Inhaltsverzeichnis
Vorwort 3
0. Einleitung 6
1. Der gesellschaftliche Wandel 11
1.1 Aspekte der Modernisierung 14
1.1.1 Enttraditionalisierung. 14
1.1.2 Individualisierung 15
1.1.3 Pluralisierung von Lebensformen 18
1.1.4 De- Institutionalisierung des Lebenslaufs. 20
1.1.5 Lebenslanges Lernen. 23
1.2 Zusammenfassung. 24
2. Der demografische Wandel in der heutigen Gesellschaft. 25
2.1 Die alternde Gesellschaft 25
2.2 Die Pyramide steht Kopf: Die Bevölkerungsentwicklung bis 2050 25
2.3 Strukturwandel des Alter(n)s 29
2.4 Die Individualität des Alter(n)s: „Alter(n) ist relativ“ 34
2.5 Bilder des Alter(n)s. 35
2.6 Zusammenfassung. 40
3. Die Generationen und ihre Verhältnisse aus
wissenschaftlicher Sicht 42
3.1 Etymologische Bezüge. 42
3.2 Konzeptuelle Unterscheidungen des Generationenbegriffs 42
3.2.1 Der genealogisch-familiensoziologische Generationenbegriff 43
3.2.2 Der pädagogische Generationenbegriff. 45
3.2.3 Der historisch-soziologische Generationenbegriff. 46
1
3.3 Generationenbeziehungen und Generationenverhältnisse 49
3.3.1 Modell der „negativen Interdependenz“ (Generationenkonflikt) 51
3.3.2 Modell der „positiven Interdependenz“ (Generationensolidarität) 52
3.3.3 Modell der „Independenz“ (Segregation/ Unabhängigkeit) 53
3.4 Divergenz und Solidarität zwischen den Generationen 55
3.5 Zusammenfassung. 60
4. Die Jungen und die Alten:
Zur Bedeutung generationsübergreifender Projekte 63
4.1 Eine Übersicht. 63
4.2 Wozu generationsübergreifende Projekte? 66
4.2.1 Was haben Jung und Alt voneinander? 70
4.2.2 Begegnung der Generationen abseits sozialer Rollenzuschreibungen. 73
4.3 Facetten generationsverbindender Projekte 75
4.4 Zusammenfassung. 80
5. Zusammenfassung und Ausblick 82
Literaturverzeichnis. 86
Internetquellen 93
2
Vorwort
Im Vorfeld meiner Arbeit habe ich mich mit sehr viel verschiedener Literatur beschäftigt. Das Spektrum meiner Literaturrecherche reichte von Jugendstudien bis hin zu gerontologischen Fragestellungen, von der Entwicklungspsychologie bis zu soziologischen Aspekten in der Generationenfrage. Diese Fachliteratur besticht in der Regel durch ihre Sachlichkeit und dem konkreten Bezug zur Wissenschaft. Erfrischend fand ich folgenden Auszug aus dem Buch „Alt und Jung im Pflegeheim“, dass von Michael Ganß und Barbara Narr 2010 herausgegeben wurde und der meinen eigenen Gedankengängen sehr nahe kommt:
„Die Neugier des Menschen auf andere Menschen ist etwas, das lebenslang anhält, sich selbst im anderen wieder finden oder merken, dass da Unterschiede sind. Die Unterschiede ausloten. Sind sie bereichernd, beängstigend, beglückend? Vielfach sind sie alles gleichzeitig. Bei der so genannten „intergenerativen“ Arbeit ist das formale Kriterium der Unterscheidung das Alter. Jede Generation ist durch eine Fülle altersbedingter Besonderheiten geprägt, die sich in körperlichen, biografischen und zeitgeschichtlichen Merkmalen zeigen. Unterschiedliche Lebensphasen verändern das Leben, lassen Handlungen und Bezugsräume größer und kleiner werden. Das Zusammentreffen von Jung und Alt regt immer wieder neu zur staunenden Reflexion an. Das Nachdenken über sich und andere macht lebendig. Selbst nur sporadische Kontakte können so einen Reichtum in sich bergen, der die […] Arbeit immer aufs Neue zu einer faszinierenden Angelegenheit macht“ (Ganß / Narr 2010, 7). Ich habe mich während meiner zwei praktischen Studiensemester in einem Mainzer Alten- und Pflegeheim (2008/ 09) persönlich davon überzeugen können, welchen beachtlichen Stellenwert Generationen übergreifende Arbeit für alle Beteiligten einnehmen kann. Einmal pro Woche kam eine Schülergruppe mit ca. 8 Kindern im Alter zwischen 11 und 12 Jahren in die Senioreneinrichtung, um mit den Bewohnern des Hauses in Kontakt zu treten. Die Gruppe wurde mir anvertraut und ich konnte so über längere Zeit die Kontakte und Begegnungen zwischen den jungen und den alten Menschen beobachten. Anfangs gab es hier und da Berührungsängste seitens der Schüler und manchmal auch seitens der Bewohner, was jedoch insgesamt eher selten der Fall war, denn die Freude über den jungen Besuch war groß. Manche Schüler wussten zunächst nicht, wie
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sie beispielsweise mit an Demenz erkrankten Menschen in Kontakt treten und umgehen sollten. Ich erklärte ihnen das Krankheitsbild und worauf es in der Kommunikation mit demenzkranken Menschen zu achten gilt (z.B. bestätigende Aussagen), um ihnen die Angst zu nehmen und ihnen den direkten Kontakt des Aufeinanderzugehens zu erleichtern.
