II
Abkürzungsverzeichnis
BaFin Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht i.d.R. In der Regel Schufa Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung Stgb Strafgesetzbuch OTC Over-the-Counter
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1. Einleitung
1.1. Problemstellung
Seit dem Jahr 1960 verzeichnet sich eine stetig steigende Anzahl von Investoren an den Finanzmärkten, insbesondere aus dem Bereich der Privatanleger, die auf-grund einer verbesserter Einkommens- und Vermögenssituation in den Fokus von dubiosen Kapitalanlagevermittlern und Anlageinitiatoren des grauen Marktes gerückt sind. Waren es davor Berufsgruppen aus dem Bereich der Freiberufler und Selbständigen, so sind heute Geschädigte aus nahezu allen Bevölkerungsschichten zu verzeichnen. 1 Die Finanzprodukte selber unterliegen zumeist der gültigen Rechtsordnung und bedürfen keiner Erlaubnis durch das Kreditwesensgesetz und unterliegen auch keiner fortlaufenden Kontrolle durch die BaFin oder einer anderer Aufsichtsbehörde.
Der volkswirtschaftliche Schaden, der aufgrund von Fehlberatungen und mit betrügerischem Vorsatz entsteht, lässt sich jährlich auf mehr als 20 Mrd. Euro beziffern, wobei mit einer gewaltigen Dunkelziffer zu rechnen ist, da die Mittel aus Investitionen nicht selten aus Schwarzgeldern stammen oder Strafanzeigen aus Scham, Opfer einer Täuschung geworden zu sein, unterbleiben und somit auch nicht offiziell erfasst werden. 2
Bei vielen Anlegern paart sich mangelnder Sachverstand, was Risiko und Komplexität des Finanzproduktes betrifft, mit dilettantischen Kenntnissen des Finanzberaters. Bis dato kann jeder sachunkundige mit Hilfe eines Gewerbescheines als Finanzberater selbständig tätig sein. Auch die Provisionsgier des Beraters und die Renditegier des Anlegers lassen oft die Augen vor dem offensichtlich Fragwürdigem verschließen. Teilweise scheint es so, dass kleine Investitionen, wie beispielsweise die Anschaffung von Konsumgütern, besser überdacht werden, als das Anlegen des gesamten und lange ersparten Vermögens, wenn man die Schadensfälle, die publik werden, objektiv betrachtet.
Der graue Kapitalmarkt bietet vielseitige Möglichkeiten mit außerordentlich hohen Renditen, ist aber wesentlich durch eine hohe Anzahl von Betrugsfällen und immensen Schadensfällen geprägt. 3 Paradoxerweise ist nach der aus der Sub-Prime
1 Vgl. Hagemann, M. (2005), S. 41 f.
2 Vgl. Jahn, J. (2002), S. 19.
3 Vgl. Berger, M., Möller, A. (2000) S.382 ; vgl. Behrens, G. (2003), S.89.
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erstandenen Finanzkrise ein weiterer Push-Effekt für den grauen Markt ausgegangen, da die Möglichkeit, adäquate Zinsen risikofrei durch Sparvermögen zu erhalten, aufgrund der Zinspolitik der Zentralbanken zum heutigen Stand sehr begrenzt ist.
1.2. Zielsetzung
Das Ziel dieser Seminararbeit ist es, die charakteristischen Eigenheiten des grauen Kapitalmarktes zu beschreiben und ihn gegenüber dem übrigen Kapitalmarkt abzugrenzen. Darüber hinaus werden ausgewählte Anlageformen des grauen Kapitalmarktes in zwei Kategorien, den Anlageformen mit Betrugspotential und den Anla-geformen mit explizitem Betrugsvorsatz unterschieden. Die Produkte beider Kate-gorien werden im Folgenden detailliert beschrieben. Letztlich soll dem Leser dieser Arbeit ermöglicht werden zwischen investitionswürdigen und investitionsunwürdigen Anlagen zu unterscheiden und die Gefahrenpotentiale von Finanzprodukten am grauen Markt erkennen zu können.
