II
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
1. Einleitung. 1
2. Das Leib-Seele-Problem. 3
3. Die Verhaltenstherapie 5
3.1. Die Anfänge der Verhaltenstherapie - Definition Behaviorismus. 5
3.2. Methoden der Verhaltenstherapie 6
3.2.1. Lerntheoretische Ansätze. 6
3.2.1.1. Klassische Konditionierung 6
3.2.1.2. Operante Konditionierung 7
3.2.1.3. Sozial-kognitive Lerntheorie. 9
3.2.2. Kognitive Ansätze. 11
3.2.2.1. Rational-Emotive Therapie (nach Ellis) 11
3.2.2.2. Kognitive Therapie (nach Beck) 13
3.2.2.3. Stressimpfungstraining (nach Meichenbaum) 14
3.2.3. Konfrontative Ansätze 16
3.2.3.1. Systematische Desensibilisierung (graduiert, in sensu) 16
3.2.3.2. Flooding (massiert, in vivo) 17
3.3. Kritik an der Verhaltenstherapie 18
4. Eine kleine Gesellschaftsanalyse 18
5. Der psychodynamische Ansatz 21
5.1. Die Entwicklung der psychoanalytischen Technik Freuds. 21
5.2. Methoden psychodynamischer Therapien 23
5.2.1. Psychoanalyse 23
5.2.2. Analytische Psychotherapie 24
5.2.3. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie 25
5.3. Kritik an den psychodynamischen Therapien. 26
6. Gegenüberstellung 27
7. Fazit. 28
Quellenverzeichnis III
1
1. Einleitung
Wir leben in einer Zeit, in der die Gesundheit eines jeden Einzelnen, eine immer größere Rolle beigemessen wird. Auch seelische Befindlichkeiten erlangen dabei eine immer größere Bedeutung und Anerkennung. Viele Menschen scheinen für die heutige schnelllebige Welt und Art zu leben nicht mehr ausreichend gewappnet zu sein. Ob prekäre Jobsituationen, Arbeitslosigkeit, soziale Ängste, dadurch entstehende Süchte oder familiäre Sorgen und Nöte, es gibt mittlerweile eine unglaubliche Spannbreite belastender Lebensereignisse und Problemlagen, die psychisch sehr negativ und dauerhaft auf die Seele eines Menschen einwirken können. Der Mensch ist mit immer mehr Sorgen und Unsicherheiten konfrontiert, die er bewältigen muss. Dadurch können vermehrt seelische Krankheiten mit ihren oft psychosomatischen und sozialen Folgen entstehen.
Laut des „Fehlzeiten-Reports 2010“, der vom Wissenschaftlichen Institut der AOK und der Universität Bielefeld veröffentlicht wird, nehmen psychische Erkrankungen eine stetig wachsende Bedeutsamkeit ein. So sind 8,6% der ausgefallenen Arbeitstage der AOK-Mitglieder auf psychische Erkrankungen zurückzuführen und stellen einen neuen Höchstwert dar. Dafür wurden die Krankheitsdaten von 9,7 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitgliedern ausgewertet. Nach dieser Studie belegen psychische Erkrankungen den vierten Platz für Ursachen arbeitsbedingter Fehlzeiten. 1
Der Gesundheitsbericht „Gesundheit in Deutschland“ von 2006 vom Robert Koch-Institut und vom Statistischen Bundesamt untermauert die wachsende Bedeutsamkeit psychischer Erkrankungen. So erleiden 15% der Frauen und 8% der Männer innerhalb eines Jahres eine depressive Episode. Etwa jeder siebte schwer depressive Patient verstirbt durch Suizid. 40% bis 70% der Selbstmordversuche gehen auf eine Depression zurück. Auch Angststörungen sind in Deutschland weit verbreitet. Laut Bericht erkrankt etwa innerhalb eines Jahres jede fünfte Frau und fast jeder zehnte Mann an einer Angststörung, welche das alltägliche Leben stark beeinträchtigen kann. Eine weitere zunehmende Bedeutung wird auch
1 Vgl. www.aok-bv.de, abgerufen am 25.04.2011.
2
Demenzerkrankungen zukommen. Die Zahl der Demenzerkrankten wird sich von heute, etwa eine Millionen, bis zum Jahre 2050 verdoppeln. 2
Ob Zwangsstörungen, Essstörungen, somatoforme Störungen, posttraumatische Störungen, Schlafstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen, sexuelle Funktionsstörungen bis hin zur Suchterkrankung, kann der Mensch eine Vielzahl verschiedener Verhaltensweisen und Verhaltensmuster zeigen oder gar verlieren, wenn sein inneres seelisches Befinden aus dem Gleichgewicht geraten ist. Man erkennt, dass das Feld seelischer Erkrankungen sehr vielfältig und breit gefächert ist, sowie dass in Deutschland ein enormer Handlungs- und Beratungsbedarf für seelische Leiden jeglicher Form entstanden ist und der Mensch die Art, wie er zukünftig leben will, überdenken sollte. Es wird Zeit, dass auch der Letzte erkennt, dass der Mensch eine Einheit aus Körper, Geist und Seele ist. Wird diese Einheit zerstört, so entstehen körperliche und auch seelische Probleme.
