Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1. Problemstellung 2
1.2. Zielsetzung der Arbeit 5
1.3. Argumentationsgang 5
2. Theoretische Grundlagen 7
2.1. Begriffliche Abgrenzung 7
2.1.1. Kostenremanenz 7
2.1.2. Kosten 7
2.1.3. Remanenz 9
2.1.4. Opportunismus 13
2.1.5. Kostenverlauf 13
3. Überblick über die Sticky Cost Hypothese 17
3.1. Das traditionelle Konzept der Kostentheorie 17
3.2. Ursprung und Entwicklung des Begriffs Sticky Cost 18
3.2.1. Ursachen von Sticky Costs 22
3.2.1.1. Objektive Ursachen 22
3.2.2. Gründe für die Entstehung von Sticky Costs 23
3.2.2.1. Objektive Gründe 23
3.2.2.2. Subjektive Gründe 26
3.3. Klassifikation von Sticky Costs 28
4. Vergleichende Analyse empirischer Arbeiten aus einer
übergeordneten Sichtweise 30
4.1. Recherchemethode 30
4.2. Sticky Costs im Allgemeinen 31
4.3. Qualitativer Vergleich wissenschaftlicher Arbeiten. 34
4.3.1. Kosten vs. Nutzen 34
4.3.2. Opportunismus 36
4.3.3. Optimismus 41
4.3.4. SG A Ratio 45
4.4. Quantitativer Vergleich der empirischen Arbeiten 48
III
4.4.1. Unvermeidbare Sticky Costs 48
4.4.2. Intendierte und begründbare Sticky Costs 64
4.4.3. Intendierte und nicht begründbare Sticky Costs 67
4.4.4. Unternehmerisch nicht intendierte Sticky Costs 73
4.5. Zusammenfassung der Ergebnisse und Diskussion der
Problemstellung 78
5. Conclusio 84
6. Literaturverzeichnis 86
Formelverzeichnis
Formel 1: Sticky Cost Modell 32
Formel 2: BCM Sticky Cost Modell 44
Formel 3: Erweitertes Sticky Cost von Anderson et al. (2003) 49
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Lineare Kosten 16
Abbildung 2: Progressive Kosten 16
Abbildung 3: Degressive Kosten 16
Abbildung 4: Regressive Kosten 16
Abbildung 5: Ursache und Wirkung von Sticky Costs 21
Abbildung 6: Bedingtheiten für das Auftreten von Sticky Cost. 23
Abbildung 7: Zusammenfassende Darstellung 27
Abbildung 8: Ausprägung der Kostenremanenz 28
Abbildung 9: Die Auswirkung von Anpassungskosten auf Sticky Costs 35
Abbildung 10: Auswirkung einer effektiven Managerentlohnung auf die
Kostenfunktion 40
Abbildung 11: Vergleich der periodenspezifischen SG A Kostenänderung 43
Abbildung 12: Sticky Costs für 19 OECD Länder 60
Abbildung 13: Einfluss des Arbeitsmarkts auf Sticky Costs 60
IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Begriffsabgrenzung Kostenremanenz (1) 10
Tabelle 2: Begriffsabgrenzung Kostenremanenz (2) 11
Tabelle 3: Umsatzentwicklung in zwei Folgejahren 42
Tabelle 4: Einteilung in Gruppen je nach Erlössignal 44
Tabelle 5: Regression Anderson et al. (2003) 50
Tabelle 6: Regression (1) Calleja et al. (2005) 51
Tabelle 7: Regression (2) Calleja et al. (2005) 52
Tabelle 8: Regression (3) Calleja et al. (2003) 53
Tabelle 9: Regression (1) Subramaniam et al. (2003) 54
Tabelle 10: Regression (2) Subramaniam et al. (2003) 54
Tabelle 11: Regression (3) Subramaniam et al. (2003) 56
Tabelle 12: Regression (4) Subramaniam et al. (2003) 57
Tabelle 13: Arbeitsmarktcharakteristika 19 OECD Staaten 59
Tabelle 14: Regression (1) Balakrishnan et al. (2010) 62
Tabelle 15: Regression (2) Balakrishnan et al. (2010) 63
Tabelle 16: Regression Balakrishnan et al. (2008) 66
Tabelle 17: Regression De Medeiros et al. (2004) 67
Tabelle 18: Regression (4) Calleja et al. (2005) 68
Tabelle 19: Regression Homburg et al. (2008) 69
Tabelle 20: Regression (1) Banker et al. (2008) 70
Tabelle 21: Regression (2) Banker et al. (2008) 70
Tabelle 22: Regression (3) Banker et al. (2008) 71
Tabelle 23: Regression (1) Kama et al. (2010) 74
Tabelle 24: Regression (2) Kama et al. (2010) 74
Tabelle 25: Regression (1) Chen et al. (2010) 75
Tabelle 26: Regression (2) Chen et al. (2010) 76
Tabelle 27: Wirtschaftskreislauf Indikatoren 83
V
1. Einleitung
Das übergeordnete Ziel eines jeden Managers besteht darin, den Unternehmenswert zu maximieren. 1 Da einem Manager meist nur begrenzte finanzielle Ressourcen zur Verfügung stehen, bedarf es gewisser Beurteilungsmechanismen, um die Vorteilhaftigkeit einzelner
Investitionsprojekte zu evaluieren. Diese Entscheidung unter Unsicherheit kann am besten mit dem erwarteten Kapitalwert 2 eines Projektes beurteilt werden. Die Rangordnung für Investitionen ergibt sich beginnend mit dem höchsten Kapitalwert.
