So genannte »reiche Frau« der Urnenfelder-Kultur auf einer von dem Münchener Historienmaler und Altertumsforscher Julius Naue (1832-1907) geschaffenen historischen Trachtenrekonstruktion
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Inhalt
Vorwort / Seite 9
Die Spätbronzezeit in der Schweiz
Abfolge und Verbreitung
der Kulturen und Gruppen / Seite 13
Das Leben in den Seeufersiedlungen
Die Urnenfelder-Kultur
von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr. / Seite 15
Die Einwanderer in Graubünden
Die Laugen-Melaun-Gruppe
von etwa 1200 bis 800 v. Chr. / Seite 81
Das Eisen und neue Ideen
erobern die Welt / Seite 93
Anmerkungen / Seite 97
Literatur / Seite 113
Bildquellen / Seite 125
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Die wissenschaftliche Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert / Seite 127 Der Autor Ernst Probst / Seite 129 Bücher von Ernst Probst / Seite 131
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Vorwort
R und 500 Jahre Urgeschichte von etwa 1300/1200
bis 800 v. Chr. passieren in dem Taschenbuch »Die Schweiz in der Spätbronzezeit« in Wort und Bild Revue. Es befasst sich mit den Kulturen und Gruppen, die in dieser Zeitspanne im Gebiet der heutigen Alpenrepublik existierten. Geschildert werden die Anatomie und Krankheiten der damaligen Ackerbauern, Viehzüchter und Bronzegießer, ihre Siedlungen, Kleidung, ihr Schmuck, ihre Keramik, Werkzeuge, Waffen, Haustiere, Jagdtiere, ihr Verkehrswesen, Handel, ihre Kunstwerke und Religion.
Verfasser ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, der sich vor allem durch seine Werke »Deutsch-land in der Urzeit« (1986), »Deutschland in der Steinzeit« (1991) und »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) einen Namen gemacht hat. Das Taschenbuch »Die Schweiz in der Spätbronzezeit« ist Dr. Gretel Gallay, Dr. Albert Hafner und Dr. Jürg Rageth gewidmet, die den Autor mit Rat und Tat bei seinem Buch »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) unterstützt haben. Es enthält Lebensbilder der wissenschaftlichen Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert aus Königswinter.
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Der dänische Archäologe Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865) hat 1836 die Urgeschichte nach dem jeweils am meisten verwendetem Rohstoff in drei Perioden eingeteilt: Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.
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Die Spätbronzezeit in der Schweiz
Abfolge und Verbreitung der Kulturen und Gruppen
D ie Spätbronzezeit begann in der Schweiz etwa um
1300/ 1200 v. Chr. und endete um 800 v. Chr. Sie umfasst die Stufen Bronzezeit D (etwa 1300 bis 1200 v. Chr.) sowie Hallstatt A und B (etwa 1200 bis 800 v. Chr.). Die Funde aus den Seeufersiedlungen stammen aus den Stufen Hallstatt A 2, B 1 und B 2. In den meisten Kantonen der Schweiz war von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr. die Urnenfelder-Kultur (s. S. 15) verbreitet. 1 Das beweisen Funde aus Seeufersiedlungen (»Pfahlbauten«), Gräberfeldern und Depots.
In Teilen von Graubünden und Sankt Gallen wanderten zwischen etwa 1300 bis 1100 v. Chr. Angehörige dreier verschiedener Kulturen in das Gebiet der Inneralpinen Bronzezeit-Kultur ein. In Nord- und Mittelbünden lebten Menschen der Urnenfelder-Kultur und der Laugen-Melaun-Gruppe (s. S. 81). Im Unterengadin behauptete sich nur die Laugen-Melaun-Gruppe. In Südwestbünden (Misox) gab es eine Kultur südalpiner Herkunft.
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ERNST WAGNER, geboren am 5. April 1832 in Karlsruhe, gestorben am 7. März 1920 in Karlsruhe. Der Sohn des Stadtpfarrers von Schwäbisch Gmünd war 1861 bis 1863 Erzieher in London und 1864 bis 1875 Erzieher des Erbgroßherzogs in Karlsruhe. 1867 wurde er Leiter der Friedrichschule. Von 1875 bis 1919 leitete er die Großherzogliche Altertümersammlung (das spätere Badische Landesmuseum in Karlsruhe) und war Oberschulrat. Auf Wagner geht der Begriff Urnenfelder-Kultur zurück.
