Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Variationen im Wortschatz 3
2.1 Lexikalischer Abstand zwischen français parlé und français écrit. 3
2.2 Bedeutung von drei Dimensionen sprachlicher Variation 4
2.2.1 Das Französische in diatopischer Sicht 4
2.2.2 Das Französische in diastratischer Sicht 5-6
2.2.3 Unterschiedliche Register des Französischen 7
3. Kategorisierung von Neologismen 8
3.1 Entstehung von Neologismen durch Wortbildung 9
3.2 Bedeutungsneologismen 10
3.3 Stilistische Neologismen 10-11
4. Erfassen von Neologismen in den Wörterbüchern 11-12
4.1 Zu den Aufnahmekriterien französischer Neowortschöpfungen
in die Wörterbücher 12-14
4.2 Unterschiedliche Neologismenkonzeptionen in den Wörterbüchern. 14-18
4.3 Konzeption der Sprachnorm 19
4.3.1 Normbegriff in Neologismenwörterbüchern 19-21
4.3.2 Neologismen und Orthographie 21-22
5. Fazit 23-24
Literatur 25
1
1. Einleitung
Sprache ist ein faszinierendes Kommunikationsmittel, das sich u.a. durch hohe Komplexität und ständige Weiterentwicklung auszeichnet. Diese Weiterentwicklung impliziert dabei sowohl die innovativen Erscheinungen der Sprache auf verschiedenen Beschreibungsebenen wie Lexikon, Syntax, Morphologie etc. als auch das Wegfallen vom obsolet Gewordenen. Im Vordergrund der vorliegenden Arbeit steht die Auseinandersetzung mit den Entwicklungen eines Wortschatzphänomens - des Neologismus. Eine genaue Definition dieser lexikalischen Schöpfung bleibe an dieser Stelle zunächst ausgespart, da gerade die Beleuchtung des unbeständigen Charakters dieses Phänomens einen der Schwerpunkte dieser Arbeit ausmacht. Zur ersten Orientierung sei aber angemerkt, dass Neologismus aus dem Griechischen stammt, wo neos „neu“ und logos „Wort“ bedeuten. 1
Einen ersten Eindruck über die oben angesprochene Unbeständigkeit der Neologismen können bereits die nachfolgenden Überlegungen vermitteln: Mit Hilfe der französischen Sprache verständigen sich weit über 100 Millionen Menschen auf allen Kontinenten unserer Welt. Dabei verfügt jedes Individuum über einen Wortschatz, der sich im Laufe seines Lebens immer weiter erweitert. Doch die individuell als neu empfundenen Lexeme sagen zunächst nichts über die globale Entwicklung der Wortschatzmenge einer Sprache aus. Die Antwort auf die Frage, ob ein Wort wirklich den Status einer Neuschöpfung hat oder nicht, kann man heutzutage in mehreren Wörterbüchern finden, wo der Versuch unternommen wird, diese sogenannten Neologismen zu erfassen.
Woher nehmen aber die Neulinge im französischen Wortschatzbereich ihren Ursprung? Welche Dimensionen französischer Sprache sind an diesem Prozess beteiligt? Diesen Fragestellungen wird im Rahmen der vorliegenden Arbeit nachgegangen. Um die Problematik des Erfassens von Neologismen zu verdeutlichen, wird zudem ein Überblick über die Kategorisierung der Neuschöpfungen geliefert. Diese lexikologischen Aspekte werden im 2. und 3. Kapitel behandelt. Im Mittelpunkt des darauf folgenden 4. Kapitels steht hingegen der lexikographische Aspekt.
Grundsätzlich geht es in dieser Arbeit nicht darum, den Prozess von der Wortschöpfung bis zu deren Aufnahme in entsprechende Wörterbücher im Detail zu verfolgen, sondern um die Zielsetzungen der Verfasser solcher Nachschlagewerke sowie um die Darstellung von Schwierigkeiten, denen die Lexikologen und Lexikographen bei der systematischen Zusammenstellung von Neologismen begegnen.
1 Internetquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Neologismus [Stand: 12.10.09]
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2. Variationen im Wortschatz
Es ist evident, dass eine und dieselbe Person nicht immer gleiches Französisch spricht, da die jeweilige Ausdrucksweise von vielen Faktoren abhängt. Die nachfolgenden Unterkapitel 2.1 und 2.2 dienen dazu, einen Überblick über die möglichen Faktoren zu geben, unter besonderer Berücksichtigung von deren Bedeutung für die Lexik.
2.1 Lexikalischer Abstand zwischen français parlé und français écrit
Im Laufe der Geschichte hat man sich in der französischen Sprache immer wieder dafür eingesetzt, die normgebundene Schriftsprache und das alltägliche mündliche Französisch voneinander deutlich abzugrenzen. Mit der Gründung der Académie Française im Jahre 1635 wurde die französische Sprache endgültig institutionalisiert. Seitdem sind die Begriffe wie bon français und bon usage aus dem Konzept der Sprachpflege des Französischen nicht mehr wegzudenken.
