Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Begriffe 3
2.1 Informationskompetenz 3
2.2 Medienkompetenz 3
2.3 Schulbibliothek 2.0 4
3 Aufgaben und Ziele von Schulbibliotheken 4
3.1 UNESCO Schulbibliotheksmanifest 4
3.2 Realität von Schulbibliotheken in Deutschland 5
4 Informationsbeschaffung und Mediennutzung 6
4.1 Jugendliche - Informationsbeschaffung inmitten der medialen
Reiz überflutung 6
4.1.1 Bedürfnisgruppen 7
4.1.2 Intellektuelle Entwicklung 8
4.1.3 Sozialmoralische Entwicklung 9
4.2 Schulbibliotheken - Informationsbeschaffung inmitten medialer
Entwicklungen und Trends 10
4.2.1 Ausstattung 10
4.2.2 Personal 11
4.2.3 Medienpädagogisches Konzept 11
4.2.4 Lerntheoretische Orientierung 12
5 Medienpädagogische Aufgaben im Spannungsfeld 12
5.1 Handlungs- und interaktionsorientierte Medienerziehung 13
5.2 Medienpädagogische Aufgaben für die Vermittlung von Informations-
und Medienkompetenz in der Schulbibliothek 2.0 13
6. Fazit 16
Literaturverzeichnis 18
Anm. d. Verfasserin:
Zur besseren Lesbarkeit wird meistens die männliche Personalform verwendet. Die
weibliche ist dabei immer mitzudenken
1 Einleitung
Informationen, Wissen und Medien spielen in unserer Gesellschaft eine zunehmende Rolle. Die Informationsgesellschaft setzt dabei auf die Ausbildung ‚neuer Schlüsselkompetenzen‘ wie Informations- und Medienkompetenz und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen. Jedoch sucht man im föderalen Bil-dungsland Deutschland an den Schulen nach flächendeckenden Medienbildungskonzepten und einer Chancengleichheit gewährleistenden Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz vergeblich. 2003 lag Deutschland in der schulischen Computernutzung mit nur 21% auf dem letzten Platz der an der PISA-Befragung teilnehmenden OECD-Staaten (vgl. Prenzel et al 2005, S. 17). Auch 2011 setzt nur knapp ein Viertel der Lehrkräfte überhaupt neue Medien im Unterricht häufig (mehrmals pro Woche) ein, davon fallen 88% der Nutzung auf Internetrecherchen (vgl. BITKOM 2011). „Digitale Medien kommen in den Schulen noch zu selten zum Einsatz, um den Schülern ausreichend Medienkompetenz zu vermitteln und auf Studium und Beruf vorzubereiten“ (Walter Scheer, BITKOM 2011). Im wissenschaftlichen Bildungssektor hat sich inzwischen die Idee der ‚Teaching Library‘ etabliert, die die Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz als eine Kernaufgabe versteht (vgl. Lux & Sühl-Strohmenger 2004, S. 15). Auch Öffentliche Bibliotheken werden zunehmend als außerschulischer Lernort für Informationskompetenz und selbstbestimmtes lebenslanges Lernen gesehen und erweitern dahingehend ihre Angebote (vgl. Seewald 2007, S. 137). Bei all diesen öffentlichen und wissenschaftlich geführten Diskussionen bleibt die Schulbibliothek jedoch fast gänzlich unbeachtet. Dies erstaunt umso mehr, da doch die Schulbibliothek per se sowohl in einen allgemeinen Bildungsauftrag als auch in die jeweilige Schule mit ihrem speziellen Bildungsschwerpunkt eingebunden ist und ihr propädeutisches Potential für das Lernen im Zusammenhang mit Informationen, Wissen und Medien offensichtlich scheint.
Im Rahmen dieser Hausarbeit werden daher medienpädagogisch relevante Aspekte erörtert, um der Frage nachzugehen, welche bedeutenden medienpädagogischen Aufgaben für Schulbibliotheken im Bereich der Informationsbeschaffung und der Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz lokalisiert werden können, vor allem im Bereich neuer Medien. Unter Beachtung des Umfangs wird der Blick auf Seiten der Lernenden auf Jugendliche und auf Seiten der Schulbibliothek auf das Modell 2.0 konzentriert. Nach der Erläuterung ver-
2
wendeter Begriffe werden beide Seiten zunächst einzeln betrachtet, um anschließend im Spannungsfeld beider Seiten entlang des Konzepts einer handlungs- und interaktionsorientierten Medienerziehung Antworten zu finden.