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Das Leben
in den Seeufersiedlungen
Die Urnenfelder-Kultur
D ie Zeit von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr. wird in
der Schweiz als Spätbronzezeit oder Urnenfelder-Zeit bezeichnet. Letzterer Begriff ist allerdings bei etlichen Prähistorikern nicht sehr beliebt, weil bisher in der Schweiz verhältnismäßig wenig Urnengräber und Urnenfelder entdeckt wurden. Andererseits belegen zahlreiche Einzelfunde im schweizerischen Mittelland und im Alpenraum die Anwesenheit von Menschen der Urnenfelder-Kultur, die dem süddeutschen Prähi-storiker Ernst Wagner (1832-1920) ihren Namen verdankt.
Im schweizerischen Mittelland wuchsen - nach Erkenntnissen des Prähistorikers Walter Ulrich Guyan aus Schaffhausen - vor allem Laubwälder, deren dominanter Baum gebietsweise die Buche war. In einigen Landstrichen gab es aber auch viele Weißtannen (Abies alba). Holzkohlereste aus Andelfingen-Auf Bollen im Kanton Zürich stammen von Pappeln (Populus), Eichen (Quercus) und Buchen (Fagus). In der Alpenregion konnten oft Lärchen (Larix) nachgewiesen werden. Nach Knochenresten am Felsen Roc de Courroux bei Delsberg (Kanton Bern) zu schließen, lebten dort un-
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Verbreitung der Kulturen während der Spätbronzezeit (etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr.) in der Schweiz
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ter anderem Braunbären (Ursus arctos), Füchse (Vulpes vulpes), Rothirsche (Cervus elaphus), Rehe (Capreolus capreolus), Wildschweine (Sus scrofa) und Auerochsen (Bos primigenius). Der Rothirsch ist auch in Andelfingen-Auf Bollen nachgewiesen, ein weiblicher Auerochse aus Kloster Glattburg (Kanton Sankt Gallen). Zu den wenigen aussagekräftigen Skelettresten von damaligen Menschen gehören das Schädeldach eines Kindes sowie das Schädeldach und Skeletteile einer erwachsenen Frau aus der Seeufersiedlung Zürich-Alpenquai. Die Frau hatte eine Narbe am linken Stirnhöcker, die von einer Verletzung herrührt. Der Unterkiefer wies vier kariöse, bis zu Stummeln reduzierte Zähne auf. Einige Partien der Zahnfächer waren entzündet. Diese Skelettreste sind schon 1924 von dem Zürcher Anthropologen Otto Schlaginhaufen (1879-1973) untersucht worden.
Tönerne Spinnwirtel und Webgewichte dokumentieren, dass Flachs und Schafwolle gesponnen und daraus Kleidungsstücke gewebt wurden. Mit Spinnwirteln konnte man Fäden anfertigen. Die Webgewichte waren Bestandteile von senkrechten Webstühlen, deren genaue Konstruktion nicht bekannt ist. Spinnwirtel liegen aus den Seeufersiedlungen Mörigen (Kanton Bern), Halbinsel Horn bei Uerschhausen (Kanton Thurgau), Zug-Im Sumpf (Kanton Zug) sowie von der Höhensiedlung auf dem Roc de Courroux bei Delsberg (Kanton Bern) vor. Allein in Mörigen am Bieler See wurden 250 Spinnwirtel und 104 Webgewichte gefunden. Dort hatte man etwa die Hälfte der Spinn-
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wirtel vor allem mit Fingereindrücken und Kerben, seltener mit Kanneluren- oder Rillenbändern verziert. Zum Zusammennähen und Ausbessern der Garderobe bestimmt waren bronzene oder knöcherne Nähnadeln, wie sie in Mörigen zum Vorschein kamen. Insgesamt kennt man von dort 15 Nähnadeln mit runder oder spitzovaler Öse. Aufgrund ihrer Größe eigneten sie sich nur für gröbere Stoffe oder Leder. Vereinzelt hat man im Mittelland und im Jura in Männergräbern jeweils eine bronzene Nadel gefunden, mit der vermutlich ein mantelartiges Kleidungsstück zusammengehalten wurde. Dagegen benötigten Frauen zwei Nadeln, um ihre Kleidung zu schließen. Diese Nadeln sind vier bis 30 Zentimeter lang. Nach Ansicht der früher in Freiburg/Breisgau arbeitenden Prähistorikerin Monika Bernatzky-Goetze deuten die verschiedenen Nadelgrößen und -formen auf unterschiedliche Funktionen hin. So dürften Nadeln, deren Kopfdurchmesser kaum über demjenigen des Schaftes liegt, nur für relativ feine Stoffe geeignet gewesen sein. Nadeln mit wellenartiger Verbiegung des Schaftes stach man wohl mehrfach durch den Stoff. Als Kleiderschließen gelten auch die bronzenen Fibeln (Gewandspangen), die aus einer Nadel und einem Bügel bestehen. Letzterer ist auf einer Seite mit einer federnden Spirale oder einer Scharnierkonstruktion mit der Nadel verbunden. In Mörigen kamen nur vier Fibeln des Typs Mörigen, jedoch etwa 300 Nadeln zum Vorschein. Demnach galt dort das Tragen von Fibeln als eine ungewöhnliche Sitte.
