Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Reformpädagogische Tradition des Lernens in altersheterogenen Gruppen 6
3 Altersgemischtes Lernen aus heutiger Sicht 8
3.1 Heutige Schulmodelle zum „Altergemischtes Lernen“ 8
3.1.1 Das Eingangsstufenmodell 8
3.1.2 Das Vierklassen-Modell. 9
3.1.3 Das Reformmodell 9
3.1.4 Das reduzierte Jena-Plan-Modell 10
3.1.5 Das Strukturmodell der Jena-Plan-Schule in Jena 10
3.2 Begründungsfelder für das Lernen in altersgemischten Gruppen 11
3.2.1 Pädagogische Aspekte 11
3.2.2 Didaktische Aspekte 12
3.2.3 Soziale Aspekte 12
3.2.4 Pragmatische Aspekte 13
3.3 Zusammenfassung förderlicher Faktoren 14
4 Fazit 15
5 Quellen 17
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1 Einleitung
„Es gab einmal eine Zeit, da hatten die Tiere eine Schule. Das Curriculum bestand aus Rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen, und alle Tiere wurden in allen Fächern unterrichtet. Die Ente war gut im Schwimmen, besser sogar als der Lehrer. Im Fliegen war sie durchschnittlich, aber im Rennen war sie ein besonders hoffnungsloser Fall. Da sie in diesem Fach so schlechte Noten hatte, musste sie nachsitzen und den Schwimmunterricht ausfallen lassen, um das Rennen zu üben. Das tat sie so lange, bis sie auch im Schwimmen nur noch durchschnittlich war.(…) Der Adler wurde als Problemschüler angesehen (…).Das Eichhörnchen war Klassenbester im Klet- tern,aber sein Fluglehrer ließ seine Flugstunden am Boden beginnen, anstatt vom Baumwipfel herun- ter.(…)Am Ende des Jahres hielt ein abnormaler Aal, der gut schwimmen und etwas rennen, klettern und fliegen konnte, als Schulbester die Schlussansprache.“ (Bönsch 1997, S.233)
Die Aussage der, von Manfred Bönsch verfassten, Fabel „Das Konzept individueller Unterschiede“ ähnelt der heutigen Situation in vielen deutschen Klassenzimmern.
Alle Schüler 1 gleichen Jahrgangs werden zu Klassen zusammengefasst und nach den selben Curricula unterrichtet. Es wird gefordert, dass alle zur selben Zeit die selben Lernziele erreichen.
Als Folge dessen sind schlechte Noten, Schulversagen und Sitzenbleiben zu nennen, deren daraus resultierende Schwierigkeiten Schüler oft ein Leben lang begleiten.
Für Differenzierung und Individualisierung des Unterrichts ist vielerorts kaum Platz in der Stundentafel vorgesehen.
Bildungsstandards legen fest, was die Kinder einer Jahrgangsklasse zum Schuljahresende gelernt haben sollen. Durch einheitliche Tests wird abschließend überprüft, ob alle die vorgeschriebenen Ziele und somit das Klassenziel erreicht haben. Jedoch weisen nicht alle Schüler die selben Lernausgangslagen und Lernvorrausetzungen auf. Deshalb ist jeder, der aus unterschiedlichsten Gründen den Anforderungen nicht entspricht, ein Verlierer dieses Systems.
Es scheint, als ob gerade der Versuch, durch altershomogene Jahrgangsklassen, eine zu große Differenz der Lernausgangslagen von Schülern zu verringern, dieses vorliegende Dilemma noch vergrößert, anstatt eine befriedigende Lösung zu erzielen. Demnach wäre der mögliche Schlüssel zur Lösung dieses Problems, die Schaffung einer Lernumgebung, in der jeder Schüler sein Lerntempo und seine Lernziele selbst bestimmen und verwirklichen kann; in der nicht der Geburtsjahrgang die Zuordnung zu einer bestimmten Gruppe darstellt; in der Kinder unterschiedlichen Alters, aber
1 Um im Folgenden eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten, wurde jeweils nur die männliche Form verwendet.
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gleicher Lernausgangslagen zusammen lernen und forschen können; in der Sitzenbleiben durch verschieden lange Verweildauer in der Lerngruppe unnötig wird,… Was sich hier, beinahe wie eine, nur auf dem Papier konstruierte, Zukunftsvision anhört, ist längst keine Utopie mehr. Es ist vielmehr der, aus reformpädagogischen Strömungen entstandene und bereits erprobte, Grundgedanke funktionierenden Lernens. Eine Vielzahl von Anhängern dieser Idee fordert deshalb seit Jahren vehement und durch erfolgreiche Schulversuche überzeugt, die Einführung von altersgemischten Lerngruppen an allen Schultypen. Ihren Grundsätzen folgend, ist Altersheterogenität die natürliche und notwendige Antwort auf Erkenntnisse und Überzeugungen kindgemäßen Lernens. Kinder lernen ihren Ansichten zufolge vor allem durch das Lernen voneinander und durch gegenseitige Hilfestellungen. Nicht der Geburtsjahrgang gibt die Lerngeschwindigkeit vor. In altergemischten Gruppen bekommt ein Kind die Zeit, die es benötigt, um gewisse Ziele zu erreichen.