Von einem Stillstand kann hier dennoch nicht die Rede sein. In diesem Kontext betont Bodo Müller (1975) in seinem Aufriss des Gegenwartsfranzösischen Das Französische der Gegenwart, dass sich der lexikalische Abstand zwischen français parlé und français écrit nach 1945 stark abgeflacht habe (vgl. ebd., S.74). Laut ihm passt sich das Vokabular des français écrit immer mehr an das des français parlé an, so dass man beim Wortschatz kaum von zwei grundverschiedenen Formen des Französischen reden kann.
Diese Tendenz ist aber nicht mit dem Verlorengehen der Hauptfunktion des schriftlichen Französischen gleichzusetzen, da die Schriftform im Durchschnitt immer eine sorgfältigere Wortwahl verlangt. So wird es in den Wörterbüchern vermerkt, ob ein Ausdruck eher für français parlé ( z.B. truc, bouquin, type ) oder für français écrit ( z.B. chose, livre, homme ) angemessen ist.
Die Schriftsprache charakterisiert Müller als lexikalisch reichhaltiger und variabler als der mündliche Ausdruck. Er geht aber auch auf eine wichtige Eigenschaft der gesprochenen Sprache ein und berichtet, dass im Jahre 1951 der Versuch unternommen wurde, auf der Basis von Häufigkeitsanalysen des français parlé ein Français fondamental zu entwickeln. Somit könnte man die gesprochene Sprache als lebende Form der Sprache bezeichnen. Auch der Ausdruck Primat des Mündlichen, der sich im Bereich der Linguistik und Fremdsprachendidaktik etabliert hat, verdeutlicht die besondere Rolle des français parlé.
3
2.2 Bedeutung von drei Dimensionen sprachlicher Variation
Das Mündliche ist die Grundlage für die Verschriftlichung jeglicher Art. Diese Tatsache ist zwar trivial, aber auch umso bedeutender. Vor allem in unserem Zeitalter der hoch entwickelten Technologien - die den Status der schriftlichen Kommunikation hervorheben und eine beinahe kaum überschaubare Fülle an Lexika anbieten -, darf man nicht aus dem Blickfeld verlieren, dass die Entwicklung der Sprache und somit ihre Erneuerung ihren Ursprung in mündlicher Kommunikation hat, die über viele Facetten verfügt. Man kann das Französische als eine Einheit gegenüber den anderen Sprachen der Welt abgrenzen. Streng genommen ist aber die sprachliche Wirklichkeit des Französischen nicht einheitlich, sodass es angemessener ist, vom Französischen im Plural zu sprechen. Im Folgenden werden drei Dimensionen dieses Französischen vorgestellt.
2.2.1 Das Französische in diatopischer Sicht
Bei diatopischer Variation der Sprache handelt es sich um sprachliche Unterschiede im Raum bzw. um geographische Variation. Müller (1975) verwendet dafür den Begriff „langues régionales“, der zugleich Regionalfranzösisch, die französischen Dialekte und langues ethniques umfasst (ebd., S.109). Die Frage nach charakteristischen Merkmalen dieser einzelnen Ausprägungen diatopischer Variation ist für das Hauptthema vorliegender Arbeit von marginaler Bedeutung und wird daher nicht berücksichtigt. Interessanter erscheint eher die Frage, welchen Beitrag die „langues régionales“ für die Entwicklung des französischen Wortschatzes leisten.
Aus dem kommunikativen Austausch zwischen den Sprechern verschiedener Regionen können Begriffe ausgefiltert werden, die den Einzelsprechern möglicherweise als lexikalische Innovationen erscheinen, im Grunde aber keine Neuschöpfungen, sondern Archaismen sind. Unter Archaismen versteht man die Aufnahme von verloren gegangenen Elementen, die in allen oder einigen ihrer Bedeutungen entbehrlich geworden sind (vgl. Blochwitz & Runkewitz, 1971, S.332). Die nachfolgende Tabelle veranschaulicht einige Beispiele von Archaismen
Beispiele entnommen aus: Blochwitz / Runkewitz, 1971, S.333-334
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2.2.2 Das Französische in diastratischer Sicht
Die diastratische Vielfalt bezeichnet die unterscheidbaren Register der soziologischen Gruppen, die die Sprachgemeinschaft ausmachen (vgl. Müller, 1975, S.135). Damit sind nicht ausschließlich die Schichten einer Gesellschaft gemeint, sondern alle Klein- und Großgruppen mit gruppenspezifischen Sprachregistern.