Das Sozialverhalten der Kinder entwickelte und erweiterte sich sehr rasch, was mich staunen ließ. Die anfängliche Scheu wich und zunehmend zeigten sich Neugier und Freude im Umgang mit den alten Menschen. In nur kurzer Zeit entwickelten die Kinder mehr und mehr ein Gefühl dafür, wie sie mit den Bewohnern empathisch und sorgsam umgehen konnten. Ich war überrascht, wie schnell und in welchem Umfang die jungen Menschen ganz selbstverständlich soziale Verantwortung übernommen haben und sich auf diese außerfamilialen Kontakte mit älteren Menschen eingelassen haben. Darüber hinaus war es aber genauso faszinierend zu beobachten, wie schnell sich auch die Heimbewohner auf die belebenden Kontakte mit den Kindern geöffnet haben. Insbesondere das gemeinsame Spiel von Jung und Alt empfand ich als ein sehr vorteilhaftes und zugleich erfrischendes Medium, um beispielsweise anfängliche Berührungsängste bei allen Beteiligten (Schülern, Bewohnern und teilweise auch Angehörigen) abzubauen. Gerade das zusammenführende Spiel zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Generationen ist eine Urform der menschlichen Kommunikation und Begegnung und findet bis heute seine Berechtigung auch in der Arbeit mit Angehörigen verschiedener Generationen. So entstand auch hier in recht kurzer Zeit ein ungezwungenes Miteinader zwischen Jung und Alt, das für viel Spaß und Abwechslung sorgte. Ich stellte fest, dass sowohl längerfristige, als auch kürzere generationsübergreifende Kontakte bei allen Beteiligten inklusive mir Spuren hinterließen. So fiel mir zum Beispiel beim gemeinsamen Spielen auf, dass mein einfühlendes und regulierendes Eingreifen dafür sorgte, dass in manchen Spielsituationen alle Beteiligten gleichermaßen zum Zuge kommen konnten. Dementsprechend ermöglichte ich auch zurückhaltenderen Mitspielern die Teilnahme an den Aktivitäten, denn nicht nur bei den Kindern gab es forsche Vertreter sondern ebenso bei den alten Menschen.
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Es war schön zu erleben, dass manch ein Bewohner im Anschluss an die Besuche der Schüler fragte, wann denn die Kinder wieder ins Haus kämen und manch ein Schüler war hoch motiviert und wäre an den Tagen gerne länger im Wohnheim geblieben. Ich gewann den Eindruck, dass diese Treffen das Vertrauen und zugleich das Selbstvertrauen sowie auch das persönliche Wohlbefinden der Beteiligten gestärkt haben. Die gemachten Erfahrungen waren in gewisser Weise sehr beeindruckend für mich und haben mich im Weiteren dazu veranlasst zu schauen, wo in unserer heutigen Gesellschaft überhaupt noch solche Begegnungen zwischen Jung und Alt außerhalb der eigenen Familie stattfinden. Wie ich während meiner Recherche zu dieser Arbeit feststellen konnte, sind solche Kontakte tatsächlich eher die Ausnahme als die Regel und haben mich letztendlich dazu bewogen, mich in der Theorie näher mit diesem Aspekt generationsübergreifender Arbeit zu beschäftigen. Dabei wurde mir klar, wie umfangreich und gesellschaftlich bedeutsam und vielschichtig dieses Thema insgesamt ist.
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0. Einleitung
Der demografische Wandel verändert unsere Gesellschaft. Auf den Punkt gebracht: Wir werden zum einen älter und zum anderen werden wir auch weniger. Die niedrigen Geburtenziffern und die steigenden Lebenserwartungen sind die charakteristischen Kennzeichen der natürlichen Bevölkerungsentwicklung im Zuge der Modernisierung. Schon im Jahr 2050 werden nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes über 30% der Bevölkerung in der Bundesrepublik 65 Jahre oder älter und etwa nur 15% unter 20 Jahre alt sein. „Die Bevölkerungsentwicklung wird unser [Zusammen-] Leben in Zukunft entscheidend verändern. Eine Jugend in Minderheitenlage, längere Lebenserwartungen bei besserer Gesundheit und dennoch wachsender Pflegebedarf, Schrumpfung der Bevölkerung mit Auswirkungen auf Arbeit und Wohnen, Sicherungssysteme und Infrastruktur - all das stellt unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen“ (www.generationendialog.de).