Die Idee ist jedoch nicht nur ein Konstrukt überzeugter Reformpädagogen. Auch laut den, 1997 von der Kultusministerkonferenz (KMK), beschlossenen „Empfehlungen zum Schulanfang“ soll die Schuleingangsphase integrativ, d.h. jahrgangs- übergreifend,gestaltet werden.
Aufgrund dieses Beschlusses änderten bereits einige Bundesländer ihre Schulgesetze bezüglich der Einschulung, z.B. Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg und Bremen (vgl. Ellinger/Koch, 2007). Dennoch ist vielerorts nach wie vor die Jahrgangsklasse das vorherrschende System in der deutschen Schullandschaft. Vielleicht lassen sich künftig noch mehrere Bundesländer und Schulen von den Vor- zügendes Konzepts „Altersmischung in Lerngruppen“ überzeugen, um damit weitere natürliche Lernumgebungen entstehen zu lassen, die dann von jedem einzelnen Kind aktiv mitentwickelt und gestaltet werden können und zwar in der von ihm benötigten Zeit und mit den von ihm ausgesuchten Lernpartnern und -materialien.
Im Folgenden soll nun zuerst auf die geschichtliche Einordnung des Lernens in altersgemischten Gruppen eingegangen werden. Im Anschluss gibt es eine Vorstellung konkreter Umsetzungen verschiedener Modelle an einzelnen Schulen in Deutsch-land. Des Weiteren werden Aspekte altersgemischten Lernens aus heutiger Sicht erläutert. Damit wird auch auf die Bedeutung dieser Unterrichtsform eingegangen. Abschließend werden förderliche Faktoren in einer Zusammenfassung anschaulich gemacht.
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2 Reformpädagogische Tradition des Lernens in altersheterogenen Gruppen
Das Unterrichten in jahrgangsübergreifenden Gruppen ist zwar ein, aktuell neu thematisiertes, jedoch aus pädagogischer Sicht, nicht völlig neues, reformpädagogisches Anliegen. Die Grundidee, die hinter dem weiten Feld der Altersmischung im Schulleben steht, ist ein „Lernen durch Verschiedenheit“.
Als bekannteste Begründer und Verfechter dieses Konzeptes sind die Reformpädagogen Berthold Otto, Maria Montessori und Peter Petersen zu nennen. Obwohl sich bei allen z. T. völlig unterschiedliche Begründungen für das Lernen in jahrgangsgemischten Gruppen finden, besteht ihr zentraler pädagogischer Gedanke darin, durch altergemischte Lerngruppen die Differenz zwischen den Kindern als Mo-tor für soziales und sachbezogenes Lernen zu nutzen.
Hauptanliegen aller war es demnach, herauszustellen, dass Heterogenität vor allem lernfördernd sei und nicht, wie lange Zeit angenommen wurde, möglichst durch die Bildung von Jahrgangsklassen verhindert werden muss.
Berthold Ottos (1859-1933) Idee war es, eine Art „Gesamtunterricht“ einzuführen, an dem alle Schüler einer Schule teilnehmen. Sein Ziel war es, trotz einer immensen Altersspanne der Kinder und Jugendlichen von bis zu 12 Jahren, gemeinschaftliche Diskussionen über Probleme oder gar philosophische Themenstellungen anzuregen, so dass jeder daraus etwas für seine eigene Entwicklung und sein Lernen mitnehmen kann. Dazu wendet er die „natürliche Methode“ an, die an die familiäre Lebens- situationder Kinder anknüpft und sich ähnlich gestaltet wie der Austausch zwischen Kindern (auch Geschwistern untereinander) und Eltern (vgl. Laging, 1995/2007).
Maria Montessori (1870-1952) war der Überzeugung, dass Lernen am günstigsten in Gruppen stattfinden kann, die drei Altersjahrgänge umfassen. Ihr war es in erster Linie wichtig, ein „Band des sozialen Lernens“ zwischen den Kindern herzustellen, in dem gegenseitige Hilfe eine zentrale Rolle einnimmt:
„Kinder verschiedenen Alters (helfen sich) untereinander (…); die Kleinen sehen, was die Größeren tun und bitten sie um Erklärungen, die diese ihnen gerne geben“ (Mon- tessori1973, 203).
Durch die Altersmischung wird ganz von selbst, gewollt differenziert und individualisiert. Jedes Kind bekommt seine eigenen Aufgaben, die den Prinzipien der freien
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Arbeit zitieren:
Vanessa Söllner-Kohler, 2010, Unterricht in jahrgangsgemischten Lerngruppen, München, GRIN Verlag GmbH
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