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Bei den bronzenen Gürtelhaken, die einst an Leder-oder Stoffgürteln befestigt waren, unterscheiden die Prähistoriker verschiedene Typen. Dazu gehören der Typ Mörigen (nach dem erwähnten Fundort im Kanton Bern), der Typ Wangen (nach dem Fundort im Kanton Bern) und der Typ Untereberfing (nach dem Fundort in Bayern).
Gürtelhaken des Typs Mörigen besitzen eine längliche und ovale Platte, die auf der Längsachse und entlang der Außenkanten mit Rippen verziert ist. An einem Ende befand sich einst ein halbrundes, mit fünf Klammern versehenes Lederende, am anderen der Befestigungshaken zum Einhängen in den Gürtel. Solche Gürtelhaken sind in Werkstätten der Westschweiz und von Savoyen (Frankreich) hergestellt worden. Am namengebenden Fundort Mörigen hat man vier Gürtelhaken geborgen. Einer davon wurde später zum Rasiermesser umgearbeitet. Gürtelhaken des Typs Wangen sind außer von Wangen an der Aare auch von Vuadens (Kanton Freiburg) und Zürich-Hirslanden bekannt. Der Fund in Wangen stammt aus einem Brandgrab. Dabei handelte es sich um einen gegossenen Gürtelhaken von 6,9 Zentimeter erhaltener Länge.
Gürtelhaken des Typs Untereberfing wurden in Mels-Heiligkreuz (Kanton Sankt Gallen), Wiedlsbach (Kanton Bern), Rovio (Kanton Tessin) und in Estavayer-le-Lac (Kanton Freiburg) gefunden. In den ersten drei Fällen barg man die Gürtelhaken in Gräbern, in letzterem Fall aus einer Seeufersiedlung am Neuenburger See.
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Gar nicht selten sind Funde von bronzenen Beschlagscheiben und rechteckigen Blechbeschlägen auf Leder-oder Stoffgürteln. Allein aus Mörigen liegen 13 solcher Objekte vor, in Estavayer-le-Lac sind es ein halbes Dutzend und im Weiler Corcelettes bei Grandson (Kanton Waadt) zwei. Einzelstücke kamen in Auvernier und Cortaillod (beide im Kanton Neuenburg), Lens (Kanton Wallis) und Forel (Kanton Freiburg) zum Vorschein.
Seltener waren Gürtelketten aus bronzenen Ringen. Eine Gürtelkette aus Belp (Kanton Bern) besteht aus 18 Ringen. Anders konstruiert ist eine Gürtelkette aus Sutz-Lattrigen (Kanton Bern). Ihre neun Ringe werden durch gerillte bandförmige Schließen zusammengehalten. Von manchen Prähistorikern wird auch ein verziertes Goldblech aus dem Brandgrab einer Frau in Binningen (Kanton Basel-Land) als Bestandteil eines Gürtels betrachtet. Andere Experten halten es jedoch für ein »Diadem«. Die Besitzerin dürfte wohl eine bedeutende und vermögende Persönlichkeit gewesen sein. Dass man damals auf eine ordentliche Frisur achtete, zeigt der Fund eines bronzenen Miniaturkammes auf der Sankt-Peters-Insel bei Twann (Kanton Bern) im Bieler See. Dieses Toilettegerät ist mit zwei Entenköpfen verziert, die nach außen in verschiedene Richtungen schauen. Der Kamm dürfte zum Besitz einer Frau gehört haben.
Als Spiegel oder Ritualgeräte werden so genannte Paletten mit gedrehtem Griff und Ringabschluss vom Montlinger Berg in Sankt Gallen gedeutet.
