hier Anreize, wie beispielsweise der Erhalt seines Arbeitsplatzes oder der schnelle Karriereaufstieg in Aussicht gestellt, um mögliche moralische Bedenken seinerseits auszuräumen. Das Unternehmen, als organisierte Institution hat folglich durch die Ausübung von Druck und der damit einhergehenden Steuerung des Mitarbeiterverhaltenes eine hervorgehobene Machtposition, sowohl gegenüber dem Menschen als Person als auch gegenüber der Umwelt. Arbeitsplätze können durch Unternehmen geschaffen, aber ebenso vernichtet werden. Somit hängt der wirtschaftliche Wohlstand ganzer Regionen von dem Verhalten großer Unternehmen ab. Daher ist es unabdingbar, dass Entscheidungen, wie jene der Standortverlagerung ins Ausland, einer differenzierteren moralisch-ethischen Beurteilung und Prüfung unterliegen. 2
Die Unternehmen befinden sich durch diese Machtposition in einer gesellschaftspolitischen Verantwortung und ihnen wird demzufolge ein bedeutungsvoller Gestaltungsauftrag zugerechnet. Das heißt, dass die Unternehmen nicht nur für eine faire Behandlung ihrer Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten im Sinner der Individualethik Verantwortung tragen, sondern ebenfalls in gesamtpolitischer Verantwortung stehen. 3
Im anschließenden Gliederungspunkt wird eine Definition der Begriffe Individualethik und der damit einhergehenden Verantwortung vorgenommen, um im Folgenden auf der Grundlage dieser Ergebnisse, den Einfluss dieser Prinzipien auf die Kultivierung einer Unternehmensethik herausstellen zu können.
Die Begriffe der Individualethik und der Verantwortung
Die Individualethik erörtert die persönliche Verantwortung der einzelnen Person. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht hier „Handlungen, Handlungsmotive, Einstellungen und Haltungen individueller Personen moralisch zu beurteilen bzw. zu normieren. Dabei ist vorausgesetzt, daß es in unserer Macht liegt und von uns persönlich abhängt, ob wir im Handeln das betreffende Handlungsmotiv realisieren bzw. ob wir uns die betreffende Einstellung oder Haltung aneignen.“ 4 Die moralischen Basiskriterien
2 Vgl. Petersen, Thomas, Unternehmensethik und Verantwortung; In: Beschorner/Schmidt (Hrsg.): Unternehmerische Verantwortung in Zeiten kulturellen Wandels. Schriftenreihe für Wirtschafts-
und Unternehmensethik 15(2006), 81-83.
3 Vgl. Wieland, Josef, Die Ethik der Governance, Marburg 1999, 18.
4 Anzenbacher, Arno, Christliche Sozialethik. Einführung und Prinzipien, Paderborn 1997, 15.
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werden auf die persönliche Verantwortung, auf die individuell zurechenbare Praxis sowie auf die Handlungsmotivation und -haltung bezogen. Die Schlagworte: „Gut“ und „Böse“ versinnbildlichen im anschließenden Schritt die Kategorien der moralischethischen Beurteilungsgrundlage. 5
Der Begriff der Verantwortung bedeutet Rechtfertigung. 6 Wer verantwortlich ist, muss nicht nur Rechenschaft über das eigene Handeln abgeben, sondern kann darüber hinaus auch selbst zur Rechenschaft gezogen werden. Er haftet folglich für die Folgen seines Tuns auf der Grundlage einer moralisch-ethischen Prüfung. Verantwortung umschließt die beiden Begriffe der Handlungsfreiheit und der Macht. Macht meint in diesem Zusammenhang die Fähigkeit, grundlegende Absichten im gesellschaftlichen Umfeld umzusetzen und somit, die Umwelt in einem hohen Maße mitzubestimmen. 7 Aus diesen Überlegungen heraus kann man nur für jenes Handeln Verantwortung übernehmen, welches aus der Freiwilligkeit entsprungen und dem eigenen Machtbereich zuzurechnen ist. Die Grenzen der Freiheit und der Macht symbolisieren infolgedessen die Schranken des menschlichen Verantwortungsbereichs. 8 Hier stellt sich allerdings die Frage nach der Definition von Handlungsfreiheit. Nach Aristoteles existieren zwei fundamentale Merkmale: Einerseits ist dies das zwanglose, von Freiwilligkeit geprägte Tun, andererseits ist die Kenntnis hinsichtlich der Handlung selbst vorauszusetzen. 9
Der Verantwortungsbegriff ist demnach mit einer doppelten Bedeutungsebene ausgestattet. „Verantwortung haben“ resultiert aus dem Handeln nach dem freien Willen. Dies impliziert jedoch noch nicht den moralischen Einfluss. Erst die Tatsache, dass sich dieses Handeln unweigerlich auf die Mitmenschen und auf die Umwelt auswirkt, fordert die unbedingte moralisch-ethische Prüfung der jeweiligen Handlungsintention. Die Sorge und Vorsorge jemanden nicht zu schädigen, als die negative Verantwortung, sowie die Pflicht vorausschauend für das Wohl seiner Umwelt
