Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Fin de Siècle. 3
2.1 Fin de Siècle: Die Epoche 3
2.2 Arne Garborg. 5
2.3 Der Roman „Müde Seelen“ 5
3. Frauen 6
3.1 Die Frau im Allgemeinen. 7
3.2 Frauentypen. 8
4. Der Roman „Müde Seelen“ und „seine“ Frauen 9
5. Schlusswort/ Zusammenfassung. 12
6. Literaturverzeichnis 14
6.1 Bücher. 14
6.2 Internetquellen. 15
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1. Einleitung
Im Anschluss an das Proseminar “Müde Männer, dämonische Frauen -Skandinavische Literatur des Fin de Siècle“ des Wintersemesters 05/06 und des von mir im Rahmen eines Vortrages in dieser Veranstaltung behandelten Buches „Müde Seelen“ von Arne Garborg entschloss ich mich, eine Proseminararbeit zu diesem Roman zu schreiben. Das Thema der Frauenfiguren bot sich insofern an, als dass ich jenes bereits teilweise in meinem Vortrag behandelt hatte und so mein Interesse geweckt wurde, mich weiter in diesen Bereich zu vertiefen. Die „Fin de Siècle“ -Literatur hatte mich schon länger fasziniert, besonders die Gedichte von Charles Baudelaire. Deshalb fand ich es auch spannend, die skandinavische Umsetzung dieser Stilrichtung kennen zu lernen. Auch wenn der Roman „Müde Seelen“ nun nicht mein privates Lieblingsbuch geworden ist, so eignet er sich jedoch wunderbar für eine genauere Betrachtung und Bearbeitung. Als Erstes werde ich eine kurze Beschreibung der Epoche, des Autors und des Romans vornehmen, dann folgt eine Ausführung zu den verschiedenen Frauentypen und der Frau allgemein in der Fin de Siècle- Epoche und schlussendlich werde ich konkret auf die Frauen (-figuren) des Romans selbst eingehen.
2. Fin de Siècle
2.1 Fin de Siècle: Die Epoche
„Mit der Nobilitierung von Verfall, Lebensschwäche, Willenslähmung, sozialer Abstinenz und Melancholie wehrt sich die Literatur gegen das hektische Innovationstempo, das doktrinäre Fortschrittspathos und die entsprechenden Werte in allen Lebensbereichen, indem sie sich der Getriebenheit durch hypertrophe Willenskraft verweigert“(Barz, Weltflucht und Lebensglaube, S. 20). Mit dem Begriff “Fin de Siècle“ (dt. Ende des Jahrhunderts) wird die Kunst und Literatur zwischen ca. 1890 und 1906 umschrieben. In dieser Zeit veränderten sich die Lebensverhältnisse massiv. Die Naturwissenschaft und mit ihr die wissenschaftliche Erklärung für alle Dinge gewannen an Gewicht, die gesellschaftlichen Strukturen wandelten sich und mit ihnen die Normen, die Moral; kurz das Leben für jeden einzelnen. So war die Familie im 19. Jahrhundert ein von der Aussenwelt geschützter Ort zweckfreier Liebe, von familiärer Intimität. Dieser Rahmen schwindet um 1900, die Sexualität löst sich von der Gebundenheit an die Liebe und die Ehe. In den Grossstädten nimmt die
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soziale Kontrolle des Einzelnen so weit ab, dass Schichten wie das Proletariat und die Bohème entstehen, welche sich von der etablierten Sexualmoral entbunden fühlen. Auch der Frau gelingt es, aus ihrer konventionellen Rolle zu mindest teilweise auszubrechen. Denn die Frau ist nicht mehr nur durch die Familie bestimmt, sondern kann sich nun auch durch die Frauenbewegungen, welche mit anderen identitätsstiftenden Sonderkulturen entstehen, definieren. Diese Identitätskrise und Infragestellung der angestammten Werte und Institutionen führen jedoch zu einem Modernisierungsschock, welcher ein urbaren Boden für „kulturkonservative Utopien, rassistische oder völkische Ideen, Ausweitung des Darwinismus oder Wiederbelebung der idealistischen Philosophie“ (Beutin/ Ehlert/ Emmerich et al., Deutsche Literaturgeschichte, S. 356) darstellt. Diese Atmosphäre der Pluralität von Meinungen und Themen wirkt sich auch auf die Stile und Programme der Kunst und der Literatur aus, in welcher beispielsweise althergebrachte (Gattungs-) Trennlinien fallen. Ein zentraler Begriff ist auch die „Décadence“. Er umschreibt eine Kunstrichtung, deren Kennzeichen der Pessimismus, die Pole Lebenslust-Lebensüberdruss, die Emporhebung des Künstlich- Schönen, Traumhaften, Morbiden und die rauschhafte Suche nach (Sinn-) Genuss sind. Die Décadence ist massgeblich von der Philosophie Friedrich Nietzsches beeinflusst und literarisch eng verwandt ist die „Weltschmerzdichtung“, zu deren berühmten Vertreter beispielsweise Charles Baudelaire gehört.