So ergeben sich neue Aufgaben für Gesellschaft, Politik und jeden Einzelnen, um das Zusammenleben aller Generationen unter diesem Blickwinkel neu zu gestalten. Es gilt die Bedeutung und das Potenzial von Jung und Alt für die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft zu erkennen und zu nutzen.
Das Altern unserer heutigen Gesellschaft wird aufgrund seines schnell voranschreitenden Verlaufes häufig mit der Betitelung „Überalterung“ versehen. Zunächst bezieht sich dieser Begriff auf den demografischen Wandel, sprich: auf die Umkehrung der klassischen Alterspyramide, die mittlerweile nicht mehr auf einem breiten Fundament jüngerer Menschen basiert und sich nach oben hin verjüngt, sondern sich verstärkend auf einer schmalen Basis befindet und eine immer breiter werdende Spitze zu tragen hat (vgl. Möhle / Glatzer 2000, 67). In Zukunft werden immer weniger junge Menschen mit immer mehr alten Menschen über längere Zeiträume zusammen leben. Des Weiteren suggeriert der stigmatisierende Ausdruck „Überalterung“ negative Folgen des demografischen Wandels und zwar speziell bezogen auf die ökonomischen und sozialpolitischen Ausgänge dieser Entwicklung für die Gesellschaft. Hierbei geht es mitunter um Probleme wie die Finanzierbarkeit der Alterssicherung, was sich durch das
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vermehrt festzustellende Anzweifeln des „Generationenvertrages“ 1 bemerkbar macht. Zusätzlich wird mit dem Begriff „Überalterung“ auch die Erhöhung von Pflegekosten und der Arbeitskräftemangel angesprochen. Als Konsequenz wird hier auch die nachlassende Innovationskraft älterer Menschen befürchtet. In diesem Zusammenhang wird durch Politik und Medien oftmals ein „Katastrophenszenario“ - das zwischen jungen und alten Menschen vorherrschen soll - heraufbe-schworen. Mit Titeln wie beispielsweise „Die Altersexplosion“ (Mohl 1993) und „Kampf der Generationen“ (Gronemeyer 2004) wird dem Rezipienten eingeredet, es ginge um einen „Krieg der Generationen“ (Schirrmacher 2004). In meiner Arbeit möchte ich der Frage nachgehen, welche Bedeutung generationsübergreifenden Projekten und somit der Arbeit mit jungen und alten Menschen in unserer heutigen Gesellschaft beigemessen werden kann. Dabei möchte ich den Fokus speziell auf außerfamiliale Begegnungen und Kontakte zwischen den Generationen richten, weil sie meines Erachtens einen bedeutenden Stellenwert im künftigen Miteinander haben werden.
Die heutigen familialen Generationenbeziehungen werden von vielen Wissenschaftlern als nach wie vor überwiegend solidarische Familienbündnisse gesehen, wohingegen außerfamilialen Generationenbeziehungen und gesellschaftlichen Generationenverhältnissen in den Massenmedien und seitens der Politik ein „Krieg der Generationen“ prophezeit wird. Manch ein Autor spricht hierbei jedoch weniger vom drohenden Konflikt als vielmehr von einem „gepflegten Nebeneinander“ (vgl. Clausen 2010; Schüler 2005), sprich: einer Beziehungslosigkeit von Jung und Alt.
In dem Maße, in dem generationsübergreifende Kontakte außerhalb der Familie an Selbstverständlichkeit verlieren, gewinnen die Möglichkeiten, das Miteinander der Generationen professionell und auch ehrenamtlich zu organisieren, an Bedeutung. Mittlerweile existieren zahlreiche Initiativen und Projekte, die sich deutschlandweit dieser Herausforderung stellen und einen Brückenschlag zwischen Jung und Alt erfolgreich wagen. Diese Angebote geben vielfach die Gelegenheit, dass jüngere und ältere Menschen in einen „Dialog der Generationen“ treten, etwas voneinander lernen und sich füreinander einsetzen. Auch können stereotype Vorstellungen von der jeweils anderen Altersklasse durch die Begegnung im (bürgerschaftlichem) Engagement vermindert
1 „…damit ist ein Sozialversicherungsverhältnis gemeint, das durch die gesetzliche Regelung der Renten-
versicherung geregelt wird […] Arbeitnehmer zahlen Beiträge, die Rentner erhalten Renten, der Staat
finanziert die Renten der alten [Bürger]mit den Beiträgen der Jungen“ (Richter 1997, 80).
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werden. Hierdurch können neue Sichtweisen über die jeweils andere Generation entstehen, die ein Miteinander aller Generationen persönlich (auf der Mikroebene) und auch gesellschaftlich (auf der Makroebene) fördern können (vgl. Kubisch 2009, 11).
