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Inhaltsverzeichnis
I. Einführung 3
II. Die Rites de Passage von Arnold van Gennep 4
III. Déodats Suche als Rite de Passage 5
1. „Déodat ou la Transparence“ im inhaltlichen Überblick 5
2. Die Entwicklung des Protagonisten anhand der Rites de Passage
2.1. Ablösungsphase 8
2.2. Schwellenphase 9
2.3. Integrationsphase 10
3. Déodats „enquête“ - eine „quête du Graal“? 12
IV. Fazit 13
V. Literaturangaben 14
1. Primärliteratur 14
2. Sekundärliteratur 14
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I. Einführung
Gerade heute, am Beginn des 21. Jahrhunderts ein neuer „Hype“ um das Mittelalter zu vermachen. Dies zeigt sich vor allem in der ständigen indirekten Präsenz dieser Epoche der Menschheitsgeschichte in den Medien. Beispiele hierfür sind die ganzjährige Veranstaltung von Mittelalterfestivals wie Ritterfestspiele, bei denen Personen in die Rollen mittelalterlicher Helden schlüpfen und ihren Kampf um Gut und Böse und die wahre Liebe vor mittelalterbegeistertem Publikum austragen. Auch Mittelaltermärkte, auf denen spezielle, augenscheinlich mittelalterliche Produkte wie Kostüme oder Geschenkartikel anboten werden, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Dabei tritt das humanistische Mittelalterverständnis des „dunklen Mittelalters“ völlig in den Hintergrund und es tritt eher der romantische Begriff vom Ideal der tugendhaften Ritter, ihrem Kampf gegen das „Böse“ und dem Wunsch nach der Gunst der höfischen Damen in den Vordergrund.
Direkt in den Medien vertreten sind stets vor allem die filmischen Rezeptionen mittelalterlichen Stoffes, sei es Robin Hood in seinem Kampf für die Armen und gegen die Ausbeutung durch die Aristokraten oder der schon so oft rezipierte Stoff der Matière de Bretagne, genauer gesagt die Mythen rund um den sagenumwobenen König Artus und die Ritter der Tafelrunde.
Auch in der zeitgenössischen Literatur erlebt das Mittelalter einen Aufschwung, was sich in Romanen wie „Merlin“ von Michel Rio oder „Déodat ou la Transparence“ von Michel Zink zeigt, zwei französische Autoren, die den traditionellen Mittelalterstoff auf einer völlig neuen Ebene bearbeiten und rezipieren.
So schafft Michel Rio mit seiner Artus-Trilogie „Merlin“ (1989), „Morgane“ (1999) und „Arthur“ (2001) eine völlig neue Wirklichkeit, denn er erschafft durch seine detailgetreue, beinahe wissenschaftliche Darstellungsweise der Ereignisse am Artushof und des Artushof selbst einen völlig neuen Blick auf die Sagen rund um König Artus. Michel Rio hat hierbei den Anspruch, die lückenhaft überlieferten Sagen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus dem 20., beziehungsweise 21. Jahrhundert zu füllen und damit für die „übernatürlichen“ Ereignisse am Artushof Erklärungen zu finden. Bei dieser Verbindung aus mythischem Stoff und heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen steht aber in erster Linie der Zugang des Autors zum modernen Leser des 21. Jahrhunderts im Vordergrund, weshalb Michel Rio mit seiner Roman-Trilogie letztlich auch keinerlei Wahrheitsanspruch verfolgt. Der eigentliche Schwerpunkt dieser Hausarbeit wird aber auf dem Roman „Déodat ou la Transparence. Un Roman de Graal.“ von Michel Zink liegen. Dieser recht neue Roman hat im
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Gegensatz zur Artus-Trilogie Rios einen völlig anderen Blick auf die Ereignisse rund um den Artushof. Hier wird aus der Sicht des jungen Déodat eine systematische Entmythisierung der Ideale des Rittertums betrieben, die in der Desillusionierung des jungen Déodats endet. Weiterhin hat der Roman durch die „Zergliederung“ der Gedanken Déodats eine psychoanalytische Note.
Kern dieser Hausarbeit ist aber speziell die Entwicklung des Protangonisten im Verlaufe des Romans, die in Beziehung zum Konzept der Übergangsriten von Arnold van Gennep, einem französischen Anthropologen des frühen 20. Jahrhunderts gesetzt werden kann. Im Einzelnen bedeutet dies die Einteilung der Entwicklung Déodats in drei Stufen, die sogenannten Übergangsriten oder Rites de Passages. Obwohl diese Phasen der Integration in eine Gesellschaft von van Gennep vor allem auf Naturvölker bezogen werden können, fällt auch die Bezugsmöglichkeit auf die im Roman beschriebenen Entwicklungsstufen des Protagonisten Déodat auf.