5 Vgl. Anzenbacher, Arno, Christliche Sozialethik. Einführung und Prinzipien, Paderborn 1997, 11-19.
6 Vgl. Heidbrink, Ludger, Kritik der Verantwortung. Zu den Grenzen verantwortlichen Handelns in komplexen Kontexten, Weilerswist 2003, 60.
7 Vgl. Jonas, Hans, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt am Main 1979, 174.
8 Vgl. Petersen, Thomas, Faber, Malte, Verantwortung und das Problem der Kuppelproduktion. Reflexionen über die Grundlagen der Umweltpolitik; In: Zeitschrift für Politikwissenschaft
1/2005, 37.
9 Vgl. Aristoteles, Die Nikomachische Ethik, München 1972, 99-103.
3
zu sorgen, als die positive Verantwortung, stellen gegenwärtig die essentiellen Grundelemente des menschlichen Zusammenlebens dar. 10 Demzufolge kann man den Verantwortungsbegriff auch danach unterscheiden, ob ein Individuum Verantwortung trägt oder ein Kollektiv, welches wiederum seine Macht und seine Verantwortung auf Individuen übertragen kann. 11
In den folgenden Betrachtungen wird die bereits erörterte Individualethik, also die Verantwortung des Individuums hinsichtlich seines Einflusses auf die Etablierung einer spezifischen Unternehmensethik, in den Vordergrund der Betrachtungen gerückt. Im Speziellen wird der Verantwortungsbegriff bezüglich des Problems der Komplexität und den damit einhergehenden Grenzen einer ethisch-moralischen Grundlegung erörtert. Die rechtliche Verantwortung des Individuums, dessen Einhaltung die Gesetzgebung kontrolliert, wird als gegeben vorausgesetzt. Die kollektive Verantwortung findet in den nachfolgenden Kapiteln hinsichtlich ihrer Bedeutung auf die Kultivierung einer Unternehmensethik eine eingehende Darstellung. 12
Die Grenzen der Verantwortung und das Problem der Komplexität Eine Handlung entspricht dann dem ethischen Normverständnis, wenn ihre zugrunde liegende Absicht mit den moralischen Wertvorstellungen vereinbar erscheint und auf eine aufrichtige Art verfolgt wird. Der gute Wille ist bei der Beurteilung der Handlung nach ihrer Sittenhaftigkeit von entscheidender Bedeutung. „Wenn [...] es diesem Willen gänzlich an Vermögen fehlete, seine Absicht durchzusetzen; wenn bei seiner größten Bestrebung dennoch nichts von ihm ausgerichtet würde, und nur der gute Wille [...] übrig bliebe: so würde er wie ein Juwel doch für sich selbst glänzen, als etwas, das seinen vollen Wert in sich selbst hat.“ 13 Die moralisch-ethische Verantwortung des im eigenen Namen handelnden Individuums findet folglich in diesem Zusammenhang seine Grenzen. So kann beispielsweise niemand für die Menschheit oder gar die ganze Welt ein unbegrenztes Maß an
10 Vgl. Jonas, Hans, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt am Main 1979, 179.
11 Vgl. Petersen, Thomas, Unternehmensethik und Verantwortung; In: Beschorner/Schmidt (Hrsg.): Unternehmerische Verantwortung in Zeiten kulturellen Wandels. Schriftenreihe für Wirtschafts-
und Unternehmensethik 15(2006), 79-81.
12 Vgl. Wieland, Wolfgang, Verantwortung - Prinzip der Ethik ? Heidelberg 1999, 26.
13 Kant, Immanuel, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, in: Weischedel (Hrsg.): Immanuel Kant, Werke in sechs Bänden, Band IV, Darmstadt 1983, 19.
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Arbeit zitieren:
Susanne Lossi, 2011, Unternehmensethik: Das Unternehmen und seine Verantwortung, München, GRIN Verlag GmbH
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