1.3. Ablauf der Arbeit
Unter dem zweiten Gliederungspunkt werden die Charakteristika des grauen Marktes beschrieben, sowie die Terminologie des grauen Marktes definitorisch geklärt. Darüber hinaus wird eine Abgrenzung zum übrigen Kapitalmarkt herausgestellt. Der dritte und vierte Gliederungspunkt dieser Arbeit beinhaltet eine Auswahl von Finanzprodukten des grauen Marktes, die im Folgenden detailliert beschrieben werden. Es werden Chancen und Risiken für eine Investition herausgestellt. Im fünften Gliederungspunkt wird ein zusammenfassendes Resümee der Arbeit ausgearbeitet.
1.4. Eingrenzung
Diese Seminararbeit kann aufgrund ihrer formalen Einschränkungen nur einen kleinen Ausschnitt aus den bekanntesten Anlageformen des grauen Kapitalmarktes geben und diese in ihren Ausgestaltungen und im Detailgrad nur begrenzt wiedergeben. Des Weiteren konnte auch nicht auf juristische Aspekte und Eindämmungsversuche eingegangen werden. Diese Seminararbeit soll das grobe Konstrukt des grauen Marktes und dessen Produkte skizzieren und als Anreiz zu weiterer und vertiefender Literaturrecherche verstanden werden.
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2. Marktcharakteristika
2.1. Definition
Der Begriff des grauen Kapitalmarktes ist weder gesetzlich noch einheitlich in der Fachliteratur definiert. Um diesen Teil des Kapitalmarktes zu beschreiben werden folgende Termini verwendet: Der „Graue Kapitalmarkt“ 4 , wird u.a. auch „zweiter Kapitalmarkt“ 5 , „freier Kapitalmarkt“ 6 , „Nebenkapitalmarkt“ 7 oder „nicht-organisierter Kapitalmarkt“ 8 genannt.
Die Bundesregierung definiert in einem Bericht zum grauen Kapitalmarkt diesen wertneutral als „nicht regulierten bzw. nicht spezialgesetzlich regulierten Teil des Kapitalmarktes“. 9 In der öffentlichen Diskussion hat sich der Terminus grauer Kapitalmarkt „eingebürgert“ 10 und wird mitunter zur Bezeichnung von unseriösen Anlageangeboten bzw. betrügerischen Aktivitäten und Scheingeschäften verwendet. 11 Durch den hohen Grad der Gestaltungsfreiheit bietet sich auch ein Spielraum für missbräuchliche Aktivitäten. Die Leistungsfähigkeit des grauen Marktes ist auf-grund seiner fehlenden Marktordnung und fehlender Treffpunkte für Kapitalanbieter und -nachfrager als gering anzusehen und deshalb nicht grundsätzlich für jeden Kapitalanleger zu empfehlen. 12 Eine treffende Definition findet sich bei Hagemann: „Der graue Kapitalmarkt ist ein Sammelbegriff und steht für einen Teil des deutschen Kapitalmarktes, der aus vielen einzelnen, nicht-organisierten, sowie weitgehend von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unbeaufsichtigten Primär- und ansatzweise auch Sekundärmärkten besteht, auf dem vor allem nicht wertpapiermäßig verbriefte, außerbörsliche Anlageformen und als Kapitalanlagen bezeichnete Finanzprodukte angeboten und zum Teil gehandelt werden“. 13
4 Bundesregierung (1999) S.2.
Resultierend aus einem von Bund und Ländern vorgelegten Bericht, Bundetagsdrucksache
14/1633 vom 17. September 1999, zum „grauen Kapitalmarkt“, der die Situationsbeschreibung
sowie Vorschläge zu Präventionsmaßnahmen beinhaltet.
5 Drießen, M. (2009), S.42.
6 Von Daniels, Holger (2004), S.78.
7 Forberg,K. (1972), S.754.
8 V. Daniels, Holger (2004): Private Equity Secondary Transactions, S.78.
9 Berger, M., Möller, A. (2000), S.382.
10 Roller,H. (1991), S. 33.
11 Vgl. Perkmann,M. (2000) S.5 und Dreyling (1999) S. 2, zit. n. Klaffke,M. (2002), S.18.
12 Gerke, W., Philipp, F. (1985), S. 36.
13 Hagemann,M. (2005), S.146.
Arbeit zitieren:
Marius Karzell, 2009, Der Graue Kapitalmarkt, München, GRIN Verlag GmbH
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