Da sich Projekte über viele Perioden in die Zukunft ziehen, kann man nicht mit Sicherheit davon ausgehen, ob diese geplanten Ein- und Auszahlungen auch wirklich eintreten. Wenn man vereinfachend von einem Polypol auf einem vollkommenen Markt 3 ausgeht, wo der Marktpreis konstant ist und das Unternehmen nur Mengenanpasser ist, sieht sich der Manager mit der Problematik konfrontiert, dass Einzahlungen einzelner Projekte nur von der Nachfrage der Konsumenten abhängig sind. Dies ist besonders problematisch, wenn das Unternehmen durch einen Trendwechsel mit einem Erlösrückgang zu kämpfen hat. Nun steht der Manager vor der Entscheidung, seine Kosten im gleichen Ausmaß zu senken, um die gewünschte Rentabilität seines Projektes aufrechtzuerhalten oder abzuwarten, ob dieser Nachfrageschock nur eine kurzfristige Laune des Marktes war.
1 Ausgenommen von dieser Überlegung sind natürlich Non-Profit Organisationen sowie gemeinnützige Vereine, wo andere Kalküle als die Kapitalvermehrung im Vordergrund stehen.
2 Der Kapitalwert ist die Summe aller abgezinsten erwarteten Einzahlungsüberschüsse.
3 Dieses Modell basiert auf folgenden Annahmen: starker Wettbewerb, Transparenz, vollkommene elastische Preiselastizität (horizontale Preis-Absatz-Funktion) sowie steigende Grenzkosten.
1
Dieses Anpassungsproblem der Kosten an die verminderte Betriebsleistung wird seit dem Jahr 2003 nach der Veröffentlichung des Beitrages im „Journal of Accounting Research“ von Anderson et al. (2003) sehr stark bei diversen Symposien und in Journalen diskutiert. Als Ausgangspunkt ihrer Betrachtungen gehen Anderson et al. (2003) davon aus, dass bei einem Erlösrückgang der Manager vor dem Anpassungsproblem steht, die nun zu hohen Kosten abzubauen oder doch aufrechtzuerhalten, bis Gewissheit besteht, ob diese Nachfrageschwankung rein temporär ist und die Erlöse wieder zunehmen, oder ob sie von permanenter Natur ist und abgebaut werden müssen. Während dieses Prozesses des Zuwartens entstehen für das Unternehmen asymmetrische Kosten, und es ergibt sich eine Kostenremanenz, die von Anderson et al. (2003) mit den Namen „Sticky Costs“ geprägt wurden.
Nach dem traditionellen Kostenmodell kann man Kosten in Bezug auf die Betriebsleistung in fixe Kosten, welche unabhängig von der Auslastung anfallen, und in variable Kosten, welche ein proportionales Verhältnis zur Betriebsleistung haben, einteilen. Dieses Modell suggeriert einen direkten linearen Zusammenhang zwischen Kosten und Erlösen. Anderson et al. (2003) argumentieren hingegen, dass der Zusammenhang zwischen Kosten und Kostentreiber nicht mechanisch, sondern vielmehr von dem
Entscheidungsspielraum des Managers abhängig ist.