Hilfe verspricht hierbei die Verhaltenstherapie, die einen Großteil dieser Hausarbeit ausmachen wird. Im Rahmen dieser Hausarbeit soll unter Berücksichtigung des Leib-Seele-Problems die Brücke zum Behaviorismus geschlagen werden, um somit den Grundstein und den geschichtlichen Hintergrund der Verhaltenstherapie darzustellen. Fortfahrend werden lerntheoretische, kognitive sowie konfrontative Methoden der Verhaltenstherapie erläutert und in einem weiteren Punkt, Kritik an der Verhaltenstherapie geäußert.
Im zweiten Teil der Arbeit wird der psychodynamische Ansatz in seinem Grundverständnis erfasst, um dadurch die wesentlichen Unterschiede zum verhaltenstherapeutischen Verständnis herauszuarbeiten. Dabei soll die Psychoanalyse, die analytische Psychotherapie als auch die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie berücksichtigt werden. Anschließend sollen auch hier Kritiken zum psychodynamischen Ansatz geäußert werden. Ziel soll es sein, einen verständlichen und geordneten Einblick in das Grundverständnis dieser beiden verschiedenen Ansätze und deren Arbeitsweisen zu geben.
Fragestellung dieser Arbeit soll es sein, wie diese beiden großen Ansätze in der heutigen Zeit zueinander stehen und ob eine dieser Schulen als zeitgemäßer und eventuell wirksamer und effektiver charakterisiert werden kann oder sogar muss.
2 Vgl. www.vpp.org, abgerufen am 25.04.2011.
3
2. Das Leib-Seele-Problem
Das Leib-Seele-Problem oder auch Körper-Geist-Problem ist eine der größten und schwierigsten Fragestellungen der Philosophie, auf die es noch immer keine eindeutige und befriedigende Antwort bzw. Lösung gibt, jedoch viele unterschiedliche Ansichten und Lösungsansätze, die den Rahmen der Hausarbeit sprengen würden.
Das Leib-Seele-Problem wirft die Frage auf, wie Leib und Seele oder Körper und Geist zueinander stehen. Sind Leib und Seele zwei grundverschiedene Dinge oder gehören sie untrennbar zusammen und stellen nur unterschiedliche Ausdrucksformen des Lebens dar? Das Leib-Seele-Problem eröffnet somit Fragen nach dem Zusammenhang zwischen körperlichen und geistigen Vorgängen. 3 Durch diese Fragestellungen und die daraus entstandenen philosophischen Ansichten werden einige wissenschaftliche Disziplinen, darunter die Psychologie, Psychiatrie und auch die Psychosomatik, entscheidend geprägt und in ihrer Theoriebildung, Forschungsmethodik und Praxis beeinflusst. 4
In unserer Alltagswelt erfährt sich der Mensch einerseits als Körper, der von vielen anderen physischen Objekten umgeben ist, andererseits nehmen wir uns als Zentrum unserer Gefühle, Wünsche, Vorstellungen und Erlebnisse wahr. Betrachten wir ein Fußballspiel durch eine rein physikalische Sichtweise, so würden wir nie etwas über die Gedanken, Hoffnungen, Wünsche und Emotionen der beteiligten Spieler und Zuschauer erfahren. Das mentale Leben und Erleben würde in seiner Vielschichtigkeit völlig ausgeblendet bleiben. Wir könnten auch versuchen eines dieser beiden Elemente absolut in den Vordergrund zu stellen. So könnten wir uns vorstellen, dass es keinerlei physische Objekte in unserer Alltagswelt gibt und die komplette Welt ein reines Gedankenkonstrukt, ein Traum, wäre. Das unser Bewusstsein sich seine eigene Welt erschafft. Dann wäre auch unser eigener Körper nur ein Konstrukt unserer Vorstellungen. Nehmen wir das andere Extrem, so können wir uns auch eine Welt vorstellen, in der jegliches Gefühl und jegliche Gedanken fehlen. Eine Welt ohne Bewusstsein, in der kein Beobachter existiert und somit