Zum Ende der Hausarbeit wird noch auf die Fragestellung eingegangen, inwiefern der Roman mit Hilfe des Untertitels „Un roman de Graal“ eine ‚Gralssuche‘ Déodats beschreibt, beziehungsweise herausstellt.
Zuletzt wird angemerkt, dass sich diese Hausarbeit in erster Linie mit dem Primärtext, das heißt direkt mit dem Roman beschäftigt, da Sekundärliteratur zum Roman bis zum heutigen Tage kaum veröffentlicht wurde und damit kaum verfügbar ist.
II. Die Rites de Passage von Arnold van Gennep
Die Übergangsriten oder Rites de Passages sind ein ethnologisches Konzept des französischen Anthropologen Arnold van Gennep, der dieses erstmalig 1909 veröffentlichte. Van Genneps Konzept basiert auf seinen Beobachtungen, dass vor allem bei Naturvölkern verschiedene „Phasen“ der Entwicklung auf dem Weg zur erfolgreichen Integration in die Erwachsenenwelt durchlebt werden. Kennzeichen für den Aufstieg in die nächsthöhere Phase sind dabei verschiedene Riten, die sogenannten Übergangsriten, das heißt Zwischenphasen, zum Beispiel zwischen Jugend- und Erwachsenenalter. Dabei unterscheidet van Gennep vor allem zwischen dem „Zivilisationsgrad“ 1 von Gesellschaften, denn je weniger eine Gesellschaft zivilisiert ist, desto schärfer grenzen sich diese Phasen der Entwicklung und Integration voneinander ab (Gennep, Arnold van (2005) S. 13). So müssen laut van Gennep
1 Vgl. Gennep, Arnold van: Übergangsriten. (Les rites de passage). Übersetzt von Klaus Schomburg und Sylvia
M. Schomburg-Scherff. Mit einem Nachwort v. Sylvia M. Schomburg-Scherff. Campus Verlag 2005, S. 13.
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„bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein“ um in eine höhere Phase überzuwechseln. Dieses Überwechseln wird von bestimmten „Handlungen besonderer Art“ (ebd. S.14), Zeremonien, begleitet, die mit jeder neuen Phase vollzogen werden. In modernen, industrialisierten Gesellschaften kann das zum Beispiel die Trauung als Zeichen von Erwachsenwerden sein.
Van Gennep unterscheidet hierbei drei Phasen, mit denen er die Lücke zwischen Kindheit und Erwachsenalter zu füllen versucht. Dies ist die sogenannte Ablösungsphase oder Rite de séparation an erster Stelle, in der sich das Individuum von seiner bis dahin gewohnten Rolle in der Gesellschaft ablöst beziehungsweise trennt.
An zweite Stelle tritt die Schwellenphase oder Rite de marge, die eine Art Umwandlung beinhaltet, in der das Individuum anfangs relativ orientierungslos ist und seinen Platz in der Gesellschaft oder Gemeinschaft erst langsam für sich definieren muss. In dieser Stufe ist das Individuum in einer undefinierten Phase, das heißt zum Beispiel zwischen Kindheit und Erwachsenenalter.
Die letzte Phase van Genneps dreigliedrigen Modells ist die Integrationsphase oder Rite d’agrégation. Diese Phase ist von der erfolgreichen Integration des Individuums geprägt, die mit dem Einnehmen einer neuen, definierbaren Identität einhergeht. Die drei Phasen können aber in verschiedenen Kulturen unterschiedlich stark ausgeprägt sein (ebd. S. 21).
Zusammenfassend und vereinfacht ist zu sagen, dass Funktion der Übergangsriten nach Gennep die Abmilderung von „schädlichen Auswirkungen auf das soziale und inviduelle Leben“ (ebd. S. 23), die die Veränderung eines Zustandes, beispielsweise die Veränderungen zwischen Kindheit und Erwachsenenalter mit sich bringen. So haben eben vor allem indigene Völker bestimmte Riten beziehungsweise Zeremonien, die den neuen Zustand in der Entwicklung eines jeden Individuums direkt oder indirekt einleiten.
III. Déodats Suche als Rite de Passage
1. „Déodat ou la Transparence. Un roman de Graal“ im inhaltlichen Überblick.
Der Roman „Déodat ou la Transparence. Un roman de Graal“ wurde erstmals im Jahre 2002 vom französischen Philologen und Mediävisten Michel Zink veröffentlicht.
Arbeit zitieren:
Tobias Molsberger, 2010, „Déodats Enquête“, eine „quête du Graal“?, München, GRIN Verlag GmbH
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