1.1. Problemstellung
Durch empirische Untersuchungen wurden die in der Wirtschaftswissenschaft entwickelten Kostentheorien schon sehr früh hinterfragt, wobei die Realität abweichende Kostenverläufe aufweist. Somit kamen Zweifel an der Allgemeingültigkeit der traditionellen Kostentheorie auf und es wurde schon seit Ende der zwanziger Jahre das Phänomen der Kostenremanenz beobachtet. Dabei wurde das unterschiedliche Kostenverhalten bei fallender oder steigender Kapazitätsauslastung als „ungelegener Störfaktor der Konzeption einer allgemeingültigen Kostenfunktion“ 4 angesehen. 5
4 Lassmann (1958), S. 81.
5 Vgl. Rumpf (1966), S. 1 f.
2
Betrachtet man die Vielzahl der Faktoren, von denen Kosten abhängig sind, so wird klar, dass es so viele Kostenremanenzen geben muss wie auch Kostentreiber. Somit ist verblüffend, dass dieses häufig beobachtete Phänomen der Sticky Costs aus kostentheoretischer Sichtweise erst seit kurzem wieder in den Forschungsfokus der Wissenschaft gerückt ist. 6
Die Forschungsergebnisse der letzten Jahre lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Die erste Gruppe widmet sich dem Thema: Der Manager als Einflussfaktor. Hierbei wird argumentiert, dass das traditionelle Kostenmodell nur eine leere Hülle an Theorien darstellt, weil schlussendlich alle Kostenrelationen das Resultat von Managerentscheidungen sind. 7 Somit stellt sich die Frage, was Manager dazu verleitet und welche Motive hinter den Kostenanpassungsprozessen stehen.
Da Manager nicht wissen, ob Marktveränderungen von kurzfristiger oder langfristiger Natur sind, entschließen sie sich bei einem Erlösrückgang die Kosten aufrechtzuerhalten, bis nähere Gewissheit besteht, ob dies nur ein Nachfrageschock oder eine gravierende Marktänderung ist. Bei diesem Prozess des Abwartens entsteht ein Trade-Off zwischen Opportunitätskosten und den erwarteten Transaktionskosten für eine Kapazitätseinschränkung oder Kapazitätsausweitung bei steigender Nachfrage. 8
Abgesehen von der Unsicherheit und dem Trade Off, mit dem Manager zu kämpfen haben, hat der mögliche Opportunismus von Entscheidungsträgern einen erheblichen Einfluss auf Sticky Costs. Mit fehlenden Anreizstrukturen (Erlösziele) ergibt sich eine neue Zielfunktion der Manager.
Nun steht nicht mehr die Unternehmenswertmaximierung im Vordergrund, sondern vielmehr die Maximierung des eigenen Nutzens. Durch die bewusste Aufrechterhaltung von Aufwandsposition wird versucht, dass der aktuelle Einflussbereich (Messgröße: zugeteiltes Budget) aufrechterhalten bleibt.
6 Vgl. Rumpf (1966), S. 1 f.
7 Vgl. Anderson/Lanen (2009), S. 2 f.
8 Vgl. Anderson/Banker/Janakiraman (2003), S. 49 ff.
3
Außerdem spielen soziale Faktoren bei der Kündigung von befreundeten Mitarbeitern eine große Rolle.
Der Grad an Optimismus, Pessimismus oder Neutralität eines Managers hängt von den vorhergehenden Erlösänderungen und Kapazitätsreserven ab. Das heißt, je optimistischer ein Manager durch Eingang vieler Aufträge oder durch gesamtwirtschaftliches Wachstum ist, desto weniger werden die bestehenden Kosten im Falle eines Erlösrückgangs abgebaut.
So werden auch Manager unterschieden, die einen effizienten Umgang mit Vertriebs- und Verwaltungskosten (SG&A) haben und ineffiziente Manager mit mangelnder Kostenkontrolle. Je nach Ausprägung entwickeln sich unterschiedlich starke Sticky Costs innerhalb des Unternehmens.
