Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Seite 1-2
2. Das System der Konzentrationslager
Seite 2-3
2.1 Theodor Eike und das Dachauer Modell
Seite 3-4
2.2 Die Disziplinar- und Strafordnung
Seite 4-6
3. Leben im Konzentrationslager
Seite 6-7
3.1 Alltag und Lebensbedingungen
Seite 7-9
3.2 Häftlingshierarchie
Seite 9-11
4. Schluss
Seite 12
Literaturverzeichnis
2
1. Einleitung
Zwischen 1933 und 1945 existierten in Deutschland etwa 26 nationalsozialistische Konzentrationsstammlager. 1 Rechnet man alle Lager mit Neben-, Arbeits- und Vernichtungslagern zusammen kommt man auf eine Gesamtzahl von ca. sechs- bis neuntausend Lagern. Die genaue Anzahl der darin festgehaltenen Häftlinge ist heute nicht mehr genau nachvollziehbar. Verschleierungstaktiken seitens der Nationalsozialisten, fehlende und verloren gegangene Aufzeichnungen führen dazu, dass es heute nur Schätzungen zu der Gesamtzahl der KZ-Inhaftierten gibt. 2 Man nimmt an, dass etwa 6 Millionen Menschen in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern ihr Leben verloren. Die Zahl der Inhaftierten dürfte also noch um einiges höher sein, als die hier genannten Zahlen der Todesopfer. Besonders in den letzten Jahren der NS-Herrschaft wurden die Kapazitäten der Konzentrationslager voll ausgenutzt und häufig noch überschritten. Beispielsweise wurden am 23. April 1945 in Dachau 65746 Gefangene registriert. 3 Dies führte dazu, dass statistisch gesehen nur 1 SS-Wachmann 40 Gefangene beaufsichtigte. 4
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Herrschaftssystem der Konzentrationslager. Es soll geklärt werden, wie es möglich war mit vergleichsweise wenig Wachpersonal so viele Menschen unter Kontrolle zu halten und Aufstände weitgehend zu verhindern. Hierzu wird im ersten Teil der Arbeit zunächst erklärt werden, was unter dem Begriff Konzentrationslager zu verstehen ist. Im Anschluss daran folgt ein Überblick zur Entwicklung der KZ zu einem einheitlichen, von der SS geleiteten System, da dies Grundvorrausetzung für die lagerinterne Organisationsstruktur war. Auf Grundlage dessen, werden dann das Reglement, die Lebensbedingungen und die Häftlingsstrukturen betrachtet. Ziel ist es Mittel und Methoden zu finden, die zur Kontrolle und Unterdrückung der Häftlinge dienten.
In den letzten Jahren der Nationalsozialistischen Herrschaft war das System der Konzentrationslager ausgereift. Von daher ist innerhalb dieses Zeitraums die Untersuchung der Methodik am sinnvollsten und wird in dieser Arbeit bevorzugt behandelt werden.
1 Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933-1945; Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003; S. 140.
2 Wolf Oschlies: Das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager; URL: http://www.shoa.de/holocaust/konzentrations-und-vernichtungslager/54-das-system-dernationalsozialistischen-konzentrationslager.html (Fassung vom 14. 11.2008).
3 Ulrich Herbert [Hrsg.]: Die nationalsozialistischen Konzentrationslager - Entwicklung und Struktur. Band II; Wallstein Verlag; Göttingen 1998; S.796.
4 Hans Schafranken, Robert Streibel (Hrsg.) : Strategie des Überlebens - Häftlingsgesellschaften in KZ und Gulag; Picus Verlag; Wien 1996; S. 58.
1
Auf eine ausführliche Untersuchung der speziellen Rolle der SS-Wachmannschaften wird jedoch verzichtet, da dies für die Funktionsweise der systematischen Unterdrückung der Inhaftierten kaum eine Rolle spielte. 5 Einzig die enorme Gewaltbereitschaft der SS ist für diese Analyse von Belang und wird im Laufe der Arbeit mehrmals thematisiert werden. 6
2. Das System der Konzentrationslager
Als Konzentrationslager wurden im ursprünglichen Sinne jene Lager bezeichnet, die unter der zentralen Verwaltung der „Inspektion der Konzentrationslager“ (IKL) und des „SS Wirtschafts- und Verwaltungshauptamts“ (WVHA) in Oranienburg standen. Bis 1933 gab es mehrere verstreute Lager, die hauptsächlich zur Verwahrung politischer Gegner dienten. Diese so genannten „frühen“ oder „wilden“ Lager besaßen keine gleichförmige Struktur und wurden größtenteils von der Staatspolizei geleitet. Erst ab 1934 setzte sich eine einheitliche Form von Konzentrationslagern durch. Innerhalb der 12jährigen Existenz gab es jedoch Veränderungen, die insbesondere den Zweck der Lager betrafen. Im Allgemeinen wird in drei Phasen unterschieden: 7
1. Von 1933 bis 1936 dienten die Lager größtenteils zur Verwahrung von politischen Gegnern.
2. Von 1936 bis 1941 stand die wirtschaftliche Nutzung der Häftlinge im Vordergrund. Die Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge führte nicht selten zum Tod. Dieser Umstand wurde bewusst in Kauf genommen. Deshalb wird diese Periode auch als “Vernichtung durch Arbeit“ bezeichnet.
