Inhaltsverzeichnis
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A) Einführung in die Thematik, Fragestellung und Methodik der
Arbeit
Der Vertrag von Dover ist ein Bündnis der Könige von England und Frankreich gegen die Republik der sieben Vereinigten Provinzen (die Vereinigten Niederlande). Er war von brisantem Inhalt und stellte eine kurzzeitige Abkehr von der historisch tief verankerten englisch-französischen Rivalität dar.
Zwar waren rasche Bündniswechsel zu dieser Zeit normal, trotzdem bleiben folgende Fragen offen:
Welche Gründe haben den englischen König Karl II und den französischen Herrscher Ludwig XIV dieses Bündnis abschließen lassen und waren sie die einzigen, die an dieser Entscheidung beteiligt waren?
Welchen genauen Inhalt hatte der Vertrag von Dover und aus welchen Gründen unterlag er der Geheimhaltung?
In meiner Arbeit werde ich zur Klärung dieser Fragen zuerst einen groben Überblick über das Verhältnis der Mächte vor dem Abschluss des Vertrages geben, um anschließend bei beiden vertragschließenden Königen deren Motive und politische Zwänge zu erörtern. Der synchrone Aufbau der Arbeit in diesem Bereich dient dabei der Vergleichbarkeit der Positionen der beiden vertragsschließenden Parteien.
Nach einer Passage über den eigentlichen Vertragsschluss bleibt natürlich eine wichtige Frage zu beantworten: Welche Folgen hatte der Geheimvertrag für die Vereinigten Niederlande, dem Ziel dieses Angriffspakts?
Bei den Recherchen zu diesem Thema fand sich keine Arbeit, welche sich ausschließlich und explizit mit dieser Themenstellung auseinandersetzte. Vielmehr wurden die Informationen zur Klärung der Themenfrage aus vielerlei verschiedenen Quellen entnommen: Dazu zählen Monographien über Karl II, Ludwig XIV und über die Zeit der niederländisch-englischen Seekriege im Allgemeinen, sowie Aufsätze mit der gleichen Thematik.
B) Darstellung der Rechercheergebnisse
1. Die Situation vor 1670
Um das Thema besser einordnen zu können, erscheint ein kurzer Abriss der politischen Situation im Vorfeld des Vertrags von Dover mit einem Schwerpunkt auf England, Frankreich und den Vereinigten Niederlanden sinnvoll.
Frankreich war um die Mitte des 17. Jahrhunderts unumstrittene Hegemonialmacht auf dem europäischen Kontinent. Die Republik der Vereinigten Niederlande konnte im Laufe dieses für sie goldenen Jahrhunderts durch den Fernhandel beträchtliche Wirtschaftkraft gewinnen. Währenddessen begann England, begünstigt durch seine periphere Insellage, sich im lukrativen Fernhandel massiv zu engagieren, was zu einer Konfrontation mit der Handelsmacht der Vereinigten Niederlande und zu zwei englisch-niederländischen Seekriegen führt (1652-54, 1665-67). Als Ergebnis dieser beiden Seekriege entschied sich die Handelskonkurrenz beider Mächte allmählich zu Gunsten Englands. Frankreich betrieb währenddessen, nach der Überwindung innerer Unruhen zu Beginn des 17. Jahrhunderts, eine expansive Politik, deren Ziel unter anderem territorialer Gewinn auf Kosten der Vereinigten Niederlande war. Oberstes Ziel aller außenpolitischen Bemühungen der französischen Krone war die Auflösung der habsburgischen Umklammerung durch die spanischen Niederlande, Spanien und Österreich. Interessant hierbei sind die wechselnden Konstellationen: Während des
Unabhängigkeitskampfes der Niederlande gegen Spanien war Frankreich, als Feind des Hauses Habsburg, ein natürlicher Verbündeter der Vereinigten Niederlande und schloss mit diesen noch 1662 einen Beistandspakt.