Die zweite Gruppe beschäftigt sich mit dem Einfluss von strukturellen Faktoren auf das Kostenverhalten. So nennen weitere empirische Untersuchungen als mögliche Ursache für Sticky Costs die Diseconomies of Scale oder die Verhandlungsmacht von Gewerkschaften. Alleine bei Betrachtung der Kostenstruktur kann man schlussfolgern, dass sich anlagenintensive Industrieunternehmen mit einem hohen Fixkostenanteil relativ zu den Gesamtkosten einer veränderten Marktsituation nur sehr langsam und schwerfällig anpassen können. Somit ist es naheliegend, dass gerade solche Unternehmen mit einem erhöhten Grad an Kostenremanenz zu kämpfen haben, insbesondere wenn es die Kernkompetenzen des Unternehmens betrifft.
4
1.2. Zielsetzung der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, die oben genannten Einflussgrößen auf ihre Relevanz und Auswirkung zu überprüfen, um die Frage zu klären, ob der Manager oder strukturelle bzw. natürliche Faktoren am stärksten das asymmetrische Kostenverhalten (Sticky Costs) beeinflussen. Als Methode wird eine vergleichende Analyse verschiedener empirischer Arbeiten gewählt. In einem ersten Schritt werden Vergleichsobjekte ausgewählt und für diese Vergleichskriterien festgelegt. In weiterer Folge werden ihre Merkmale gegenübergestellt, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzudecken. Schlussendlich werden Beziehungen zu den Vergleichsobjekten hergestellt und ein Ergebnis formuliert.
Aus dieser Analyse lassen sich Erkenntnisse, welche
Verallgemeinerungscharakter haben, ableiten. Neben der Beantwortung der Forschungsfrage, worin die Hauptursache für das Entstehen von Kostenremanenzen liegt, können auch mögliche Vorschläge für den Umgang mit Sticky Costs gegeben werden.
1.3. Argumentationsgang
Zur Gestaltung der Arbeit, wurde eine breite Auswahl aus verschiedenen Quellen, aktueller, einschlägiger Fachzeitschriften und wissenschaftlichen Beiträgen zum Thema „Sticky Cost und Kostenremanenz“ miteinbezogen.
Die Arbeit ist in fünf verschiedene Abschnitte gegliedert. Der einführende Abschnitt liefert eine Einleitung zum Themengebiet, welche eine Beschreibung der Ausgangslage darstellt. Neben der allgemeinen Problemstellung zum Thema „Sticky Cost Hypothese“ wird die Zielsetzung anhand einer Forschungsfrage näher präzisiert und die Methodik zur Beantwortung dieser dargestellt.
5
Im Hinblick auf eine kostenorientierte Betrachtung soll zusammenfassend und als Basis für die weitere Arbeit der Begriff Sticky Cost aus einer Auswahl verschiedener Begriffsdefinitionen im zweiten Kapitel formuliert werden. Des Weiteren findet auch eine begriffliche Abgrenzung relevanter Begriffe statt.
Das dritte Kapitel leitet mit einem kurzen Abriss über das traditionelle Konzept der Kostentheorie nach Schmalenbach den Ursprung und die Entwicklung des Sticky Cost Begriffes in der Literatur ein. Außerdem findet aus theoretischer Sicht eine erste Systematisierung und Klassifizierung der remanenten Kosten statt. Nach dieser Sticky Cost Klassifikation wird im Hauptteil der qualitative und quantitative Vergleich verschiedener empirischen Arbeiten durchgeführt.
Im vierten Kapitel, welches zugleich den Schwerpunkt der Arbeit darstellt, wird eine vergleichende Analyse empirischer Arbeiten durchgeführt. Ziel dieses Kapitels ist es, einheitliche Strukturen zu erkennen und Verallgemeinerungen daraus abzuleiten.
Die Vorgangsweise ist wie folgt: Beschreibung der Literaturrecherchemethode, wie die wissenschaftlichen Beiträge erhoben wurde, strukturierter systematischer Vergleich nach vorab definierten Kriterien, wo eine Diskussion der Vergleichbarkeit einzelner Studien stattfindet. Ausgehend von dem zuvor stattgefundenen Vergleich wird mit einer blockweisen Zusammenfassung der Ergebnisse Bezug auf die Forschungsfrage genommen. Aus der Diskussion der Ergebnisse und einer kritischen Methodenreflexion werden Schlussfolgerungen, welche Verallgemeinerungscharakter haben, abgeleitet. Diese Erkenntnisse dienen zur Klärung der Frage, worin die Hauptursache für das Entstehen von Kostenremanenzen liegt.
