Inhalt
Zusammenfassung 3
1 Einleitung 4
2 Die Theorie des sozialen Vergleichs 7
2.1 Selbstkonzept und Selbstwertgefühl 7
2.2 Aufwärtsgerichteter und abwärtsgerichteter sozialer Vergleich 8
3 Sozialer Vergleich mit idealisierten Körperbildern
9
3.1 Motive des sozialen Vergleichs mit idealisierten Körperbildern
10
3.2 Mechanismen des sozialen Vergleichs mit idealisierten Körperbildern
12
3.3 Effekte des sozialen Vergleichs mit idealisierten Körperbildern
15
4 Ansatzpunkte für Prävention und Gesundheitsförderung
17
4.1 Die Rolle des sozialen Vergleichs in der Intervention und Prävention 17
4.2 Die Veränderung externer Faktoren
5 Diskussion 19
Literatur 21
2
Zusammenfassung
Die Theorie des sozialen Vergleichs nach Festinger (1954) kann den Zusammenhang zwischen der Exposition mit idealisierten Körperbildern und der damit verbundenen Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper erklären. Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ist mit verschiedenen körperlichen und psychischen Erkrankungen assoziiert. Der Mensch strebt danach, sich selbst zu bewerten und sucht dafür den Vergleich mit anderen. Die Frage, warum Menschen den Vergleich mit idealisierten Körperbildern suchen, ist empirisch noch nicht vollständig geklärt. Die aktuellen Forschungsergebnisse können jedoch die negativen Folgen des sozialen Vergleichs für Gesundheit und Wohlbefinden konsistent nachweisen.
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1 Einleitung
„Indem wir unsere Verhaltensweisen, unser körperliches Erscheinungsbild und andere Merkmale bewerten, bekommen wir eine Einstellung zu uns selbst und entwickeln ein Selbstwertgefühl, das entlang einer Dimension von positiv bis negativ variiert“ (Simon & Tröschel 2007, S.167). Bei der Bewertung unseres Selbst und dem daraus resultierenden individuellen Selbst-Konzept spielen soziale Vergleichsprozesse eine entscheidende Rolle. Leon Festinger (1954) geht in seiner Theorie des sozialen Vergleichs (social comparison the-ory) davon aus, dass Menschen danach streben, sich selbst zu bewerten und dass sie dafür den Vergleich mit anderen suchen. Sie tun dies, um zu einer akkuraten Selbsteinschätzung zu gelangen, aber auch, um sich mit anderen verbunden zu fühlen, sich durch die herausragenden Leistungen anderer inspirieren zu lassen und um positive Gefühle im Bezug auf das eigene Selbst zu erfahren (Smith & Mackie 2000, S.107).
Das individuelle Körperbild 1 kann als ein Teil dieses Selbst-Konzeptes verstanden werden und bildet sich über ähnliche innere Bewertungs- und Vergleichsprozesse heraus wie andere spezifische Bereiche des Selbst-Konzeptes, also etwa intellektuelle Fähigkeiten oder soziale Kompetenzen.
„Dabei beginnt der Weg in die Krankheit immer harmlos mit einem selbstkritischen Blick in den Spiegel.“ (Pudel 1997, S.167). Eine negative psychologische Folge des sozialen Vergleichs im Bezug auf den eigenen Körper und seine Erscheinung kann sich in einer daraus resultierenden Unzufriedenheit manifestieren. Denn fällt der Vergleich negativ aus, führt dies meist zu negativen Empfindungen. Dieser Zusammenhang konnte empirisch mehrfach gezeigt werden: Bei einem aufwärts gerichteten Vergleich, d.h. bei einem Vergleich mit „attraktiveren anderen“ nimmt bei Frauen und Männern die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper zu 2 . Hier scheint der Umstand besonders problematisch, dass sich der Vergleich, den Frauen und Männer durchführen, um den eigenen Körper zu bewerten, meist nicht auf realistische
1 Im Folgenden werden die Begriffe „Körperbild“ im Singular, „Körperbilder“ im Plural sowie „Kör-
per“ unterschieden. Der Begriff „Körperbild“ bezieht sich auf die individuelle Wahrnehmung und
Bewertung des eigenen Körpers, der Begriff „Körperbilder“ bezeichnet mediale Abbildungen von
Körpern und der Begriff „Körper“ meint seine reale Erscheinung.
2 Bei Frauen bezieht sich der Vergleich in erster Linie auf das Gewicht, wobei hier der sehr dünne
idealisierte Körper der Frau als erstrebenwert im Vordergrund steht (z.B. Dittmar, Halliwell & Stir-
ling, 2009), während bei Männern der muskulöse Körper als Idealbild des Mannes weite Verbreitung
findet (z.B. Hargreaves & Tiggeman, 2009).