In Kapitel 1 gehe ich auf den gesellschaftlichen Wandel ein, der eine nicht unwesentliche Rolle für die strukturellen Veränderungen in den Beziehungen zwischen den Generationen mit beeinflusst hat. So stelle ich einige wesentliche Aspekte des Modernisierungsprozesses ab Mitte des 19. Jahrhunderts vor. In fünf Unterkapiteln thematisiere ich dabei verschiedene Einzelaspekte, die in ihrer Gesamtheit einen wesentlichen Teil dieses Erneuerungsprozesses charakterisieren.
In Kapitel 2 werde ich auf die demografischen Veränderungen in der Bundesrepublik Deutschland und den Strukturwandel des Alter(n)s eingehen. Die Darstellungen des Altersaufbaus der Bevölkerung (Statistisches Bundesamt) heben den vielschichtigen Wandel der demografischen Bedingungen für die Bürger deutlich hervor. Durch die veränderte Altersstruktur in der Bundesrepublik und die im Schnitt längeren Lebenszeiten wird dem Alter als eigene Lebensspanne eine neue Bedeutung beigemessen. Es wird hier von einem Strukturwandel und zugleich Bedeutungswandel des Alter(n)s zu lesen sein. Des Weiteren gehe ich mitunter näher auf die frühe Berufsaufgabe, Veränderungen der Familienstrukturen, die Feminisierung und Singularisierung des Alters, sowie die (neu entstehende) Hochaltrigkeit ein. „Es wird nicht ein Alter, sondern es wird viele Alter geben“ (Rosenmayr 1996, 8).
Im vorletzten Unterkapitel (2.4) beschreibe ich, wie unterschiedlich Alter und das Altern erlebt, gelebt und empfunden werden kann. Auch existieren verschiedene Bilder des Jungseins und des Alter(n)s bei Menschen und in der Bürgergesellschaft, die ich hier kritisch beleuchten werde (Kap. 2.5).
Um sich dem Verhältnis zwischen den Generationen aus unterschiedlichen Perspektiven annähern zu können, werde ich in Kapitel 3 den vielschichtigen Generationenbegriff genauer betrachten. Denn im Alltagsgebrauch wird der Generationenbegriff oftmals unscharf und mehrdeutig verwendet. So werde ich in Anlehnung an Liebau (1997) und Höpflinger (1999), drei klar unterscheidbare Grundkonzepte des Generationenbegriffs vorstellen. Darauf aufbauend werde ich anhand drei weiterer Modelle (nach Höpflinger
8
1999) aufzeigen, wie Generationen innerhalb einer Gesellschaft zueinander stehen. Im letzten Unterkapitel „Divergenz und Solidarität zwischen den Generationen“ werde ich anhand zweier sozialempirischer Studien (SIGMA - Studie 1999 und 16. Shell Jugendstudie 2010) die wichtigsten Befragungsergebnisse hinsichtlich der gegenwärtigen Generationsbeziehungen und Generationsverhältnisse von Jung und Alt und ihrem sozialen Engagement in der Gesellschaft herausarbeiten.
Im vierten Kapitel werde ich anhand meiner bisherigen Ausarbeitung einen Brückenschlag zur Bedeutung der Initiierung von generationsübergreifenden Projekten für Mensch und Gesellschaft wagen. Hierbei ermögliche ich dem Leser zunächst einen Einblick über den gegenwärtigen Stand intergenerativer Projektarbeiten und Kooperationen in Deutschland. Darauf aufbauend gehe ich der Frage nach, ob und wo sich junge und alte Menschen heutzutage noch begegnen und gegebenenfalls Generationen übergreifende und explizit außerfamiliale Kontakte entstehen. Welchen Nutzen die beteiligten Generationen von einer gemeinsamen Begegnung haben können, untersuche ich in Kapitel 4.2. Abschließend stelle ich drei Projektarten vor.
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Lesehinweise:
o In dieser Arbeit verwende ich die Begriffe „generationsübergreifend“ und „Generationen übergreifend“ synonym zu folgenden Worten: generationsverbindend, intergenerativ, intergenerationell.
o Des Weiteren setze ich den Begriff „Projekt“ mit Projektarbeit, generationsübergreifendes Projekt und generationsübergreifende Arbeit gleich.
o In dieser Arbeit verwende ich ausschließlich die männliche Form der Ansprache, gemeint sind jedoch jeweils beide Geschlechter.
o Texteinschlüsse in eckigen Klammern [abc] stellen sinngemäße Zitatergänzungen des Verfassers dar
o Textausschlüsse in eckigen Klammern […] stellen sinngemäße Zitatkürzungen des Verfassers dar
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1. Der gesellschaftliche Wandel
Im Zuge der Modernisierung haben sich die Lebensbedingungen der Menschen gewandelt. Die Freiheit einerseits und die Notwenigkeit andererseits, sich in der heutigen, zunehmend offenen und weiter öffnenden Gesellschaft orientieren zu müssen, ist eine Aufgabe, die alle Generationen betrifft. So bergen die gesellschaftlichen und demografischen Veränderungen heute neue Anforderungen und zugleich Herausforderungen für Mensch und Gesellschaft in sich, die es zu bewältigen gilt. Unter Modernisierung wird heute der gesellschaftliche Prozess verstanden, indem sich Teilaspekte wie beispielsweise die Industrialisierung, die Individualisierung, die Pluralisierung, bis hin zur Globalisierung des 20. Jahrhunderts abspielen, die die Entwicklung der westlichen Gesellschaften ab Mitte des 19. Jahrhunderts geprägt haben und auch weiterhin prägen.