In einer Conclusio am Ende der Arbeit wird das Wichtigste noch einmal zusammengefasst und die Schwerpunkte herausgearbeitet. Des Weiteren findet eine kritische Reflexion statt.
6
2. Theoretische Grundlagen
Die Abgrenzung der Begriffe leitet sich aus dem Titel der Master Thesis „Die Sticky Cost Hypothese - Eine vergleichende Analyse empirischer Arbeiten“ ab. Somit sind zwei Bereiche, nämlich Sticky Cost in Verbindung mit Kostenremanenz, definitorisch darzulegen. Für den weiteren Verlauf der Arbeit sind außerdem noch die Begriffe Kostenverlauf und Opportunismus abzugrenzen.
2.1. Begriffliche Abgrenzung
2.1.1. Kostenremanenz
Um eine übersichtlichere Begriffserklärung vorzunehmen, lässt sich der Begriff Kostenremanenz in die Teile Kosten und Remanenz zerlegen.
2.1.2. Kosten
Die Relevanz und Bedeutung der Bewertung von Faktorverbräuchen zur Ermittlung von produktionsbezogenen Kosten ist unbestreitbar. Wie so oft kann nicht von einem eindeutigen und einheitlichen Kostenbegriff ausgegangen werden. Die verschiedenen Kostenbegriffe gliedern sich nach ihrer Bewertungsauffassung. 9
Ausgehend davon lässt sich feststellen, dass in speziellen Kostenbegriffen näher bestimmt sein kann
welche Art von Verbrauchsgütern gemeint ist
wie diese verbraucht werden und deren Bepreisung für die Bewertung
9 Vgl. Fandel (2010), S. 293.
7
Trotz der unterschiedlichen Auffassungen finden sich zwei Kostendefinitionen sehr häufig in der Literatur. Diese sind der wertmäßige und der pagatorische Kostenbegriff. 10
Der wertmäßige Kostenbegriff
„Dem wertmäßigen Kostenbegriff zufolge versteht man unter den Kosten den mit den Faktorpreisen bewerteten Verzehr an Sachgütern und Dienstleistungen während einer Abrechnungsperiode, die zum Zwecke der Erhaltung der betrieblichen Leistungsbereitschaft, der Leistungserstellung und
Leistungsverwertung benötigt werden“ 11
Laut dieser Definition setzen sich Kosten aus dem Wertverzehr von verfügbaren Grund- und Zusatzfaktoren während einer Produktionsperiode zusammen, die der Produktion von Gütern und deren Vermarktung gilt. Der wertmäßige Kostenbegriff wurde von Schmalenbach (1925) geprägt und soll eine entscheidungsorientierte Bewertung des Güterverzehrs ermöglichen. Ganz im Gegenteil zum pagatorischen Kostenbegriff, welcher am Zahlungsstrom orientiert ist und mit der Ressourcenbeschaffung einhergeht. Der wertmäßige Kostenbegriff versucht auch alternative Verwendungsmöglichkeiten mit Opportunitätskosten einzupreisen. In diesem Zusammenhang wird auch vom Grenznutzenkonzept gesprochen, welches den innerbetrieblichen
Knappheitsgrad berücksichtigt. Die innerbetriebliche Faktorbewegung führt die knappen Faktoren den optimalsten Verwendungsmöglichkeiten zu. Da der Grenzkostensatz nur schwer kalkulierbar ist, geht man der Einfachheit halber davon aus, dass die auf den Beschaffungsmärkten zu beobachtenden Preise in etwa dem Grenznutzen der Inputfaktoren entsprechen. Somit kann man den Wiederbeschaffungspreis als Bewertungsmaßstab sehen. 12
10 Vgl. Fandel (2010), S. 293.
11 Fandel (2010), S. 293.
12 Vgl. Fandel (2010), S. 293 f. ; Vgl. Freidank (2008), S. 4 f. ; Vgl. Horsch (2010), 6 f. ; Vgl. Friedl (2010), S. 23 ff. ; Vgl. Ewert/Wagenhofer (2008), S. 55.