3 Vgl. www.kulturkritik.net, abgerufen am 26.04.2011.
4 Vgl. www.wissenschaft-online.de, abgerufen am 26.04.2011.
4
niemand auch nur irgendeine Form von Erlebnissen und Erfahrungen wahrnehmen kann. In dieser Welt wären wir Menschen eine Art bewusstloser Roboter. 5
Anhand dieses kleinen Gedankenspiels können wir die zwei philosophischen Hauptströme gut erfassen, die sich im Monismus sowie im Dualismus wieder finden. Dualistische Theorien gehen davon aus, dass Geist und Materie, auf den Menschen bezogen also seine mentale, innere Welt und die äußere, physische Welt um ihn herum, zwei grundlegend verschiedene Elemente sind, die sich unabhängig voneinander entwickelt haben. Ein Beispiel wäre die chinesische Lehre vom Yin und Yang. 6 Laut des Philosophen René Descartes und seinem interaktionistischen Dualismus, befinden sich das Element des Geistes und das Element der Materie in ständiger Wechselwirkung. Somit sind Leib und Seele des Menschen qualitativ unterschiedlich, beeinflussen sich aber im Sinne der Psychosomatik gegenseitig. 7
Ein weiterer ungenügender Lösungsansatz der Philosophie steckt im Monismus. Die Auffassung des Monismus besagt, dass Geist und Materie nur zwei Seiten derselben Sache sind, dass es unmöglich ist Geist und Materie, Seele und Leib oder geistige und körperliche Vorgänge des Menschen zu trennen. Wir unterscheiden zwischen idealistischen und materialistischen Monismus. 8 Der idealistische Monismus stellt, wie im obigen Gedankenexperiment, die physikalische Welt in den absoluten Hintergrund und geht davon aus, dass allein unser Geist die physikalische Welt nur in unseren Köpfen erschafft. Nach ihm gebe es nur den Geist. Der materialistische Monismus geht davon aus, dass nur Materie existiert und somit die physikalische Welt in den alleinigen Vordergrund tritt. Der Geist stellt in dieser Theorie keine eigenständige Substanz dar, sondern lediglich eine Eigenschaft der Materie.
Durch das Prinzip des materialistischen Monismus entstand der wissenschaftliche Standpunkt des Behaviorismus. Im Folgenden soll der Behaviorismus ausreichend definiert werden, um die Anfänge der Verhaltenstherapie und die dadurch gewonnenen psychologischen Erkenntnisse und verschiedenen Therapieformen der Verhaltenstherapie über und für den Menschen darzustellen.
5 Vgl. Brüntrup, G. (2001), S. 9f.
6 Vgl. www.philolex.de, abgerufen am 26.04.2011.
7 Vgl. www.energeticmedizin.com, abgerufen am 26.04.2011.
8 Vgl. www.philolex.de, abgerufen am 26.04.2011.
5
3. Die Verhaltenstherapie
3.1. Die Anfänge der Verhaltenstherapie - Definition Behaviorismus
Ein genauer Zeitpunkt für die Entstehung der Verhaltenstherapie lässt sich nicht festlegen, da es keine einzelne zentrale Gründerfigur gibt und die Geschichte der Verhaltenstherapie eher als eine Abfolge verschiedener therapeutischer Konzepte verstanden wird. Die Verhaltenstherapie stellt somit eine Zusammenfassung dar, die sich aus den Experimenten und damit verbundenen Erkenntnissen vieler Einzelpersonen ergibt. 9 Die Anfänge der Verhaltenstherapie wurden jedoch von John Broadus Watson im Jahre 1913, durch die Entstehung einer neuen psychologischen Richtung, dem Behaviorismus, begründet. Das englische Wort „behavior“ bedeutet übersetzt „Verhalten“, sodass der Behaviorismus die „Lehre vom Verhalten“ bedeutet. Der Behaviorismus geht davon aus, dass alles Verhalten, erlernt ist und auch wieder verlernt werden kann. Gegenstand der Forschung ist ausschließlich das beobachtbare Verhalten. Das hat zur Konsequenz, dass Gefühle, Gedanken oder Motive, also alle rein psychischen Vorgänge im Menschen, keine Relevanz für die behavioristische Forschung haben. 10 Diese intrapsychischen Prozesse bezeichnet der Behaviorist als „Black Box“, da man sie nicht beobachten kann und keine wissenschaftlich fundierten Aussagen darüber möglich sind. 11 Etwas später, im zweiten Teil der Arbeit, wenn es um die psychodynamischen Theorien geht, werden wir noch eine andere Sichtweise und einen völlig gegensätzlichen Ansatz kennen lernen.
Laut Fachlexikon der sozialen Arbeit, ist die behavioristische Psychologie ein streng objektiver und experimenteller Zweig der Naturwissenschaft, dessen theoretisches Ziel es ist, Verhalten vorherzusagen und zu kontrollieren. Introspektion, die Selbstbeobachtung des eigenen Erlebens, wird beim Behaviorismus komplett ausgeklammert. 12 Auch wenn John Broadus Watson als Vater des Behaviorismus bezeichnet wird, so führte der russische Physiologe Iwan P. Pawlow bereits 1904 erste Untersuchungen mit Hunden, bezüglich ihres Verhaltens und Lernens auf bestimmte äußere Reize, durch. Später folgten noch Experimente von Skinner und Thorndike. Man kann sagen, dass mit den ersten Ergebnissen der experimentellen
9 Vgl. Erwin, P. et al. (2003), S. 240.
10 Vgl. Hobmair, H. et al. (1997), S. 33f.
11 Vgl. Bodenmann, G. et al. (2004), S. 17.
12 Vgl. Barkey, P. (2007), S. 99f.
Arbeit zitieren:
Christoph Bärwald, 2011, Verhaltenstherapeutische Ansätze - Unter Berücksichtigung der Sichtweise psychodynamischer Therapien, München, GRIN Verlag GmbH
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