeselle“ „unverheirateter Mann“ einsetzt, womit man genau den oben angeführten Satz von Klasse (1) erhält.
Quine argumentiert in seinem Aufsatz nicht gleich gegen das Kriterium der Analytizität, nämlich Synonymie, sondern erklärt dieses zuerst ausführlich, um dann jeweils seine Einwände entsprechend der Punkte Definition, Austauschbarkeit und semantische Regel, auf die Synonymie zurückgreift, anbringen zu können.
Ähnlich möchte ich nun auch vorgehen und die drei Punkte kurz vorstellen und d ann jeweils Quine`s Verhältnis dazu erläutern.
Worauf beruht nun aber diese Synonymie und wie kann man diese legitimieren?
1. Definition
Die Überlegung ist, dass Bedeutungsgleichheit, also Synonymie, mit einem Rekurs auf Definitionen erklärt werden kann. Ein erster naheliegender Schritt ist hier der Griff zum Wörterbuch, das per definitionem Aufschluss über den Begriff „Junggeselle“ geben soll. Der Lexikograph, der dieses Wörterbuch geschrieben hat, ist allerdings ein Empiriker, der Tatsachen festhält, die auf dem allgemeinen Sprachgebrauch basieren. Kann man dann eine Definition analytisch nennen?
Eine weitere Art des Definierens ist das, was Carnap „Explikation“ nennt 1 . Hierbei wird keine direkte Synonymie verwendet, um das Definiendum zu benennen, sondern eine verfeinerte Beschreibung der Bedeutung. Jedoch beruft man sich wieder, wenn auch diesmal nicht direkt, auf Synonymie.
Natürlich gibt es auch Definitionen, wie a=b, oder Notationen für Abkürzungen, die man konventionell nennen könnte, die Bedeutungsgleicheit zwar begründen, aber diese nicht erklären, da dabei die Synonymie erst durch die Definition geschaffen wird. Leider sind
1 Quine, two dogmas of empiricism, S.28
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Peter Faulstich, 2002, In welchem Verhältnis stehen für Quine die Begriffe Synonymie und Analytizität?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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