8
Der pagatorische Kostenbegriff
„Dem wertmäßigen Kostenbegriff steht der pagatorische Kostenbegriff gegenüber; er knüpft an die mit dem betrieblichen Güterverzehr verbundenen Zahlungsströme an und beruht auf den tatsächlichen beobachtbaren Geldausgaben.“
Die Bewertung des Güterverzehrs findet zu Anschaffungskosten statt, wobei kalkulatorische Kosten, wie z.B. der kalkulatorische Unternehmerlohn, nicht berücksichtigt werden. Der von Koch (1958) eingebrachte Begriff vernachlässigt bewusst die Einbeziehung des betrieblichen Entscheidungsfeldes und stellt somit keine Entscheidungsgrundlage dar. Diese außerbetriebliche
Faktorenbewegung kann für jedes Unternehmen empirisch ermittelt werden. Wenn mangelnde Information über Marktpreise am Beschaffungsmarkt vorliegen, werden aus Wirtschaftlichkeitsgründen Anschaffungskosten angesetzt. 13
Ob nun der wertmäßige oder pagatorische Kostenbegriff in einem Unternehmen verwendet wird, ist vom Zweck der jeweiligen Unternehmensrechnung abhängig. Da man aber aus produktions- und kostentheoretischer Sicht den zukünftigen Entscheidungsspielraum nicht einengen möchte, um eine optimale Allokation zu erzielen, liegt der Ausgangspunkt von wertmäßigen Kosten nahe. Den weiteren Ausführungen in meiner Master Thesis soll daher der wertmäßige Kostenbegriff zugrunde gelegt werden. 14
2.1.3. Remanenz
Wie auch zuvor, beim Kostenbegriff, lassen die Untersuchungen der in der Literatur vertretenen Auffassungen über das Wesen der Kostenremanenz und der gegebenen Definitionen keine umfassende und allgemeingültige Deutung erkennen. Der nach Gegenüberstellung der einzelnen Begriffsdefinitionen abgeleitete Begriff soll primär das Erscheinungsbild beinhalten und somit Auskunft über das Ursache-Wirkungsverhältnis geben.
13 Vgl. Fandel (2010), S. 294 f. ; Vgl. Freidank (2008), S. 10. ; Vgl. Horsch (2010), 6 f. ; Friedl (2010), S. 23 ff. ; Vgl. Ewert/Wagenhofer (2008), S. 55.
14 Vgl. Fandel (2010), S. 295.
9
Hasenack (1925) hat erstmals auf Trägheitsbestimmungen bei Kosten aufmerksam gemacht, wobei die Namensgebung „Kostenremanenz“ erstmals von Brasch (1927) erfolgte. 15 Rummel (1934) geht über die Ausführungen zwischen Kosten und Beschäftigungsgrad von Brasch hinaus und ergänzt diese um den Begriff der Sprungkosten; „die Kosten verlaufen sprunghaft sowohl bei der Zunahme der Beschäftigung als auch bei Rückgang, aber die beiden Linienzüge decken sich nicht, die Sprünge sind bei abnehmender Beschäftigung anders als bei zunehmender.“ 16 Lehmann (1949) schränkt in seinen Ausführungen erstmals den Begriff der Kostenremanenz näher ein, indem er ex ante die nicht remanent verlaufenden Kosten ausklammert, die nicht beeinflussbar sind, also zwangsläufig entstehen. Gemeint ist damit, dass sich Fixkosten bei einer Beschäftigungsgradänderung nicht anpassen. 17 Henzel (1941) geht bei seinen Beobachtungen davon aus, dass Kostenremanenzen durch ein verzögertes Handeln der für die Kostendisposition verantwortlichen Personen im Betrieb verursacht werden. Kritisch dazu Strube (1936), der eine Unterscheidung zwischen willkürlicher und planvoller Betriebspolitik trifft. Er grenzt die unechte oder leistungskompensierte Kostenremanenz, welche aus sozialen Erwägungen stattfindet, von dem Begriff Kostenremanenz ab. 18
Aus dieser Vielzahl historischer Begriffsdefinitionen und Interpretationen einzelner Autoren, leitet sich für den weiteren Verlauf meiner Arbeit, ein möglichst allgemein formulierter Begriff für Sticky Costs beziehungsweise Kostenremanenz ab:
Trägheit beweglicher Kostenarten welche von fallender oder steigender Betriebsauslastung bedingt werden
15 Vgl. Zechner (1951), S. 4.
16 Zechner (1951), S. 9.
17 Vgl. Rumpf (1966), S. 12.
18 Vgl. Zechner (1951), S. 11 ff.
12
2.1.4. Opportunismus
Da Manager und der von ihnen ausgehende mögliche Opportunismus, als Einflussfaktor auf den Grad der Kostenremanenz innerhalb eines Unternehmens, im weiteren Verlauf der Arbeit einen wichtigen Stellenwert einnimmt, wird er im folgenden definiert, um eine einheitliche Interpretation des Begriffs zu gewährleisten.
