Gliederung
1. Das Deutsche Reich 1871 und die Notwendigkeit einer Münzreform 3-5
2. Das Deutsche Reich und die Einführung der Goldmark 5-14
2.1. Die Begrifflichkeit der Goldwährung 7
2.2. Die Internationale Entwicklung hin zu Goldwährungen 8-9
2.2.1. Das Währungssystem in Großbritannien 8
2.2.2. Das Währungssystem in Frankreich 9
2.3. Warum die Mark, warum nicht der Gulden oder der Franc? 10-11
2.4. „Die Väter der Mark“ 12-14
2.4.1. Ludwig Bamberger 12-13
2.4.2. Adolf Soetbeer 13
2.4.3. Otto Michaelis 14
2.5. Die Voraussetzungen der Einführung 15-17
2.5.1. Die Entwicklungen auf dem Edelmetallmarkt 15-16
2.5.2. Die Nationalen Einflussfaktoren 16-17
2.6. Der „lange Weg“ zur Mark 18-20
2.7. Der Goldautomatismus 20-21
3. Die Reform des deutschen Münzwesens im Spannungsfeld von 22-23
Politik und Wirtschaft
4. Literaturverzeichnis 24
2
1. Das Deutsche Reich 1871 und die Notwendigkeit einer
Münzreform
„Ich habe hier ein sogenanntes Bordereau, d.h. die spezifizierte Aufstellung von Geldsorten, womit ein Handeltreibender eine seinem Bankier überschickte Sendung begleitet. Das Bordereau, welches ich Ihnen vorzeige, lautet über 15834 Gulden und datiert vom 19. Dezember 1869; es ist eine Zahlung, hervorgegangen aus Pacht- und Kaufzielen der Bauern, aus verkauftem Weizen, Gerste, Hülsenfrüchten und dergleichen Abtragungen, die aus den einzelnen umliegenden kleinen Dörfern in diese kleine Landschaft gebracht und durch Vermittlungen eines Handeltreibenden einklassiert werden. Was aus den Taschen der Bauern zusammengeflossen ist, ist folgendes: Die Summe von 15.834 Gulden bestand aus Doppelthalern, Kronenthalern, 2 1/2-
Guldenstücken, 2-Guldenstücken, 1-Guldenstücken, 1/2-Guldenstücken, 1/3-, 1/6-, 1/12-Thaler, 5-Franken, 2-Franken, 1-Franken; dann kommt das Gold: Pistolen, doppelte und einfache Friedrichsd’ors, 1/2-Sovereigns, russischen Imperials, Dollars, Napoleons, holländischen Wilhelmsd’or, österreichische und württembergische Dukaten, hessische 10-Guldenstücke und endlich noch ein Stück dänisches Gold.“ 1
Diese Aussage stammt vom finanzpolitischen Berater Bismarcks und Vorkämpfer des Freihandels Ludwig Bamberger. Er thematisiert in diesem Auszug seiner berühmten Rede, welche er am 5. Mai 1870 vor dem deutschen Zollparlament hielt, die prekäre währungspolitische Lage innerhalb des Deutschen Reiches im Jahr 1870 und die daraus resultierende Notwendigkeit einer Vereinheitlichung des deutschen Münzsystems. Die Problematik, die in diesem Zusammenhang aufgeworfen wird, ist nicht nur die Suche nach den historischen Voraussetzungen der im Jahr 1871 beginnenden Münzreform, sondern ebenfalls die Darstellung der währungspolitischen Motive einer Abschaffung der bestehenden Silberwährung und der Einführung der Goldwährung.
1 Bamberger, Ludwig: Rede über die deutsche Münzeinheit (gehalten im Zollparlament am 5.
Mai 1870), in: Bamberger, Reden und Aufsätze über Geld- und Bankwesen, S. 184-192.
3
Die folgende Arbeit beschäftigt sich auf der Grundlage dieser Überlegungen mit der Fragestellung: „Warum führte das Deutsche Reich im Jahr 1871 die Goldwährung ein?“
Der Hauptteil dieses Aufsatzes fokussiert sich auf die Darstellung der Ursächlichkeiten der Einführung einer Goldwährung innerhalb des Deutschen Reiches im Jahr 1871. Um jedoch eine zufrieden stellende Antwort auf diese Problematik ist erhalten, muss zuvor auf die Begrifflichkeit der Goldwährung und auf die internationale Entwicklung hin zu einer Ausbreitung von Goldwährungen detailliert eingegangen werden. Nachfolgend liegt die schwerpunktmäßige Betrachtung auf den politischen Diskussionen und Auseinandersetzungen hinsichtlich der Bezeichnung des neuen
Währungssystems, um auf dieser Basis die Lebensgeschichten und politischen Karrieren von drei bedeutenden Vertretern einer Vereinheitlichung des deutschen Münzwesens genauer darstellen zu können. Im Anschluss werden die historischen Daten der Währungsreform und die währungspolitischen Voraussetzungen, sowohl in Abhängigkeit von internationalen als auch von nationalen Gegebenheiten, bezüglich des Wechsels einer Silber- auf eine Goldwährung in Deutschland differenziert diskutiert. Abschließend wird der Einfluss des Goldautomatismus auf die Einführung der Goldmark im Jahr 1871 aufgegriffen und beurteilt. Mit dieser Erörterung ist die Grundlage für eine kritische Beantwortung der Fragestellung nach den Kausalitäten der Einführung einer Goldwährung im Deutschen Reich geschaffen. Auf Grund der Komplexität der aufgeführten Thematik beschränkt sich diese Arbeit auf die Darstellung der Entwicklungsgeschichte des Münzwesens innerhalb des Deutschen Reiches. Die Entstehung des Papiergeldwesens tritt lediglich im Hinblick seines Einflusses auf die Reform des Münzsystems in den Vordergrund der Betrachtung. Eine spezielle Erläuterung oder eine explizite Erwähnung dieses Teilgebietes der Währungsneugestaltung wird jedoch nicht vorgenommen.