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Bronzene Rasiermesser zum Bartstutzen und Haareschneiden wurden teilweise mit einem Schaft aus Geweih und vielleicht auch aus Holz versehen. Rasiermesser mit Ringgriff ließen sich aufhängen. Manchmal hat man diese Geräte mit Ritz- und Rippenornamentik verschönert. Mitunter sind Rasiermesser nicht in einer Gussform hergestellt, sondern aus Gürtelhaken oder Schmuckstücken entsprechend umgearbeitet worden. Ein Rasiermesser von Mörigen besteht - wie erwähnt - aus dem Fragment eines Gürtelhakens. Ehemalige Armringe dienten als Werkstoff für die Anfertigung mancher Rasiermesser aus Auvernier, Estavayer-le-Lac und Mörigen. Ein Exemplar von Grandson-Corcelettes wurde aus einem Blecharmring geschnitten und geschärft. Mit einem Griff aus der Endsprosse eines Hirschgeweihes war ein Rasiermesser aus Auvernier versehen.
Zuweilen sind beschädigte Rasiermesser repariert worden. Ein solcher Fall ist aus der Seeufersiedlung Onnens (Kanton Waadt) am Neuenburger See bekannt. Bei einem Rasiermesser von dort hat man eine Bruchstelle im Griff durch einen Gussverband geflickt. Die Siedlungen wurden an Seen, auf Seeinseln, an Mooren, an Flüssen, im Flachland und auf Höhen errichtet. Seeufer sind in der Schweiz schon in der Jungsteinzeit ab etwa 4500 v. Chr. von Ackerbauern und Viehzüchtern der Egolzwiler Kultur besiedelt worden, die nach einem Fundort im Kanton Luzern benannt ist. Auch in der Spätbronzezeit wusste man die Vorteile
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Zeichnung auf Seite 23:
Rekonstruktion einer Seeufersiedlung in Süddeutschland aus der Zeit der Urnenfelder-Kultur: So genannte »Wasserburg« bei Bad Buchau am Federsee in Baden-Württemberg aus der jüngeren Bauphase. Die Rekonstruktion stammt aus einer Publikation von 1936 des damals in Berlin arbeitenden Prähistorikers Hans Reinerth (1900-1990).
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solcher Seeufersiedlungen (»Pfahlbausiedlungen«) zu schätzen.
In mehreren ehemaligen Seeufersiedlungen zeugt eine Seekreidelage zwischen zwei Siedlungsschichten von einer Hochwasserperiode während der Spätbronzezeit. Die Seekreide wurde bei der Überschwemmung auf dem Siedlungsareal abgelagert. Ab etwa 800 v. Chr. setzte eine Klimaverschlechterung ein, die mit mehr Regen verbunden war. Dadurch stieg der Wasserspiegel der schweizerischen Seen so stark an, dass die Seeufersiedlungen aufgegeben werden mussten.
Bisher sind in der Schweiz etwa 100 spätbronzezeitliche Seeufersiedlungen entdeckt worden. Diese ansehnliche Zahl gilt als Anzeichen für eine dichtere Besiedlung als in früheren Zeiten. Spätbronzezeitliche Seeufersiedlungen konnten am Genfer See (Kanton Genf), Neuenburger See (Kantone Neuenburg, Waadt), Murtensee (Kanton Freiburg), Bieler See (Kanton Bern), Hallwiler See (Kanton Aargau), Baldegger See, Sempacher See (beide Kanton Luzern), Zuger See (Kanton Zug), Zürichsee, Greifensee, Pfäffiker See (alle drei Kanton Zürich), Nußbaumer See und Bodensee (Kanton Thurgau) nachgewiesen werden. Die Seeufersiedlung Auvernier-Nord 1 am Neuenburger See zum Beispiel wurde zur Seeseite hin durch eine doppelte Pfostenreihe vor Hochwasser geschützt. Zum Wohnkomplex gehörten 24 einstöckige Häuser aus Eschen-, Weißtannen-und Eichenholz, die in parallelen Reihen angeordnet waren. Ihre Giebelhöhe betrug
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ungefähr vier Meter, ihre Wandhöhe etwa zwei Meter. Die sieben bis neun Meter langen und fünf bis sechs Meter breiten Grundrisse wurden durch drei Reihen mit je vier Pfosten markiert. Dieses Dorf bestand - dendrochronologischen Untersuchungen von 760 Pfählen zufolge - von 878 bis 850 v. Chr. Älter waren die Seeufersiedlungen von Hauterive-Champréveyres 2 , Cortaillod-Ost 3 am Neuenburger See und Le Landeron 4 am Bieler See. Das in Hauterive-Champréveyres ver-wendete Eichenholz stammt aus der Zeit von 1046 bis 900 v. Chr. Die Eichenpfähle von Cortaillod-Ost wurden zwischen 1010 und 964 v. Chr. geschlagen. Das Bauholz von Le Landeron hat man 961 und 957 v. Chr. beschafft. Der Prähistoriker Béat Arnold aus Neuenburg hat errechnet, dass in den 20 Häusern des Dorfes Cortaillod-Ost gleichzeitig etwa 150 bis 400 Menschen lebten. Insgesamt sollen in den jeweils nur wenige Kilometer voneinander entfernten Siedlungen rings um den Neuenburger See etwa 7.000 bis 15.000 Menschen gewohnt haben.