Da keine vollständigen Verträge (marginale Ermittlungskosten übersteigen den Grenzertrag der letzten Sucheinheit) geschrieben werden können, stellen die verbleibenden Lücken ein ökonomisches Problem dar. Diese Lücken werden zu einem Problem, wenn opportunistisches Verhalten vorliegt. 19
„Hierunter ist die Verfolgung des Eigeninteresses unter Zuhilfenahme von Arglist zu verstehen.“ 20
2.1.5. Kostenverlauf
Zurückgehend auf Schmalenbach (1925) sind Kostenverläufe nichts anderes als ein Sensitivitätsmaß, wie sich Kosten verhalten. Als Bestimmungsfaktoren und Einflussgrößen hat er sich auf die Beschäftigung bzw. den Beschäftigungsgrad, ausgedrückt in Produktions- und Leistungsmengen, beschränkt. So lassen sich Kosten im Wesentlichen in fixe
beschäftigungsunabhängige und variable beschäftigungsabhängige Kosten unterteilten. Wobei fixen Kosten in Schmalenbachs Ausführungen nur eine untergeordnete Rolle zukommt, da sie von Beschäftigungsschwankungen unabhängig sind. 21
Für die Bestimmung von Kostenverläufen bedient man sich in der Literatur verschiedener Begriffe, welche die Eigenschaften der Kostenfunktionen darstellen. Diese speziellen Kostenbegriffe werden im Folgenden dargestellt.
19 Vgl. Erlei (2007), S. 129.
20 Erlei (2007), S. 129.
21 Vgl. Fandel (2010), S. 327 f.
13
„Unter Gesamtkosten versteht man den gesamten Kostenbetrag, der für die Herstellung einer bestimmten Produktmenge x anfällt. So lassen sich die Gesamtkosten mit K = K (x) bezeichnen. Sie setzen sich zusammen aus den variablen Kosten K v und den fixen Kosten K f , d.h. K (x) = K v + K f .“ 22
„Die variablen Kosten sind diejenigen Kosten, die mit einer Änderung in der Ausbringungsmenge x variieren, also von der Art und Stärke der Beschäftigung determiniert sind. Man kann die variablen Kosten so in der Form K v = K v (x) schreiben.“ 23
„Kosten, die auf Produktmengenänderungen nicht reagieren, bezeichnet man als fixe oder auch als konstante Kosten; sie fallen unabhängig von der Variation der Beschäftigung stets in gleicher Höhe an. Formal sollen sie durch K f = c charakterisiert sein, wobei c eine Konstante ist. (...) Insbesondere lassen sich fixe Kosten also auch nicht abbauen, wenn die Beschäftigung zurückgeht; bei einer Ausbringungsmenge von x = 0 schlagen sie in derselben Höhe zu Buche wie sonst.“ 24
Schmalenbach (1899) definierte den Begriff der fixen Kosten als intervallfixe Kosten, welche in der Intervallbreite und Sprunghöhe variieren können und von der Ausbringungsmenge abhängig sind. So können sich bei geringen Intervallbreiten die treppenförmigen in proportionale Kostenverläufe ändern. 25
„(...) die Bezeichnung „fix“ keineswegs eine absolute Unveränderlichkeit der fixen Kosten zum Ausdruck bringen soll; denn die Kosten für begrenzt teilbare Produktionsfaktoren sind jeweils nur innerhalb bestimmter Intervallgrenzen unverändert, bei deren Über- oder Unterschreiten sie sprungweise zu- oder abnehmen.“ 26
22 Fandel (2010), S. 302.
23 ebenda
24 ebenda
25 Vgl. Kilger (1957), S. 19.
26 Kilger (1957), S. 81.
14
Arbeit zitieren:
Stefan Grolms, 2011, Die Sticky Cost Hypothese, München, GRIN Verlag GmbH
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