2 Begriffe
Informations- und Medienkompetenz unterliegen vielerlei Verschränkungen, eine klare Trennung ist daher nicht immer möglich, besonders hinsichtlich der neuen Medien. Folgende Ansätze sollen hier zugrunde gelegt werden:
2.1 Informationskompetenz
Nach Lux kann darunter die Fähigkeit verstanden werden, Informationsbedarf zu erkennen, Informationen mit geeigneten Methoden und Medien zu ermitteln, Informationen zu bewerten und diese hinsichtlich der Problemstellung effektiv zu nutzen und zu präsentieren (2007, S. 200ff). Informationskompetenz schließt alle Medien ein. Diese problem- bzw. handlungsorientierte Perspektive lässt Überschneidungen zur Medienkompetenz als Teil der Informationskompetenz erkennen, z.B. bei der geeigneten Medienwahl, der kritischen Bewertung oder der Präsentation.
2.2 Medienkompetenz
Das Begriffskonstrukt Medienkompetenz wird sehr unterschiedlich definiert. Einen wichtigen Beitrag zur Klärung lieferte erstmals Baacke, der sich für die vier Dimensionen Medienkritik, -kunde, -nutzung und -gestaltung aussprach (vgl. Baacke 1998). Für die schulische Praxis eignet sich die Definition Gerhard Tulodzieckis aufgrund ihres Handlungsbezugs. Sie steht im Kontext eines generellen Erziehungs- und Bildungsauftrags der Schule mit der Zielvorstellung, Kindern und Jugendlichen „ein sachgerechtes und selbstbestimmtes, kreatives und sozialverantwortliches Handeln in einer von Medien durchdrungenen Welt [zu] ermöglichen“ (Tulodziecki 2011, S. 82). Seine fünf Dimensionen der Medienkompetenz beinhalten die beiden Handlungszusammenhänge Auswahl und Nutzen von Medienangeboten (1.) und Gestalten und Verbreiten eigener Medienbeiträge (2.), sowie die inhaltlichen Bereiche Verstehen und Bewerten von Mediengestaltungen (3.), Erkennen und Aufarbeiten von Medieneinflüssen (4.) und Analysieren von Bedingungen der Medienproduktion und -verbreitung (5.) (ebd. S. 83). Informationskompetenz kann hier sowohl als Voraussetzung für als auch als Folge von Medienkompetenz im oben beschriebenen Sinne interpretiert werden.
3
2.3 Schulbibliothek 2.0
Damit ist „die Rolle der Schulbibliothek als Lernort im "digitalen Zeitalter" gemeint. Ihre Nutzung geht über den Wissensspeicher mit Bücherregalen und Ausleihtheke hinaus. Die Schulbibliothek wird zum Ort, an dem mittels neuerer digitaler Werkzeuge (Stichwort Web 2.0) mehr Kommunikation und Interaktion möglich wird“ (Schlamp 2010). Neue Medien und Internet gehören hier zum Alltag. Analog zum Web 2.0 bedeutet dies einen Paradigmenwechsel von Nutzern als Rezipienten hin zu Nutzern als Produzenten, es werden u.a. neue, kooperative Formen des Lernens, der Informationsbeschaffung und Wissensorganisation möglich (vgl. Albrecht et al, 2007, S. 3). Ein Modell, das bisher nur ein geringer Teil der Schulen in Deutschland umsetzt.