Als sich Frankreich im Devolutionskrieg anschickte die spanischen Niederlande zu erobern, wurde dies von den Vereinigten Niederlanden als Bedrohung empfunden. Aus diesem Grund entstand im Januar 1668 die Tripelallianz zwischen England, Schweden und den Niederlanden um der französischen Expansion Einhalt zu gebieten. Dies beendete den Krieg und führte zum Frieden von Aachen.
Festzuhalten bleibt, dass die Niederlande trotz dieses Bündnisses weiterhin in Handelskonkurrenz mit England stehen und das Ziel einer Eroberungspolitik der Hegemonialmacht Frankreich sind.
2. Die französische Vertragsseite
2.1. Die innenpolitische Situation in Frankreich
Wenn man von einer innenpolitischen Situation spricht, meint man damit im Allgemeinen das Spiel der verschiedenen Kräfte die in einem Staat dessen Aktionen bestimmen. Bei dem zum damaligen Zeitpunkt in Frankreich regierenden König handelte es sich jedoch um Louis XIV, welcher sich nur Gott und sich selbst verantwortlich fühlte und deswegen als absolutistischer Herrscher bezeichnet wird.
Im Jahr 1661 starb der „Chef aller Sektionen des königlichen Rates“ 1 und der „väterliche (…) Freund“ 2 des Königs, Kardinal Giulio Mazarin.
Nach dem Ableben dieser mächtigen Person begann die persönliche Herrschaft Ludwigs XIV und bereits am Tag darauf berief Louis XIV das „Conseil d’en haut“ ein. Dabei handelte es sich um ein exklusives Beratergremium von meistens drei Personen. Die Anzahl konnte jedoch variieren und allein der König entschied, wer eingeladen wurde. Eine Besonderheit dieses Gremiums war, dass man nicht dauerhaft zum Mitglied ernannt wurde, sondern Louis XIV sprach für jede Sitzung eine einmalig geltende Einladung aus. 3 Bei der Berufung der Mitgliedern des „Conseil d’en haut“ verzichtete der König weitgehend auf Angehörige des Hochadels und begründete dies wie folgt: „Ich musste vor allen Dingen mein eigenes Ansehen fest begründen und der Öffentlichkeit schon durch den Rang, dem ich sie entnahm, zeigen, dass ich nicht die Absicht hatte, meine Autorität mit ihnen zu teilen.“ 4 Ludwig XIV ernannte auch keinen neuen ersten Minister und führte die Regierungsgeschäfte selbst. Außerdem verfügte er nach dem Tod Mazarins, dass seine Staatssekretäre Dokumente nur nach vorheriger Absprache unterzeichnen durften. 5
Der Hochadel wurde nicht nur bei der Besetzung hoher Ämter weniger berücksichtigt als früher, sondern auch durch seine stetige Anwesenheit am Hof von Versailles unter Kontrolle gehalten. So konnten Adelige keine lokalen Machtbasen aufbauen und wurden stattdessen durch Spielschulden gefügig gemacht. 6
Der weitreichende Handlungsspielraum des Königs wurde lediglich durch endliche finanzielle Möglichkeiten eingeschränkt. Während in Friedenszeiten ein einigermaßen ausgeglichener
1 Klaus Malettke, Die Bourbonen. Bd. 1: Von Heinrich IV bis Ludwig XIV. 1589 - 1715, Stuttgart 2008, S. 132-133.
2 Malettke, Bourbonen, S. 140.
3 Vgl. Malettke, Bourbonen, S. 171.
4 Französischer Originaltext in: Louis XIV, Mémoires pour l‘instruction du Dauphin, Hrsg. Pierre Goubert, Paris 1992, S. 58.
5 Vgl. Bernd-Rüdiger Schwesig, Ludwig XIV, Reinbeck 1986, S. 29.
6 Vgl. Ilja Mieck, Europäische Geschichte der frühen Neuzeit, Stuttgart 1998, S. 185.
Arbeit zitieren:
Thomas Weisser, 2010, Der Vertrag von Dover, München, GRIN Verlag GmbH
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