Detaillierter beschrieben meint der Begriff „Modernisierung“ „…die technologischen Rationalisierungsschübe und die Veränderung von Arbeit und Organisation, umfasst darüber hinaus aber auch sehr viel mehr: den Wandel der Sozialcharaktere und Normalbiographien, der Lebensstile und Liebesformen, der Einfluss- und Machtstrukturen, der politischen Unterdrückungs- und Beteiligungsformen, der Wirklichkeitsauffassungen und Erkenntnisnormen. Der Ackerpflug, die Dampflokomotive und der Mikrochip sind im sozialwissenschaftlichen Verständnis von Modernisierung sichtbare Indikatoren für einen sehr viel tiefer greifenden, das ganze gesellschaftliche Gefüge erfassenden und umgestaltenden Prozess, in dem letztlich Quellen der Gewissheit, aus denen sich das Leben speist, verändert werden (Koselleck 1977, Lepsius 1977, Eisenstadt 1979)“ (zit. n. Beck 1986, 25; Hervorheb. Im Orig.).
In Ulrich Becks soziologischer und zugleich kritischer Gegenwartsdiagnose „Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne“ aus dem Jahre 1986, werden die gesellschaftlichen Verhältnisse der BRD Mitte der 1980er Jahre untersucht. Ich werde mich in den folgenden Unterkapiteln teilweise auf seine Ausarbeitung stützen, hierbei jedoch auch andere Autoren/ Wissenschaftler bzw. deren Meinungen berücksichtigen.
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Zunächst möchte ich die Begriffe „erste Moderne“ und „reflexive Moderne“ bzw. „zweite Moderne“ (nach Beck) und den Begriff der „Postmoderne“ näher erläutern, um einen genaueren Überblick dieser - oftmals verwirrenden und zugleich von diversen Autoren unterschiedlich definierten - Zeitabschnitte zu ermöglichen. Nach Beck fand ein Bruch innerhalb der Moderne statt, der den klaren Umriss von der klassischen Industriegesellschaft „verwischt“ und einen Wechsel von der ersten Moderne zu einer zweiten Moderne beinhaltet. Während die erste Moderne den Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft beschreibt, wird mit der zweiten Moderne der Übergang in die Risikogesellschaft bezeichnet. Beck nennt diese zweite Moderne auch die reflexive Moderne, da sich die Menschen in dieser Zeit der Auswirkungen der von der Industriegesellschaft mit geschaffenen und gleichzeitig versteckten Nebenfolgen bewusst werden (vgl. 1986, 13 ff.).
In der zweiten Moderne können die Nöte der „Mangelgesellschaft“ durch die Verbesserung der materiellen Verhältnisse auf breiter Basis überwunden werden. So ist gesamtgesellschaftlich ein Zuwachs an Bildung, Einkommen, Mobilität, Wissenschaft, Recht und Massenkonsum zu verzeichnen. Beck zufolge wird die Klassengesellschaft durch diesen „Fahrstuhl-Effekt“ eine Ebene höher gefahren, die Klüfte zwischen Arm und Reich bleiben hierbei jedoch in der Gesellschaft gleich (vgl. Beck 1986, 121 f.). Zur selben Zeit ist - mit der Aufwertung des Lebensstandards - ein Bewusstwerden von „…Risiken und Selbstbedrohungspotenziale[n] in einem bis dahin unbekanntem Ausmaß [festzustellen]“ (Beck 1986, 25).
Gefahren für den Einzelnen sieht Beck nicht nur in den neuen Risiken der Modernisierung, zum Beispiel in der atomaren Kriegsführung, der Kernenergie und Umweltverschmutzung, sondern auch in den individuellen Verunsicherungen durch gesellschaftliche, persönliche und kulturelle Faktoren, die auf die Freiwerdung aus den Sozialformen der Gesellschaft in der zweiten Moderne hervorgehen. Auf der einen Seite erfordern diese Neuerungen die Entwicklung neuer Handlungsstrategien des Einzelnen, auf der anderen Seite machen sich die Menschen zunehmend abhängig von sozialen und staatlichen Institutionen. Gleichzeitig entwickeln sich neben der Individualisierung neue soziale Zusammenschlüsse wie bspw. Bürgerinitiativen oder soziale Bewegungen (vgl. 1986, 119).