Im gleichen Zeitraum- mit regional unterschiedlichen Ausprägungen und zeitlichen Überschneidungen- treten auch der Realismus 1 und der Naturalismus 2 auf. Robert Musil umschreibt diese Phase sehr passend: „Es wurde der Übermensch geliebt, es wurde der Untermensch geliebt; es wurde die Gesundheit und die Sonne angebetet, und es wurde die Zärtlichkeit brustkranker Mädchen angebetet […] man war gläubig und skeptisch, naturalistisch und preziös, robust und morbid […] Dies waren freilich Widersprüche und höchst unterschiedliche Schlachtrufe, aber sie hatten einen gemeinsamen Atem[…] Die Illusion, die ihre Verkörperung in dem magischen Datum der Jahrhundertwende fand, war so stark, dass sich die einen begeistert auf das neue, noch unbenützte Jahrhundert stürzten, indes die anderen sich noch schnell im alten[…] gehen liessen[…], ohne dass sich diese beiden Verhaltensweisen als sehr unterschiedlich gefühlt hätten“ (ebda., S. 355).
1 Einerseits bezeichnet der Realismus die europäische Stilepoche, deren Anspruch es war, sich auf die aktuelle Zeit zu beziehen. Andererseits wird damit die künstlerische Darstellungsweise benannt, welche alles naturgetreu wiedergeben will (Gfrereis, Grundbegriffe, S. 164).
2 Der Naturalismus war eine Stiltendenz in der Literatur und der Kunst, welche bemüht war, die Wirklichkeit möglichst genau abzubilden (Gfrereis, Grundbegriffe, S. 134).
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2.2 Arne Garborg
Arne Garborg wird am 25.01.1851 in Time in Südwestnorwegen in eine Bauernfamilie hineingeboren. Er absolviert eine Ausbildung zum Lehrer, da er sich nicht vorstellen kann den Familienhof zu übernehmen. Als sein Vater 1870 Suizid begeht, wird er von Schuldgefühlen geplagt. 1973 siedelt er nach Kristiania- das heutige Oslo- über. 1875 macht er sein Abitur und ändert seinen Namen von Aadne Eivindsson zu Arne Garborg. 1878 veröffentlicht er seinen ersten Roman „Ein Fritenkjar“. Garborg führt ein betriebsames Leben als Schriftsteller und Zeitungspolemiker und heiratet 1887 Hulda Bergensen, eine moderne, engagierte Frau, mit welcher er „Det Norkse Teatret“ (dt. Das norwegische Theater) einrichtet. Sie haben einen Sohn, Arne. Garborg lebt immer wieder über längere Zeit in Deutschland und 1891 erscheint „Trætte Mænd“ (wörtlich „Müde Männer“), wie „Müde Seelen“ im Originaltitel heisst. 1898 erhält er ein bis an sein Lebensende andauerndes, staatliches Stipendium. Am 14.1.1924 verstirbt Arne Garborg in Asker, wo sich das Ehepaar niedergelassen hatte. Er war und ist einer der bedeutendsten norwegischen Schriftsteller dieser Zeit. So hat er über 2000 Artikel, über 1400 Briefe und 6 Bände an Tagebüchern und Romanen veröffentlicht. Zudem ist Garborg der Begründer des Nynorsk 3 als aktive Literatursprache 4 . Er entwickelte sich von einem konservativ und antidemokratisch eingestellten zu einem volkstümlichen und demokratischen Menschen, welcher sich gegen die Zwangs-, Vernunfts- und Intressensehe aussprach. Indem er psychische und physische Misshandlungen bespricht, begeht er einen Tabubruch. Er führt unter anderem auch die Themenkreise Religionskritik, Darwinismus, Naturalismus und Kommunismus in Norwegen ein. „Garborg stellt sich […] auf die Seite einer neuen selbstbewussten Kunst. Kunst sei nunmehr eine freie geistige Macht und kein „Dienstmädchen“ bei einer fremden Macht, sei es Politik, Religion, Moral oder Wissenschaft“(Barz, Weltflucht und Lebensglaube, S. 115).
2.3 Der Roman „Müde Seelen“
Der Roman „Müde Seelen“ erscheint 1891 und stellt einen Schlüsselroman des Fin de Siècle dar (Tischleder, Grübler der Wollust). Der Roman ist in zwei Abschnitte geteilt und besteht aus (Tagebuch-) Aufzeichnungen des Ministerialbeamten und älteren Junggesellen Gabriel Jeronymus Gram vom 5. Juni 1885 bis zum April 1889.
3 Nynorsk ist die zweite norwegische Landessprache neben dem Bokmål. Nynorsk basiert auf den Dialekten, während Bokmål vom Dänischen abgeleitet ist.
4 Er hat beispielsweise „Müde Seelen“ in Nynorsk verfasst.
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Arbeit zitieren:
Nina Ratavaara, 2006, Die Frauenfiguren im Roman „Müde Seelen“ von Arne Garborg, München, GRIN Verlag GmbH
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