Am Bieler See bei Mörigen 5 (Kanton Bern) lag in der älteren Urnenfelder-Zeit von etwa 1150 bis 950 v. Chr. und in der jüngeren von etwa 950 bis 800 v. Chr. eine Seeufersiedlung. Reiche Funde kamen vor allem in den Dorfruinen der jüngeren Siedlung zum Vorschein. Sie war auf einer Fläche von mehr als 10.000 Quadratmetern angelegt worden. Von der Seeufersiedlung Mörigen blieben schätzungsweise 10.000 Pfähle erhalten.
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Als eine der größten spätbronzezeitlichen Seeufersiedlungen gilt diejenige auf der Halbinsel Horn am Nußbaumer See bei Uerschhausen 6 (Kanton Thurgau). Bisher sind etwa 50 Standorte von Häusern nachgewiesen, vermutet werden insgesamt mehr als 200 Bauten. Die fünf Meter langen und 3,50 Meter breiten Häuser standen so dicht beisammen, dass die Zwischenräume nicht als Durchgänge benutzt werden konnten. Es gab jeweils nur einen Raum zum Wohnen, Schlafen und Arbeiten mit einem Herd oder einer Feuerstelle.
Für die Häuser am Nußbaumer See wurden aus Gründen der Stabilität und zur Isolierung gegen Bodenfeuchtigkeit aufwendige Bodenkonstruktionen geschaffen. Zuerst hat man auf den Baugrund dünnere Stämme oder Spältlinge vorzugsweise aus Erlenholz gelegt. Darauf folgten ein Prügelrost oder eine Lage kräftiger Ruten und zuoberst als eigentlicher Fußboden ein bis zu zehn Zentimeter dicker Lehmestrich. Der Lehmüberzug wurde im Laufe der Zeit mehrfach erneuert. Auf festem Untergrund begnügte man sich mit einer dünnen Lehmlage ohne besondere Konstruktion. Im Nordteil dieser Seeufersiedlung wurden verkohlte Reste der nach innen gekippten Längswand eines niedergebrannten Hauses entdeckt. Dieser Fund lässt auf einen Bohlen-Ständerbau schließen. Dessen Ständer hat man im Abstand von einem Meter in Schwellbalken eingelassen und mit Halblingen oder kräftigen Bohlen horizontal verbunden. Die umgestürzte Wand war etwa zwei Meter hoch. Aus unbekannten Grün-
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den wurde die Siedlung am Nußbaumer See von ihren Bewohnern verlassen, die dabei nur nützliche und wertvolle Gegenstände mitnahmen. Groß für damalige Verhältnisse war des weiteren die Seeufersiedlung Zürich-Alpenquai 7 am Zürichsee, deren Reste heute unter Wasser liegen. Ihre bebaute Fläche umfasste etwa 7000 Quadratmeter. Die Zahl der Einwohner wird auf zirka 500 Personen geschätzt. Zürich-Alpenquai gilt als die reichste spätbronzezeitliche Fundstelle im Zürichsee.
200 Meter vom Land entfernt und drei Meter unter der Wasseroberfläche des Zürichsees befinden sich heute die Reste der ehemaligen Siedlung Zürich-Großer Hafner 8 . Als »Großer Hafner« wird eine 140 Meter lange und maximal 45 Meter breite Untiefe im Zürichsee bezeichnet, die in der Spätbronzezeit eine Insel war. Das Bauholz für dieses Inseldorf fällte man 1055 bis 955 v. Chr.
Die Seeufersiedlung von Böschen 9 am Greifensee (Kanton Zürich) ist um 1047/46 v. Chr. errichtet worden. Bei Ausgrabungen unter Wasser entdeckte man 18 Grundrisse von Blockhäusern mit etwa 16 bis 20 Quadratmeter Wohnfläche. Darin lebten Familien mit maximal fünf Personen. Demnach hatte dieses Dorf schätzungsweise 60 bis 100 Einwohner. Die Siedlung fiel nach ungefähr 20 oder 30 Jahren einem Brand zum Opfer.
Um die Erforschung der Seeufersiedlung Zug-Im Sumpf 10 bei der Kollermühle haben sich vor allem der Kaufmann und kantonale Konservator Michael
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Ernst Probst, 2011, Die Schweiz in der Spätbronzezeit, München, GRIN Verlag GmbH
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