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andere Personen bezieht, sondern auf unrealistische Bilder aus den Massenmedien (Myers & Crowther, 2009, S.683). Die heutigen weiblichen medialen Idealbilder zeichnen sich durch extreme Dünnheit aus und sind meist als unrealistisch, unerreichbar und ungesund zu bezeichnen. Das neue Extrem der Kleidergrösse „Zero“ repräsentiert einen Hungerzustand mit einem Body Mass Index (< 16), was unter Anorexie einzustufen ist (Dittmar 2009, S.2). Das durchschnittliche Körpergewicht von Frauen hat dagegen in den letzten 40 Jahren stark zugenommen, so dass in den USA und U.K weniger als 5% aller Frauen den dünnen Vorbildern entsprechen können (Dittmar, Halliwell & Stirling, 2009, S.44). Für die Männer haben Medieninhaltsanalysen gezeigt, dass die idealisierten Körperbilder in den letzten 30 Jahren immer muskulöser und präsenter geworden sind (Hargreaves & Tiggemann 2009, S.110). Schon seit den 1970er Jahren untersuchen verschiedene experimentelle Studien die Wirkungen dieser idealisierten Medienbilder extrem schlanker und attraktiver Frauen auf die Zufriedenheit der Rezipientinnen mit ihrer eigenen körperlichen Erscheinung. In den letzten zehn Jahren kam es zu einem erneuten Aufleben zahlreicher ähnlicher Studien und verschiedener Meta-Analyen zu diesem Zusammenhang. Derzeit wird verstärkt auch der Einfluss von Medienbildern auf männliche Personen untersucht. Dabei steht vor allem der muskulöse und attraktive Mann als Ideal im Vordergrund (Want 2009, S.257), es gibt aber auch Untersuchungen, die z.B. den negativen Einfluss der medialen Darstellungen des typisierten übergewichtigen Jungen auf die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper von Jungen in der Frühadoleszenz darlegen konnten (Luther, 2009, S.282).
Die Theorie des sozialen Vergleichs nach Festinger (1954) hat in diesem Forschungsbereich in entscheidender Weise dazu beigetragen die Mechanismen zu erklären, aufgrund derer Individuen durch die idealisierten Körperbilder und massenmedialen Darstellungen negativ in ihrem Wohlbefinden beeinflusst werden (ebd.).
Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper (body image dissatisfaction (BID)), die nach der Präsentation „idealer Körpergestalten“ gehäuft festzustellen ist, wird mit verschiedenen psychischen und körperlichen Erkrankungen sowie mit riskantem Gesundheitsverhalten in Zusammenhang gebracht. Sie gilt als signifikanter Prädiktor für verschiedene Essstörungen bei Frauen und ist außerdem mit Übergewicht, Depression, sozialer Angst und schädlichem Ge-sundheitsverhalten zur Gewichtsreduktion assoziiert. Extreme Diäten, selbst induziertes Erbrechen, der Missbrauch von Abführmitteln, die Konsumierung von Diätpillen und das
5
exzessive Körpertraining sind in diesem Zusammenhang sehr häufige Verhaltensweisen (Bailey & Ricciardelli, 2010, S.107). Bei Männern ist die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper mit einer Vielzahl an riskanten Verhaltensweisen zur Veränderung des Körpers assoziiert. Es wird geschätzt, dass in den USA etwa 3% bis 12% der jugendlichen Männer Steroide und weitere Substanzen zum Muskelaufbau zu sich nehmen. Das Übertrainieren des eigenen Körpers ist dabei ebenfalls ein verbreitetes Phänomen (Karazsia & Crowther, 2009, S.105). Etwa 50% aller Mädchen und Studentinnen geben an, mit ihrem Körper unzufrieden zu sein. Alarmierend ist dabei, dass sich diese Wahrnehmung zum Teil schon sehr früh entwickelt und bereits bei 7-jährigen Kindern auftritt (Grabe, Ward & Hyde 2008, S. 460). Das häufige Vorkommen von Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und von Essstörungen bei Frauen in westlichen Industrieländern wird meist auf sozio-kulturelle Faktoren und auf den mächtigen und in der gesamten Gesellschaft verbreiteten Einfluss der Massenmedien zurückgeführt (Tiggemann & Polivy 2010, S.356).
Die vorliegende Arbeit führt in die Theorie des sozialen Vergleichs nach Festinger (1954) ein und sucht vor diesem theoretischen Hintergrund nach den Motiven für den sozialen Vergleich mit medialen Körperbildern, nach den zugrunde liegenden Mechanismen dieses Vergleichs und nach den Effekten für Gesundheit und Wohlbefinden der Personen, die sich dem Vergleich aussetzen. Die Einschränkung auf den sozialen Vergleich mit medialen Bildern im Gegensatz zu Vergleichen mit realen Personen oder Peers wurde deshalb gewählt, weil dieser Themenschwerpunkt inzwischen als spezifisches Forschungsfeld betrachtet werden kann. Es gibt sehr viele Forschungsarbeiten zu dieser Fragestellung und es konnte gezeigt werden, dass der soziale Vergleich mit Medienbildern negativere Effekte bewirkt als der soziale Vergleich mit Peers (Leahey & Crowther 2008; zit. nach Myers & Crowther, 2009, S. 685). Außerdem steht hier die gesellschaftliche Relevanz und Problematik besonders im Vordergrund. In einem weiteren Schritt werden ausgehend von der selben theoretischen Perspektive verschiedene Ansatzpunkte abgeleitet, die für gesundheitspsychologische Interventionen und gesundheitsfördernde Maßnahmen im Zusammenhang mit den idealisierten Körperbildern und der Zufriedenheit mit dem eigenen Körper von Bedeutung sind. Insgesamt bezieht sich die vorliegende Arbeit in erster Linie auf Forschungsarbeiten und Literatur der letzten zwei Jahre.
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Arbeit zitieren:
M.Sc. Julia Jawhari, 2011, Sozialer Vergleich mit idealisierten Körperbildern: Motive, Mechanismen und Effekte, München, GRIN Verlag GmbH
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