3 Aufgaben und Ziele von Schulbibliotheken
Schulbibliotheken sind Einrichtungen in oder zugehörig zu Schulen, die vorrangig von Schülern genutzt werden und ihnen Ressourcen für unterschiedliche Zwecke zur Verfügung stellen. Schulbibliotheken sind nicht zu verwechseln mit den Lehrmittelbüchereien von Schulen, die aufgrund der Lehrmittelfreiheit Schulbücher bereitstellen. Allgemeingültige Aussagen über Aufgaben und Ziele lassen sich aufgrund des Fehlens von Standards und sich daraus ergebenden völlig unterschiedlichen Voraussetzungen nicht treffen. In Deutschland haben Schulbibliotheken bisher überwiegend lesefördernde Aufgaben (s. LAG). Aufgaben und Ziele richten sich generell nach den Gegebenheiten, Anforderungen, Bedürfnissen und Zielsetzungen der zugehörigen Schule und können zwischen einfachen Leseecken zur Leseförderung über Sozialisations- und Kommunika-tionsorte bis zu multimedialen Informations- und Lernzentren variieren. Medienpädagogische Aufgaben können daher vom Lernen des Umgangs mit Büchern über die Nutzung von Informationssystemen bis zu digitalen Medien und eigenen Medienproduktionen alles Denkbare umfassen. Dabei spielen sowohl Schultyp als auch Alter der Kinder eine entscheidende Rolle. Gemeinsam ist den unterschiedlichen Modellen die Erwartung, dass die Nutzung der Schulbibliothek einen erwünschten positiven Beitrag zur Entwicklung der Kinder und Jugendlichen leistet.
3.1 UNESCO Schulbibliotheksmanifest
Das von der IFLA/UNESCO im Jahr 2000 veröffentlichte Manifest kann als international anerkannte Richtlinie zur Schulbibliotheksentwicklung gesehen
4
werden. Es stellt den Schulbibliotheken idealtypische Standards als Leitlinie bereit. Zu den Aufgaben von Schulbibliotheken heißt es dort „Die Schulbibliothek stellt Informationen und Ideen zur Verfügung, die grundlegend für ein erfolgreiches Arbeiten in unserer stetig wachsenden informations- und wissensbasierten Gesellschaft von heute sind. Die Schulbibliothek rüstet die Schüler mit der Fähigkeit zum lebenslangen Lernen aus und entwickelt ihre Vorstellungskraft. Damit versetzt sie sie in die Lage, ein Leben als verantwortungsbewusste Bürger zu führen.“ (IFLA 2002, S. 4) Damit hebt das Manifest die aktive Rolle von Schulbibliotheken bei der Vermittlung von Informationskompetenz und der Hinführung zu selbstbestimmtem lebenslangen Lernen hervor, als Voraussetzung zur aktiven Teilhabe an der Gesellschaft und geht somit weit über die in Deutschland überwiegend verbreiteten Schulbibliotheken mit Aufgabenschwerpunkt Leseförderung hinaus. Aus dieser bibliotheksfachlichen Perspektive erscheint Medienkompetenz als Teil der Informationskompetenz: „Selbstständig Lernende […] sollten Medien für Informationsbedürfnisse nutzen, Antworten auf Fragen suchen, abweichende Perspektiven berücksichtigen und unterschiedliche Standpunkte bewerten können“ (ebd., S. 21).
3.2 Realität von Schulbibliotheken in Deutschland
Schulbibliotheken nehmen in der deutschen Bildungsforschung ein Randdasein ein. Wenn überhaupt, werden sie i. d. R. im Zusammenhang mit Lesekompetenz gesehen (vgl. LAG). Sie werden fachlich als Sonderform der Öffentlichen Bibliotheken definiert, da sie aber weder zum Schul- noch zum Bibliothekswesen gehören sind die Zuständigkeiten zwischen Schulträgern, Ländern und Kommunen unklar und somit unverbindlich. Daher gibt es auch kein klares zugehöriges Berufsbild, keine Ausbildung für Schulbibliothekspersonal, keine Regelung der Personalfinanzierung. Oft betreuen Schülerteams und Ehrenamtliche die Bibliotheken, unterstützt von bibliotheksfachlichem Personal ohne pädagogische Kenntnisse oder Lehrkräften ohne bibliotheksfachliche Kenntnisse. Ebenso existiert keine Schulbibliotheksstatistik. Experten schätzen, dass ca. 15% der 43.000 allgemeinbildenden und 9000 berufsbildenden Schulen eine Bibliothek besitzen, die fachlichen Standards genügt (vgl. dbv). Man kann davon ausgehen, dass von den 15% wiederum nur ein geringerer Teil aktiv und zielgerichtet an medienpädagogischen Aufgaben zur Informations- und Medienkompetenz und neuen Medien beteiligt ist.
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Arbeit zitieren:
Cora Ginzel, 2011, Medienpädagogische Aufgaben für die Schulbibliothek 2.0, München, GRIN Verlag GmbH
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