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In vielen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen zur Abfolge der Epochen folgt auf die erste und zweite Moderne die so genannte Postmoderne. Unter diesem Begriff werden in der Literatur unterschiedliche Inhalte verstanden. Während manche Autoren darunter zum Beispiel eine neue Epoche nach dem Prozess der Modernisierung verstehen, sehen andere darin die Umsetzung und gesellschaftliche Etablierung der Moderne. Hier gehen die Meinungen weit auseinander. Ich habe mich entschieden, meiner Verwendung von „Postmoderne“ folgende Definition zugrunde zu legen: Die Postmoderne beschreibt Hillmann (1994) in seinem „Wörterbuch der Soziologie“ wie folgt: „Allgemein bezeichnet Postmoderne in der Soziologie die Gesamtheit gegenwärtiger soziokultureller Prozesse, die auf eine zunehmende Differenzierung und Pluralisierung von weltanschaulichen Orientierungen, Wertsystemen, Einstellungen, Lebensstilen, Verhaltensweisen und Formen sozialer Beziehungen hinauslaufen, ver-bunden mit einer Zunahme von Orientierungsschwierigkeiten, Gegensätzen, Widersprüchen und Konflikten, aber auch von Möglichkeiten autonom-individueller Lebensgestaltung“ (1994, 683).
Zygmunt Baumann bemerkt lakonisch: „Postmoderne ist ein Freibrief, zu tun, wozu man Lust hat, und eine Empfehlung, nichts von dem, was man selbst tut oder was andere tun, allzu ernst zu nehmen“ (1995, 9).
So wie diese vorstehenden Autoren die gesellschaftlichen und zugleich individuellen Umbrüche darstellen, wird verständlich, dass es notwendig ist, sich einzelne Veränderungsprozesse näher anzuschauen. Nachfolgend werde ich in den Unterkapiteln des ersten Kapitels ein paar der zahlreichen Prozesse aufgreifen und näher erörtern.
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1.1 Aspekte der Modernisierung
1.1.1 Enttraditionalisierung
Die vormodernen Gesellschaften waren geprägt durch ihre starke Orientierung zu Kirche und Glauben. Die Menschen in den „…statisch-hierarchisch geordneten Sozialstrukturen, die zugleich die religiöse ‚Weihe’ von Gott gewollter und gestifteter Ordnungen für sich in Anspruch nehmen konnten, hatten keinen Spielraum für selbst bestimmte Lebensentscheidungen des Subjekts. Die Ordnung der Dinge bestand in einem Korsett von feststehenden Rollen, Normen und Lebenswegen“ (Keupp 1994, 337). Allmählich werden jedoch die einst gültigen und traditionell starren Normen und Werte hinterfragt, erweitert und ergänzt. „Staat, Kirchen, Familien oder sonstige gesellschaftliche Institutionen ziehen sich als umfassend Norm gebende Instanzen aus dem ‚Privat’ -Leben des Einzelnen [in der postmodernen Gesellschaft] immer weiter zurück. Sie verfügen diesbezüglich über immer weniger Sanktions- und Gestaltungsmacht. Ihre Leitbilder des ‚richtigen’ Lebens […] büßen ihren Charakter als verpflichtende Norm ein. Entsprechend wachsen die Gestaltungsspielräume des Einzelnen“ (vgl. Berger / Gerngross 1994, 40).
Dementsprechend hat der Modernisierungsprozess zu einer größeren Vielfalt erdenklicher Lebensstile und Entfaltungsmöglichkeiten geführt. Von den wirtschaftlichen Wandlungsprozessen und dem umfassenden und weit reichenden Anstieg des Bildungsniveaus (Bildungsexpansion der 1970er Jahre) profitieren nicht nur der Nachwuchs der Arbeiterschicht, sondern vor allem Frauen, die quasi erstmalig die Möglichkeit hatten, sich ebenso auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten wie Männer (vgl. Beck 1986, 125-128). „Die Studentenbewegung und die feministische Bewegung haben diese Entwicklungstendenzen noch beschleunigt. All dies ist nicht ohne Folgen für die traditionale Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern geblieben…“ (Peuckert 2008, 229). Folglich wird auch die weibliche „Normalbiografie“ künftig weniger standardisiert und voraussehbar verlaufen. Dafür sprachen vor allem die zunehmende Infragestellung weiblicher Rollenmuster und die wachsende Teilhabe der jüngeren Frauengenerationen an Erwerbstätigkeit sowie an qualitativ hochwertiger Bildung und Ausbildung.
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Zur selben Zeit bot eine sich stetig erweiternde Dienstleistungsbranche Menschen der unteren Schichten berufliche Aufstiegsmöglichkeiten, wenn sie keine höheren Schulabschlüsse vorweisen konnten (vgl. Beck 1986, 125-128).