3. Von 1941 bis 1945 setzte man die Häftlinge dann in der Rüstungsproduktion ein. Ab 1941 begann die Massenvernichtung. Diese dritte Phase wird als “Endlösung der Judenfrage“ bezeichnet.
Wie bereits in der Einleitung erwähnt liegt der zeitliche Schwerpunkt dieser Arbeit auf
5 Herbert, Ulrich: Die nationalsozialistischen Konzentrationslager - Entwicklung und Struktur. Band II; S. 787.
6 Zur Rolle der Täter als Zugehörige der Waffen-SS siehe: Wolfgang Sofsky - Die Ordnung des Terrors. Das Konzentrationslager, Frankfurt/Main 1993.
7 Karin Orth: Das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager - Eine politische Organisationsgeschichte; Hamburger Edition; Hamburg 1999; S. 21.
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den beiden letztgenannten Phasen. Kennzeichnend für diese sind die kriegsbedingt ansteigenden Häftlingszahlen, höhere Todesraten, extreme Gewalt und Verschlechterung der Lebensbedingungen in den Lagern. Dies waren Umstände, die im Normalfall die Entstehung von Aufständen begünstigten. Dieser Gefahr gegenüber stand jedoch ein immer stärker werdender, systematisierter Terror. Grundlage für diese Entwicklung bildete ein maßgeblich von Theodor Eike mitgestalteter einheitlicher Typus von Konzentrationslagern.
2.1 Theodor Eike und das Dachauer Modell
Theodor Eike galt in SS Kreisen als gescheiterte Persönlichkeit. Er war ein erwerbsloser vorbestrafter Psychiatriepatient. Wegen verschiedener Probleme war er der SS verwiesen worden. Trotzdem gab Himmler ihm die Möglichkeit sich zu rehabilitieren. Eicke nutzte seine Chance und erwies sich, aus Sicht der Nationalsozialisten und der SS, als Glücksfall. 8
Am 26. Juni 1933 trat er das Amt als Kommandant des KZ Dachau an und entwarf noch im Oktober desselben Jahres ein Organisationsschema für das Lagerleben. 9 Innerhalb kurzer Zeit gestaltete Eike Dachau zu einem Lager um, das in der Folgezeit als Vorbild für alle weiteren fungierte. Ein Jahr später, am 4. Juli 1934, wurde er zum “Inspekteur der Konzentrationslager“ und “Führer der SS-Wachverbände“ ernannt. 10 Sämtliche bestehenden und zukünftigen Lager wurden am 10. Dezember 1934 der IKL unterstellt und befanden sich somit im engeren Sinne unter der Kontrolle von Theodor Eike. Kurz darauf wurden alle bestehenden Einrichtungen nach dem so genannte “Dachauer Modell“, welches unter anderem die im Oktober 1933 von Eike entworfene Straf- und Lagerordnung und die Führungsrolle der SS im Lager beinhaltete, umstrukturiert. 11 Von diesem Zeitpunkt an umfasste der Zuständigkeitsbereich der SS alle organisatorisch wichtigen Abteilungen der Konzentrationslager. Dadurch wurden die KZ zu einem rechtsfreien Raum, der außerhalb der staatlichen Kontrolle lag. 12 Der entscheidende Schritt in der Historie der Konzentrationslager wurde jedoch erst 1937 getätigt. Bis auf das Lager in Dachau wurden alle frühen Lager aufgelöst und an ihre Stelle traten neue Lager, errichtet nach dem Dachauer Vorbild - die nationalsozialistischen
8 Karin Orth: Die Konzentrationslager-SS - Sozialstrukturelle Analysen und biographische Studien; 2. Aufl.; Wallstein, Göttingen 2001; S. 100.
9 Benz, Wolfgang [Hrsg.]: Der Ort des Terrors - Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 1: Die Organisation des Terrors; C.H. Beck; München 2005; S. 31.
10 Siehe oben: S. 32.
11 Klaus Drobisch, Günther Wieland: System der NS-Konzentrationslager 1933-1939; Akademie Verlag; Berlin 1993; S. 81.
12 Wolfgang Benz: Der Ort des Terrors; S. 31.
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Arbeit zitieren:
Nina Sikora, 2008, Untersuchung der Methoden zur Häftlingskontrolle in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern, München, GRIN Verlag GmbH
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