Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ( S.1)
2. „Das doppelte Lottchen“ - ein Erfolgsmodell ? (S. 1)
3. Werkimmanente und äußere Erfolgsfaktoren (S. 3)
3.1. Der Autor und sein Werk - ein Erfolgsautor garantiert weitere Bestseller? (S.3)
3.2. Die Geschichte - eine Handlung mit Klassikerpotenzial? (S. 4)
3.3. Der Stil - gut erzählt wird belohnt? (S. 6)
3.4. Das Wechselspiel von Illustrationen und Erzählung (S. 9)
3.5. Erfolgsfaktor Zeitgeist - wurde er von Kästner im „doppelten Lottchen“
getroffen ? (S. 10)
4. Fazit (S. 12)
Anhang :
Bibliographie
Erich Kästner ist einer der bekanntesten deutschen Schriftsteller, sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Verse von ihm wie beispielsweise „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ sind quasi sprichwörtlich geworden, zu Jahres- und Todestagen finden sich in allen großen Zeitungen Nachrufe und Kommentare zu seinem Werk. Kästner ist einer der „großen“ Kinderbuchautoren, die Verkaufszahlen seiner Romane für Kinder übersteigen die Verkaufszahlen seiner anderen Werke bei weitem. 1 Darüber hinaus ist bezeichnend, dass seine Kinderromane im Gegensatz zu seiner Literatur, die dezidiert Erwachsenen zugesprochen wird, vielfach übersetzt worden sind. 2
Dennoch scheint Kästner heute immer mehr zu verschwinden. Als das ZDF im November 2003 die „100 größten Deutschen“ in der Sendereihe „Unsere Besten“ suchte, landetet Kästner erst auf Platz 111. Als im Rahmen der gleichen Sendereihe im Oktober 2004 die „100 Lieblingsbücher der Deutschen“ gesucht worden sind, tauchten zwar viele Kinderbücher - von Joanne K. Rowlings „Harry Potter“ über Michael Endes „Momo“ bis hin zu Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“-, nicht jedoch Kästner auf. 3 Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich nicht klären, wie es um Kästners Stand als heutiger Bestseller-Autor bestellt ist, sondern mich speziell einem seiner Romane für Kinder, dem „doppelten Lottchen“ 4 (DL) widmen. Bewusst sind auch die Vorformen des Romans vernachlässigt worden, da mein Hauptaugenmerk auf der Begründung des Erfolges des erschienen Romans liegt. Es ist nicht das Ziel, den Roman zu analysieren, sondern ich möchte „Das doppelte Lottchen“ in den Kontext des Seminars einordnen. Dazu möchte ich zunächst die Frage klären, ob man bei dem DL überhaupt von einem Erfolgsmodell sprechen kann und wenn dem so ist, worin dieser mögliche Erfolg begründet liegt. Hierbei werde ich versuchen, auch dauerhafte und für heute gültige Erfolgsfaktoren zu finden.
Erich Kästner schrieb 1942 ein Filmtreatment „Das große Geheimnis“, jedoch während des Nationalsozialismus immer wieder mit Schreibverboten behängt, konnte dies nicht
1 Pressemappe Erich Kästner. Atrium Verlag. Cecilie Dressler Verlag. S.33. [kurz: Pressemappe]
2 Bettina Kümmerling-Meibauer: Kinderliteratur, Kanonbildung und literarische Wertung. Stuttgart. Weimar 2003. S.263. [kurz: Bettina Kümmerling-Meibauer]
3 Siehe http://unserebesten.zdf.de/ZDFde/inhalt/7/0,1872,2181735,00.html?dr=1 [letzter Zugriff am 30.03.2009]
4 Erich Kästner: Das Doppelte Lottchen. Hamburg. Zürich. 146. Aufl. 1995. [kurz: Das Doppelte Lottchen]
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veröffentlicht werden. Erst 1949 erschien es dann in umgearbeiteter Form als „Das doppelte Lottchen“. 5 Neben „Emil und die Detektive“ gehört das DL zu den erfolgreichsten Kinderbüchern Kästners. Es ist bereits in der 156. Auflage erschienen und wurde bis heute 2,2 Millionen Mal allein Deutschland verkauft 6 . Dabei ist diese Anzahl nicht zu unterschätzen. Romane, die speziell für Kinder verlegt werden, haben eine stark eingegrenzte Zielgruppe, werden häufig von Generation zu Generation weitergegeben und weiter verschenkt. 7 Darüber hinaus ist festzustellen, dass das DL anders als andere Kinderbücher auch im internationalen Vergleich in seinen Verkaufszahlen nicht stagniert. Ist beispielsweise ein Großteil der kästnerschen Kinderbücher seit Anfang der 1980er Jahren in den USA vergriffen, ist der Roman „Lisa and Lottie“ noch immer gut erhältlich. 8
Nicht jedoch nur die Verkaufzahlen sprechen für den Erfolg des DL, auch die Vielzahl an Übersetzungen. 1962 zählte Gustav Sichelschmid bereits 30 Übersetzungen 9 , inzwischen sind es mehr als 40 Sprachen geworden, teils auch in mehreren Übersetzungen. 10 Beutler vertritt hier die These, dass insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur aufwendige und kostenintensive Übersetzungen häufig nur dann sinnvoll, erscheinen, wenn es sich um ein literarisch bedeutendes Werk handle. 11 Dazu kommt sicherlich der Aspekt, dass sich Übersetzungen vor allem dann für einen Verlag lohnen, wenn er einen kommerziellen Erfolg erwarten kann.