Steigender Wohlstand und eine deutliche Zunahme an freier Zeit führten zu einer Öffnung der „traditionalen Tabuzonen klassen- und familienbestimmten Lebens“. Der so genannte „Fahrstuhl-Effekt“ gestattete folglich auch den unteren sozialen Schichten eine Teilhabe an den Privilegien, die vormals der Mittel- und Oberschicht vorbehalten waren. „Das Geld ließ die Grenzen der sozialen Kreise im Massenkonsum verschwimmen […] ungleiche Konsumstile in Einrichtung, Kleidung, Massenmedien, persönlicher Inszenierung usw. [traten an die Position von Klassengrenzen]“ (Beck 1986, 124 f.; Hervorheb. im Orig.).
1.1.2 Individualisierung
Die gesellschaftliche Entwicklung hin zur Individualisierung kennzeichnet die moderne Industriegesellschaft etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals wurden diese Phänomene allerdings als Bedrohung der sozial gefestigten Strukturen empfunden, während sie zwar heute zunehmend als „Normalität“ betrachtet werden, doch längst nicht von allen Individuen als zu bewältigen eingeschätzt werden. Dieser lang währende, andauernde und bedeutsame Wandel wird auch als Individualisierungsprozess bezeichnet. Ulrich Beck (1986) hat unter anderem diese Veränderungen umfassend untersucht und in einer These beschrieben:
„Auf dem Hintergrund eines vergleichsweise hohen materiellen Lebensstandards und weit vorangetriebenen sozialen Sicherheiten wurden die Menschen in einem historischen Kontinuitätsbruch aus traditionalen Klassenbedingungen und Versorgungsbezügen der Familie herausgelöst und verstärkt auf sich selbst und ihr individuelles Arbeitsmarktschicksal mit allen Risiken, Chancen und Widersprüchen verwiesen“ (Beck 1986, 116).
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So lässt sich dieser Individualisierungsprozess - der die Moderne prägt - nach Beck analytisch auf drei Dimensionen skizzieren:
o die „Freisetzungsdimension“: als Herauslösung aus traditionellen Sozial- und Lebenszusammenhängen, insbesondere aus den sozialen Klassen, Geschlechtsrollen und Familienbezügen,
o die „Entzauberungsdimension“: folglich als der Verlust von traditionalen Sicherheiten im Hinblick auf Handlungswissen, Glauben und leitende Normen; und
o die „Kontroll- bzw. Reintegrationsdimension“, die sich auf eine neue Art der sozialen Einbindung bezieht
(vgl. Beck 1986, 206; Keupp 1999, 37).
Die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen bedeuten für das Individuum, sprich: den postmodernen Menschen der heutigen Zeit fortwährend berufliche Anpassungsleistungen an neue Gegebenheiten und Qualifikationen, unterbrochene Verläufe von Erwerbs-und Beziehungsbiografien sowie sich schnell wandelnde Strukturen in Familien- und Beziehungssystemen. Diese Veränderungen machen „insgesamt einen anderen Persönlichkeitstypus erforderlich, der auch als ‚der flexible Mensch’ (Sennett 1998) gekennzeichnet wurde“ (Faltermaier et al. 2002, 18 f.).
Einerseits entstehen durch die sozialen Freisetzungen - die die Zwänge traditioneller Einbindungen wegfallen lassen - für das Individuum neue Handlungs- und Gestaltungsspielräume und somit neue Entfaltungsmöglichkeiten. Diese Freiheiten ermöglichen zunehmend eine individuelle Lebensgestaltung. So kann sich der Einzelne sein „ ‚Lebens-Menü’ selbst gewählter und individueller zusammenstellen, die Pfade verzweigen sich, die Formen und Stile werden bunter“ (Berger / Gerngross 1994, 39). Andererseits wächst jedoch zeitgleich auch die Anforderung an das Individuum, die Verantwortung und die „Zuständigkeit“ des Einzelnen für sein eigenes Leben zu übernehmen. So wird das Leben gesellschaftlich unbestimmter, ungeregelter und verlangt von jedem Einzelnen Tatkraft, Motivation und das Potenzial zur Schaffung von Strukturen und zur Bewältigung dieser Ungewissheiten.
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Die postmoderne Gesellschaft, „die immer pluralistischer und unübersichtlicher wird, lässt die Individuen weitgehend allein mit der für sie zunehmend problematischen Kehrseite der größeren ‚Wahlfreiheit’ im eigenen Lebensstil: mit der ‚Qual der Wahl’. Sie kommt dem fundamentalen Bedürfnis nach Sicherheit und Verortung immer weniger entgegen. Das ‚Finden des richtigen Weges’, die Definition des individuell adäquaten Lebensweges und -stiles, die Herstellung von Seinsgewissheit wird immer mehr dem Individuum überlassen“ (Berger / Gerngross 1994, 40).
Durch das Wegbrechen früherer stabiler Rahmenbedingungen tauchen für das Individuum viele Fragen und Widersprüche auf, die über eine zunehmende Überforderung und eine Reihe von Krisen zu einer Gefährdung der persönlichen Identität des Einzelnen führen können (vgl. Keupp 1999). Manch einer kann den Herausforderungen und zugleich Anforderungen der heutigen Zeit nicht Stand halten. So sind psychische Erkrankungen wie bspw. Burnout und/ oder Depression als Zeichen der Überforderung keine Seltenheit und eine Begleiterscheinung der „riskanten Freiheiten“ (Beck / Beck-Gernsheim 1994) der fortschrittlichen Zeit.