Um der aufgezeigten Fragestellung gerecht zu werden, ist sowohl eine vielschichtige, als auch breit gefächerte Primär- und Sekundärliteratur erforderlich. Im Besonderen findet hier das Werk von Bernd Sprenger:
4
„Währungswesen und Währungspolitik in Deutschland von 1834 bis 1875“, in welchem der Autor die Entwicklung des deutschen Münzwesens im 19. Jahrhundert charakterisiert, Beachtung. Die Primärliteraturangabe wird sowohl durch die Schrift von Michael North: „Das Geld und seine Geschichte“, als auch durch die Ausgabe des Geldmuseums der Deutschen Bundesbank: „Währungen im Übergang, Die Einführung der Mark 1871-1876“, vervollkommnet.
Die methodische Grundlage für die Anfertigung dieser Arbeit ist die Textanalyse dieser Schriften. Die aufgeführte Sekundärliteratur dient lediglich dem Quellenachweis und stellt eine fächerübergreifende Ergänzung im Hinblick auf die Bearbeitung der aufgeführten Thematik dar.
5
2. Das Deutsche Reich und die Einführung der Goldmark
Bis zu dem Beginn des 19. Jahrhunderts hatten im Alten Reich über 100 Territorien Münzen geprägt. Da für jede dieser Münzsorten der Kurs einzeln bestimmt werden musste, führte diese währungspolitische Situation in den deutschen Territorien zu zahlreichen Konfrontationen und
Auseinandersetzungen, hinsichtlich der nicht einheitlich definierten Umrechnungsfaktoren und der Akzeptanz von „norddeutschen Münzen“ in südlichen Gebieten bzw. von „süddeutschen Münzen“ in nördlichen Bereichen. 2 Die Staaten des Deutschen Bundes wurden von der Silberwährung, mit den für das Alte Reich charakteristischen regional zersplitterten Währungssystemen regiert. 3 Trotz Inkrafttreten des Deutschen Zollvereins am 1. Januar 1834 und der damit verbundenen Einführung eines einheitlichen Münz-, Maß- und Gewichtssystems 4 existierten in den Territorien des Deutschen Bundes immer noch ein Dutzend Münz- bzw. Rechnungssysteme. 5 Daneben nutzten Kaufleute in den großen Städten wie Augsburg, Nürnberg und Frankfurt besondere Rechnungsarten. So besaß beispielsweise die Hamburger Giro-Bank eine eigenständige Währung: die Mark „Banco“. 6 Obwohl die Münzverträge von 1837, 1838 und 1857 erhebliche Fortschritte hinsichtlich einer Währungsvereinheitlichung mit sich brachten, bestanden bis zur Reichsgründung 1871 dennoch vier unterschiedliche Währungen mit sieben verschiedenen Münzsystemen. Sowohl das historische Umfeld als auch die politische Situation Deutschlands in den 1860/70er Jahren versinnbildlichten somit die Notwendigkeit einer umfassenden Währungsreform. 7
2 Geldmuseum der Deutschen Bundesbank: Währungen im Übergang, Die Einführung der
Mark 1871-1876 in aktueller Perspektive, Frankfurt/M. 2001, S. 9.
3 Sprenger, Bernd: Währungswesen und Währungspolitik in Deutschland von 1834 bis 1875,
Köln 1981, S. 37-41.
4 North, Michael: Das Geld und seine Geschichte, München 1994, S. 144.
5 Geldmuseum der Deutschen Bundesbank: Währungen im Übergang, Die Einführung der
Mark 1871-1876 in aktueller Perspektive, Frankfurt/M. 2001, S. 8.
6 Bayerische Akademie der Wissenschaften: Der lange Weg zur Mark, München 2002, S. 6-
7.
7 Sprenger, Bernd: Währungswesen und Währungspolitik in Deutschland von 1834 bis 1875,
Köln 1981, S. 54-56.
6
Arbeit zitieren:
Susanne Lossi, 2009, Staat und Geld - Warum führte das Deutsche Reich im Jahr 1871 die Goldwährung ein?, München, GRIN Verlag GmbH
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