Darüber hinaus wurde das DL mehrfach, zu meist recht erfolgreich, verfilmt und medial adaptiert: zu nennen sind hier beispielsweise der Spielfilm, „Das Doppelte Lottchen“ 12 von 1950, zu dem Erich Kästner das Drehbuch schrieb, 1961 die Disney-Verfilmung „The parent trap“ 13 , 1994 „Charlie & Louise - Das Doppelte Lottchen“ 14 , 1998 das Disney-Remake „The
5 Vgl. Esther Steck-Meier: Erich Kästner als Kinderbuchautor: eine erzähltheoretische Analyse. Bern; Berlin; Frankfurt a.M.; New York; Paris; Wien. 1999. S.292. [kurz: Esther Steck-Meier]
6 Pressemappe, S.33
7 Vgl. Heidi Lexe: Pippi, Pan und Potter. Wien 2003. S.41. [kurz: Heidi Lexe]
8 John Daniel Stahl: Einfluß und Rezeption der Kinderbücher Erich Kästners in den USA. S.317. In: Hans-Heino Ewers/ Bernd Dolle-Weinkauff (Hrsg.): Erich Kästners weltweite Wirkung als Kinderschriftsteller: Studien zur internationalen Rezeption des kinderliterarischen Werks. Frankfurt a.M.; Berlin; Bern; Bruxelles; New York; Oxford; Wien; Lang. 2002. [kurz Hans-Heino Ewers/ Bernd Dolle-Weinkauff]
9 Vgl. Kurt Beutler: Erich Kästner. Eine literaturpädagogische Untersuchung. Weinheim; Berlin. 1967. S.160. [kurz: Kurt Beutler]
10 Vgl. Emer O´Sullivan: Erich und die Übersetzer. Eine komparatistische Analyse der Übersetzungen von Kästners Kinderromanen. S.84. In: Hans-Heino Ewers/ Bernd Dolle-Weinkauff.
11 Vgl. Kurt Beutler, S.159.
12 Regie: Josef von Báky. 1950.
13 Regie: David Swift. 1961.
14 Regie: Joseph Vilsmaier.1994.
3
parent trap“ 15 , 2004 der Fernsehfilm „Ein Zwilling ist nicht genug“ 16 und zuletzt der 2007 erschienene Animationsfilm „Das Doppelte Lottchen“ 17 . Ein Großteil der Verfilmungen sind prominent besetzt, beispielsweise das Disney-Remake von 1998, haben ihren Darstellerinnen zu meist zu weitergehendem Erfolg verholfen, beispielsweise die ersten Zwillinge Jutta und Isa Günther, aber auch Lindsay Lohan in dem Disney-Remake von 1998, und sind vielfach mit Preisen ausgezeichnet und somit eine breite Rezeption erfahren. Schon für die erste Verfilmung, mit Erich Kästner als Erzähler und Drehbuchautor, erhielt dieser den Bundesfilmpreis. Die Adaptionsfähigkeit des Stoffes über Jahrzehnte hinweg auf ganz unterschiedliche Art sprechen dafür, dass das DL nicht nur ein Erfolgsroman, sondern auch ein Erfolgsmodell ist. Die möglichen Gründe und Faktoren, in denen der Erfolg begründet liegt, gilt es im nächsten Abschnitt zu untersuchen.
Erich Kästner (1899-1874) war 1949 beim Erscheinen des DL bereits ein bekannter Autor. Bereits 1922 ist Kästner bei der „Neuen Leipziger Zeitung“ angestellt und kann dort erste Artikel und Gedichte veröffentlichen. 1928 erscheint sein erster Gedichtband „Herz auf Taille“. Berühmt wird er dann jedoch erst 1929 durch „Emil und die Detektive“. Es folgen weitere Gedichtbände, Romane und vor allem weitere Kinderbücher: 1931 „Pünktchen und Anton“, 1932 „Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee“, im selben Jahr „Das verhexte Telefon“ und 1933 „Das fliegende Klassenzimmer“. Mit diesen kann Erich Kästner seinen Status als erfolgreicher Kinderbuchautor untermauern. Trotz der Verbrennung seiner Bücher unter den Nationalsozialisten und verschiedenster Schreibverbote ist er auch während der Zeit der Nationalsozialisten als Schriftsteller und Drehbuchautor tätig.
Nach 1945 engagiert er sich vor allem für junge Menschen. Neben seiner Tätigkeit als „leitender Redakteur des Feuilletons“ der „Neuen Zeitung“, gibt ab 1946 die Jugendzeitschrift „Pinguin“ vom Rowohlt- Verlag mit heraus, zeigt großes Engagement, um das Jugendtheater in Deutschland zu etablieren und arbeitet an der Gründung einer „Internationalen Jugendbibliothek“ mit. 18 Kästner hatte zur Zeit des Erscheinens des Doppelten Lottchens
15 Regie: Nancy Meyers. 1998.
16 Regie: Brigitte Müller. 2004.
17 Regie: Michael Schaack und Toby Genkel. 2007.
18 Klaus Doderer: Erich Kästner. Lebensphasen-politisches Engagement - literarisches Wirken. Weinheim und München 2002. S.178. [kurz: Klaus Doderer]
Arbeit zitieren:
Ariane Giesler, 2009, "Das doppelte Lottchen" - ein ausgedientes Erfolgsmodell?, München, GRIN Verlag GmbH
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