Ehrenberg bemerkt kritisch: „Der wichtigste Umstand für die Individualität der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist der Zusammenstoß der unbegrenzten Möglichkeiten mit dem Unbeherrschbaren“ (Ehrenberg 2004, 278).
Wir haben es hier folglich „... mit einer Struktureigentümlichkeit moderne[r] Gesellschaften und mit zwei Seiten derselben Medaille zu tun: In zunehmendem Maße ist jeder ‚seines Glückes Schmied’ - aber jeder hat sich auch für sich selbst um Hammer und Amboss und um ihren richtigen Einsatz zu kümmern“ (Berger / Gerngross 1994, 41).
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1.1.3 Pluralisierung von Lebensformen
Im Zuge des fortschreitenden demografischen und sozialen Wandels haben sich auch die Familienstrukturen verändert. Zum einen haben die Heiratsneigung und die Geburtenrate nachgelassen und zum anderen sind die Scheidungsziffern stark angestiegen. Die einst gängige, moderne bürgerliche Kleinfamilie 2 der 1960er Jahre - auch „Normalfamilie“ und „privatisierte Kernfamilie“ (Peuckert 2008) genannt -, die als dominante Form des familiären Zusammenlebens überwog sowie auch die Zeit des „babybooms“ (1964) weichen nach und nach den Bedingungen der Postmoderne. So ist die Familie im ursprünglichen Sinne als dominante Lebensform heute brüchig geworden, alternative Lebensformen sind entstanden und haben sich im Laufe der Zeit ausgeweitet. Demzufolge bedeuten diese empirisch feststellbaren Tendenzen eine zunehmende Vielfalt von familiären Verläufen und lassen eine große Pluralität von Lebensformen erkennbar werden. Keupp (1999) betont, dass die vierköpfige Familie längst in eine Minderheitenlage geraten ist und eine zunehmende Tendenz von Stieffamilien oder „Pachtworkfamilien“ festzustellen ist, „…in denen sich nach Trennung und Scheidung unvollständig gewordene Familienbruchstücke zu neuen Einheiten verbinden, Kinder sich über die Zeit gelegentlich mit zwei, drei ‚Vätern und Müttern’ arrangieren müssen.“ (Beck 1999, 50). Auch sind heute gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften bis hin zur gleichgeschlechtlichen Ehe legitimiert sowie auch toleriert, wenngleich diese gesetzlich nach wie vor nicht gleichberechtigt behandelt werden. Zudem bemerkt Beck, dass es „Ehen auf Zeit“ und ohne Trauschein gibt, die gezielt auf Nachwuchs verzichten. Gleichzeitig gibt es auch allein erziehende Frauen und Männer sowie Wohngemeinschaften in mannigfachen Ausführungen (z.B. „Alten-WGs“, wahlverwandtschaftliches Leben auf dem Bauernhof/ Ökohof), die bewusst von den Individuen gewählt werden. „Das alles sind Varianten von Familie“ (Keupp 1999, 50).
Auch die „Liebe auf Distanz“ oder wie das im Englischen bezeichnete „living apart together“, sprich: das „getrennte Zusammenleben“ zweier Menschen in einer Liebesbeziehung, scheinen durchaus berechtigte postmoderne Lebensformen zu sein, die rasch zunehmen und sich auch oftmals bewähren (Hoffmann-Nowotny 1995; Schmitz-Köster
2 Beschreibt „die legale, lebenslange, monogame Ehe zwischen einem Mann und einer Frau […], die mit
ihren gemeinsamen Kindern in einem Haushalt leben und in der der Mann Haupternährer und Autoritäts-
person und die Frau primär für den Haushalt und die Erziehung der Kinder zuständig ist“ (Peuckert
2008).
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Ivana Neva Petrinic, 2011, Zur Bedeutung generationsübergreifender Projekte in der heutigen Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung: neuer Titel erschienen: Zur Bedeutung generationsübergreifender Projekte in der heutigen Gesellschaft
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Etablieren komplexer veränderbarer Wohn- und Lebensformen für die Gene...
Jana Reichenbach-Behnisch, Antje Flämig, Matthias Seidel, Jens Kröckel
Jungsein in einer alternden Gesellschaft
Bestandsaufnahme und Perspekti...
Dagmar Hoffmann, Wilfried Schubarth, Michael Lohmann
Kompetenztraining. Das SIMA-Projekt
Ein Programm für Seniorengrupp...
Ingrid Albrecht, Ruth Bieker, Susanne Höfer, Wolf D Oswald, Thomas Gunzelmann
Methoden für die intergenerati...
Eva M. Antz, Julia Franz, Norbert Frieters, Annette Scheunpflug
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