Während die diatopische Variation eher viel Material im Bereich der Phonetik und Phonologie anbietet, scheint die situationsspezifische Kommunikation (und somit die diastratische Dimension der Sprache) stark lexikalisch bezogen zu sein. Denn im Gespräch mit einem Kind wird auf ein ganz anderes Vokabular zurückgegriffen als bei einer Fachkonferenz. Selbstverständlich unterscheiden sich dabei auch die syntaktischen Konstruktionen der Sätze erheblich, doch dieser Aspekt wird im Sinne der hier behandelten Thematik ausgeklammert.
Es liegt auf der Hand, dass Klein- und Großgruppen aus diastratischer Sicht je nach Auffassung ziemlich weitgefächert sein können. Aus diesem Grund beschränkt sich diese Arbeit bei der folgenden Darstellung ausschließlich auf die von Müller (1975) aufgeführten Gruppen. Der Linguist unterscheidet nämlich zwischen dem geschlechter- und generationenspezifischen Sprachgebrauch, dem Gebrauch der Sprache in verschiedenen sozialen Schichten, den Fachsprachen und dem Argot. Welche lexikalische Tendenzen zeigen sich bei diesen Gruppen? Bei der Differenzierung nach Geschlecht stellt der Wissenschaftler bspw. heraus, dass Frauen den Neuerungen gegenüber distanzierter als Männer sind. Die mots vulgaires und mots obscènes werden von ihnen gemieden, und auch auf die „zweideutigen“ Elemente des Wortschatzes greift eine Frau seltener als ein Mann zurück.
Am Vokabular lassen sich ebenfalls die unterschiedlichen Altersstufungen beobachten. Im Vergleich mehrerer Generationen wird nämlich deutlich, welche Lexeme aus dem Gebrauch gekommen sind und was hingegen neu dazu gekommen ist. So sind im Wortschatz der vor 1945 Geborenen folgende Lexeme präsent: Aéroplane, tramway, poilu, dépêche, gazette (vgl. ebd.). Solche Vokabeln werden laut Müller von der jüngeren Generation kaum noch passiv beherrscht. Umgekehrt partizipieren die Älteren kaum an dem Wortschatz der Jüngeren, der sich durch einen lexikalischen Reichtum für moderne Errungenschaften und Lebensformen auszeichnet. Außerdem schreibt Müller der jüngeren Generation den lexikalischen „Wildwuchs“ sowie das „englisch-amerikanische Modewort“ zu.
Der Wortschatz unterscheidet sich auch je nach sozialer Schicht. Ein Mitglied der höheren Schichten verfüge über einen quantitativ größeren, qualitativ gehobeneren und diversifizierteren Wortschatz, fasst Müller zusammen.
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Zur diastratischen Variation zählt Müller noch die Fachsprache. Darunter versteht man den Bereich der Sprache, der auf eindeutige und widerspruchsfreie Kommunikation in einem Fachgebiet gerichtet ist und dessen Funktionieren durch eine festgelegte Terminologie entscheidend unterstützt wird. 2 Das in der vorhergehenden Definition kursiv Unterlegte verdeutlicht ein wesentliches Charakteristikum der Fachsprache, und zwar ihren unmittelbaren Bezug zur lexikalischen Beschreibungsebene. Die Fachsprache besteht im Grunde darin, den fachlichen Fortschritt zu versprachlichen. Dies ist somit maßgeblich für die lexikalischen Innovationen.
Als letzte soziale Variante führt Müller das Argot ein, das er als Gruppensprache derer, die am Rande der Gesellschaft leben, definiert. Nach ihm seien für das Argot die momentane Funktion und daher Mangel an Stabilität charakteristisch. Wie an einer späteren Stelle der vorliegenden Arbeit noch gezeigt wird, ist diese Eigenschaft von einer besonderen Bedeutung für das Erfassen von Neologismen in den Wörterbüchern. Aber auch im Rahmen dieses Kapitels kann man sich bereits einen engen Bezug zu Neologismen vorstellen, insbesondere wenn Müllers Behauptung berücksichtigt wird, dass im Argot die Lexik die entscheidende Differenzierung bewirke. Außerdem erreicht das Ausmaß des Zuwachses des Wortschatzes auf der Ebene des Argot einmalige Werte. Einige dieser im Argot hinzugekommenen Vokabeln gelangen sogar in die Pressesprache, wie Blochwitz und Runkewitz im Rahmen ihrer Auseinandersetzung mit Neologismen der französischen Gegenwartssprache zeigen. Einige Beispiele aus ihrer Arbeit sind in der nachfolgenden Tabelle dargestellt.
Beispiele entnommen aus: Blochwitz & Runkewitz, 1971, S.335-338
2 Internetquelle: http://www.iim.fh-koeln.de/dtp/eLearning/03_fachsprache.html [Stand: 12.10.09]
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Arbeit zitieren:
Viktoria Hermes, 2009, Neologismen im Französischen, München, GRIN Verlag GmbH
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